Beiträge von NRW-Lehrerin1976

    Das klingt ja furchtbar. Hast du denn bereits Erfahrungen derart gemacht, wurdest du schonmal bedroht?

    Zur Fahrt: also nimmst du einfach die mit, die bezahlen und führst keine Gespräche oder Ähnliches und lässt es auf sich beruhen?

    Ich fahre generell nicht mit Übernachtung, eintägige Ausflüge sind das Maximum und ja, ich wurde schon oft bedroht, das kommt immer wieder vor. Es stand z.B. mal ein vermeintlicher älterer Bruder unangemeldet vor meiner Haustür, und ließ mich wissen, dass seine Familie weiß, wo meine Familie wohnt und dass der auch was schlimmes passieren könnte, wenn ich seine Schwester (meine Schülerin) nicht in Ruhe lasse aufgrund ihrer häufigen Abwesenheiten von der Schule. Ich habe das zur Anzeige gebracht, es hat sich aber herausgestellt, dass das gar kein älterer Bruder war, sondern vermutlich irgendjemand aus dem Familienclan. Wer genau, konnte aber nicht ermittelt werden. Verfahren wurde daher eingestellt.

    Ich ändere die Gesetze aber nicht, ich fahre auf Klassenfahrt und muss eine Lösung finden.

    Ich tue das nicht, das kann ich bei unserem Klientel nicht verantworten. Ich will über Nacht für diese Kinder nicht verantwortlich sein. Läuft da irgendwas schief, bin ich nachher dran und das nicht nur dienstrechtlich. Wenn die kriminellen Väter meinen ihren Söhnen oder Töchtern wurden nicht ausreichend beaufsichtigt oder ihnen wurde irgendwie Unrecht getan, ist es nicht weit bis zur persönlichen Rache an mir. Das Risiko für mich und meine Familie gehe ich nicht ein.

    Und hier geht es nicht um eine Kleinigkeit: Hier geht es um Bildung und Schulpflicht und am Ende um die Zukunft unserer Gesellschaft. Da sollte sich der Staat doch vielleicht ein wenig mehr Mühe geben.

    Tut er aber eben nicht, wenn es darum geht den Teil der Schulpflicht an Klassenfahrten teilzunehmen wirklich durchzusetzen. Den anderen Teil der Schulpflicht durchzusetzen, also die regelmäßige Teilnahme am Unterricht, versagt der Staat auch in viel zu vielen Fällen, da passiert aber schon eher etwas. Ein Kind zu einer Klassenfahrt zu zwingen, weil es in einigen Bundesländern Teil der Schulpflicht ist, wird grundsätzlich nicht durch gesetzt. Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, wo das Kind wirklich gegen seinen oder den Willen seiner Eltern gezwungen wurde, denn wenn man das täte, gäbe es Kollateralschäden, die Politik und Gesellschaft nicht bereit sind zu akzeptieren, ich eingeschlossen. Man kann das beklagen, oder die Realitäten anerkennen und es einfach freiwillig machen, dann würde man sich jedenfalls nicht länger in die Tasche lügen. Ich kann diese Scheinheiligkeit nicht ertragen. Enweder man setzt eine Pflicht durch oder lässt es und macht es freiwillig. Das schließt ja nicht aus, dass man für solche Fahrten bei den Kindern und deren Eltern werben darf, denn sie sind in den allermeisten Fällen ja eine Bereicherung für die Kinder.

    Immer wieder wird von Elter, Medien und Gesellschaft angemahnt, dass Schule auch persönliche Kompetenzen fördern soll und Klassenfahrten bieten dafür die besten Gelegenheiten.

    Wir scheitern als Schule mittlerweile schon oftmals daran den Kindern Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Die vorhandenen Ressourcen sollten meiner Meinung nach darauf konzentriert werden, diese Leistung in ausreichendem Maße zu erbringen, wenn nötig auch mit Zwang, der dann aber auch konsequent durchgesetzt wird, was es auch kosten mag.

    Man sollte sich als Schule aber nicht dabei aufreiben irgendwelche unwillige Familien dazu zu zwingen ihre Kinder mit ins Schullandheim zu schicken. So bescheuert ihre Gründe im Einzelfall auch sein mögen, es gibt sie halt in zunehmendem Maße und man sollte nicht enormem Aufwand da rein stecken die Kinder mit auf die Klassenfahrt nehmen, die das gar nicht wollen. Förderung persönlicher Kompetenzen schön und gut, die die das einfordern können es auf freiwilliger Basis ja im Rahmen einer Klassenfahrt auch bekommen. Wer freiwillig darauf verzichtet, tut es eben.

    Ich finde die Gründe dafür, dass Klassenfahrten unbedingt Pflicht sein müssen, ehrlich gesagt nicht besonders überzeugend. Man kann auch freiwillige Schulfahrten anbieten, die dann je nach Interessenslage entweder wahrgenommen werden oder nicht. Da fahren dann sowohl Lehrer als auch Schüler mit, die das wollen und auch Spaß an der Sache haben.

    Wir sollten als Gesellschaft grundsätzlich besser aufpassen, wo wir die Grenze ziehen was Pflicht ist und was nicht und das was Pflicht ist dann auch wirklich durchsetzen und nicht irgendwie drum herum eiern und am Ende es doch irgendwie tolerieren, wenn Wege um die Pflicht herum gesucht und gefunden werden, denn so untergräbt man das Gemeinwesen ebenfalls.

    Hallo,

    meine Schulleitung hat gestern verkündet, dass es eine neue Anweisung von der Bezirksregierung gegeben hat, die besagt, dass nur noch ausgedruckte Atteste als Krankschreibung akzeptiert werden. Ich habe in der Vergangenheit ab und zu eine App mit Videosprechstunde genutzt, wenn mein Hausarzt mal nicht verfügbar war. Dort bekomme ich aber nur eine elektronische Krankschreibung. Auf meine explizite Nachfrage hin wurde mir gesagt, dass Krankschreibungen in Zukunft nur noch in der Form "gedruckter Zettel aus Arztpraxis" einzureichen sind, elektronische AUs werden explizit nicht mehr akzeptiert.

    Ist das rechtens? Bundesland ist NRW.

    Wenn ich hier in NRW an Logineo denke, ist mir diese Abhängigkeit von Microsoft, Apple, … wesentlich lieber. Deren Produkte funktionieren nämlich.

    Und genau aufgrund dieser Einstellung geht man sehenden Auges in die Abhängigkeit, weil man selbst nicht bereit ist die notwendigen Ressourcen zu investieren, um eigene Lösungen zu entwickeln, die auch funktionieren. So ein Ansatz dauert nämlich Jahre, man wird das auch finanziell als einzelnes Bundesland nicht alleine stemmen können, man müsste sich auf länderübergreifende Standards einigrn und das Problem zusammen anpacken. Wird aber alles nicht passieren, denn da kann man sich politisch nicht mit profilieren.

    Es wurde damals einfach das beschafft, was schnell verfügbar war. Langfristige Planung war nicht gefragt, da muss man sich über das Ergebnis nicht wundern. Es bräuchte eine länderübergreifende Gesamtstrategie für die Entwicklung, Beschaffung und Pflege der IT-Landschaft in den Schulen. Dann könnte man ganzheitlich einen Gerätepark und ein Software Ökosystem entwickeln, um nicht den bequemen Weg gehen zu müssen einfach das zu kaufen, was Apple so anbietet, denn dann erziehen wir schon unserr Kinder in die digitale Abhäbgigkeit.

    Schön, dass das bei dir funktioniert. Ich fühle mich für solche Gespräche nicht qualifiziert und hätte Angst mich in solche Situationen überhaupt zu begeben. Ich stelle mir schon vor dort auf einen vollgedröhnten afghanischen Vater zu treffen, der schon wiederholt offensiv die Meinung vertreten hat sich von Frauen gar nichts sagen lassen zu müssen und auch schon wegen diverser Gewaltdelikte im Gefängnis saß. 90% der Eltern meiner Schüler sind von der Sorte Menschen, von denen ich im Privatleben maximal Abstand halte. Solche Gespräche kann vielleicht das Jugendamt übernehmen, die Polizei oder wer auch immer. Ich aber nicht und schon gar nicht alleine ohne Absicherung.

    Wenn du die Polizei mitbringst, kannst du es sein lassen.

    Wenn du der Meinung bist, dass Jugendamt oder Polizeit zuständig sind, kannst du sie über den Sachverhalt informieren, dann können sie selbst entscheiden, ob sie tätig werden wollen.

    Ich glaube eher, dass ich wenn ich die Polizei nicht mitbringe, es sein lassen kann. Es geht mir um Elternhäuser, wo sich bitte bitte sagen und gut zureden als nachhaltig erfolglos herausgestellt hat. Wir haben halt Klientel, die es aus ihren Heimatländern gewohnt sind, nichts ernst zu nehmen, was im Zweifel nicht mit Gewalt vom Staat auch durchgesetzt wird. Das Jugendamt oder Polizei zu informieren führt wie oben beschrieben zu nichts.

    Ich würde nie alleine in die Privatwohnung der Eltern meiner Schüler gehen, um solche Gespräche zu führen. Bei den Kandidaten, die man sonst nicht zu fassen bekommt, wäre mir das zu gefährlich. Dafür bin ich nicht bereit meine körperliche und seelische Unversehrtheit zu risikeren. Grundsätzlich wäre so etwas aber eine gute Idee. Vielleicht könnte man zusammen mit der Polizei solche Besuche machen.

    Sorry, aber dass 2/3 deiner Klasse Scheinadressen, bewusst falsche Telefonnummern etc. angeben halte ich für sehr herbeikonstruiert.

    Die 2/3 beziehen sich auf den Anteil der erfolglosen Elternanrufe bei problematischen Schülern, falsche Telefonnummern sind ein häufiger Grund dafür, nicht rangehen, wegdrücken andere. Scheinadressen kommen auch vor, seltener, aber von Einzelfällen zu reden wäre untertrieben. Ich glaube die soziale Spaltung in Deutschland ist mittlerweils so weit fortgeschritten, dass sich viele Kollegen aus Gegenden "wo die Welt noch in Ordnung ist" gar nicht vorstellen können was in Brennpunkten für Verhältnisse herrschen. Ein System, welches unter den Teppich kehren systematisch belohnt, tut da sicher das übrige.

    Und das Jugendamt hat in solchen Fällen keine Handhabe?

    Doch, theoretisch schon. Aber wenn das Kind nicht unmittelbar in Gefahr zu sein scheint physisch Schaden zu nehmen, tun die nichts, denn die haben genug Fälle, wo das der Fall ist. Damit sich das Jugendamt kümmert, muss es halb tot auf der Straße gefunden werden oder jemand anderen ernsthaft physisch verletzt haben. Da reicht es nicht, wenn es in der Schule (auch wiederholt) auffällig wird, oder auch gewalttätig unter der Grenze, wo man es noch irgendwie mit viel gutem Willen bagatellisieren kann. Es ist eine Ressourcenfrage. Die Probleme der Kinder werden von allen Seiten so lange ignoriert, bis es zu spät ist.

    Briefe dauern max 2 Tage bis sie in der Post sind. Ich kann bei vielen Dingen aber auch die Eltern direkt über unseren Messenger anschreiben, dann ist die Nachricht direkt da.

    Zusätzlich kann ich über das elektronische Klassenbuch den Eltern ein Kommentar zur Stunde hinterlegen (macht gut mit, macht nicht mit, hat keine Hausaufgaben....).

    Und das Lesen bei uns viele der Eltern und gleichzeitig ist es eine Art der Dokumentation.

    Problematische Schüler haben fast immer problematische Eltern. Wenn ich versuche Eltern aus meiner Klasse telefonisch zu erreichen, gehen sie in 2/3 der Fälle nicht ans Telefon bzw. geben schon im Vorfeld ganz bewusst falsche Nummern an, eben damit sie für die Lehrer nicht erreichbar sind. Ein Workaround ist häufig das Kind zu bitten die Eltern mit ihrem Handy anzurufen. Die dummen Kinder machen das und dann bekommt man die Eltern an die Strippe. Häufig kann man dann aber auch nur mit dem Onkel/Tante/ältere Schwester, usw. reden, weil die Eltern kein Deutsch verstehen (wollen). Mit denen darf man aber eigentlich nichts besprechen. Dann muss für ein Elterngespräch erst ein Übersetzer vom Schulträger gestellt werden, der spezifische kurdische Dialekt ist dann aber nicht kurzfristig verfügbar, bzw. es stellt sich im Termin heraus, dass man sich doch nicht versteht.

    Einige Kinder haben für den Fall, dass man die Eltern über sie erreichen möchte auch dieselbe falsche Nummer eingespeichert, die die Eltern uns gegeben haben, und tun dann ganz überrascht, dass sie ihre Eltern leider nicht erreichen können. Briefe kommen übrigens auch häufig zurück, weil Scheinadressen bei der Anmeldung angegeben wurden.

    Also unterm Strich: Wenn die Eltern konstruktiv mitarbeiten, bekommt man jedes problematische Kind auf die rechte Bahn. Wenn nicht, ist Hopfen und Malz verloren und man kann sich die Arbeit sparen und direkt aufgeben. Das Kind wird dann später in die Sozialhilfe oder Kriminalität entlassen, entweder zum Schulabschluss oder irgendwann in der 7./8 Klasse, wenn es einfach nicht mehr in der Schule auftaucht und nur noch auf dem Papier Schüler der Schule ist. Ist schlimm, ist aber leider so.

    Natürlich nicht. Aber denkst du, dass dies das erste abweichende Verhalten des Sechstklässlers wäre und er zuvor vollkommen unauffällig war? Meine Erfahrung ist eher, dass sich in solchen Fällen das abweichende Verhalten früh in der Bildungskarriere zeigt und sich im Ausmaß kontinuierlich steigert.

    Meine Erfahrung ist, dass die Akten in den Grundschulen diesbezüglich weitgehend leer sind, man aber auf Nachfrage inoffiziell Auskünfte bekommt, die darauf hindeuten, dass da sehr wohl etwas war, und das nicht zu knapp. Die Grundschulen in unserer Gegend sind überfordert und ja auch zu bequem ihre Arbeit an der Stelle zu machen. Ein Ende der Verantwortung in der 4. Klasse ist schließlich absehbar, wieso sich also den Stress antun.

    Das Problem ist, dass wir bei unserer Klientel als Lehrer ausgelacht werden, wenn wir erzieherische Maßnahmen ergreifen. Die Schüler sagen dann ganz offen: "Sie können mich mal, ich flieg sowieso nicht von der Schule!" Und da sie damit recht haben, ist die Wirkung von erzieherischen Maßnahmen gleich null. Einige Schüler sind nicht zu kontrollieren, wenn harte Maßnahmen von Anfang an nicht in Frage kommen. Im Chemieunterricht gab es vor ein paar Monaten eine Schlägerei unter Sechstklässlern. Ein Kollege ist dazwischen gegangen, hat sich dabei aber nur eine blutige Nase geholt. Reaktion der Schulleitung: "Was gehen sie auch dazwischen, halten sie sich besser raus, dann werden Sie auch nicht verletzt." Ihm wurde geraten ein Elterngespräch zu führen, bei dem die Eltern den Standpunkt vertreten haben, dass sie das Verhalten ihres Kindes völlig nachvollziehen können, man muss sich schließlich wehren, wenn man angegriffen ist. Mehr ist nicht passiert.

    Das Problem ist, wenn allgemein unter den Schülern bekannt ist, das Fehlverhalten toleriert wird, werden auch erzieherische Maßnahmen nicht mehr ernst genommen und die Kollegen machen sich dann auch nicht mehr die Arbeit, weil es ja eh nichts bringt.

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