• Hallo liebe Leute,

    ich befinde mich seit 5 Monaten im Referendariat. Der Start war zunächst in Ordnung. Ich hatte zweit Mentoren und habe mich schnell mit meinen beiden Ref-Klassen verstanden, auch wenn es nicht immer leicht war, aufgrund der strukturellen Bedingungen (jeweils nur zwei Tage in der Woche in den Klassen anwesend) eine gute Beziehung zu den Schüler*innen aufzubauen. Ich habe in meinem Freundeskreis keine anderen Lehrpersonen, sodass ich auch kaum eine Vorstellung davon hatte, wie das Ref aufgebaut ist und was es alles zu bedenken gibt. Also habe ich mich Stück für Stück in die Abläufe hineingearbeitet. In den Seminaren und damit im Austausch mit anderen Referendar*innen musste ich dann schnell feststellen, das es natürlich nicht bei allen toll läuft, aber auch bei mir vieles anderes ist, als bei den anderen. So hatte ich über die Monate keine festen Stunden mit meinen Mentoren, um Unterrichtsbesuche zu planen, Organisatorisches abzusprechen oder regelmäßiges Feedback zu erhalten. Meine Unterrichtsbesuche waren daher eher negativ geprägt. Nicht weil mein Unterricht drunter und drüber lief, ganz und gar nicht, sondern, weil das Feedback im Anschluss vernichtend war. Meine Mentoren fielen mir dabei teilweise in den Rücken und sprachen plötzlich über Dinge die sie zuvor nie mit mir kommuniziert hatten. Allgemein war die Kommunikation sehr schlecht und ich hatte stets den Eindruck vergessen zu werden oder allein mit allem zu sein. Dann stellte sich heraus, das meine Fachleitung ihr Referendariat selbst an meiner Schule gemacht hat und dabei sehr negative Erfahrungen machte. (Dies weiß ich von meinen langjährigen Kolleg*innen an der Schule, selbst hatte sie es erst auf Nachfrage bestätigt...). Diese Vorerfahrungen meiner Ausbilder*innen machten sich in meinen Reflexionsgesprächen bemerkbar. Ich hatte das Gefühl, dass die Anwesenden sich gegenseitig beweisen möchten über wie viel Expertise sie verfügen, nur leider auf meinen Schultern ausgetragen, da es damit immer noch mehr Sachen gab, die man anderes und besser hätte machen können. Dann habe ich mich meiner Fachleitung anvertraut und bat sie zunächst um eine Einschätzung der Situation. War es auch für sie angespannt? Habe ich das falsch interpretiert oder empfunden? Kann sie mich unterstützen besser zu werden? Am Ende validierte sie mich und bot mir an für wertschätzenderes Feedback zu sorgen. Doch leider ging sie am Tag meines darauffolgenden Unterrichtsbesuches unabgesprochen zu meinen anderen Ausbildern und erzeugte in einem persönlichen Gespräch viele Eindrücke und dadurch negative Gefühle aller Beteiligter mir gegenüber, was auf Misskommunikation beruhte und nicht dem entsprach, was ich ihr eigentlich gesagt, erzählt und worum ich sie gebeten hatte. Die für mich ohnehin bereits sehr belastende Situation, das allein sein mit allem und nicht zu wissen, wie man es noch besser machen soll wurde damit unaushaltsam. Ich sprach mit allen Beteiligten und kündigte meine Kündigung an. Die Begründung dafür waren auf das System und meine Rahmenbedingungen bezogen und somit bekam ich zum ersten Mal Verständnis und Zuspruch für mich und die Entscheidung. Auch wenn es weh tat, hatte ich mich damit abgefunden, dass dieser Leidensdruck nun vorbei ist und ich mich erholen könne. Nach einem Gespräch mit dem Koordinator, unterbreitete dieser mir jedoch ich solle einen Schulwechsel beantragen, dem Ganzen noch eine Chance geben und er würde sich für bessere Bedingungen für mich einsetzten. Ich ließ mich darauf ein. Für den Wechsel war es nötig einen Antrag zu stellen und den Wunsch zu begründen. Auch hier riet der Koordinator mir die ehrlichen Gründe zu benennen, wie solle man dem ganzen sonst zustimmen, wenn man die Situation nicht auch beim lesen als untragbar einstufen würde? Trotzdem war ich sehr bemüht, die Situation vor Ort sachlich und aus meinen Empfindungen und Eindrücken heraus zu schildern. Ich hatte Angst. Ich hatte Angst, dass dieser Bericht weitergeschickt wird, weil ich wusste, dass die Stimmung dadurch nur noch viel schlechter werden wird. Schließlich hatte ich zuvor erlebt, wie negativ über andere gesprochen wird und wie schlecht der Umgang mit Kritik war... Meine Angst war berechtigt. Der Bericht wurde an meine Studienleitungen, welche auch meine Schulleitung war geschickt und sie hatte ohne mein Wissen oder eine Form der Auseinandersetzung mit mir meine Mentoren heimlich über den angeblichen Inhalt des Berichts in Kenntnis gesetzt. Gelesen hatten meine Mentoren den Bericht selbst jedoch nicht. Unwissend über dieses Tun kam ich in die Schule zurück, um dort solange weiterhin tätig zu sein, bis eine neue Schule gefunden ist. Ich merkte schnell, das etwas nicht stimmt und als ein Mentor mich dann darauf ansprach hatte ich die Bestätigung. Er war außer sich, könne nicht verstehen, wie ich sowas schreiben konnte. Er hätte im Ref auch keine Hilfe gehabt, das sei normal. Damit ließ er mich zurück. Mein anderer Mentor äußerte sich nie, ließ mich am letzten Tag jedoch merken, wie wenig Lust er noch auf mich hatte, in dem er mich für die ganze restliche Woche aus dem Unterricht ausplante. Es war mein letzter Tag vor Ort. Danach konnte und wollte ich dort nicht mehr sein. Mittlerweile bin ich an einer anderen Schule tätig. Doch meine Studien- und Fachleitung sind geblieben. In der alten Schule wird über mich gelästert. Es heißt, ich hätte Dinge nie umsetzen können, sei unreflektiert und suche die Fehler nur bei Anderen. Ich bin ehrlich, diese Umstände, sind das schlimmste, was ich mental je durchmachen musste. Ich fühle mich so hilf-, macht- und schutzlos. Wie soll ich mit diesen Menschen noch zusammenarbeiten? Das Machtgefälle ist realer als je zu vor. Ich wäre so gern eine gute Lehrerin. Das war immer mein Traum, doch dieses System macht mich kaputt und lässt mich mehr und mehr an mir und allem was zu mir gehört zweifeln. Ich bin so tief traurig wie noch nie zuvor.

  • Haben wir.

    Frage an die TE: Was genau ist Dein Anliegen und welche Art von Hilfe oder Antworten erwartest Du von uns?

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

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