Ich finde den Faktorisierungsgedanken spannend. Ich bezweifle aber, dass die Vor- und Nachbereitung für Unterricht in bestimmten Fächern irgendwie auf Zahlen im Verhältnis zueinander zu reduzieren ist. Es unterscheidet sich ja nicht nur von Schulart zu Schulart, sondern von Schule zu Schule. Die Rahmenbedingungen allein bezogen auf die (materielle) Ausstattung der Schule, das Schülerklientel, die Elternschaft, das Netzwerk, die Zusammenarbeit im Kollegium usw, das sind doch allein schon Bedingungen, die gar nicht vergleichbar sind. Wenn ich im Bereich GS bleibe, dann habe ich ja auch viele Fächer fachfremd zu unterrichten. Eine Stunde Mathe kann mein Kollege in jedem Jahrgang aus dem Ärmel schütteln, in Musik wäre er komplett aufgeschmissen und bräuchte Stunden für eine gute Vorbereitung. Bei anderen eben umgekehrt. Welcher Faktor gilt dann wofür? Nur so als Beispiel.
Ich kenne aber Schulen, die sich innerhalb von Schulentwicklungstagen damit auseinandergesetzt haben, wie außerunterrichtliche Aufgaben zu faktorisieren wären. Also Fachleitungen, Klassenleitungen, Sicherheitsbeauftragte, Kooperation mit Kitas, weiterführenden Schulen, Personalrat, Gleichstellungsbeauftrage, Lehrerbücherei, Homepage, Schulgarten etc. Da Grundschulen zumindest bei uns keine Koordiniatorenstellen (außer der Konrektorstelle) haben, gibt es keine weiteren Funktionsstellen außer SL und KR, und Ermäßigungsstunden sind sehr spärlich. Damit stellt sich ja immer die Frage, wer denn diese Aufgaben übernimmt. Und von einer Schule weiß ich, dass sie diese Aufgaben faktorisiert haben und dann in bestimmtem Rhythmus immer neu verteilt haben. Jeder musste in Abhängigkeit seines Deputats auf eine bestimmte Anzahl an Punkten kommen und sich entsprechend bewertete Aufgaben suchen. Das ist wahrscheinlich sehr aufwändig, aber klingt spannend, ist sehr transparent und führt wahrscheinlich auch zu mehr Gerechtigkeit, vermute ich.