KAoA: „Potentialentdeckung“ jetzt in der 9

  • Dann hast du das Ziel bzw. den Sinn und Zweck der Schulform Gymnasium nicht verstanden. Aber vielleicht prallen hier auch Welten aufeinander, du scheinst an einer beruflichen Schule unterwegs zu sein. Da ist der Bezug zum Beruf ja schon viel eher gegeben.

    Bist du in den 50ern stecken geblieben, wo nur ein Teil der Bevölkerung zum Gym geht und danach in einem Büro arbeitet oder sowieso studieren geht?
    Die Quoten haben sich massiv verändert (zum Glück!) und wenn "unsere" Schüler*innen keine Ahnung von der Berufswelt und ihren Möglichkeiten erfahren, scheitern sie massiv im ersten Studienjahr. Brechen ab und wechseln den Studiengang bzw. wechseln eben zu einer Ausbildung oder dualem Studium (seltener). Das erlebe ich bei unseren (ehemaligen) SuS so oft. Diejenigen, die direkt ein duales Studium anfangen (und nicht unbedingt zu Ende machen, aber zumindest die Ausbildung in der Tasche haben...), handelt es sich um diejenigen, die die Berufsorientierung WIRKLICH ernst genommen haben (oder die Eltern). Und bei so vielen anderen ("Mach Abitur mein Kind, ich weiß nicht wofür, du hast einen 3er Schnitt aber du bist der erste der Familie und studierst dann") führt das oft zu einem Abbruch. Das Jahr hätte man sich sparen können, um DIREKT zu einem dualen Studium oder Ausbildung lotsen zu können (und DANACH studieren).

  • Dann hast du das Ziel bzw. den Sinn und Zweck der Schulform Gymnasium nicht verstanden. Aber vielleicht prallen hier auch Welten aufeinander, du scheinst an einer beruflichen Schule unterwegs zu sein. Da ist der Bezug zum Beruf ja schon viel eher gegeben.

    Sicher habe ich eine andere Sicht auf die Welt. Es ist aber immer noch die gleiche Welt, die wir betrachten und am Ende müssen wir alle für unseren Lebensunterhalt sorgen. Das ist in der Grundschule noch ziemlich egal, sobald die Kinder aber um die 16 Jahre alt sind, rückt das ganze schon immer näher und kann/darf gar nicht mehr zurückgehalten werden, weil man mehr Zeit für irgendwelche Unterrichtsinhalte haben will. Es gibt in diesem Alter kein wichtigeres Thema.

    Schauen wir mal, was die Gesetzgeber so zum Sinn und Zweck von Gymnasien sagen:

    Zitat von Schulgesetz Berlin

    Das Gymnasium vermittelt seinen Schülerinnen und Schülern eine vertiefte allgemeine Bildung und ermöglicht ihnen entsprechend ihren Leistungen und Neigungen eine Schwerpunktbildung, die sie befähigt, … an einer Hochschule oder in beruflichen Bildungsgängen fortzusetzen.

    Zitat von Schulgesetz Sachsen

    Das Gymnasium vermittelt Schülern … eine vertiefte allgemeine Bildung, die für ein Hochschulstudium vorausgesetzt wird; es schafft auch Voraussetzungen für eine berufliche Ausbildung außerhalb der Hochschule.

    Bei euch wird der Stellenwert über den Runderlass KAoA geregelt. Damit sind auch die Gymnasien gemeint. Es ist ziemlich klar was der Normgeber zum Auftrag meint. Das Ziel ist es am Ende in eine Erwerbstätigkeit zu kommen, hier meistens nach einem Studium. In keiner Rechtsnorm wird der Bildungsauftrag der Gymnasien rein als Selbstzweck beschrieben.

  • Mittlerweile ist die Berufsorientierung an Gymnasien in NRW komplett aus dem Ruder gelaufen: 1 x Einstiegsinstrument, 2 x Berufsfelderkundung (alle drei je 1 kompletter Schultag, die letzten beiden bei uns traditionell immerhin an Konferenztagen) und zwei Praktika (zwei Wochen in Jgstf. 9 und eine Woche in der Q1). Dazu allerhand an Dokumentationen, Praktikumsberichten und Co.,alles (theoretisch) begeleitet von umfangreiche(re)n Vor- und Nachbereitungen (bei uns in der Sek I in Wirtschaft-Politik). Zudem gibt es bei uns in der Sek I klassenweise verpflichtende Stunden mit dem städtischen Berater für die Studie- und Berufswahl (der auch ein Mal pro Woche ganztätig bei uns ist, was zu begrüßen ist) und allerhand Zusatzveranstaltungen für die Schüler (z.B. berufsbörsen, Infoverantstaltungen zu den genannten Praxiselementen etc.), die unser Koordinator verantwortet. Nicht zu vergessen die Girls' Day und Boys' Day etc. etc. etc.

    Das alles frisst Unmengen an Unterrichtszeit (insb. wenn man es so vor- und nachbereiten würde, wie das eigtl. gedacht ist. Ich beschränke mich mitttlerweile darauf, die Schüler in der Stunde nach den Praxiselementen kurz schildern zu lassen, was sie wo gemacht haben, was ihnen (nicht) gefallen hat und warum und ob das ein Beruf für sie wäre (und wenn 'sehenden Auges' nicht und trotzdem ihrerseits gewählt, warum sie es denn überhaupt gewählt haben... i.d.R. sind das dann convenient choices und damit ebenso regelmäßig komplette Zeitverschwendung gewesen).

    Früher, vor drei Jahrzehnten z.B., hat da ein einziges Praktikum ausgereicht, um mal einen 'Blick über den Tellerrand' zu erfahren.

    'Notwendig' ist der ganze Unsinn nur deswegen, weil das Gymnasium mittlerweile (quantiativ) die "Hauptschule der Nation" geworden ist:

    Genuine Aufgabe des Gymnasiums ist die Qualifikation der Schüler zu Hochschulzugangsbefähigung, ursprgl. sollte das Studium den Regelweg nach dem Abitur darstellen. Im Zuge von Ökonomisierungstendenzen der Schulen (die Zahlen müssen eben stimmen), Klientelpolitik, (ideologisch-verquerem) concept creep ggü. Gerechtigkeitbegriffen (welche die kategorie der Leistungsgerechtigkeit zudem konterkarieren), simplem Dilettantismus und auch im Bestreben, am Ende ein mehr an Akademikern haben zu wollen, wofür man kurioserweise den Weg gewählt hat, die Abiturientenquote durch allg. Niveausenkung künstlich zu erhöhen, aber irgendwie vergessen hat, dass man dann am Ende doch nicht mehr Schüler mit entsprechener Hochschulzugangsbefähigung, sondern lediglich entsprechender -berechtigung generiert, sind die Gymnasien hier mittlerweile zu einem/dem Gros überfüllt mit Schülern, die realiter (dennoch) nie eine Chance auf das Abitur oder (falls doch) auf ein erfolgreiches Studium haben. Das ist den (polit.) Verantwortlichen auch bewusst, aber während sie an Ersterem (durch weitere Niveausenkungen) noch einiges drehen können, wird dies bei Letzterem (auch bspw. infolge von Art. 5 Abs. 3 GG) deutlich komplizierter (und es drohen noch größere Abbruchquoten an den Universitäten, Hochschulen etc.).

    Man muss das an Gymnasien also irgendwie auffangen, deshalb dieser Wust an Berufsorientierung... an die hl. Kuh, endlich wieder basierend auf der kognitiv-intellektuellen Leistungsfähigkeit, -bereitschaft und -demosntration der Schüler entsprechend selektierend und allokierend Gymnasien zu den Schulen zu machen, die primär auf ein möglichst erfolgreiches Sutdium vorbereiten (womit die Schülerzahlen massiv sinken würden), wagt sich nur keiner der polit. Verantwortlichen.

    Eine massive Ressourcenverschwendung auf allen Seiten.

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

  • Das Jahr hätte man sich sparen können, um DIREKT zu einem dualen Studium oder Ausbildung lotsen zu können (und DANACH studieren).

    Nein das geht dann nicht mehr. Man ist mit Mitte 20 schon zu alt für ein Studium, die kognitive Kapazität hat man nur in jungen Jahre. So habe ich es hier zumindest gelernt/erfahren.

  • und denk daran: dann kommst du zu alt auf dem Arbeitsmarkt! Deine Rente! Geld verdienen, produktiv sein, alles ab 18! (Außer natürlich du studierst ab dem 18./19. Lebensjahr (das Richtige)!)

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