Daher dürfen natürlich auch Menschen an der Gesellschaft teilnehmen, mit denen ich nicht befreundet bin.
Wie großzügig von dir.
Daher dürfen natürlich auch Menschen an der Gesellschaft teilnehmen, mit denen ich nicht befreundet bin.
Wie großzügig von dir.
Der Punkt bei der ganzen Fragerei ist doch aufzuzeigen, dass Inklusion und gesellschaftliches Miteinander abseits von zwangsverordneten Kontexten meist nichtmals von denjenigen gelebt werden, die sie befürworten. Im echten Leben findet das alles kaum statt.
Man könnte ja auch mal fragen, warum wir keine Kollegen mit Down Syndrom oder geistigen Behinderungen oder unterdurchschnittlichem IQ in den Schulen haben - wäre als Alltagshelfer oder Klassenassistenz oder pädagogische Unterstützung oder dergleichen doch durchaus vorstellbar und es würde das ganze Inklusionsunterfangen deutlich glaubwürdiger machen, wenn wenigstens ein staatlicher Arbeitgeber auch Anschlussperspektiven sichtbar vorleben würde. Passiert aber nicht, ebenso wenig wie (abseits von speziell bezuschussten Projekten) in der freien Wirtschaft. Also wo genau ist diese vielbeschworene gesellschaftliche Teilhabe denn außerhalb des Bildungswesens zu finden?
Ich habe den Eindruck, hier in BW findet mehr Inklusion statt. Wen es interessiert, hier ein Beispiel: Startseite » Tennental - Einfach Mensch sein
Ein kleines Dorf, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen leben und arbeiten. Es gibt eine Bäckerei, eine Gärtnerei, Landwirtschaft und einen Laden, in dem die eigenen Produkte verkauft werden. Diese werden auch in anderen regionalen Läden angeboten. Einen Arzt gibt es auch, Bibliothek usw... Es leben auch Familien (mit Kindern) dort. Die alten Menschen werden bis zum Schluss mit betreut.
Mich irritiert, dass du, PaPo , zu wissenschaftstheoretischen Themen habilitiert habest, dann aber die verlinkte Schrift des Englischlehrers für etwas kritisierst, was eine explorative Studie eben ausmacht. Der Autor hat die Studie explizit als explorativ gekennzeichnet und ich habe sie ebenfalls als explorativ gekennzeichnet. Ich habe sie extra angeführt, weil (von anderer Seite) so oft die Kritik kommt, dass Studien realitätsfern wären.
Mich irritiert, dass du einen Völkerrechtler zitierst, der meine Aussagen hier im Thread nur bestätigt: Das Förderschulsystem in Deutschland muss der UN-BRK nach abgebaut werden. 100-prozentige Inklusion kann es (z.B. durch "Systemsprenger*innen") nicht geben, aber weitestgehend ist Inklusion im Schulsystem eben - auch mit Blick auf den internationalen Vergleich - trotzdem möglich, nötig und das unverhandelbare Ziel. Ich würde sagen, hier passt das Sprichwort: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Die Hattie-Studie hat ihre Schwächen. So weit so wenig neu. Ich denke trotzdem weiterhin, dass sie eine der bedeutendsten Studien in der Bildungswissenschaft ist, wenn man Meta-Studien als das sieht, was sie sind. Ich kann die Kritik an der Methodik nachvollziehen, sie gehört zum wissenschaftlichen Diskurs ebenso wie Meta-Analysen dazu, gehe aber u.a. auch im Punkt Inklusion mit der Einschätzung mit, dass sie als grobe Orientierung durchaus sehr zu gebrauchen ist, da sie wesentliche Muster valide widergibt.
Meta-analyses are strong at what they were originally designed to do: identifying patterns across many studies. They show that effects vary, that context matters, and that “what works” rarely has a single simple answer. In that sense, they are more like maps than route instructions. They show the landscape, but not the exact path that every school should take. (...)
Meta-analyses are therefore not an endpoint, but a starting point. They can guide thinking and discussion, but they do not replace professional judgement. They do not say “do this”, but rather: “here are the patterns—now it is up to you to translate them into your own context.”
Am Beispiel der Inklusion stellen auch andere Studien fest, dass inklusiv beschulte Kinder mindestens genau so gut lernen, wie Kinder an Förderschulen. Hierzu kann man in Deutschland die BiLieF-Studie anführen, die Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen in inklusiven und exkludierenden Settings von der dritten bis zur fünften Klasse begleitet hat. Diese Studie ergänzt die Ergebnisse Hatties insofern, als dass sie das Muster, das die Hattie-Studie feststellt, konkretisiert im Hinblick auf Gelingensbedingungen. Das Ergebnis ist auch da, dass Inklusion funktioniert und dass Kinder an inklusiv unterrichteten Schulen mindestens genau so gut lernen wie an Förderschulen. Auch die psychosoziale Komponente wird in der Studie untersucht und das oft gebrachte Argument, Kinder mit Behinderung würden an inklusiven Schulen durch eventuelle Ausgrenzung mehr leiden, geben die Zahlen nicht her. Die Gelingensbedingungen werden vom Forschungsmonitor Schule wie folgt zusammengefasst:
Im Rahmen der qualitativen Teilstudie zeigt sich, dass sich die Schulen mit durchschnittlich hohen bzw. niedrigen Leistungs- und Wohlbefindenswerten – wobei alle über eine vergleichbare Ressourcenausstattung verfügten – in einigen Punkten systematisch voneinander unterscheiden. In allen drei Schulmodellen zeichnen sich die Schulen mit hohen Leistungs- und Wohlbefindenswerten durch folgende Merkmale aus:
- ein hohes Maß an etablierten Kooperationsstrukturen und gemeinsam entwickelten Konzepten zur adaptiven Unterrichtung und Förderung von Kindern mit heterogenen Eingangsvoraussetzungen
- geteilte inklusive Werte der Lehrkräfte
- gemeinsame didaktisch-methodische Prinzipien bezüglich Individualisierung und Herstellung von Gemeinsamkeit
- grundsätzliche Akzeptanz von Heterogenität als Normalität verbunden mit einer adaptiven Leistungsorientierung; Verfolgung unterrichtsintegrierter und flankierender Maßnahmen, die an den jeweiligen Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler angepasst sind
Dabei ist es laut der Autorengruppe maßgeblich für die Realisierung dieser Aspekte, inwieweit die Schulleitungen die Entwicklung eines inklusiven Leitbildes forcieren und die Kooperation im Kollegium unterstützen.
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