Beiträge von Kairos

    Echt absurd, außerdem was ist denn mit dem Rest der Klasse? Lässt man die alleine weiter schreiben?

    An jeder Schule, an der ich bisher tätig war, ist es so, dass während schriftlichen Prüfungen immer zwei Lehrkräfte Aufsicht führen. Wenn ein Schüler während der Prüfungszeit die Toilette benutzen möchte, geht eine Lehrkraft mit, die andere Lehrkraft bleibt im Prüfungsraum. Ich dachte immer, dass das an den meisten Schulen so praktiziert wird. Zumindest ist es an allen mir bekannten beruflichen Schulen in BW so (und ich kenne viele).

    Nur aus Interesse: Wie viele E-Mails/Nachrichten, auf die eine Antwort von euch erwartet wird, bekommt ihr so am Tag bzw. in der Woche? Ich arbeite in der Sek II, und bei uns hält sich das doch sehr in Grenzen. Zwar bekomme ich von KuK und der Schulleitung fast täglich E-Mails, aber es sind zumeist Infomails, auf die ich nicht antworten muss. Von den SuS bekomme ich vielleicht drei oder vier Nachrichten im Monat. Von den Eltern so gut wie gar nichts (vielleicht einmal im Jahr). Insgesamt schreibe ich im Schnitt drei E-Mails pro Woche, inklusive der Nachrichten, die ich selbst verschicke, wenn ich Informationen weitergeben muss. Alles andere läuft über persönliche Gespräche im Klassen- oder Lehrerzimmer.

    Wieso verdammt nochmal setzt Ihr eine Arbeitszeiterfassung gleich mit der Pflicht in der Schule arbeiten zu müssen. Die Hälfte der Aufsichtsbeamten der Mittelbehörde ist im zeitlichen Mittel in der Dienststelle. Ansonsten arbeiten die von zu Hause und müssen sich da genauso einloggen und ausloggen als wären sie im Büro. Und bei Lehrern wird dann behauptet, das ginge nur im Schulhaus. Ich verstehe nicht, wie man zu solchen Ansichten kommt, trotz zahlreicher Gegenbeispiele aus dem Arbeitsleben.

    Weil immer mehr Arbeitgeber genau das tun und seit der Pandemie zurückrudern und dem Home-Office kritisch gegenüber stehen, weil sie der Arbeitszeiterfassung außerhalb des Büros nicht trauen.

    Zauberwald

    Was hindert dich eigentlich daran, selbst eine Arbeitszeiterfassung durchzuführen? Dafür gibt es unzählige Apps. Mit den erfassten Arbeitszeiten kannst du dann eigenständig entscheiden, an welchen Stellen du arbeitstechnisch „abspecken“ musst, damit es zeitlich passt. Wenn das zur Folge hat, dass die Qualität der Arbeit leidet, dann ist das eben so – der Dienstherr scheint es ja so zu wollen.

    So viel Entscheidungsmacht über die eigene Arbeitszeit zu haben, ist ein großes Privileg – eines, das man aber auch aktiv nutzen sollte. Eine offizielle Arbeitszeiterfassung kann sehr schnell zu weniger Freizeit führen, besonders wenn sie uns dazu zwingt, täglich acht Stunden in der Schule zu verbringen. Be careful what you wish for.

    Bei der Ethik (Ich darf das nicht tun) und der Tochter der Ethik, der Moral (Ich tue es nicht) muss jede Person für sich selbst entscheiden.

    Korrekt wäre es so:

    - Ethik: "Ich darf das nicht tun, weil..." (Ethik ist die philosophische Reflexion der Moral. Ethik begründet also.)

    - Moral: "Ich darf das nicht tun." (Moral umfasst die gesellschaftlich oder kulturell anerkannten Normen, die auch mit der Zeit wandelbar sind.)

    Dem entnehme ich, dass Du nicht in einer Sek1 Schule und schon Mal gar nicht in einem Brennpunkt arbeitest? Liege ich da richtig?😂

    Ich arbeite an einer beruflichen Schule, die pädagogisch anspruchsvolle Schularten anbietet (z.B. AV Dual und Berufsfachschule). Wenn ich dort eingesetzt werde, habe ich nicht die Möglichkeit während des Unterrichts zu korrigieren, da ich damit beschäftigt bin, die SuS bei der Stange zu halten, was Energie kostet. Das, worauf du anspielst, gibt es auch bei uns.

    Korrigieren kann ich nur während des Unterrichts im beruflichen Gymnasium, aber nur bei längeren Arbeitsphasen, was auch nicht jeden Tag passiert.

    Meine Schulleitung ahnt übrigens, dass ich sehr schnell arbeiten kann, weshalb sie mir zur "Belohnung" gerne noch mehr Aufgaben geben möchte. In der Schule versuche ich deshalb meine Effizienz nicht an die große Glocke zu hängen. Ich werde immer wieder gefragt, ob ich "Lust" hätte, die nächste Abschlussklasse zu übernehmen. Mittlerweile verweise ich auch auf meine KuK, weil ich es nicht fair finde, dass ich mehr leisten muss, nur weil ich ohne großen Qualitätsverlust schneller bin als die meisten KuK. Eine offizielle Arbeitszeiterfassung wäre für mich nicht von Vorteil. Aber ja, wahrscheinlich bin ich da die Ausnahme.

    Ich kann nur jeden dazu ermutigen, die eigene Arbeitszeit zu erfassen. Vielleicht arbeitet ihr gar nicht so viel wie ihr denkt. Oder vielleicht stellt sich heraus, dass ihr viel zu viel arbeitet, aber dann habt ihr es immerhin schriftlich und könnt selbst schauen, wo und wie sich Zeit einsparen lässt.

    Kairos und hast du nun zu viel, zu wenig oder annähernd passend gearbeitet? Wieviele Wochenstunden hast du denn in deinem BL?

    Ich habe für meine Aufgaben deutlich weniger Zeit benötigt, als ich laut meinem Pensum hätte arbeiten müssen. Ich war mit einem Teilzeitpensum von 80 % beschäftigt, was 32,8 Stunden pro Woche (80 % von 41 Stunden) entspricht. Tatsächlich habe ich, wie die oben genannten Zahlen zeigen, deutlich weniger gearbeitet. Während der regulären Unterrichtszeit kam ich meist auf etwa 30 Stunden pro Woche (oft weniger). In unterrichtsfreien Zeiten habe ich deutlich weniger gearbeitet – teilweise gar nicht, abhängig vom Korrekturaufwand. Im Durchschnitt lag meine wöchentliche Arbeitszeit, unter Berücksichtigung der unterrichtsfreien Zeit und abgezogener Urlaubstage, bei rund 22 Stunden.

    Mir ist bewusst, dass sich das nach sehr wenig anhört und schnell der Eindruck entstehen kann, dass ich meiner Arbeit nicht gerecht werde. Doch das entspricht nicht der Realität. Mir wird jedes Jahr das Abitur anvertraut, weil ich mich bewährt habe, und meine Schüler bestätigen mir regelmäßig, dass mein Unterricht gut vorbereitet ist.

    Wie also ist es möglich, dass meine Arbeitszeit dennoch so niedrig ist? Über die Jahre habe ich mir eine effiziente Arbeitsweise angewöhnt:

    • Wiederverwendbare Vorbereitung: Ich gestalte Unterrichtseinheiten möglichst so, dass sie mehrfach einsetzbar sind. Zeitlose Themen bereite ich einmal sorgfältig vor und kann sie dann – mit kleineren Anpassungen je nach Lerngruppe – immer wieder nutzen. Ich verfüge mittlerweile über ganze Unterrichtsreihen, die ohne weitere Vorbereitung einsetzbar sind.
    • Grobplanung für einmalige Stunden: Aktuelle Themen, die sich nur einmal verwenden lassen, bereite ich nur grob vor. Für eine Stunde, die ich nie wieder halten werde, lohnt sich der Aufwand einer detaillierten Vorbereitung nicht.
    • Effiziente Übungsstunden: Übungsphasen sind pädagogisch sinnvoll und erfordern mit gutem Material keine aufwendige Vorbereitung.
    • Improvisationstalent: Ich bin in der Lage, Unterricht auch spontan und ohne vorherige Planung durchzuführen, z. B.:
      1. Einstieg mit einem stillen Impuls in Form einer kontroversen Aussage
      2. Schüler*innen beziehen Position dazu
      3. Diskussion in Kleingruppen zu Argumenten, Problemen und Lösungsansätzen
      4. Präsentation der Ergebnisse, die von der Lehrkraft ergänzt und korrigiert werden
      5. Verfassen einer persönlichen schriftlichen Stellungnahme zur Ausgangsfrage
    • Effiziente Nutzung der Unterrichtszeit: Ich nutze Arbeitsphasen der Schüler*innen gezielt, um parallel Korrekturen zu erledigen. Selbstverständlich stehe ich dabei für Rückfragen zur Verfügung.
    • Korrekturfreundliche Klausuren: Ich gestalte Prüfungen so, dass sie korrekturfreundlich bleiben, ohne die Anforderungen zu unterlaufen. Beispiele:
      • Reduzierte Aufgabenanzahl
      • Teilweise stichpunktartige Antworten zulässig
      • Keine ausufernden schriftlichen Kommentare, sondern strukturierte Feedback-Tabellen mit Ankreuzoption
      • In der Fremdsprache wird nicht jeder Fehler einzeln markiert, um schwächere Schüler*innen nicht zu überfordern
      • Statt Positivkorrektur erfolgt eine gezielte Nachbesprechung mit typischen Fehlern

    In 2023/24 habe ich noch in Teilzeit gearbeitet (20 Deputatsstunden). Ich muss in beiden Fächern korrigieren, da bei uns alle Fächer "Korrekturfächer" sind. Das ist das Ergebnis meiner persönlichen Arbeitszeiterfassung für das gesamte Schuljahr:

    • 560h: Unterricht, Prüfungen und Pausenaufsichten
    • 195h: Schreibtischarbeit, also vor allem Unterrichtsvorbereitung und Emails schreiben
    • 174h: Korrektur
    • 58h: Konferenzen und Teamtreffen
    • 23h: Ausflüge und besondere Events

    Ich mache meine Arbeit gewissenhaft. Meine SuS melden mir zurück, dass sie bei mir viel lernen und sie fühlen sich gut für die zentralen Abschlussprüfungen vorbereitet. Die Prüfungsergebnisse sind unauffällig, also wie gewünscht (trotz externer Zweit- und Drittkorrektur). Gleichzeitig versuche ich so effizient wie möglich zu arbeiten, sodass ich meine Freizeit maximieren kann, da ich das "echte Leben" (also meine "quality time", wie man heute zu sagen pflegt) ganz klar außerhalb der Arbeit verorte.

    bei der Arbeitszeiterfassung kann es nicht darum gehen, welche Art von Tätigkeit welcher Kollege als be- oder entlastend empfindet.

    Nein, aber um individuelle Wahrnehmungsunterschiede ging es mir gar nicht. Meine Aussage bezog dich darauf, dass sich 41 Stunden Arbeit je nach Beruf unterschiedlich auf die körperliche und mentale Gesundheit auswirken können. Dies wird bei der klassischen Arbeitszeiterfassung jedoch nicht berücksichtigt. Dabei brauchen Berufstätige, die einen sehr harten Job ausführen, vermutlich mehr Erholungszeit (damit meine ich jetzt gar nicht mal unseren Beruf). Deshalb halte ich das Arbeitsstunden-Modell für überholt.

    Wie belastend eine Arbeit ist, hängt wesentlich mit den konkreten Aufgaben zusammen. Ich kann gut sechs Stunden am Tag unterrichten, auch wenn es natürlich anstrengend ist und auch von den Lerngruppen abhängt. Im Vergleich empfinde ich jedoch schon vier Stunden Korrektur als deutlich anstrengender. Wenn ich also in der unterrichtsfreien Zeit "nur" 20 Stunden pro Woche korrigiere, sieht das in der Arbeitszeiterfassung nach wenig Arbeit aus, aber für meinen Geist und Körper (Rücken!) war es eine anstrengende Woche.

    Das schlimme an der Korrektur ist ja, dass sie unglaublich monoton und langweilig ist, man aber nicht geistig "abdriften" kann, weil man konzentriert sein muss. Nach vier Stunden lässt meine Konzentration deutlich nach, weshalb ich dann auch aufhöre zu arbeiten. Ob das mit einer strengen Arbeitszeiterfassung auch so funktionieren würde?

    Das Ergebnis von Arbeitszeiterfassung wäre mit Sicherheit nicht, dass sehr effizient arbeitende KuK dann doppelt so viel schaffen würden, sondern dass sie ihr Arbeitstempo anpassen würden.

    ... was diesen Beruf für mich wesentlich unattraktiver machen würde, da sich mein Stundenlohn verschlechtern würde bzw ich weniger Freizeit hätte.

    Wir hatten das Thema ja schon öfter, aber eine ehrliche Arbeitszeiterfassung könnte sogar aufdecken, dass die subjektive Einschätzung von Lehrkräften falsch ist und sie tatsächlich weniger Stunden arbeiten als sie denken. So war es bei mir als ich damit angefangen habe. Die Arbeit fühlt sich oft anstrengend an, aber ich bin deutlich unter dem Soll. Der Hauptgrund ist die unterrichtsfreie Zeit, durch die ich im Schnitt deutlich weniger als 41 Stunden pro Woche arbeite.

    Valerianus leider sind die "guten Schüler" die man in ein paar Minuten korrigiert hat die Ausnahme. Zum "Glück" habe ich aber auch viele von denen, wo gar nichts geht's. Die mittelmäßigen ziehen es dann psychologisch einfach runter.

    Danke aber, dass du das nochmal darstellst mit dem Studium, mir glaubt das ja nie jemand.

    Und volle Zustimmung zum letzten Teil. Es schmerzt einfach, wie wenig das, was wir gezwungenermaßen üben müssen, auf ein entsprechendes Studium vorbereitet.

    Ich bin mir absolut sicher, dass dir das gesamte Forum glaubt, wie anspruchsvoll Fächer wie Mathematik, Chemie und Physik sind. Das zu leugnen, wäre absurd. Vielmehr ist es doch oft so, dass man sich als Geisteswissenschaftler anhören muss, wie einfach oder wenig ernstzunehmend ein Studium in diesem Bereich sei – zum Beispiel, wenn du Hausarbeiten als bloße Aneinanderreihung von Quellen darstellst. Das entspricht schlicht nicht der Realität.

    Was Valerianus über Geschichte bzw. die Geisteswissenschaften geschrieben hat, kann ich für meine Universität nicht bestätigen. Dort sind viele gescheitert – etwa an der Logik-Vorlesung oder der Einführung in die Gattungspoetik (bei Letzterer fällt rund die Hälfte durch). Gerade das Fach Geschichte war an unserer Uni für den (zu?) hohen Anspruch der Dozierenden bekannt. Ich selbst habe allerdings kein Geschichtsstudium absolviert und kann deshalb nicht mehr dazu sagen.

    Vielleicht sollten wir das Fächer-Bashing ganz lassen – es führt doch zu nichts.

    Man kann MINT auch auf Lehramt studieren. Ich verstehe deine Bemerkung nicht.

    Auf meine Uni trifft die Quote völlig zu. 50% der Studierende in den Sprachen, Geschichte und Philosophie haben abgebrochen, so wie in MINT auch. Ob Lehramt oder nicht spielte bei uns keine Rolle, denn die Anforderungen waren für geisteswissenschaftliche Studiengänge gleich.

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