Erstmal nur zur Infa habe ich meine beiden Fächer auf Diplom studiert und bin dann erst Lehrerin geworden. Zweitens, ja, ein Ingenieursstudium ist fachlich hinter einem Chemie, Physik oder Mathestudium anzusiedeln vom Anspruch. Formal ist es aber die gleiche Qualifikation.
Nein. Ein universitäres(!) ingenieurwissenschaftliches Studium hat fachlich einen Abstraktionsgrad und einen Anspruch, der auf einem Niveau mit Mathe und mit Physik liegt. Die Mathematik und die Physik im Ingenieursstudium sind - zwangsläufig - jeweils geringer als in dem entsprechenden Fachstudium, aber die fachwissenschaftlichen/fachspezifischen Inhalte (von denen zwangsläufig dann Physiker/innen und Mathematikerinnen keine Ahnung haben) des Ingenieursstudiengangs sind nicht minder schwierig.
Wenn man ganz ehrlich ist, dann sind Fächer wie Ingenieurwissenschaft oder Medizin noch viel extremer anwendungsbezogene, fachlich abgespeckte Versionen von entsprechenden Fächern (z.B. Physik, Chemie).
Nein. Das universitäre(!) ingenieurwissenschaftliche Studium bereitet weniger auf die Anwendung der Erkenntnisse vor (da sind FHen in dieser Hinsicht besser aufgestellt), sondern vor allem auf die Erarbeitung neuer Erkenntnisse. Und ein Ingenieursstudium ist ein eigenständiges Studium einer eigenen Fachwissenschaft, die zwar - logisch - physikalische und mathematische Konzepte verwendet, dennoch aber keine abgespeckte Variante dieser Fachrichtungen ist, sondern eine eigenständige Wissenschaft. Umgekehrt sehe ich, wie wenig Ahnung studierte Physiker/innen (logischerweise) von Grundlagen meiner Ingenieurwissenschaft haben, auch wenn sie mal ein Semester lang eine Vorlesung dazu gehört haben. Ist aber auch klar und eben kein Defizit, sondern eine ganz andere fachwissenschaftliche Ausrichtung.
Was dann aber die berufliche Realität ist: Das, was ich im Studium gelernt hatte, hat mich nicht direkt auf die Anwendung der fachwissenschaftlichen Erkenntnisse vorbereitet. Was ich aber konnte: Jeden neuen Kontext und Zusammenhang erschließen. Da war ich anfangs von FH-Ingenieuren in manchen Situationen abgehängt worden, wo ein bekannter Kontext variiert vorkam. Da waren sie erst mal schneller, weil sie es irgendwie schon kannten (nach einem halben Jahr Erfahrung war da aber kein Unterschied mehr), aber in neuen Kontexten war ich immer schneller, weil ich im Studium gelernt hatte, abstrakte fachwissenschaftliche Kontexte zu erschließen.
Ein Diplom in Physik ist also deutlich anspruchsvoller als als Ingenieur, ein Diplom in Mathe deutlich anspruchsvoller als seinen Abschluss in Medizin zu bestehen. Letzteres schafften in meiner Familie auch Leute, die allenfalls durchschnittlich intelligent sind.
An was machst du das konkret fest? Welche ingenieurwissenschaftlichen Konzepte, Fächer, Vorlesungen etc. kennst du, die dich das so felsenfest behaupten lassen? Wenn ich auf die Durchfall-Quoten zurückschaue, die es in unserem Semester gab (und sie galten noch als harmlos im Vergleich zu denen der Massen-Semester vor uns), dann ist eine Abbruchquote von ca. 50% nicht gerade ein Ausweis davon, dass das Ingenieursstudium an einer (zugegebenermaßen TOP5-Universitäten im ingenieurswissenschaftlichen Bereich) mit durchschnittlicher Intelligenz zu schaffen ist.
Lehramtsstudium wurde glaube ich sehr verändert, zu meiner Zeit hatten wir auch Lehrämtler/innen in den Hauptstudiumsseminaren und Praktika sitzen (aber mit abgespecktem Umfang). Inhaltlich würde ich das dann nicht mehr über einem Ingenieurswissenschaftsstudium ansiedeln. Was die Ingenieure an angewandter, abgespeckter Physik, Chemie und Mathematik haben dürfe aber nicht über dem von Lehramtsstudenten entsprechender Fächer liegen.
Ja klar, die Ingenieurwissenschaft sind einfach nur billige abgespeckter Mathe- und Physik-Studiengänge. Noch mal: Das ist jeweils eine eigene Fachwissenschaft. Und noch mal: Was weißt du konkret über die Inhalte verschiedener Ingenieursstudiengänge?
Ich weiß, dass wir in Chemie mal Lehrämtler hatten mit Physik / Chemie als Lehramtsfächern und, dass diese in physikalischer Chemie echt fachlich gut mithalten konnten, in Teilen sogar deutliche Vorteile hatten. Das konnte man von den wenigen Ingenieuren, die in Chemie auftauchten (vermutlich Nebenfach?) nicht behaupten, die waren ... wie würde man heute sagen... total lost!
Ja klar, wie soll ein Maschinenbauer oder Elektroingenieur in Chemie auch alles anders als lost sein? Das ist nicht seine Fachwissenschaft. Und: Wenn Physiker versuchen, mir etwas über meine Fachwissenschaft zu erzählen, weil sie es mal ein Semester lang gestreift haben, dann wird es ganz schnell zappenduster. Nicht weil die Leute doof wären oder ihr Studium nicht anspruchsvoll war, aber es ist eben ein anderes Studium.
Kurzum, ja, einen Lehrämtler (zumindest naturwissenschaftlicher Fächer) mit Ingenieuren und Ärzten zu vergleichen ist absolut angemessen.
Bei diesem Vergleich gehe ich mit. Wobei ich Ingenieure gleichermaßen mit reinen Physikern und Mathematikern (alle natürlich m w d gemeint) vergleichen würde.