Sechs Gründe, warum Lehrkräfte ihren Job gerne machen

  • Würdest du genau das gleiche machen, wenn du dafür nur ein monatliches Dankesschreiben deines Dienstherren bekommen würdest?

    Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Es geht ja nicht darum, ob das Geld motiviert, überhaupt einem Broterwerb nachzugehen - natürlich tut es das. Wir müssen ja von irgendwas leben. (Übrigens ist "Wir leben ja nicht bei den Schlümpfen" mein neues Lieblingszitat. Ich glaube, so charmant hast du deine Herkunft noch nie durchsickern lassen, Chili).

    Die Frage im Kontext dieses Threads ist doch eher, ob die konkreten Dienstbezüge nach A-Besoldung mich motivieren, gerade diesen Job auszuüben. Da glaube ich Frosch sofort, dass er das ehrlich und mit voller Überzeugung verneinen kann. Zumal, ich meine mich daran zu erinnern, als Frosch vor der letzten Eiszeit zum ersten Mal hier im Forum aufgeschlagen ist und etwas über seinen Hintergrund geschrieben hat. Wenn ich mich nicht täusche, dürfte das seine Sichtweise untermauern.

    Für mich persönlich: Ich genieße es schon sehr, mir im Prinzip alles leisten zu können, was ich möchte. Letzte Woche habe ich an einem Tag spontan für €200 Bücher bestellt. Es gab einen kurzen Stich aufgrund des schlechten Gewissens, aber die Frage war eben nicht "Wie soll ich jetzt den Rest des Monats überleben?" oder auch nur "Kann ich mir jetzt den großen, dekadenten Sommerurlaub noch leisten?", sondern nur ein moralisches "War das jetzt echt nötig?". Das ist schon ein riesiger Luxus. Und deswegen würde ich für mich sagen, dass die A-Besoldung nicht der Grund für meine Berufswahl war, dass mich der recht ordentliche Betrag auf dem Konto aber schon auch motiviert. Direkt aber auch indirekt, indem er es mir erlaubt, meine Freizeit als echten Ausgleich für den anstrengenden, aber zufriedenstellende Job, zu gestalten, weil ich die Mittel dafür habe.

  • Mich hält ausschließlich das Gehalt vom Jobwechsel ab. Ich habe keine Qualifikationen, mit denen ich anderswo ähnlich verdienen würde, und wäre auch kein guter Selbstständiger. Wäre das anders, wäre ich längst weg.

    Dabei mache ich das Kerngeschäft unter den richtigen Rahmenbedingungen durchaus gerne, die gibts aber eben nur in sehr kleinen Nischen des Bildungssystems.

  • Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Es geht ja nicht darum, ob das Geld motiviert, überhaupt einem Broterwerb nachzugehen - natürlich tut es das. Wir müssen ja von irgendwas leben. (Übrigens ist "Wir leben ja nicht bei den Schlümpfen" mein neues Lieblingszitat. Ich glaube, so charmant hast du deine Herkunft noch nie durchsickern lassen, Chili).

    Die Frage im Kontext dieses Threads ist doch eher, ob die konkreten Dienstbezüge nach A-Besoldung mich motivieren, gerade diesen Job auszuüben. Da glaube ich Frosch sofort, dass er das ehrlich und mit voller Überzeugung verneinen kann. Zumal, ich meine mich daran zu erinnern, als Frosch vor der letzten Eiszeit zum ersten Mal hier im Forum aufgeschlagen ist und etwas über seinen Hintergrund geschrieben hat. Wenn ich mich nicht täusche, dürfte das seine Sichtweise untermauern.

    Für mich persönlich: Ich genieße es schon sehr, mir im Prinzip alles leisten zu können, was ich möchte. Letzte Woche habe ich an einem Tag spontan für €200 Bücher bestellt. Es gab einen kurzen Stich aufgrund des schlechten Gewissens, aber die Frage war eben nicht "Wie soll ich jetzt den Rest des Monats überleben?" oder auch nur "Kann ich mir jetzt den großen, dekadenten Sommerurlaub noch leisten?", sondern nur ein moralisches "War das jetzt echt nötig?". Das ist schon ein riesiger Luxus. Und deswegen würde ich für mich sagen, dass die A-Besoldung nicht der Grund für meine Berufswahl war, dass mich der recht ordentliche Betrag auf dem Konto aber schon auch motiviert. Direkt aber auch indirekt, indem er es mir erlaubt, meine Freizeit als echten Ausgleich für den anstrengenden, aber zufriedenstellende Job, zu gestalten, weil ich die Mittel dafür habe.

    Zuerst habe ich gelesen, 200 Bücher an einem Tag bestellt. ^^ Für 200€, das geht ja noch. Ich glaube ja, jeder hat etwas, das er liebt und für das er auch mal Geld ausgibt. Und ja, das ist Luxus, aber der hält einen manchmal am Leben.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Würdest du genau das gleiche machen, wenn du dafür nur ein monatliches Dankesschreiben deines Dienstherren bekommen würdest?

    Nein, denn man muss von etwas leben.

    Trotzdem kann es gut sein, dass der Kontostand nicht die Motivation zum Lehrerberuf ist, weil man vielleicht Alternativen mit einem höheren Gehalt hätte oder meinetwegen auch nur einem ebenfalls ausreichendem Gehalt.

  • Öhm ja, nee.

    Grund 3 ist lustig... je jünger die Schüler, mit denen ich arbeiten muss, desto älter fühle ich mich. Nie wird mir bewusster als am Arbeitsplatz, wie unendlich weit ich bereits von Generation TikTon und wallah weg bin.

    Ich sehe es eher so, dass ich durch meine Arbeit mit Jugendlichen noch recht viel mitbekomme, wie diese Generation "tickt".

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ich sehe es eher so, dass ich durch meine Arbeit mit Jugendlichen noch recht viel mitbekomme, wie diese Generation "tickt".

    Ich auch.

    Ansonsten ist die Liste ja gruslig.

    Ich hab einige Menschen in meinem Kollegium, die ich mag, aber wenn es ansonsten nicht mehr passt in dem Job, dann halten mich auch nicht die Leute da. Die könnte ich auch ohne Job privat treffen, wenn auch nicht so häufig. Ich hab eher Fluchtreflexe bei anderen Personen im Kollegium, die ich einfach furchtbar finde, sowohl persönlich als auch von ihrer Arbeitsweise/einstellung, die mit meiner nicht im Mindesten übereinstimmt.

    Die anderen Punkte...Naja... Aber ich verstehe zB auch nicht, wie man 30-40 Jahre den gleichen Job machen kann (von Variationen der Klassen/Schulen mal abgesehen). ich langweile mich alle 7-10 Jahre so sehr, dass ich mir andere Beschäftigungen suche.

  • Das ist bei mir doch anders.

    Ich mag die meisten meiner Kolleg*innen gern (ich kenne aber tatsächlich nur einen Bruchteil näher; viele treffe ich ganz selten, weil sie in anderen Abteilungen eingesetzt sind) - als "furchtbar" habe ich bisher noch niemandem im Kollegium empfunden - und bin auch aufgrund dessen nach so vielen Jahren noch gerne an meiner Schule. Ich arbeite gern mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen; sonst hätte ich den Beruf ja nicht ergriffen bzw. etwas anderes studiert oder nach kurzer Zeit versucht, in die "freie Wirtschaft" zu wechseln. Und habe mich in den letzten fast 25 Jahren noch nie in meinem Beruf gelangweilt, da die SuS fast jährlich wechseln und ich auch immer mal wieder in anderen Bildungsgängen und anderen Lernfeldern/Qualifizierungsbausteinen/Profilbausteinen eingesetzt bin (hinzu kommt, dass es ab und zu ganz neue Bildungsgänge oder Änderungen in den Lehrplänen gibt).

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Die anderen Punkte...Naja... Aber ich verstehe zB auch nicht, wie man 30-40 Jahre den gleichen Job machen kann (von Variationen der Klassen/Schulen mal abgesehen). ich langweile mich alle 7-10 Jahre so sehr, dass ich mir andere Beschäftigungen suche.

    Bei mir sehr ähnlich. Sobald alles routiniert ist, fange ich an mich zu langweilen und suche zusätzliche oder neue Dinge. Bisher habe ich immer noch was gefunden, damit mir nicht langweilig wird. Mal sehen wie es weiter geht :D

  • Bei mir sehr ähnlich. Sobald alles routiniert ist, fange ich an mich zu langweilen und suche zusätzliche oder neue Dinge. Bisher habe ich immer noch was gefunden, damit mir nicht langweilig wird. Mal sehen wie es weiter geht :D

    Ich suche grad wieder 😅

  • Sobald alles routiniert ist, fange ich an mich zu langweilen

    Das kann ich mir vorstellen, wenn es um die reine Wissensvermittlung in den Fächern (vor allem in den Beruflichen Schulen) geht. Aber gerade in der Grundschule passiert es eher weniger, dass Routine zu Langeweile führt. Das wissen die Kinder zu verhindern.

  • Naja, du würdest dann halt ggf. einen anderen Job für ein Angestelltengehalt machen ;)

    Mein Angestelltengehalt vor dem QE war höher als das Beamtengehalt (mal schauen, wann eine Lehrkraft einen Fehler bei der Nutzung des Fachterminus anstreicht :D ) nach dem QE* ;)

    *Im Detail: Das Gesamtjahresnetto nach PKV (als Beamter) und 13. Monatsgehalt (als Angestellter in der Industrie).

    Ob ich jetzt wieder so einen gut bezahlten, zu 50% sehr coolen und 50% langweiligen und stressfreien Job bekäme???

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Das kann ich mir vorstellen, wenn es um die reine Wissensvermittlung in den Fächern (vor allem in den Beruflichen Schulen) geht. Aber gerade in der Grundschule passiert es eher weniger, dass Routine zu Langeweile führt. Das wissen die Kinder zu verhindern.

    Gerade hier an der BBS tritt keine Langeweile auf, wenn man wie ich bereit ist, immer wieder bei Anfrage der AL andere Berufe, andere Schulformen, andere Lernfelder/-bausteine/-module zu unterrichten. Und selbst da, wo ich immerhin schon seit 5 Jahren(!) durchgängig das selbe unterrichte, variiere ich jedes Mal.

    Seit 2 Jahrzehnten bin ich noch nie so weit gekommen, dass ich in einem Schuljahr alles hätte aus dem Archiv ziehen können. ;)

    Und auch hier machen meine SuS meinen Unterricht nicht langweilig :)

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Naja, bei s3g4 und Sissymaus hörte es sich so an. Und wenn ich die Aussagen meiner Söhne während ihrer Berufsschulzeit bedenke... Aber ist doch schön, wenn es bei dir nicht so ist!

    Ich habe schon 5 verschiedene Schulformen unterrichtet.

    In der Schulform "Berufsschule" habe ich schon 4 verschiedene Berufe und bei denen dann auch noch immer mal wieder unterschiedliche Lernfelder gemacht.

    Dann ändern sich Lehrpläne und Lernfelder - besonders in Schulformen wie der HBF - werden extrem durcheinander gewirbelt. Mein allgemeinbildendes Fach hatte ich 10 Jahre unterrichtet, war darin wirklich super aufgestellt vom Material und seitdem habe ich keine Minute mehr darin gehabt.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Gerade hier an der BBS tritt keine Langeweile auf, wenn man wie ich bereit ist, immer wieder bei Anfrage der AL andere Berufe, andere Schulformen, andere Lernfelder/-bausteine/-module zu unterrichten. Und selbst da, wo ich immerhin schon seit 5 Jahren(!) durchgängig das selbe unterrichte, variiere ich jedes Mal.

    Seit 2 Jahrzehnten bin ich noch nie so weit gekommen, dass ich in einem Schuljahr alles hätte aus dem Archiv ziehen können. ;)

    Und auch hier machen meine SuS meinen Unterricht nicht langweilig :)

    Beneidenswert. Diese Erwerbsarbeit schafft es meinerseits leider nicht zum Gegenteil von Langeweile, im Gegenteil. Dafür bräuchte ich Zerstreuung... und die finde ich nur privat.

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

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