Beiträge von Gymshark

    Ich denke, die regelmäßigen Rufe nach mehr Personal im Bildungsbereich sind nicht zielführend. Es müssten die Kapazitäten anderer Ausbildungs- und Studiengänge reduziert werden, um so wiederum zusätzliche Ressourcen schaffen zu können, und dafür fehlt der politische Wille.

    Ich bin der Meinung, dass das vorhandene Personal reicht, aber effektiver arbeiten muss. Dadurch, dass wir bereits so viele Ressourcen in den Umgang mit Unterrichtsstörungen investieren, zeigt ja, dass der Ansatz schlichtweg nicht zielführend ist. Die Vermittlung von Unterrichtsstoff hat oberste Priorität und Unterrichtsstörungen gefährden dieses Vorhaben. Unterrichtsstörungen werden oft zu lang toleriert und da muss in den Klassenzimmern eine andere Mentalität her, nämlich "Handlung --- Konsequenz". Die Konsequenz muss als unangenehmer als die Teilnahme am Unterricht empfunden werden, dann ist auch der Anreiz, einen auf Clown und Entertainer zu machen, weg.

    Vielleicht sollten Schüler (m/w/d) auch die Suche nach dem Nutzer konkreter Inhalte beschränken, sich einfach mal hierauf einlassen und darauf vertrauen, dass (erwachsene) Fachkräfte sich schon etwas bei der Auswahl der Inhalte gedacht haben.

    Maylin85 : Wir wollen natürlich, dass möglichst Wenige in diesen Prozentsatz fallen, daher fände ich es wichtig, dass dieser Gruppe regelmäßig Perspektiven aufgezeigt werden, aus ihrer Situation herauszukommen, aber klar, wer all das aktiv verweigert, muss Konsequenzen erfahren - alles Andere ist schlichtweg unfair allen Mitmenschen, denen das Wohl unserer Gesellschaft am Herzen liegt, gegenüber.

    Unter "minimal" verstehe ich Lebensmittelgutscheine und Sachleistungen, statt Bargeld aufs Konto. Bürgergeld ist sicherlich nicht toll, aber auch das beinhaltet noch 50€ für Freizeitaktivitäten. Wer sich als junger Mensch aktiv so verhält, dass er weder für einen Betrieb noch für eine Schule störungsfrei tragbar ist, sollte den Anspruch auf diesen Luxus meines Erachtens verlieren können.

    So wie ich dich verstehe, wäre im Rahmen deines Vorschlags die Gesellschaft durchaus bereit, Chancen/Perspektiven (auch bei Kindern und Jugendlichen aus suboptimalen schwierigen Verhältnissen) aufzuzeigen und so dem Individuum ermöglicht, mehr als das absolute Minimum (Brot-Wasser-Seife) zu bekommen, vorausgesetzt, es ist bereit, die Regeln des Systems zu befolgen. Wer wiederum auf Teufel komm raus mit dem Kopf durch die Wand will, würde eben nur das Existenzminimum bekommen, weil er/sie sich allem Anderen gegenüber aktiv (und bewusst) verweigerte.

    Schule ist natürlich keine Werkzeugbox, die den Kindern und Jugendlichen an die Hand gereicht wird, um damit ihr Leben zu bestreiten. Der Teil ist von Der Germanist etwas unglücklich gewählt. Rein lebenspraktisch ist die Erstellung der Steuererklärung wichtiger als die Gedichtanalyse - das wissen wir alle.

    Schule verfolgt andere Ziel, nämlich die Vermittlung von Allgemeinbildung und Kulturtechniken als Vorbereitung des lebenslangen Lernens. Hierfür sollten wiederum geeignete Prüfungs- und Bewertungsformate gewählt werden.

    Aber für alle Berufsgruppen gilt natürlich, man muss sich auf den Ruhestand rechtzeitig vorbereiten. Sonst kann es schnell passieren, dass man ehemaligen Arbeitgebern, Kolleginnen/Kollegen, Kindern, Enkeln... schnell auf den Geist geht.8)

    Es kann auch Sinn machen, die Stunden nach und nach zu reduzieren, um sich alternative Beschäftigungsmöglichkeiten mit der Zeit aufzubauen und daran zu gewöhnen, den Tag anders zu strukturieren, statt aus allen Wolken zu fallen, wenn im Extremfall von jahrzehntelanger Vollzeitbeschäftigung von jetzt auf gleich auf 0 reduziert wird.

    Ich sage mal so: Jüngere Leute, unabhängig von der Generationenzugehörigkeit, haben noch mehr Lebensarbeitszeit vor sich und können es sich noch eher leisten, im Zweifelsfall umzusatteln, als wenn sie bereits 20 Jahre im Berufsleben sind und/oder private Verpflichtungen haben.

    Mit Mitte 40 sich noch einmal neu zu orientieren ist eine andere Herausforderung als mit Mitte 20.

    Und dennoch berichteten zuletzt viele junge Leute (insbesondere mit akademischem Hintergrund), dass sie sich mit dem Eintritt ins Berufsleben schwer tun, da die Arbeitgeber (m/w/d) hohe Erwartungen haben, die sie als Berufseinsteiger (noch) nicht erfüllen können. Und weil sie feststellen, dass der medial stark präsente Fachkräftemangel nicht branchenübergreifend, sondern auf einzelne Branchen (die "im Volksmund" mit vermeintlich schlechten Arbeitsbedingungen verbunden werden) beschränkt ist. Da der Lehrberuf innerhalb des öffentlichen Dienstes stattfindet, lassen sich die Erkenntnisse von Absolventen (m/w/d) mit Ziel einer Beschäftigung innerhalb der Privatwirtschaft nur bedingt hierauf anwenden.

    Grundsätzlich genießt der Lehrberuf bei jungen Menschen immer noch hohe Beliebtheit, aber es gibt zwei Punkte, die auch viele ältere Lehrkräfte am Beruf stören, die aber im Zweifel eher Mangels Alternativen ausharren:

    1. Schüler (m/w/d), die den Unterricht stören und

    2. Eltern (m/w/d), die meinen, es besser zu wissen als die ausgebildete Lehrkraft.

    Diese Punkte lassen sich erst dann entkräften, wenn konsequent (unter Unterstützung der Schulleitung und mit Rückendeckung des Kollegiums) gegen Unterrichtsstörungen vorgegangen wird, und wenn die Rechtsprechung wieder zulässt, dass pädagogische Entscheidungen innerhalb der Bildungsbiographie junger Menschen von pädagogischem Fachpersonal (nicht von den Eltern) entschieden und nur von den Eltern ausgeführt werden.

    Warum reden wir ständig von "brauchen"? Wenn ich eins öde finde, dann diese Frage. Kein Mensch weiß so genau, was er in Zukunft braucht oder nicht braucht. Man tötet Kreativität und Neugier, wenn man alles durch die brauche-ich-das-brauchen-die-das-Brille sieht.

    Hier stimme ich dir zu. Ich finde inzwischen sogar richtig unangenehm, wenn Schule verzweckmäßigt wird. Ich kann das noch am ehesten im Zusammenhang mit berufsbildenden Schulen verstehen, aber allgemeinbildende Schulen sollen Kulturtechniken und Allgemeinbildung für alle vermitteln und damit die Basis für lebenslanges Lernen bilden.

    Sagen wir mal so: Es ist schön, sich tolle Dinge kaufen zu können. Das will ich auch keinem per se wegnehmen - wobei es auch hier irgendwann moralische Grenzen gibt. Wenn man zur Mittelschicht gehört (und damit meine ich nicht die Merz-Mittelschicht, sondern die Art von Mittelschicht, die sich mit Mitte 30 ein durchschnittliches Einfamilienhaus im Vorort leisten kann und es mit 60 abbezahlt hat), kann man zwar auch spenden (und es machen auch viele), aber das geht nur innerhalb eines bestimmten Rahmens, weil sonst andere Verpflichtungen nicht beglichen werden können.

    Wenn man sagen wir mal 5€ für Tierschutz spendet, sind diese 5€ natürlich besser als nichts. Ich frage mich nur immer, wenn ich die bekannten Spendeaufrufe sehe, ob sie sich an die richtige Zielgruppe wenden oder ob die Organisationen nicht mehr davon hätten, wenn die Superreichen eine fünf- oder sechsstellige Summe zahlen würden, statt Lieschen Müller 5€ hier und Peter Meier 10€ da.

    Wenn ich mir die Musikcurricula anschaue, komme ich zu dem Ergebnis, dass es schon ein schönes Fach ist, in dem man echt viele tolle Sachen machen kann.

    Es ist schade, dass gefühlt fast jeder Mensch von sich sagt, dass er/sie (den Konsumgegenstand) Musik mag, aber das Unterrichtsfach dennoch so ein schlechtes Image hat. Wir sind jeden Tag von Musik umgeben und es macht schon Sinn, wenn mündige Bürger (m/w/d) diese nicht nur konsumieren, sondern auch den Sachgegenstand hinter dem Konsumgut verstehen und einordnen können.

    Ich gehe bei höheren Steuern für Superreiche zwar mit, aber gleichzeitig frage ich mich, warum diese Superreichen den Staat bitten, dazu gezwungen zu werden, Teile ihres Vermögens abzugeben, statt dass sie aus eigener Motivation heraus (freiwillig) zur Erkenntnis kommen, dass kein Mensch so viel Geld braucht und es mehr Sinn macht, das Geld für wohltätige Zwecke auszugeben, statt es einfach zu horden.

    Wäre die Idee so abwegig?

    Zudem fällt mir noch ein, dass ich bei einer selbstmotivierten Spende den Spendenzweck selbst bestimmen kann. Das wäre mit Steuern schwieriger.

    Bei allem Verständnis für den Einsatz zur Stärkung der US-amerikanischen Wirtschaft (Die deutsche Wirtschaft ist ja auch kräftig am Straucheln, da würden sich viele Menschen derzeit auch eine Kehrtwende wünschen.), lässt sich nicht bestreiten, dass die Reichen immer reicher werden und die Frage aufkommt, ob sie a) so viel Vermögen wirklich brauchen und b) das Geld nicht für sinnvollere (im Sinne von "für das Gemeinwohl sinnvollere") Dinge ausgeben könnten. Ja, ein Teil des Vermögens wird gebunden sein, aber sicher nicht alles - da wird schon genug frei verfügbares Geld da sein. Weder ein Gates, noch ein Zuckerberg, ein Bezos oder ein Pichai müssen in einer Zweizimmerwohnung leben.

    Billie Eilish fragte vor 2 Wochen Richtung Musk "Why are you a billionaire?". Die Frage ist berechtigt - braucht es wirklich Milliardäre oder kann man nicht bereits als Millionär ein Leben in Saus und Braus bestreiten? Wobei man auch da fragen könnte, ob Eilish die richtige Person ist, um hierüber ein Urteil zu fällen, da sie mit gerade einmal 23 Jahren ein geschätztes Vermögen von 50 mio. Dollar besitzt. Viele Gleichaltrige wären bereits froh, ein Plus auf dem Konto zu haben - Stichwort Studienkredite.

    Als Nicht-Musiklehrer muss ich zugeben, dass wir jeden Tag (!) von Musik umgeben sind. Alleine deswegen macht es natürlich Sinn, dass Musik auch in der Schule Aufmerksamkeit findet. Aus heutiger Sicht finde ich, dass ab der Mittelstufe meiner eigenen Schulzeit der praktische Teil im Musikunterricht deutlich zu kurz kam - vor allem im Vergleich zu Kunst oder Sport. Eventuell ist das inzwischen besser geworden. Meine Idealvorstellung wäre, dass in diesen drei Fächern Praxis und Theorie eng verzahnt sind: Wir lernen erst etwas über den theoretischen Background einer Sportart, danach machen wir diese Sportart. Wir lernen erst einen Künstler (m/w/d) oder eine Epoche kennen, danach zeichnen/basteln/kreieren wir etwas hierzu. Analog dann zur Musik. Das sollte dann auch möglich sein für Kinder und Jugendliche, die privat kein Instrument spielen.

    Neben musikhistorischem und popkulturellem Wissen gehört zur Musik natürlich auch die eher unbeliebte Theorie wie Notenlehre, etc. Ich sehe hier Analogien zu meinen Fächern. Das abstrakte Symbol "6" steht für eine konkrete Menge, die abstrakte Buchstabenfolge "la maison" steht für einen konkreten Gegenstand. Erst wenn ich diese Zuordnung verstanden habe, kann ich damit auch arbeiten, sonst bleibt es für mich auf Ewigkeit ein komisches Symbol oder eine wirre Anreihung von Buchstaben. Ähnlich sieht es mit Noten aus. Schüler (m/w/d) müssen verstehen, dass sie für eindeutige Töne stehen, die wiederum in einer bestimmten Anreihung Melodien und ganze Lieder ergeben. Es sind die Vokabeln der Musik. Ohne Lernen geht das nicht - Musik ist ein Fach, bei dem die Theorie aufeinander aufbaut, ähnlich wie beim Vokabellernen in den Sprachen oder der Erkundung der Zahlbereiche in Mathematik.

    Theorie wird dann verstanden, wenn sie auch als "sinnvoll" empfunden wird. Sie hilft uns, Dinge zu verallgemeinern und damit für alle zugänglich zu machen. Im Fach Musik macht ein niedrigschwelliger Einstieg hierzu Sinn. Dann kann man sich langsam in die Denkweise hineinfinden und fällt nicht aus den Wolken, wenn Richtung Sek II (wie in vielen anderen Fächern auch) der Unterricht zunehmend komplexer und weniger alltagsferner wird.

Werbung