Beiträge von CatelynStark

    So ein Gespräch würde ich auch nie alleine führen. Ich würde es auch immer gut vorbereiten und beginnen mit "Schön, dass Sie da sind, Sie hatten mich ja um das Gespräch gebeten, schildern Sie bitte Ihr Anliegen".


    BZgl. Rausschmisse und Fehlzeiten würde ich für mich noch mal gesondert Daten dokumentieren bzw aufschreiben, so dass du auf die Frage "wann soll das denn gewesen sein?" ganz neutral antworten kannst: "Die Fehlzeiten waren am...., ich musste Ihren Sohn am xx.xx. des Unterrichtsverweisen, da..."


    Oft reicht ja schon alleine die Tatsache, dass man selber Daten vorlegen kann, aus, um den Eltern den Wind aus den Segeln zu nehmen.


    Androhungen von "Klage" entweder ignorieren, oder einmal kurz den Weg skizzieren. Oder einfach sagen "Sie können gegen die Mahnung gerne Widerspruch bei der Schulleitung einlegen. Diese ist über den Fall bereits informiert." (Dann muss die SL aber wirklich informiert sein.)

    Ich meinte natürlich nur Basteln mit Freiwilligkeit als Grundlage.

    Wenn aber Elternteile mit zu viel Zeit auf dem Elternstammtisch beschließen, dass jedes Kind für die Lehrerin etwas basteln muss, dann kann man sein eigenes Kind schlecht ausschließen. In der Theorie köntne man schon, aber ich wollte meiner Tochte nicht zumuten, sich als einiziges Kind nicht an den Adventskalendern zu beteiligen. Ich weiß, dass sich auch andere Eltern geärgert haben, aber niemand will dann das eigene Kind blöd da stehen lassen.

    Aber hey, derjenige, der dort Gebastelt hat, hatte Spaß bei der Erstellung

    Nein, das stimmt ganz sicher nicht für alle. Meine Tochter bastelt nicht gerne und ich auch nicht. Hier bedeutet eine Aufforderung ein Geschenk zu basteln immer Stress.


    Wir können das übrigens auch beide nicht und meiner Tochter ist auch bewusst, dass ihre Bilder und Bastelarbeiten deutlich schlechter sind, als die der meisten anderen Kinder. Ich sage ihr das natürlich nicht, aber sie ist nun nicht gerade dumm und merkt das halt selbst.

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mich, als die Klasse meiner Tochter leztes Jahr gleich zwei Adventskalender gebastelt hat ganz schön genertvt hat. Da sollte etwas "selbstgemachtes" spirch, Marmelade, Kekse o.Ä. rein.

    Ich habe dann (mit Kind) einen Samstagnachmittag in der Küche gestanden, Tomatensauce gekocht und eingekocht, Etiketten für die Gläser geschrieben, dann darauf geachtet, dass sie beim Loomarmband machen weiterarbeitet und nicht irgendwas anderes macht (ich weiß, die Lehrer:innen hatten dafür ÜBERHAUPT KEINE Verwendung, aber das hätten sie für ein selbstgemaltes Bild auch nicht gehabt und meine Tochter hatte keine Lust, ein Bild zu malen oder irgendwas zu basteln). Dann musste das ganze noch auf eine bestimmte Art und Weise verpackt werden und zu einer anderen Mutter aus der Klasse gebracht werden.

    Weder das Kind noch ich hatten Lust dazu, das war kein schöner Samstagnachmittag und auf meinem Schreibtisch stapelten sich die Klausuren.

    Ich bin heilfroh, dass wir dieses Jahr nur für den Weihnachtsmarkt backen sollten.

    Jede Familie sammelt einige schöne, bunte Herbstblaetter, rollt diese mit den Kindern zu Blüten zusammen (eine Blüte je Kind), die im unteren Viertel mit Draht umwickelt und fixiert werden. Ggf noch zusätzlich fixieren z. B. mit Spray. Alle "Rosen" dann zu einem schönen Strauß zusammenfassen, schöne Karte dazu, auf der alle unterschreiben, fertig ist ein wenig zeitaufwendiges, persönliches, kreatives Geschenk.

    Das klingt toll, aber ich wäre damit vollkommen überfordert. Ich kann nicht basteln. Also wirklich gar nicht.

    Wobei es ja durchaus am Gymnasium "Spezialfälle" gibt. Aber natürlich deutlich weniger als anderen Schulen. Manchmal wundern wir uns in der EF, wer so alles einen Q-Vermerk bekommen (nicht falsch verstehen: wir bekommen auch wirklich ganz tolle Schüler:innen in die EF, das ist bei uns sogar der Großteil. Die allermeisten Seiteneinsteiger machen bei uns Abitur und oft ist das gut oder auch sehr gut).


    Ich finde es teilweise auch frustrierend, möchte hier aber auch gerne mal eine postive Geschichte erzählen, nur zur Aufmunterung: Schüler:in mit Hauptschulempfehlung landet bei uns (warum weiß ich nicht mehr). Es kommt, wie es kommen "musste": schwache Noten, Unterricht geht über den Kopf der/des Schüler:in hinweg, Kind wird langweilig (kriegt ja wenig mit, da wäre mir auch langweilig), fängt an zu stören etc.. Irgendwie hat das Kind es geschafft in die Klassen 7 versetzt zu werden (Corona...). Dann kam eine Leistungsexplosion und zwar so richtig. Plötzlich lief es wie am Schnürrchen, die Noten wurden schlagartig besser, das Stören schlug in Beteiligung um, aus dem/der Außenseiter:in wurde der/die Klassensprecher:in. Das Kind ist nun Jugendlich, in der Oberstufe, richtig gut und sehr engagiert in vielen Bereichen in der Schule. Die Identifikation mit der Schule ist sehr hoch, die Freude in die Schule zu gehen entsprechend auch.


    Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, was aus dem kKnd geworden wäre, wenn es wirklich auf die Hauptschule gekommen wäre. Ich bin mir sicher, dort hätten sich die Lehrer:innen genauso bemüht wie bei uns, aber es wären andere Mitschülr:innen gewesen. Dort hätte nicht Luise gesessen, die schon immer nur Einser haben wollte und auch hatte und auch nicht Patrick, für den nichts über das Spielen seiner Querflöte geht. Da hätte es keine oder deutlich weniger Beispiele dafür gegeben, was Erfolg ist und, dass es sich lohnt sich anzustrengen.


    (Luise und Patrick habe ich mir ausgedacht, das sollen nur Beispiele sein)

    Das ist richtig. Das fängt aber leider ja bereits im Lehramtsstudium. Dir als Mathematik-Kollegin brauch ich ja nicht zu erzählen, wie viele Studierende von Anfang an keine Lust auf das Studium haben, weil "braucht man für die Schule ja sowieso nicht".

    Und das ist so schade! Man lernt so viel, wenn man sich auf Mathematik einlässt. Klar, manches nervt und der Druck ist ungleich höher als in manchen anderen Fächern, aber es ist wirklch gut investierte Arbeit.

    Das gleiche Phänomen ist mir übrigens in einigen Veranstaltungen in Englisch begegnet. Eines der besten Seminare, das ich im gesamten Studium belegt habe, war zu den Canterbury Tales. Diese haben wir im Original auf Mittelenglisch gelesen. Man musste entweder ein Seminar zu Altenglisch oder eins zu Mittelenglisch belegen. Dieses Seminar war der Hammer. Nach 2 Wochen waren wir unter 20 Teilnehmer von denen nur 10 aktiv mitgearbeitet haben. In keinem anderen Englischseminar habe ich so viel gelernt (mit einer Ausnahme, aber das war an einer Uni in den USA und da ist vieles anders, darum zähle ich das mal nicht mit).

    Es gibt in Englisch in der Oberstufe definitiv Themen, die ich nicht so gerne unterrichte. Globalization zum Beispiel. Das nervt mich. Ja, ich weiß, man soll das machen, damit die Schüler:innen befähigt werden, sich auf Englisch über dieses Thema zu unterhalten, aber ich würde halt lieber mehr Zeit auf z.B. Shakespeare verwenden (ein Thema, das im Übrigen aus den Abituranforderungen (Abi 25) geflogen ist) oder auch Geschichte der USA, oder das Britische Empire und die Nachwirkungen bis heute (ja, man macht "Nigeria", aber was bekommt da in gefühlt 2,5 Monaten schon hin? Man müsste erst mal ausführlich über das Empire reden, dann über die Auflösung, dann über die Nachwirkungen). Gleiches gilt im Übirgen für Brexit. Dafür habe ich ein knappes halbes Quartal Zeit. Auch dafür wäre mehr Zeit notwending.


    Ich befürchte, dass das Abitur in Englisch immer mehr zu einer Sprachprüfung wird. Das finde ich sehr schade.


    Noch mehr OT, als eh schon: Eine Kollegin sagte letztens zu mir: "Jetzt heißt es, wir sollen Schüler:innen beibringen, wie man eine Steuererklärung macht. Wenn das so weiter geht, wissen die bald nichts mehr, womit sie Geld verdienen können, so dass sie dann auch keine Steuererklärung mehr zu machen brauchen." Da ist etwas Wahres dran. Ich finde die Fokussierung auf "Dinge die man braucht" auf Kosten einer "Allgemeinbildung" wirklich schlimm. Mal schauen, was da noch auf uns zu kommt.

    Und ich möchte mich nach einem Studium nicht immer rechtfertigen müssen warum es ok ist, dass ich mehr verdiene als viele andere ohne Studium.

    Ich finde es auch unpassend mich ständig mit anderen Berufen vergleichen zu müssen, um dann zu hören, dass es uns " so/ zu gut geht " im Vergleich zu denen.

    Volle Zustimmung!


    Wenn mir allerdings jemand erzählt, dass man als Lehrer ja so viel verdienen würde (und das ja eh nur ein halbtags Job sei mit 6 Wochen Urlaub im Jahr), sage ich gerne "Augen auf bei der Berufswahl" und/oder "du hättest ja auch selber Lehrer:in" werden können.


    Was mich immer wahnsinnig nervt, sind Leute, die mir erzählen, warum Schule an sich alles falsch macht und dass es ja "total unnütz" sei, in drei verschiendenen Sprachen Gedichte analysieren zu köönen (schöner Stammtischspruch) und wenn überhaupt dann ja wohl nur MINT überhaupt sinnvoll sei (darum verschweige ich, wie ich in einem anderen Thread bereits schrieb, manchmal das Unterrichtsfach Englisch).

    Englisch war doch nie verpflichtend, sondern lediglich eine Fremdsprache?

    In NRW muss zur Zeit eine aus der Sek I fortgeführte Fremdsprache belegt werden. Bei uns ist das Englisch, Latein und Französisch. Warum der Fachleiter "Englisch" und nicht "fortgeführte Fremdsprache" sagte, weiß ich nicht.

    Wir haben auch ein Mischsystem, welches wirklich gut läuft. Dies ist allerdings der Tatsache zu verdanken, dass wir eine Lehrkraft im Kollegium haben, die zum einen ausgebildete DaZ Kraft ist (sie hat auch noch 3 reguläre Unterrichtsfächer) und sich zum anderen wirklich über alle Maßen hinweg für die betroffenen Schüler:innen einsetzt. Außerdem ist sie unfassbar gut darin, Gelder zu beantragen. SIe ist immer auf der Suche nach neuen "Töpfen" aus denen wir etwas bekommen könnten. Der Schulträger (aka Stadt) hat uns zwar die Schüler:innen zugeteilt, ist sonst aber eher zurückhaltend.

    Einer meiner Fachleiter hat vorrausgesagt, dass es spätestens 2030 in NRW gar keine LKs mehr geben wird. Er meinte, M, D und E würden dann alle vierstündig bis zum Abitur unterrichtet, alles andere dreistündig. Er war der Meinung, dies würde auch für alle Bundesländer über kurz oder lang kommen, da das Abitur in den Bundesländer angegliche werden würde, was ja auch keien ganz falsche Einschätzung war. Ich fand (bzw. finde) diese Idee interressant (nicht unbedingt richtig), da es ja die Wahlmöglichkeit der Schüler:innen deutlich einschränkt.

    Ich habe schon öfter Schüler:innen im Englisch LK gehabt, die mir zwei Jahre lang erzählen, dass sie sich nicht am Unterricht beteiligen (Plenumsgespräch, PA, GA), weil sie sich nicht trauen Englisch zu sprechen.


    Fragt man, warum sie es dann als LK gewählt haben, kommt oft "ich wusste nicht, was ich sonst wählen sollte".


    Edit: Ich habe allerdings auch wirklich tolle Schüler:innen. Auch das muss man mal sagen.

    Auf der ersten Kursfahrt, bei der ich als Lehrerin dabei war, haben wir weiblichen Kolleg:innen zu dritt in einem Zimmer geschlafen. Das war eine absolute Katastrophe. Das würde ich nie wieder machen. Entweder Einzelzimmer, oder es fährt jemand anderes. Und ich fahre auch nur, wenn ich mein eigenes Bad habe. Ich stelle mich nicht mit den Schüler:innen in die Duschschlange (auch das kam bei uns bei bestimmten Fahrten immer mal wieder vor, da wurde ich einmal gefragt, ob ich mit will. Nein, wollte ich nicht, auch nicht in der Probezeit.).

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