Was haltet ihr von Spiegeln in der Schule?
An meiner Schule hatte der Schulleiter an mehreren Stellen Spiegel anbringen lassen, da diese in der Reformpädagogik wichtige Elemente darstell(t)en. Nach meiner Beobachtung standen zu Beginn der Schule und der Pausen oft Schüler*innen davor und haben ihr "Outfit" in Ordnung gebracht.
Maria Montessori legte extremen Wert auf die „vorbereitete Umgebung“. In Montessori-Kindergärten und Schulen sind Spiegel auf Augenhöhe der Kinder ein Standardelement. Sie ging davon aus, dass Spiegel die Selbstwahrnehmung und Autonomie fördern. Kinder sollen lernen, sich selbst zu pflegen (z. B. Gesicht waschen, Haare kämmen), ohne auf die Hilfe oder das Urteil eines Erwachsenen angewiesen zu sein. Der Spiegel fungiert dabei als „stummer Lehrer“ zur Selbstkontrolle.
In der Reggio-Pädagogik von Loris Malaguzzi wird der Raum als der „dritte Erzieher“ bezeichnet. Spiegel spielen hier eine zentrale Rolle, oft sogar in Form von Spiegel-Dreiecken oder verpixelten Spiegelflächen. Die Spiegel sollen die Perspektive erweitern, Licht reflektieren und die Kinder dazu anregen, sich selbst aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. Es geht um die Entdeckung der eigenen Identität und der optischen Phänomene der Welt.
In der modernen Schulgestaltung (Stichwort: Psychologie der Architektur) wurde oft behauptet, dass Spiegel in Fluren oder Toiletten Vandalismus und Aggression senken. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Menschen, die ihr eigenes Spiegelbild sehen, dazu neigen, sich sozialer und regelkonformer zu verhalten (Selbstaufmerksamkeitstheorie / „Self-Awareness"). Diese Ansicht geht auf sozialpsychologische Studien (z.B. von Edward Diener oder Arthur Beaman) zurück.