Kairos und hast du nun zu viel, zu wenig oder annähernd passend gearbeitet? Wieviele Wochenstunden hast du denn in deinem BL?
Ich habe für meine Aufgaben deutlich weniger Zeit benötigt, als ich laut meinem Pensum hätte arbeiten müssen. Ich war mit einem Teilzeitpensum von 80 % beschäftigt, was 32,8 Stunden pro Woche (80 % von 41 Stunden) entspricht. Tatsächlich habe ich, wie die oben genannten Zahlen zeigen, deutlich weniger gearbeitet. Während der regulären Unterrichtszeit kam ich meist auf etwa 30 Stunden pro Woche (oft weniger). In unterrichtsfreien Zeiten habe ich deutlich weniger gearbeitet – teilweise gar nicht, abhängig vom Korrekturaufwand. Im Durchschnitt lag meine wöchentliche Arbeitszeit, unter Berücksichtigung der unterrichtsfreien Zeit und abgezogener Urlaubstage, bei rund 22 Stunden.
Mir ist bewusst, dass sich das nach sehr wenig anhört und schnell der Eindruck entstehen kann, dass ich meiner Arbeit nicht gerecht werde. Doch das entspricht nicht der Realität. Mir wird jedes Jahr das Abitur anvertraut, weil ich mich bewährt habe, und meine Schüler bestätigen mir regelmäßig, dass mein Unterricht gut vorbereitet ist.
Wie also ist es möglich, dass meine Arbeitszeit dennoch so niedrig ist? Über die Jahre habe ich mir eine effiziente Arbeitsweise angewöhnt:
- Wiederverwendbare Vorbereitung: Ich gestalte Unterrichtseinheiten möglichst so, dass sie mehrfach einsetzbar sind. Zeitlose Themen bereite ich einmal sorgfältig vor und kann sie dann – mit kleineren Anpassungen je nach Lerngruppe – immer wieder nutzen. Ich verfüge mittlerweile über ganze Unterrichtsreihen, die ohne weitere Vorbereitung einsetzbar sind.
- Grobplanung für einmalige Stunden: Aktuelle Themen, die sich nur einmal verwenden lassen, bereite ich nur grob vor. Für eine Stunde, die ich nie wieder halten werde, lohnt sich der Aufwand einer detaillierten Vorbereitung nicht.
- Effiziente Übungsstunden: Übungsphasen sind pädagogisch sinnvoll und erfordern mit gutem Material keine aufwendige Vorbereitung.
- Improvisationstalent: Ich bin in der Lage, Unterricht auch spontan und ohne vorherige Planung durchzuführen, z. B.:
- Einstieg mit einem stillen Impuls in Form einer kontroversen Aussage
- Schüler*innen beziehen Position dazu
- Diskussion in Kleingruppen zu Argumenten, Problemen und Lösungsansätzen
- Präsentation der Ergebnisse, die von der Lehrkraft ergänzt und korrigiert werden
- Verfassen einer persönlichen schriftlichen Stellungnahme zur Ausgangsfrage
- Effiziente Nutzung der Unterrichtszeit: Ich nutze Arbeitsphasen der Schüler*innen gezielt, um parallel Korrekturen zu erledigen. Selbstverständlich stehe ich dabei für Rückfragen zur Verfügung.
- Korrekturfreundliche Klausuren: Ich gestalte Prüfungen so, dass sie korrekturfreundlich bleiben, ohne die Anforderungen zu unterlaufen. Beispiele:
- Reduzierte Aufgabenanzahl
- Teilweise stichpunktartige Antworten zulässig
- Keine ausufernden schriftlichen Kommentare, sondern strukturierte Feedback-Tabellen mit Ankreuzoption
- In der Fremdsprache wird nicht jeder Fehler einzeln markiert, um schwächere Schüler*innen nicht zu überfordern
- Statt Positivkorrektur erfolgt eine gezielte Nachbesprechung mit typischen Fehlern