Kleines Gedankenexperiment: Würdet ihr für deutlich weniger Geld trotzdem als Lehrkraft arbeiten, weil ihr Spaß daran habt?
Zweites Gedankenexperiment: Würdet ihr weiterhin mit vollem Deputat bei gleicher Besoldung (sagen wir mal A13) arbeiten, selbst wenn ihr Millionen erben/im Lotto gewinnen würdet?
Ich kann beide Fragen ganz klar mit nein beantworten. Dieser Job ist zwar in Ordnung und einen anderen Job möchte ich nicht, da dieser am ehesten zu mir passt. Aber wäre ich nicht auf das Geld angewiesen, wäre ich hier raus.
Frage 1: Nein, nicht unbedingt. Liegt daran, dass mein alter Job erheblich weniger Belastungsfaktoren hatte, bei deutlich mehr Zeit für Individualbetreuung, aber eben viel weniger Geld. Beruflich glücklich war ich rund 10 Jahre lang, finanziell war es zu wenig, deshalb habe ich ja auch das Zweitstudium gemacht und bin ins Lehramt gegangen. Das Mehr an Geld geht eben im Schuldienst mit weiteren Aufgaben und Belastungsfaktoren einher, passt dann aber so für mich in der Gesamtschau, weil ich die Herausforderungen als Lehrerin mag. Würde ich nur noch so viel verdienen wie früher, dann würde ich mir aber ggf. einen Job suchen, der mir für das Geld dann wieder weniger Belastungsfaktoren bietet. Irgendeinen Ausgleich braucht man schließlich.
Frage 2: Ja, warum denn auch nicht. Ich arbeite gerne in meinem Beruf und weiß, dass Arbeiten mich gesund hält, deshalb habe ich mich auch mit Händen und Füßen gewehrt, als man mich im Alter von 30 Jahren abschreiben und früh berenten wollte seitens der Agentur für Arbeit, habe auch genau so weitergearbeitet wie davor mit Arbeit und Zweitstudium, nachdem ich nach dem Tod meiner Mutter eine mittlere fünfstellige Summe geerbt habe, habe nur mehr in meine Reha investiert, damit ich schneller wieder gesünder bin. Ich bin die beste Version meiner selbst, wenn ich einen Beruf ausüben kann, den ich als sinnvoll erachte, so wie jetzt als Lehrkraft oder bei meiner früheren Arbeitsstelle in der interkulturellen Arbeit, weil ich dann weiß, dass ich etwas bewirke, was über mich selbst und meine egoistischen Bedürfnisse hinausgeht.
EDIT: Da ich gesundheitlich bedingt nicht in Vollzeit arbeiten kann, geht es bei mir allerdings generell nicht um ein volles Deputat. Könnte ich auf den Lottogewinn verzichten und mir dafür volle Gesundheit holen, die mir überhaupt erst ein volles Deputat auszuüben gestatten würde, würde ich diese sofort nehmen. Das wäre mir auch weniger Geld für die gleiche Arbeit wert, wenn ich dafür gesund wäre.