Arbeitszeiterfassung und Präsenzpflicht

  • Ich möchte allerdings betonen: Ich war am Anfang irritiert bis genervt ("Störung meiner Effizienz"), aber die allermeisten Gespräche drehen sich auch stark um die Arbeit, die aller wenigsten Minuten drehen sich im Alltag um die Kinder oder das Hobby (ausgenommen oft die Mittagspause) und es sind oft wertvolle Informationen. Es sind quasi kleine informelle Dienstbesprechungen... Wissen, was jemand in seinem Projekt macht, wofür er verantwortlich ist, usw..
    Ich musste auf die harte Tour lernen, dass "Effizienz" der eigenen Arbeit nicht darunter "leidet", sondern dass es auch dazu gehört.
    Ich muss aber auch zugeben: Am Ende habe ich 2-3 Tage in Präsenz, 2 im HO gehabt, und es war die perfekte Mischung. An einem Tag war der absolute Austausch sehr zentral und meine restlichen Präsenztage habe ich an den Tagen gelegt, wo die allermeisten im HO waren, so dass es für mich eine super Balance war. Socializing will ich nicht mehr unterschätzen, aber ich will trotzdem in meiner kleinen ruhigen Höhle in Ruhe arbeiten. Auch da galt immer: Wenn man um 7 im Büro ist, hat man schon 90 Minuten perfekte Ruhe und kann sich dann auf die Menschen mehr freuen :D

  • Aus meiner Zeit in der Behörde kann ich chilis Erfahrungen bestätigen. Einen Teil davon habe ich mir bei meiner Rückkehr in den Schuldienst "mitgenommen".

    Am Wochenende mache ich mit Ausnahme von Korrekturen fast nichts mehr für die Schule - so komme ich zu einer klareren Trennung zwischen Schule und Privatleben. In der Schule arbeite ich neben dem Unterricht einerseits effizient, andererseits halte ich aber auch mit KollegInnen diese so genannten "Schwätzchen", die auch weniger über Privates als über schulische Themen gehen und im weiteren Sinne als Teambuilding bzw. Verbesserung der Arbeitsatmosphäre erachtet werden können.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Ich musste auf die harte Tour lernen, dass "Effizienz" der eigenen Arbeit nicht darunter "leidet", sondern dass es auch dazu gehört.

    Ich sitze regelmäßig mit einer kleinen Gruppe Kollegen am Freitag noch nach 15 Uhr zusammen.
    Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und leben so das Gemeinschaftsgefühl und dabei reden wir natürlich auch über Schule. Manchmal Frustabbau, manchmal entstehen Ideen.

  • Und wie toll wäre wirklich: Krank heißt krank (und nicht nur Unterrichtsentfall, alle anderen Dinge müssen dennoch nachgearbeitet werden)

    Ist es aber doch. Also ich bin ja nicht besonders oft krank (ca. 1-2 Tage im Jahr, wenn überhaupt), aber ich arbeite gar nichts nach.

  • Ich sitze regelmäßig mit einer kleinen Gruppe Kollegen am Freitag noch nach 15 Uhr zusammen.
    Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und leben so das Gemeinschaftsgefühl und dabei reden wir natürlich auch über Schule. Manchmal Frustabbau, manchmal entstehen Ideen.

    Ja, das habe ich auch mal in der Schule und zwar früher sehr oft. Aber da wir die Arbeitszeit nicht wirklich erfassen, habe ich es nie als "Arbeitszeit" gesehen, selbst in den Jahren, wo ich versucht habe zu tracken.
    Und dabei gehört es (in einem gewissen Maße!) total dazu!

  • Aber wie soll das funktionieren? Das ist ja generell ein Thema und nicht lehrer-spezifisch.
    Ich finde es nicht unnormal dass Dinge nachgearbeitet werden müssen. Dabei achte ich aber drauf, dass ich trotzdem kürze, wo es geht. (oder auch je nach Krankheit, manche Dinge trotz Unterrichtsentfall erledige)

    Wie soll das denn gehen? Du Holst doch nicht die ausgefallenen Stunden nach oder machst du das? Die sind weg und kommen nicht wieder.

  • Wie soll das denn gehen? Du Holst doch nicht die ausgefallenen Stunden nach oder machst du das? Die sind weg und kommen nicht wieder.

    Es ging um die Aufgaben abseits des Unterrichts. Der entfällt natürlich.

    Aber die Korrekturen liegen da, genauso wie ggf. Prüfungserstellung oder irgendwelche Konzepte.

    Je nach Querschnittsaufgabe auch da noch Sachen, die dann eben dort noch anfallen.

  • Momentan ist es doch so (zumindest bei mir) dass man in den Ferien weniger arbeitet (nichts nichts, aber auch keine 8 Stunden am Tag) und während gewisser Schulwochen absolute Spitzen drin hat, wo man täglich weit mehr als 8 Stunden arbeitet und auch an den Wochenenden viel. In der Grundschule sind das die Wochen mit den Lernentwicklungsgesprächen, die Zeugniszeit, und dann so Wochen wie die Schuleinschreibungswoche oder auch der Schulbeginn. Schullandheim, Wochen mit Fortbildungen und Elternabenden, Elternsprechtage... Naja, so Wochen eben.

    So. Wird man nun verpflichtet, täglich 8 Stunden in Präsenz an der Schule zu sein, dann funktioniert das in normalen Wochen sicher ganz gut. An den Wochen, in denen diese Spitzen auftreten, funktioniert es nicht mehr. Dann möchte ich bitte Überstunden aufschreiben und diese dann auch nehmen dürfen. Ebenso, wie wenn ich am Wochenende doch was arbeite, möchte ich es als Überstunden gewertet haben. Einfach so mal mehr machen funktioniert dann halt nicht mehr.

    Wenn mein Arbeitsplatz an der Schule ist, dann würde ich auch alles Material dort vorfinden wollen, Rotstifte, Buntpapier, Laminierfolien etc pp. Wenn mein Computer an der Schule nicht funktioniert, kann ich ihn nicht benutzen. Nachdem ich dann ja aber die 8 Stunden an der Schule gearbeitet habe, mache ich daheim am privaten PC nichts mehr.

    Ich denke, die Qualität der Unterrichtsvorbereitung würde leiden, die Attraktivität des Berufs ebenso, und ob es umsetzbar ist, dass jeder Lehrer einen Arbeitsplatz an der Schule bekommt, wo er in Ruhe und ungestört auf einem ergonomischen Stuhl arbeiten kann, bezweifle ich auch. Mir persönlich würde die Mittagspause sehr fehlen, ich bin nach 6 Stunden Unterricht mit Zweitklässlern sowas von erschöpft, dass ich meistens erst gegen 17 oder 18 Uhr wieder effektiv weiterarbeiten kann. Das ist halt mein persönliches Problem dann, alles andere oben genannte ist aber allgemeingültig, denke ich.

  • Dann möchte ich bitte Überstunden aufschreiben und diese dann auch nehmen dürfen. Ebenso, wie wenn ich am Wochenende doch was arbeite, möchte ich es als Überstunden gewertet haben. Einfach so mal mehr machen funktioniert dann halt nicht mehr.

    Ein zweischneidiges Schwert: Ich gehe davon aus (- eben auch nach meiner Erfahrung mit der Zeiterfassung im öffentlichen Dienst bei der Abordnung ins Amt vor vielen Jahren -), dass es natürlich eine Form von Gleitzeit geben würde. D.h., ja, du kannst Überstunden abfeiern und dir dadurch freie Tage oder sogar Wochen (eher im Singular) schaffen. Gleichzeitig war es so, dass man das Abfeiern immer genehmigen lassen musste. In diesem Modell hätten wir also weiterhin die Belastungsspitzen, das System müsste sich nicht ändern/anpassen, weil "Kann ja dann abgefeiert werden", allerdings würde die Flexibiliät der Zeitplanung in den Ferienzeiten zumindest eingeschränkt werden.
    Und am Wochenende arbeiten? So einfach würde das nicht mehr gehen, zumindest am Sonntag wäre das vermutlich formal nicht möglich. Was man dann bei der Zeiterfassung wie mauschelt, steht auf einem anderen Platz.r.

    Wenn mein Arbeitsplatz an der Schule ist, dann würde ich auch alles Material dort vorfinden wollen, Rotstifte, Buntpapier, Laminierfolien etc pp. Wenn mein Computer an der Schule nicht funktioniert, kann ich ihn nicht benutzen. Nachdem ich dann ja aber die 8 Stunden an der Schule gearbeitet habe, mache ich daheim am privaten PC nichts mehr.

    Interessanter Aspekt, an den ich noch gar nicht gedacht habe. Dass dann neben dem Computerarbeitsplatz, der der Arbeitsstättenverordnung folgt, auch alle Verbrauchsmaterialien gestellt werden müssten, stimmt natürlich. Das wird spannend.

    Ich glaube, dass die Zeiterfassung kommen wird. Ich glaube auch, wenn sie korrekt käme, würde sie zu vielen Veränderungen führen, die meisten gut und in unserem Sinne, andere eher einschränkend. Aber wir würden unterm Strich davon profitieren, dass eben Aufgaben nicht einfach mal so eben verteilt werden. Was Kolleginnen wie O. Meier hier völlig zurecht gerne immer und immer wieder vorleben, dass man bei Zusatzaufgaben offensiv fragen sollen, welche andere Aufgabe dafür nicht mehr erledigt werden soll, wäre dann ein Automatismus.

    Allerdings glaube ich, dass der Dienstherr sich hier herausmauscheln wird und dass es dazu kommt, dass Lehrkräfte einfach selbst ihre Zeit irgendwo eintragen müssen. 90% der KuK wird jede Woche genau den Wert eintragen, der ausreicht, um die Ferien "abfeiern" zu können, ohne auch nur eine Sekunde aktiv erfasst zu haben. Der Dienstherr wird sich feiern, dass es ja wunderbar ist, wie die Arbeitszeit offenbar genau passt und nichts wird sich ändern. Das ist der öffentliche Dienst...

  • Das mit der Mittagspause ist absolut oberwichtig! Ich kann nach einem lauten, reizüberflutenden Grundschulvormittag auch erstmal nur pennen und arbeite frühestens um 17h wieder. Nach 6 Stunden kann ich absolut nichts mehr machen.

  • Ich arbeite TZ, habe eine 75 Prozent Stelle mit viel Deutschunterricht, Einsatz in der Oberstufe und Klassenleitung. Hätte ich eine Arbeitszeiterfassung, würde ich früh um 7.20 Uhr an der Schultür einstempeln (Unterricht beginnt um 7.40 Uhr) und jeden Tag um 13.20 Uhr ausstempeln. In dieser Zeit wäre alles unterzubringen, Aufsichten, Elterngespräche, Korrekturen, Konferenzen, Unterrichtsvorbereitung. Lägen Konferenzen, Tag der offenen Tür, Abiturprüfungen, Klassenfahrten außerhalb der Mo-Freitag Arbeitszeit bis 13.20 Uhr kämen die auf ein Mehrarbeitskonto und müssten abgefeiert werden. Ich gehe von einem riesigen Überstundenberg aus. Legt man seine 30 Tage Urlaub einigermaßen geschickt um die Feiertage rum, dann kommt man auch auf 8 Wochen Urlaub. Plus Überstunden abfeiern. Dafür könnte ich jeden Tag um 13.20 Uhr den Stift fallen lassen. Also, ich bin dabei!

  • Ich bin mir nicht sicher, ob du das so ganz richtig siehst. 75% ist erstmal quantitativ und sagt nichts darüber aus, wann diese Stunden liegen - also dass du jeden Tag um 13.20 Schluss haben musst, ergibt sich daraus nicht. Sicherlich kann es nicht regelmäßige Zersplitterung geben, aber ganz so homogen würde es wohl eher nicht laufen.

  • Eben. Das müsste dann anders werden und die Verantwortlichen müssten sich überlegen, wie Schule so umzugestalten ist, dass die Arbeitsbelastung gleichmäßiger verteilt wird. Ich bin sehr gespannt und übe mich in freudiger Erwartung auf das Ergebnis 😊

    Da fehlt mit die Fantasie. Nach Schulbeginn kommt nach 4-8 Wochen bei mir eine intensive Klausurphase, die sich nicht vorverlegen lässt. Ebenso vor Weihnachten, Ostern und den Zeugnissen. Dazwischen kommt manchmal eine ruhige Zeit.

    Dann gibt es Jahre mit neuen Fächern, Lehrplänen, dann wieder Jahre, wo alles eingespielt ist.

    Da ist nichts mit gleichmäßig und wer soll der Verantwortliche sein, der das steuert und glättet. Geht einfach nicht.


    Bin sehr glücklich über die aktuelle Situation.

  • Ist es aber doch. Also ich bin ja nicht besonders oft krank (ca. 1-2 Tage im Jahr, wenn überhaupt), aber ich arbeite gar nichts nach.

    Das glaube ich nicht. Wenn du für einen Tag Korrekturen planst und an dem Tag krank bist, dann erledigt diese doch nicht deine Vertretung sondern du selbst, wenn du wieder gesund bist.

  • Das glaube ich nicht. Wenn du für einen Tag Korrekturen planst und an dem Tag krank bist, dann erledigt diese doch nicht deine Vertretung sondern du selbst, wenn du wieder gesund bist.

    richtig, aber die Unterrichtsstunden, die ich nicht gehalten habe, komme nicht zurück. Andere Arbeiten von mir bleiben sicher liegen und müssen von mir später gemacht werden.

  • Die Lehrkräfte waren viel mehr auf Effizienz gestrickt, einfach weil sie es aufgrund der normalerweise fehlenden Arbeitszeiterfassung so gewohnt waren - nicht weil sie irgendwie moralisch überlegen oder die "besseren Arbeiter" wären.

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

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