Beiträge von Finnegans Wake

    In der Schule habe ich mich (außer in vielen Konferenzen und manchen Fortbildungen...) nie gelangweilt. Ich vermisse sie (die Schule) trotzdem überhaupt nicht. Denn im privaten Bereich kenne ich ebenso keine Langeweile. Ich kann gut komplett abschalten, wenn nichts "zu tun ist", und finde das "entspannte Gammeln" auf dem Sofa dann auch nicht als langweilig...

    Ja! Die Erholung, Aktivitäten zuhause, Ausgehen, Menschen treffen... das sind alles Dinge, die ich lieber täte als zu unterrichten. Aber irgendwas muss ich halt arbeiten und da habe ich das Glück, dass der Job oft Spaß macht, unterhaltsam ist und selten langweilt und das bei gescheiter Bezahlung. Das ist doch für einen Job ziemlich okay.

    Hier mal ein Überblick über das, was in Wiesbaden passiert ist:

    1. Die Überlastungsanzeigen. Hier wird sehr deutlich, dass das Hauptproblem in den Strukturen liegt, die dann zu individuellen Überlastungen von KuK, Kollegien und Schulen führen, die aber vor allem strukturell behandelt werden müssen:

    https://www.hessenschau.de/gesellschaft/4…hessen-100.html

    2. Die Reaktionen: Hier zeigt sich bzw. wird so wahrgenommen, dass die strukturellen Probleme ignoriert und jeweils Mikromanagement betrieben werden soll, das die großen Probleme nicht löst. Außerdem gab es in der Vergangenheit wohl schon folgenlose Gespräche und die Lehrkräfte fühlen sich in den Kollegien und in den Personalräten unter Druck gesetzt.

    https://www.hessenschau.de/gesellschaft/n…sbaden-100.html

    https://www.hessenschau.de/tv-sendung/str…deo-211748.html

    Fazit: Die Überlastungsanzeigen führen zu keinen strukturellen Veränderungen. Und diese sind - neben der wichtigen individuellen Schulsituation - ein so großer Brocken, der über bzw. auf allem lastet. Der Brocken ist aber so groß, dass aus Sicht der Politik das Beheben der Probleme zu teuer und aufwändig ist. Sollen eben die Schulämter auf ihrer Ebene mit den Wiesbadener Schulen herumwurschteln. Wenn also die Bildungspolitik bewusst und gezielt große Lösungen verweigert, dann muss eben mit anderen Mitteln eine Entlastung erzwungen werden. Und da ist die AZ-Erfassung eine Möglichkeit. Welchen Druck bspw. "wer schreit denn jetzt da herum?"-Dorothee verspürt, merkt man ja an ihren panischen Drohungen.


    Und noch ein Edit: Vor einigen Jahren wurden in Hessen Lehrkräfte befragt zu den Belastungsfaktoren im Job. Resultat waren damals auch schon Angebote zur Lehrergesundheit - was ja nichts schlechtes sein muss - aber die in der Befragung genannten großen Belastungsfaktoren? Daran wurde nichts geschraubt.

    Seph Die Problematik, die eine Zeiterfassung sinnvoll erscheinen lässt, ist eben, dass immer mehr Zusatzaufgaben/-aufwände - sowohl strukturell (also politisch gesteuert) als auch durch gesellschaftliche Veränderungen - entstanden sind. Diese sind im bisherigen Deputatsmodell nicht mehr adäquat abgebildet. Eine Zeiterfassung könnte bspw. den Wahn endloser und zweiwöchig stattfindender Konferenzen reduzieren, die massiven Dokumentationspflichten verringern, Verwaltungsaufgaben an Verwaltungsangestellte delegieren helfen etc. Oder vielleicht endlich mal schnell und einfach nutzbare Software (Schulverwaltung, Zeugnisse...). Warum? Weil der Dienstherr dann endlich solche Probleme angehen müsste, um seine Lehrkräfte endlich wieder ihren Hauptjob machen zu lassen.

    Überlastungsanzeigen funktionieren leider nicht. Vor nicht allzu langer Zeit wurden in Wiesbaden massiv solche Anzeigen erstellt, um auf systematische und strukturelle Probleme aufmerksam zu machen. Reaktion? Das Problem wurde individualisiert statt an den Strukturen zu arbeiten. Inklusive - ungelogen - Angeboten zur Achtsamkeit etc.

    PS: es gibt sicherlich auch die Lehrkräfte, die sich individuell Probleme auch selbst verursachen, die Hauptbelastung kommt aber durch strukturelle Probleme.

    Ich habe nichts daraus gefolgert, sondern lediglich festgestellt, dass Arbeit resp. Beschäftigung insg. nicht das Gegenteil von Langeweile ist (man sich also auch z.B. beim Arbeiten, bisweilen gerade dann, langweilen kann). Schön, wenn einigen ihre Arbeit so zerstreuend (hoffentlich nicht lediglich gefühlsbetäubend) ist, dass sie nicht lediglich beschäftigt, sondern bei ihr "keine Langeweile auf[tritt]" - freut mich ernsthaft für dich. :)

    Tatsächlich empfinde ich meine Arbeit als fordernd aber auch eben un-langweilig. Das macht das Arbeiten für mich leichter, ist aber natürlich nicht vergleichbar mit Freizeit, Familie, privater Unterhaltung etc.

    Das in Verbindung mit vielen Freiheiten und guter Bezahlung macht für mich den Job wirklich zu einem guten Job. Aber für die gleichen Bezüge nur halb so viel zu arbeiten, würde ich auch sofort annehmen ;)

    Naja, bei s3g4 und Sissymaus hörte es sich so an. Und wenn ich die Aussagen meiner Söhne während ihrer Berufsschulzeit bedenke... Aber ist doch schön, wenn es bei dir nicht so ist!

    Ich habe schon 5 verschiedene Schulformen unterrichtet.

    In der Schulform "Berufsschule" habe ich schon 4 verschiedene Berufe und bei denen dann auch noch immer mal wieder unterschiedliche Lernfelder gemacht.

    Dann ändern sich Lehrpläne und Lernfelder - besonders in Schulformen wie der HBF - werden extrem durcheinander gewirbelt. Mein allgemeinbildendes Fach hatte ich 10 Jahre unterrichtet, war darin wirklich super aufgestellt vom Material und seitdem habe ich keine Minute mehr darin gehabt.

    Das kann ich mir vorstellen, wenn es um die reine Wissensvermittlung in den Fächern (vor allem in den Beruflichen Schulen) geht. Aber gerade in der Grundschule passiert es eher weniger, dass Routine zu Langeweile führt. Das wissen die Kinder zu verhindern.

    Gerade hier an der BBS tritt keine Langeweile auf, wenn man wie ich bereit ist, immer wieder bei Anfrage der AL andere Berufe, andere Schulformen, andere Lernfelder/-bausteine/-module zu unterrichten. Und selbst da, wo ich immerhin schon seit 5 Jahren(!) durchgängig das selbe unterrichte, variiere ich jedes Mal.

    Seit 2 Jahrzehnten bin ich noch nie so weit gekommen, dass ich in einem Schuljahr alles hätte aus dem Archiv ziehen können. ;)

    Und auch hier machen meine SuS meinen Unterricht nicht langweilig :)

    Naja, du würdest dann halt ggf. einen anderen Job für ein Angestelltengehalt machen ;)

    Mein Angestelltengehalt vor dem QE war höher als das Beamtengehalt (mal schauen, wann eine Lehrkraft einen Fehler bei der Nutzung des Fachterminus anstreicht :D ) nach dem QE* ;)

    *Im Detail: Das Gesamtjahresnetto nach PKV (als Beamter) und 13. Monatsgehalt (als Angestellter in der Industrie).

    Ob ich jetzt wieder so einen gut bezahlten, zu 50% sehr coolen und 50% langweiligen und stressfreien Job bekäme???

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