Das Thema "Ist Schule ein familienfreundlicher Arbeitsplatz?" wird auch hier im Forum sehr kontrovers diskutiert.
Wie mehrfach ausgeführt ist es von Schule zu Schule auch nochmal sehr unterschiedlich. Es gibt Schulen da sind die Bedingungen besser und es gibt aber auch Schule da wird es schwieriger.
Zum System Schule gehört in diesem Zusammenhang aber auch die Wahrheit, dass man nur bedingt beeinflusst an welcher Schule man arbeitet. Außerdem, und diese Erfahrung bekomme ich im Personalrat öfter von den Kollegen gespiegelt, kann sich mit einem Wechsel der Schulleitung vieles ändern. Das kann für einen persönlich in die positive oder in die negative Richtung gehen.
Ein Aspekt ist jedoch etwas kurz gekommen, nämlich die individuelle Beschäftigungskonstellation. Falls beide Partner verbeamtete Lehrer, dann sind die Arbeitsbedingungen in der Tat familienfreundlich und das gilt selbst dann, wenn das Teilzeitkonzept meiner Schule Mist ist und die Schule noch nie gute Stundenpläne geschrieben hat. Denn wer hier zwei Kinder im Abstand zwei Jahren bekommt der kann bequem (im Wechsel mit dem Partner) die nächsten 10 Jahre zu Hause bleiben. Denn unabhängig nochmal vom Elterngeld in den nächsten 4 Jahren subventioniert der stattliche Arbeitgeber die Kollegen mit immerhin 1500 Euro Familienzuschlag jeden Monat. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass derjenige der zu Hause bleibt, sich selber für ein paar Stunden die Woche vertritt, sobald die Umständen dies erlauben. Ansonsten bleibt eben einer zu Hause bis die Kinder so alt sind, dass man zumindest wieder halbtags arbeiten gehen kann und zu Hause auch nicht die Welt zusammenbricht, wenn man auf beruflichen Gründen mal etwas später nach Hause kommt.
Ich selber bin als tarifbeschäftigte Lehrkraft da in einer ganz anderen Situation. Hier ist man in der Tat darauf angewiesen am Ende des Geldes (also wenn das Elterngeld ausläuft) wieder voll einzusteigen. Insbesondere dann, wenn auch der Partner in keinem Beamtenverhältnis steht DArüberund eher weniger verdient. Und hier muss ich definitiv sagen, und das spiegeln auch die Rückmeldungen der Kollegen, ist der Beruf des Lehrers denkbar ungeeignet, wenn man in den ersten sechs Lebensjahren wieder voll oder zumindest mit einer 2/3 Stelle wieder arbeiten möchte.
Und ja, ich weiß dass es in der freien Wirtschaft Stellen gibt, die sind noch ungeeigneter. Jedoch befinden wir uns im öffentlichen Dienst und dementsprechend sollten wir auch Jobangebote im Öffentlichen Dienst vergleichen. Und den Vergleich habe ich im Moment mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn, die beide im öffentlichen Dienst nach TVöd Tarifen arbeiten. Beide können bis zu vier Tagen die Woche im Home Office arbeiten. Ein Tag Präsenz ist Pflicht. Im Falle von kindkrank arbeiten die im Regelfall im Home Office weiter, dann gehen auch mal fünft Tage im Home Office. Für den Arbeitgeber immer noch besser als ganz auszufallen. Darüber hinaus besteht Gleitzeit. Man kann bis zu 20 Tagen vorarbeiten um sich dann dafür freie Tage zu nehmen. Damit besteht für wichtige sonstige private Termine immer die Möglichkeit die Zeit vor oder nachzuarbeiten, ohne dass es an den Urlaub geht. Wenn ich das mit Schule vergleiche, dann empfinde ich Schule eindeutig als die familienunfreundlichere Variante.
Das liegt nicht am Arbeitgeber sondern an dem fest getakteten System Schule, dass reagiert eben nicht sehr flexibel auf Störungen und diese Störungen treten heutzutage leider häufiger auf, als zu meiner Zeit. Damals hat man bei einem Schnupfen vielleicht beim abholen darauf hingewiesen und das Kind ist am nächsten Tag zu Hause geblieben. Heutzutage rufen die um 09.00 Uhr an, dass man das Kind bitte abholen möge. Bei der kleinsten Verletzung kommt der Anruf und das Kind muss abgeholt werden. Ich weiß nicht, wie ihr solche Spontanaktionen in Eurer Schule klärt. Aber es ist für die Betroffenen immer ein Riesen Fiasko.
Jetzt habe ich gesagt, der Arbeitgeber kann nichts dran machen. Eigentlich stimmt es nicht ganz. Wenn ich es z.B. mit Schweden vergleiche, da ist ein solcher Störfall auch kein Problem, da es dort eine grundsätzliche Doppelbesetzung gibt, die eigentlich auch bei uns dringend erforderlich ist. Insoweit bleibe ich bei meiner Position, dass Schule nur bedingt familienfreundlich ist. Auch die Notwendigkeit am Wochenende noch Korrekturen zu machen oder bis spät in die Nacht zu arbeiten führt zu einer Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit die alles andere als familienfreundlich ist.