Faszinierend ist die Geschichte vom "The Most Mysterious Song". Die Suche nach einem Musikstück, das in der Zeit von New Wave und Postpunk auf Kassette vom Radio aufgenommen wurde und sich der digitalen Spurensuche widersetzt. Die Suche war schon Thema in der "Zeit", im "Stern" und beschäftigt heute eine weltweite Community.
Es ist gleichzeitig eine herrliche Zeitreise - dokumentiert von der ARD
https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDov…sc3R1ZWNrLTEwMA
Womit sich Boomer heute beschäftigen
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Schon als 9jähriger habe ich mit dem Kassettenrekorder aus dem Radio "meine" Musik aufgenommen. Ich kann vieles aus der Doku, die sicher nicht für jeden interessant ist, gut nachvollziehen und habe sie mit Vergnügen gerade gesehen. Die Zeitreise und gerade die Bezüge zu den (Recherche-)Möglichkeiten im Internet - auch die leider "üblichen" negativen Seiten im Netz werden deutlich angesprochen - fand ich prima dargestellt.
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Das ist echt witzig, ich hab das in der Tagesschau gesehen, jetzt bei der Auflösung des Rätsels das erste Mal davon gehört. Wenn es aber eher ein Gen X-Ding sein dürfte- Kanntet ihr das Phänomen vorher?
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Ich hatte mal davon gelesen, aber nicht wie andere "über Jahre" verfolgt. Bin ja auch nicht "Gen X"
. Es muss ein paar Jahre her sein. Von der Auflösung des Rätsels hatte ich noch nichts mitbekommen. Durch Wolfgangs Tipp kam die Erinnerung wieder. -
Ich, Boomer par excellence, beschäftige mich nun mit historischen Sagen, Mythen, Gebräuchen und Geschichten meiner Region.
Ab und an kommt mir auch etwas Pädagogisches unter die Maus, was ich euch nicht vorenthalten möchte - wie diese Beschreibung des Bächtele-Festes aus Bad Saulgau:
ZitatAlles anzeigenBeschreibung des Bechtles
… welches in Saulgau als Schülerfest mehr als hundert Jahre gefeiert wurde am Dienstag vor der Fasnacht.
Alle Schüler und Schülerinnen in allen drei Klassen freuten sich schon sechs Wochen vorher auf das Bechtle, und wetteiferten in allen Lehrfächern, insbesondere im Schönschreiben, aufeinander. Zwei Tage vor dem Bechtle wurden die sog. Bechtlesschriften geschrieben. Der oder die Schülerin, welcher oder welche die schönste Schrift dem Lehrer übergab, wurde Erste, die zweitschönste Zweite, die drittschönste der oder die Dritte, und so ging die Reihenfolge abwärts bis auf den letzten Schüler in jeder Klasse.
Am Vortage des Bechtles wurde gestochen, d.h. der Lehrer liest die Schüler nach der Schönheit ihrer Schriften herab und sagt z.B.: Joseph Fetscher ist der Erste, oder Johanna Kleist ist die Erste, und so wurden alle Schüler und Schülerinnen vom Lehrer abgelesen, was für die Vordersten Freuden, für die Letzten Trauer, ja sogar Weinen hervorbrachte, da die Letztern von allen andern Schülern ausgelacht und dieselben mit dem Namen Sau, Sau, oder Huitz, Huitz betitelt wurden. Dieses Stechen war bei dem Umzug des Bechtles die Locationsbestimmung, wo jeder Schüler zu laufen hat.
Am Tage vorher hat jeder Schüler für die Musik beim Umzug des Bechtles 1 kr. dem Lehrer in die Schule zu bringen, einige brachten 3, 6, 12-24 kr., je nachdem die Vermögensumstände der Eltern es gestatteten. Am Tage des Bechtles mussten sich alle Schüler in ihren Schulen um 7 ½Uhr versammeln, und jeder Lehrer zog mit seiner Klasse um 8 Uhr in der Reihenfolge, wie sie nach ihren Schriften locirt waren, in die Kirche, in welcher ein Amt gehalten wurde. Nach der Kirche gingen die Kinder nach Hause. Mittags 11 ½ Uhr versammelten sie sich wieder in ihren Schulen; die Knaben erschienen mit Säbel und Patrontaschen. Am Säbelgriff waren die schönsten Bänder, die man aufbringen konnte, angebracht. Die Mädchen erschienen in ihren Feiertagskleidern.
Schlag 12 Uhr wurde der Zug von jeder Schule mit Musik in Bewegung gesetzt, und es versammelten sich alle Schulen mit ihren Lehrern im Oberamtshof. In diesem Hof wurden sie aufgestellt, und zwar: erste Klasse zuerst, dann die zweite und zuletzt die dritte. Vor der ersten Klasse an der Spitze des Zuges war die Musik mit einem Tambour und einem Schwebelpfeifer. Nach diesen folgte die Instrumentalmusik, welche abwechselnd spielten. Um halb 1 Uhr wurde der Zug vom Oberlehrer zum Abmarsch und zum Auszug der Säbel, welche die Knaben hatten, kommandiert, und der Zug marschierte so, dass der erste Schüler vor der Front mit einem Offizierssäbel voran lief, dann folgte der Fähndrich, welcher der Zweite beim Stechen wurde, welcher vom Dritten und Vierten umgeben ist. Nach den Knaben folgten die Mädchen; die drei Ersten trugen einen Schild, die Erste in der Mitte, die Zweite rechts und die Dritte links an der Seite der Ersten. Der Schild der Mädchen war auch mit den schönsten Bändern geziert und in der Mitte ein Sittenspruch mit großen Lettern angebracht, z.B.:
Die Zierde der Jugend
Ist Unschuld und Tugend.So ist es mit allen Klassen, nur haben die Knaben in jeder Klasse in der zweiten Abteilung einen Fähndrich und die Mädchen in dieser Abteilung auch einen Schild. Der Umzug ging vom Oberamteihof in Bewegung, und jeder Lehrer war von seiner Klasse der Zugführer. Der Zug reihte an der Mauer des Oberamteigartens hinauf, dann tritt er am Bache in der Unterstadt auf die Hauptstraße. Sofort ging er bis zum Franziskanerkloster, jetzt Spital. Wie man den Klosterhof erreichte, so wurde das Gartentor des Klostergartens bei der Post geöffnet, und der Zug ging um das Kloster herum und bei dem oberen Tore des Gartens wieder hinaus, und so zog man wieder die Hauptstraße zurück und ging in die Wirtshäuser, die dazu bestellt wurden, und zwar Knaben alle in eines, wo ihnen Trommelschläger und Schwebelpfeifer zur Tanzmusik bestimmt waren.
Auch die Mädchen sind in ein besonderes Wirtshaus beordert worden, wo sie mit Geigen und Klarinett Musik zu ihrem Tanze hatten. In diesen Wirtshäusern war die Freude der Schüler wie der Eltern, welche zu ihren Kindern in die Wirtshäuser kamen, ungemein groß. Sie tranken Bier und Wein, aßen Bratwürste, Brates, Käs, und die Vermöglichen ließen sich zum Weine Konfekt auftragen, dann wurde getanzt, und so ging es mit Essen, Trinken und Tanzen fort bis Abends 6 oder halb 7 Uhr. Dann befiehlt der Lehrer den Schülern, dass sie jetzt nach Hause zu gehen haben; und Kinder und Eltern folgten pünktlich, und das Bechtle ist aus. Für’s Ordnunghalten musste der Wirt die Lehrer unentgeltlich gastieren, welches schon von Alters her gebräuchlich war. Die Gastierung bestand in Wein und Brates und Salat. Dies ist das Ende vom Bechtle.
Quelle: Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 277-280. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004576756Anmerkung: Seit dem 19.Jahrhundert wird das Bächtelefest im Sommer gefeiert – es ist jedoch (wie ehedem) ein Fest der Kinder. Bechtelinstag ist der 2.Januar. Am Beginn des 16.Jahrhunderts wurde auch noch an diesem Tag gefeiert. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde das Fest auf den Gregoritag (12.März) verlegt. Gregor ist der Schutzpatron der Kinder. (Siehe auch Gregorifest)
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Tja, Wolfgang, wenn du hier so altes Zeug auskramst, darfst du gerne auch darstellen, wie sich die Tradition fortentwickelt hat. Ich erlaube mir hier den Hinweis auf das diesjährige Fest.
Komm einfach nach Bad Saulgau; es lohnt sich.
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