... der nicht dazu gedacht ist, Lehrern einen Freifahrtsschein zu geben Schülern ihre persönliche Lebensvorstellung aufzuzwingen. Der Erziehungsauftrag der Schule hat zum Ziel, die Grundlagen für ein vernünftiges Miteinander sicherzustellen. Er ist weder dafür gedacht, dass die vegetarische Lehrerin täglich die Fleischwurst von den Pausenbroten ihrer Schüler einsammelt, noch dafür, dass der Kollege, der eher technikskeptisch ist und sich persönlich von dem ständigen Rumgetippe seiner Schüler in den Pausen gestört fühlt, meint seinen Schülern die Handynutzung alleine deshalb untersagen zu müssen.
Genau. Und der Erziehungsauftrag erstreckt sich auch nicht auf die Eltern.
Das Problem bei den Handys ist, anders als bei Rockmusik und Privatfernsehen, dass es eben kein reines Unterhaltungsmedium ist, sondern eben auch ein Arbeitsgerät. Man kann nicht über die Einführung von Laptop- oder Tabletklassen und die Nutzung von IPhones durch Lehrer diskutieren, graphische Taschenrechner einführen und im gleichen Atemzug das Handy an der Schule verteufeln. Eigentlich würden wir uns vermutlich alle wünschen, die Schüler würden ihre Geräte ausschließlich *sinnvoll* einsetzen, im Unterricht also entweder nicht oder nur zielführend (Vokabel nachschlagen, Funktion plotten, Tafelbild festhalten). Also sozusagen statt Flugmodus "Arbeitsmodus". Wenn mir Schüler sagen, dass sie sich das abfotografierte Tafelbild auf dem Handy eher anschauen würden als in ihrem Heft, dann ist das wohl so, und dann muss man sich dieser veränderten Lebenswirklichkeit stellen. Auf jeden Fall aber ist das Ergebnis dokumentiert. Und so gibt es viele gute Anwendungen - das ist wiederum wie Fernsehen, das kann man so oder so nutzen. Deshalb werden die Handyverbote wohl immer irgendwie windelweich bleiben (anders als Prügeln oder Beleidigen oder Mobben hat die Handynutzung an sich ja auch nichts Kriminelles, das ein Verbot außerhalb von Prüfungen unbedingt erforderlich machen würde). Dem Erziehungsauftrag entsprechen z. B. Projekte, bei denen die Schüler ihr Handy freiwillig für eine Woche hergeben.