Ca 6 Prozent der Schüler lernen Latein oder spanisch. Ich finde es unfassbar ignorant, dass man angesichts der Tatsache, dass nur ein so geringer Teil der Schüler überhaupt eine 2. FS lernt, dort hinsichtlich der Oberstufenkurs die gleichen Anforderungen hinsichtlich der schülerzahl gestellt werden wie in Fächern wie deutsch oder Mathe oder englisch usw, zu denen die meisten Schüler verpflichtet sind. Wie will man denn bei diesen geringen Anfangszahlen Oberstufen EA Kurse mit 20 Schülern hinbekommen? Wenn ein Bildungswille im Bildungssystem vorhanden wäre, würde man für diese Sprachen die Anforderungen an die Schülerzahlen reduzieren. Aber das will man ja nicht. Es lebe die „Bildungsrepublik Deutschland“!
Dem kann ich nicht so recht folgen. Eine 2. Fremdsprache ist - soweit mir das bekannt ist in allen Bundesländern - obligatorisch, um ein Abitur abzulegen. Dass diese in der gymnasialen Oberstufe im Sinne einer Schwerpunktsetzung auch abgewählt werden kann, betrifft ebenfalls nicht ausschließlich die Fremdsprachen, sondern auch die Naturwissenschaften und einige Gesellschaftswissenschaften. Das "Problem" bei den 2. Fremdsprachen ist, dass von vorneherein an einigen Schulen ein zu breites Wahlangebot vorgehalten wird, welches später schlicht nicht mehr bedient werden kann. Und dann muss man sich als Schule eben entscheiden, Kurse zusammenzulegen oder von vorneherein die Wahlmöglichkeiten in der 2. Fremdsprache einzuschränken. Wir bieten daher inzwischen nur noch 2 selbst an und regeln den Rest wechselseitig mit Partnerschulen in der Umgebung, wenn Schüler bestimmte Sprachen unbedingt machen wollen.
Nicht anders geht man in der Oberstufe übrigens auch mit anderen Fächern aus anderen Aufgabenfeldern um. Wenn im MINT-Bereich zum Beispiel die meisten Schüler Bio Leistungskurs wählen und sich dann aufsplitten in die Frage, ob sie noch einen Physik oder Chemie Leistungskurs dazu nehmen, dann kann es u.U. vorkommen, dass von den letztgenannten nur eines der Fächer als Leistungskurs eingerichtet wird. Das gleiche Spiel in den Gesellschaftswissenschaften. Dort ist in NDS vorgesehen, dass Geschichte als Leistungskurs obligatorisch ist. Die 2. Gesellschaftswissenschaft kann dann Politik-Wirtschaft, Erdkunde, Religion, Philosophie usw. sein. Die Schulen haben davon aber bei weitem nicht jedes Fach als anwählbaren Kurs auch im Angebot, sondern richten diese nach Interessen und schulischen Schwerpunktsetzungen ein.
Ich kann insofern keine Besonderheiten der Fremdsprachen erkennen. In jedem Fall muss man sich als Schule fragen, welches Fächerangebot zu den Schülerzahlen und deren Wahlverhalten passen und gleichzeitig mit vernünftigen Kursgrößen abzudecken ist.