Beiträge von chemikus08

    Es ist ja nicht aus dem Nichts heraus. Viele der betroffenen KollegInnen arbeiten schon seit Jahren auf Teilzeit. Das machen sie nicht wegen einer reichen Erbschaft sondern weil sie schon seit Jahren mehr aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffen. Bislang hat da nur niemand nach gefragt und man hat auf "eigene Rechnung " reduziert. Wenn jetzt aus dem Nichts heraus der Arbeitgeber sagt, dass es Teilzeit so nicht mehr gibt und derjenige der gesunheitlich nicht mehr kann, dass dann bitteschön in Form einer Teildienstfähigkeit klären soll dann ist das so. Jeder Arzt der klar bei Verstand ist, wird kein Verständnis für einen Arbeitgeber haben, dem die freiwillige Selbsteinschätzung zur Arbeitsfähigkeit nicht ausreicht um Teilzeit zu gewähren. Hier ist das Verständnis bei der Ärzteschaft sehr groß. Denn niemand möchte, dass die Kollegin dann bitteschön erstmal Vollzeit arbeitet bis sie umkippt um dann nach sechs Monaten Psychoklinik und weiteren sechs Monaten Wiedereingliederung das Attest für die Teildienstfähigkeit zu bekommen. Unsere Ärzte halten uns gemeinhin schon für fähig die eigene Leistungsfähigkeit selber einzuschätzen.

    Das Ganze greift wahrscheinlich ganz speziell da, wo sowieso schon Personalnot besteht. In dem Moment wo es in einem "Beritt" hohe Ausfallzeiten von Stunden gibt, da fragt das Schulministerium sofort nach, ob den der Erlass von Frau Ministerin auch brav eingehalten wird. Und da möchte man dann keine Angriffspunkte liefern. Und die Genehmigung von Teilzeit so einfach auf Zuruf ist dann ein Punkt an dem sich die Bezirksregierung angreifbar macht. Denn der Erlass von Frau Feller zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung ist ja immer noch in Kraft und danach soll voraussetzungslose Teilzeit eben sehr genau geprüft werden. Mit der Feststellung einer Teildienstfähigkeit ist die Dienststelle sozusagen "reingewaschen" . Diese Teilzeit entziehen sich jeder Diskussion mit dem Ministerium genauso wie alle Teilzeiten aus familliären Gründen. Auch Teilzeit auf Grund von Schwerbehinderung (oder Gleichstellung) ist raus, da der Rechtsanspruch im SGB IX festgeschrieben ist.

    Ich zitiere mal aus dem Handlungskonzept das Frau Feller 2022 herausgegeben hat:

    "Anträge der Lehrkräfte auf Teilzeitbeschäftigung, die nicht im Zusammenhang mit familiären Gründen stehen (z. B. Kinderbetreuung oder Pflege eines nahen Angehörigen), werden intensiv geprüft, ob im Einzelfall dienstliche Gründe einer Genehmigung (im beantragten Umfang) entgegenstehen."

    Bei Alkoholismus wird es kompliziert. Der Arbeitgeber hat bei begründeter Veranlassung das Recht dich diesbezüglich betriebsärztlich untersuchen zu lassen. Kommt der BA zu dem ERgebnis, dass eine Alkoholsucht vorliegt, dann kann er auch davon ausgehen, dass ohne Entzug die volle Dienstfähigkeit nicht in absehbarer Zeit wieder hergestellt werden kann. In dem Fall wir der Arbeitgeber Dich auffordern einen Rentenantrag wegen Erwerbsminderung zu stellen. Das kann abgemildert werden auf einen REHA Antrag der automatisch zum Rentenantrag wird, wenn das REHA Ziel nicht erreicht wird. Kommt der Arbeitnehmer dieser Aufforderung dann nicht unverzüglich nach, so endet das Arbeitsverhältnis automatisch im darauffolgenden Monat ohne dass es einer Kündigung Bedarf. (§ 33 TVL)

    Ja chilipaprika die Gefahr existiert. Ich habe dass in meinem über 12 Berufsjahren Berufserfahrung auch schon mal erlebt. Kann man aber an einer Hand abzählen. Und ehrlich gesagt, waren das alles samt Fälle, wo jeder mit klarem Verstand demjenigen geraten hätte die Chance wahr zu nehmen. Wenn dann jemand vor dem Amtsarzt steht, der keinen Satz mehr geradeaus formulieren kann, dann wird der Amtsarzt sich natürlich überlegen denjenigen zur Ruhe zu setzen. Wenn aber eine klare fachärztliche positive Prognose besteht, dann ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass der Amtsarzt denjenigen zur Ruhe setzt. Falls doch, so gibt es durchaus Möglichkeiten sich hiergegen zur Wehr zu setzen.

    Insgesamt scheint die Kollegin so viele Böcke geschossen zu haben, dass da auch aus gewerkschaftlicher Sicht anscheinend nichts mehr Interessantes dabei ist. Ich hätte es viel interessanter gefunden, wenn sich die Krankschreibung als berechtigt herausstellt, und der vermeintliche Nebenverdienst sich im Bereich der Geringfügigkeitsschwelle bewegt hätte.

    Dann wäre an dem Fall tatsächlich noch ein auch aus gewerkschaftlicher Sicht interessanter Aspekt. So ist es ein klassischer Betrugsfall. Was dabei dann disziplinarisch raus kommt, wenn sich das alles so bestätigt, kann eigentlich nur die Entfernung aus dem Dienst sein. Bis wann sie dann nachzuversichern ist, hängt davon ab, ab wann das Beamtenverhältnis endet oder geendet hat. Das könnte dann noch einigermaßen interessant werden.

    Ansonsten ist es bescheuert auf Grund solcher Einzelereignisse immer die ganze Berufsgruppe in den Dreck zu ziehen. Es gibt auch Ärzte die bauen Bockmist. Aber darunter leidet nicht mein Grundvertrauen, was ich in die Berufsgruppe habe. Wenn wir uns allen nur noch misstrauen, dann können wir als Gesellschaft einpacken. Dann sind wir nur noch ein dysfunktionaler Haufen. Das darf nicht passieren.

    Wer sein Foto nicht frei gibt endet womöglich als Karikatur und wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, da ist unser SL mit seiner Karrikatur in der inoffiziellen Schülerzeitung verdammt schlecht weg gekommen. (Inoffizielle war die Schülerzeitung die vor dem Schulgelände nur verkauft werden durfte. :)

    chilipaprika

    An einer Stelle muss ich Dich korrigieren. Im Bereich Realschule (zumindest in meinem Regierungsbezirk) ist es mittlerweile usus, dass Anträge wegen Teilzeit aus gesundheitlichen Gründen unmittelbar zu einer Überprüfung der Dienstfähigkeit führen. Hierzu gibt es eine offizielle und eine inoffizielle Begründung. Die offizielle Begründung ist die Fürsorgepflicht. Gibt ein Beamter an, dass er aus gesundheitlichen Gründen Teilzeit benötigt, so liegt, wenn diese Behauptung richtig ist, eigentlich eine Teildienstfähigkeit per definitionem vor. Diese dann auch durch den Amtsarzt bestätigen zu lassen schützt den Beamten vor Überbeanspruchung. In diesem Fall verbietet es sich nämlich automatisch die Kollegin / den Kollegen zur Mehrarbeit zu verpflichten. Das sollte man im Hinterkopf haben. Und rein inoffiziell geht es der Dienststelle mit der Feststellung der Teildienstfähigkeit auch besser. Es erspart sinnfreie Diskussionen mit dem Ministerium, war denn so viel voraussetzungslose Teilzeit genehmigt wurde (denn dazu zählt ein solcher Antrag).

    Wir haben übrigens eine Gruppe vergessen, die jederzeit einen Antrag auf Teilzeit nach dem SGB IX stellen kann. Das ist die Gruppe der Schwerbehinderten sowie der Gleichgestellten. Das geht dann auch ohne Attest und und ohne Amtsarzt durch.

    Eine weitere Gruppe, die nochmal besonders behandelt wird sind die tarifbeschäftigten Kollegen. Die können auch einen Antrag auf TZ aus gesundheitlichen Gründen stellen, da es beim Tarifbeschäftigten das Modell der Teildienstfähigkeit nicht gibt.

    Nein wir ballern eben kein 💸 in die Inklusion. Das was das Ministerium da verzapft ist ein Sparmodell Inklusion light . Derzeit liegen in den meisten Schulen weder die erforderlichen personellen Ressourcen, noch die erforderliche Anzahl von Förderpädagogen insbesondere auch mit der Expertise des jeweiligen Förderbedarfs (was nützt ein Gynäkologe wenn Mann einen Herzchirurgen braucht), noch die räumlichen Anforderungen, noch die erforderlichen Fördermatrialien gegeben. Daher fehlen derzeit die Gelingensbesingungen für erfolgreiche Inklusion in erschreckender Weise.

    Bei sechs Monaten tappst Du vor allem in die Falle der krankheitsbedingten Kündigung.

    Da sind jetzt zwei Sachen zu differenzieren. Da gibt es einmal die Krankenkasse, die Dich als Krankengeld Empfänger loswerden will. Das allererste was die Kasse deshalb macht, sie fordert den Leistungsempfänger auf einen REHA Antrag zu stellen. Wähtend der REHA fäklt das Krankengeld weg und wird durch das sogenannte Übergabgsgeld ersetzt, das bezahlt aber die Deutsche Rentenversicherung.

    Auf der anderen Seite gibt es den Arbeitgeber. Damit der aber einen Grund für eine krankheitsbedingte Kündigung hat, müsste der Arbeitgeber unverhältnismäßig benachteiligt sein. So z.b. wenn es sich um häufige Erkrankungen mit wechselnden Diagnosen handelt und der Arbeitgeber dadurch erhebliche Lohnfortzahlungskosten hat. Wenn das dann mit einer negativen Zukunftsprognose verbinden ist, dann wäre eine personenbedingte Kündigung denkbar. Verbunden mit dem Risiko, dass der Personalrat nicht zustimmt. Dann muss das Ministerium entscheiden zusammen mit dem HPR. Wenn dass dann durchgeht, dann kann aber der gekündigte dennoch in einem Kündigungsschutzverfahren obsiegen, wenn er die negative Zukunftsprognose durch ärztliche Aussage wiederlegen kann. Für die Bezirksregierung also mit einem erheblichen Prozessrisiko verbunden .

    Ich kann mich an einen ehemaligen Schüler erinnern, der hat einige Schulbegleitungen "verschlissen". Einmal hat man ihm einen 21 jährigen mitgegeben. Der Schüler hat dann den Molli mit ihm gemacht. Nach dem zweiten Tag war dann Feierabend.🙈

    Für jemandem im Angestelltenverhältnis ist eine Erkrankung, die länger als 6 Wochen dauert oder mehrmals auftritt, schon ein gewaltiges Problem.

    Das ist in der Tat ein Problem. Ich habe es am eigenen Leib erfahren. Wenn dann die Rückkagen aufgebraucht sind, und das passiert schnell bei einer Krankheitsdauer über sechs Monate, dann tappt man schnell in die Schuldenfalle. Ich kann nur jedem Angestellten empfehlen rechtzeitig eine ausreichende Krankentagegeldversicherung abzuschließen. Die sind gar nicht so teuer.🤷

    Code
    Und wenn eine Dienststelle die Verbeamtung verweigert, dann nutzt Euren Rechtsschutz über die Gewerkschaft, alternativ die berufliche Rechtschutz und wenn beides nicht vorhanden ist, dann greift in Eure private Geldbörse und investiert in einen Anwalt (aber bitte einen Experten, keinen der sonst Scheidungen macht). D

    Was ich hier jetzt oben angestellt habe weiß ich nicht, manchmal macht der PC Sachen?? Die Rechtslage hat sich seit rund 20 Jahren sehr zu Gunsten der Bewerber verschoben!!

    KlasseBrutto EinstiegBerufsende
    Eins5146371926
    zwei5324677110
    drei5373482597
    vier5932484319
    A13 NRW6614680066

    Hinweis: Der wirkliche Gewinn des Beamten A13 liegt also nicht am Brutto, sondern an etwa 19000 Euro pro Jahr die sie oder er am Ende der Laufbahn jährlich an Sozialversicherung einspart. Geht man davon aus, dass der Beamte etwa 8000 im Jahr (grobe Schätzung nach oben) für seine private KV ausgibt sind das immer noch 12000 Versicherungkosten die er im Jahr gegenüber dem Tarifbeschäftigten einspart.

    Welche sind die fünf Klassen?

    Klasse 1: Quereinsteiger mit Berufsausbildung, NRW Eg 10

    Klasse 2: Quereinsteiger mit Bacherlor, in NRW Eg 11

    Klasse 3: Quereinsteiger mit Master (oder Diplom also Hochschulstudium mit mindesten 7 Semester) Eg 12

    Klasse 4: Quereinsteiger mit OBAS , NRW Eg 13

    Klasse 5: Vollerfüller jedoch nicht mit dem erforderlichen LA (also Gymnasiallehrer für Realschule)

    Und last, da wären wir sogar bei Klasse 6: Menschen der Klasse vier oder fünf die verbeamtet sind mit A 13

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