Ich durfte beide Schulformen in vergleichbaren Einzugsgebieten von innen kennenlernen und habe im Bekanntenkreis auch viele Lehrkräfte beider Schulformen. Bevor ich versuche, etwas verallgemeinerndes zu sagen, weise ich dennoch wie yestoerty zurecht beschrieb, darauf hin, dass die Schwankungen an Einzelschulen gleicher Schulform oft deutlicher ausfallen, als der Vergleich der beiden Schulformen im Allgemeinen.
1) Funktionsstellen: Die Stellenausstattung ist quantitativ ähnlich. Da jedoch viele Gesamtschulen noch relativ "frisch" sind, gab es in den vergangenen Jahren in diesem Bereich viele Aufstiegschancen auch für jüngere Lehrkräfte. Die Ausschreibungen sind transparenter und m.E. fairer (generell Fachbereichs- oder Jahrgangsleitung als 1. Beförderungsamt und Stufenleitungen, Didaktische Leitung und Schulleitungen im 2. oder 3. Beförderungsamt). An den Gymnasien werden gerade die A14-Stellen ziemlich frei und entsprechend maßgeschneidert auf einen Zielkandidaten ausgeschrieben.
2) Unterricht: Für Sek II Lehrkräfte bringt die Gesamtschule ein höheres Deputat mit sich (24,5 statt 23,5 Stunden). Der Unterrichtseinsatz - gerade bei eigenen Fächern mit geringem Stundenumfang wie Erdkunde - erfolgt in Absprache gerne auch fachfremd in Neigungsfächern. Dafür können Gesamtschulen mit einem etwas anderen Stundenpool arbeiten und auch mal Lehrkräfte in Doppelsteckung geben - was in Anbetracht der Klassenzusammensetzung aber teils auch nötig ist. Die Sekundarstufe II unterscheidet sich de facto nicht von der an einem Gymnasium.
Gewöhnungsbedürftig kann auch der Verzicht auf Noten in einigen der Sek I - Jahrgängen und der Verbund vieler sonst entkoppelter Fächer sein (z.B. Naturwissenschaften statt Bio, Chemie, Physik). Darin liegen aber auch gute Chancen zum fächerverbindenden Arbeiten.
3) Schülerschaft: Mit Ausnahme einiger "Platzhirsch"-Schulen ist die Durchmischung der Schülerschaft an Gesamtschulen schon eine andere als an Gymnasien...tendentiell natürlich leistungsschwächer und v.a. heterogener. Es ist durchaus üblich, dass in einer Klasse von SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf bis leisstungsstarken GymnasialschülerInnen alles dabei ist. Gerade dann wird aber häufig durch eine zweite Lehrkraft, pädagogische Mitarbeiter usw. unterstützt.
4) Referendariat: Das schadet auch an einer Gesamtschule nicht unbedingt, ich persönlich würde es aber auch nicht aktiv suchen. Die Bewertung wird v.a. vom Studienseminar vorgenommen und das unterscheidet dabei eher nicht nach Ausbildungsschule. Praktika hingegen bieten sich wirklich an beiden Schulformen an, sofern möglich.