Beitrag von sternenwoelfe (28. Februar 2026 11:30 )
Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht (28. Februar 2026 13:10 ).
Es gibt Menschen, die dafür bezahlt werden, sich Gedanken um Lehrplan und didaktische Aufbereitung zu machen. Die schreiben dann Schulbücher und Arbeitshefte.
Lass die Leute für dich die Vorarbeit machen, anstatt das Rad ständig neu zu erfinden. Ich arbeite mit Büchern und Arbeitsheften, ergänze teilweise, je nachdem, was die Lerngruppe braucht, springe im Buch hin und her und überlege mir, ob die Einführung im Buch zu meiner Lerngruppe passt, wie viel ich noch dazu erklären müsste und ob wir ein Tafelbild entwerfen, das die Kinder abschreiben. Außerdem verändere ich oft die Leistungsfeststellungen, die als Kopien zu den Lehrwerken gehören, weil sie z.B. die Anforderungsbereiche nicht gut abbilden oder weil nicht genug Platz zum Schreiben ist oder eventuell ein Schreibtempo vorausgesetzt wird, das nicht vorhanden ist. Damit fülle ich meine Arbeitszeit aus, zumal ich dann auch noch Fächer ohne Buch und Heft habe (Sachunterricht) oder wo ich nur punktuell mit dem Buch arbeiten möchte aus bestimmten Gründen (Musik).
Die Bücher werden aus gutem Grund geschrieben und für die entsprechenden Schulformen und -stufen zugelassen. Da steckt sehr viel Arbeit drin, wahrscheinlich insgesamt mehr als man als Lehrkraft bei der eigenen Materialerstellung einbringt. Natürlich heißt das nicht, dass man nur das Buch verwenden muss oder sollte. Ergänzen kann man immer, aber es ist sehr viel einfacher, wenn man schon mal eine Basis hat.
Ich musste für den Psychologie-Unterricht ohne Buch und ohne Bildungsplan alles selber erstellen. Das macht es nicht qualitätsvoller und es kostet unglaublich viel Zeit und Kraft, die dann an anderer Stelle fehlt.
Danke für die schnelle Antwort Conni. Würdest du es mit älteren Lehrwerken ähnlich machen? Bei uns sind Bücher im Lehrplan angegeben, die 10 Jahre alt sind und bei denen sich schon der Jahrgang vor meiner Klasse schwer tat, die Seiten zu verstehen.
Wenn du schon weißt, dass andere Klassen sich schwertaten, dann wäre meine Herangehensweise die gemeinten Seiten abzuändern. Oder alternativ durch deinen Input/zusätzliche Hilfestellung die möglichen Schwierigkeiten minimieren.
Generell kann ich den bisherigen Äußerungen nur zustimmen; aus meiner Sicht ist es durchaus legitim mit zugelassenen Lehrwerken (ausschließlich) zu arbeiten.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im Ref gerne das Arbeitsblatt als Ideallösung präsentiert wird, da man dieses passgenau auf die Bedürfnisse der Lerngruppe oder sogar einzelnen Personen erstellen kann. Mit vorgegebenen Buchseiten ist das nicht so einfach möglich.
Mit einer vollen Stelle machst du keine Vorführstunden mehr. Das schlechte Gewissen musst du ablegen, wenn du bis zur Pension kommen willst. Wenn du stundenweise als Doppelbesetzung im Unterricht bist, kannst du dir aber vielleicht was beim Kollegen abschauen bzw. überlegen wie du es anders oder besser machen würdest.
Allerdings sollte man für guten Unterricht die Buchseiten wirklich ausgiebig vorher sichten. Gerade in Sprachbüchern sind oft dumme Fehler oder missverständliche Aufgaben, wo z.B. "Adjektive" herausgesucht werden müssen, die, entgegen der gerade gelernten Definition, im Buchtext nicht nur Nomen beschreiben, sondern auch als Adverbien verwendet werden, die man noch nicht drangenommen hat. Oder es wird im Buch der 2.Klasse nach der Mehrzahl von "Geld" gefragt - welcher Zweitklässler kennt öffentliche "Gelder" (tatsächlich als Lösung so vorgegeben, was zu Verwirrung führt)?
Die Aufgaben aus den Arbeitsheften sollten natürlich auch gut erklärt, betreut und kontrolliert werden, was Vertretungen in meiner Klasse manchmal überhaupt nicht tun. Da wird sogar manchmal erlaubt, selbstständig das nächste, noch nicht eingeführte Thema zu bearbeiten, was selbst bei starken Schülern nicht funktioniert.
In Mathe finde ich viel weniger solcher Fehler. Da gibt es meiner Meinung nach exzellente Lehrwerke.
Ich arbeite _auch_ mit dem Buch, ABER ...
Meiner Meinung nach muss man gerade in Klasse 1 und 2 und gerade in schwachen Klassen die Einführung mit sehr viel Material gestalten, sehr viel langsamer und genauer vorgehen, es anschaulich und begreifbar gestalten.
Erst danach kann man dann in einem Buch oder AH arbeiten lassen, damit die Kinder das bewältigen können und begreifen, was sie da tun.
Meine Aufgabe ist auch nicht, das Buch ausfüllen zu lassen. Das haben Menschen in einem Verlag geschrieben, die diesen Unterricht selbst nicht erteilen, schon gar nicht in einer Brennpunktschule oder in schwachen Klassen. Das Buch ist auf Unterrichtswochen ausgelegt, die es so nicht gibt, es berücksicht keine Ausfälle oder anderes, das im Schulalltag gegeben ist, nicht aber, wenn man sich im Verlag auf 40 Schulwochen einstellt. Würde ich im Mathewerk alles bearbeiten lassen, müssten die Kinder 3 Seiten am Tag bewältigen (undenkbar).
Das Lehrwerk berücksichtigt die Didaktik und kann dann neue Hinweise geben, die sinnvoll sind, wenn man 20 Jahre dabei ist, aber du kommst gerade aus der Ausbildung und solltest da neuere Informationen haben als in 10 Jahre alten Lehrwerken.
Dabei muss weder Einführung noch Material eine riesige Zaubershow sein, es kann auch schlicht oder strukturiert sein oder mit wenig Aufwand und kleinen Übungsschritten. Auch da muss man nicht das bunteste Material haben und die tollste Präsentation, aber man muss sehr genau auf die Kinder achten und eingehen.
Es ist sicher nicht immer möglich, nimm es dir 1x in der Woche vor, so erweiterst du dein Repertoire und kannst beim nächsten Durchgang darauf aufbauen. Außerdem kann man Übungssequenzen (ohne Buch) einbauen und immer wieder einsetzen. So verschaffst du dir Luft, den Kindern aber die nötige Wiederholung.
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