Beiträge von Sarek

    Mir wurde im Lauf der Zeit bewusst, dass es kein bestimmtes Rezept für bestimmte Situationen gibt, sondern vieles über Ausprobieren läuft. Was in der einen Klasse/Situation etc. funktioniert hat, ging bei der anderen daneben. Man sammelt in den ersten Jahren viele Erfahrungen, reibt sich an manchen Klassen und Situationen und wird dadurch eingeschliffen. Im Lauf der Zeit wird die Arbeit entspannter, weil man zunehmend Routine bekommt und auch gelassener wird, wenn man merkt, welche vielen gedachten schlimmen Dinge nicht geschehen. Ich habe mich in den ersten Jahren mit manchen Klassen auch schwer getan, habe dieses und jenes ausprobiert, bis ich nun weiß, was zu mir passt und was nicht.

    Deshalb: Kopf hoch! Wie du schreibst, hast du auch schon einiges positives erlebt und davon kannst du zehren, und das wird mit Sicherheit immer mehr.

    Start in die Pfingstferien 😀 und tatsächlich bin ich froh, danach noch acht Wochen Schule zu haben. Die letzten sechs Wochen seit den Osterferien sind für mein Empfinden blitzschnell durchgeflutscht. Ich kann es noch nicht so richtig fassen, wie schnell dieses Schuljahr schon wieder vorüber zieht.

    Ich mag meine Fächer weiterhin und würde sie wieder wählen. Der Korrekturaufwand hält sich in Grenzen und ich freue mich, den Schülern zeigen zu können, wie die Welt und das Leben funktioniert. Bezüglich des Schülerinteresses ist Biologie auch ein recht dankbares Fach. Chemie finde ich schön strukturiert und es ist was feines, wenn der Wasserstoffballon als Feuerball explodiert. 😀

    Auf dem Weg zu meinem Fachraum kürzen manche Schüler den Weg quer durch den Grünstreifen ab, statt den regulären Weg zu gehen, und wenn ich es sehe, rufe ich aus dem Fenster im 1. Stock runter und weise sie entsprechend zurecht. Mittlerweile funktioniert das soweit gut.
    Gestern hatte ich am Nachmittag Unterricht in der Oberstufe, das Fenster stand offen und ich hörte von draußen: "Heute sieht Herr Sarek nicht, wie wir über den Grünstreifen laufen."
    Sekunden später war ich am Fenster und es kam mein Standardspruch: "Sarek sieht alles, Sarek hört alles, Sarek weiß (fast) alles!"

    Alleine das Gesicht der Schüler unten im Hof war es wert.

    Man arbeitet an seinem Ruf. :aufgepasst:

    Ich will mich hier auch mal unbeliebt machen: Ich finde Korrigieren gar nicht so schlimm; ehrlich gesagt, korrigiere ich manchmal sogar ganz gern :rotwerd: . Vielleicht sollte ich mich in dem Bereich selbstständig machen?!?

    :wink_1: So geht es mir auch. Ich korrigiere lieber als neuen Unterricht vorzubereiten, wobei sich der Korrekturaufwand in meinen Fächern auch in Grenzen hält. Pro Halbjahr habe ich nur ein oder zwei Schulaufgaben aus der Oberstufe, der Rest sind Stegreifaufgaben und die habe ich in der Regel in zwei bis vier Stunden durch. Beim Lesen läuft vieles im Gehirn automatisiert und damit auch recht flüssig und ich empfinde es daher nicht so anstrengend.

    Selbst wenn die Uhrzeit alleine aus dem Elternhaus nicht bekannt sein sollte, bis zur 6. Klasse müsste der Schüler das Ablesen und Benennen von Uhrzeiten mindestens im Mathematik- und im Englischunterricht (auch wenn hier die Halb-Darstellung minimal anders als im Deutschen ist) gelernt haben. Zudem gehe ich auf Basis deiner Profilangaben aus, dass es sich um einen Schüler eines bayerischen Gymnasiums handelt, also auch keine Lernverzögerung o.ä. vorliegt.

    Der Schüler wendet vielleicht tatsächlich die Darstellungsform der Uhrzeit als Bruch nicht selbst aktiv im Alltag an, aber dass er bis dato nie zumindest passiv damit konfrontiert war? Den einzigen Erklärungsansatz, den ich da hätte, wäre, dass der Schüler zugezogen ist und in seinem Herkunftsland die Darstellungsform von Uhrzeiten anders unterrichtet wird. Ist dir bekannt, ob das bei diesem Schüler der Fall sein könnte?

    Ich kannte den Schüler weiter nicht, das Gespräch war in einer Pausenaufsicht. Er sprach aber akzentfrei Deutsch.

    So ähnlich machen wir es auch. Ich zweifle aber zunehmend am Sinn des Aufsatzschreibens. Wer schreibt ernsthaft im späteren Leben einen Unfallbericht, ein Rezept, eine Personenbeschreibung oder Ähnliches? Die Bewertungsraster, die angewendet werden, sind zudem oft sehr starr. So hatte ich Schülerarbeiten vor mir liegen, die - nach dem Punkteraster bewertet - ein "befriedigend" waren, gefühlt aber besser waren, und auch umgekehrt.

    Sind diese Aufsatzarten nicht vor allem als hinführende Übung zu späteren schriftlichen Arbeiten zu sehen? Formulierung ganzer Sätze, Strukturen etc. Ich sehe ja in meinen Sachfächern, wie schwer sich manche Schüler einfach mit dem schriftlichen Deutsch tun und irgendwie müssen sie ja üben bzw. die Kompetenz erwerben, einen zusammenhängenden Sachtext zu schreiben.
    Überlasse ich diese Arbeit der KI, möchte ich dennoch die Kontrolle darüber haben und beurteilen können, was sie produziert hat. Dazu muss ich es selbst können.

    Sarek

    Bei kleinen Leistungsnachweisen (Stegreifaufgaben, Kurzarbeiten) in meinen Fächern verwende ich standardmäßig 20 Punkte, bei Schulaufgaben 30 Punkte. Der Vorteil ist, dass ich nach 20 Jahren mittlerweile auswendig weiß, welche Punktzahl welcher Note entspricht und nicht mehr in der Liste nachschauen muss. Die einzelnen Punkte rechne ich im Kopf zusammen, weil das mittlerweile auch so automatisiert abläuft, dass ich damit schneller bin als wenn ich die Punkte in den Taschenrechner oder in eine Excel-Tabelle eintippe. Auch habe ich mich schneller mal vertippt als einen Rechenfehler beim Addieren im Kopf gemacht.

    Sarek

    Was mich kürzlich bezüglich Uhrzeit erschreckt hat:
    Ein Schüler (6. Klasse) fragte mich kürzlich nach der Uhrzeit. Mein Antwort: "Halb 2." Damit konnte der Schüler nichts anfangen, ihm war das "halb" kein Begriff. Ich musste "13.30 Uhr" sagen, damit er die Uhrzeit verstand. Ich denke, das ist auch eine Folge der digitalen Zeitangabe. Aus der Zeigerstellung erschließt sich das "halb" noch intuitiv, bei "13.30" nicht mehr.

    Sarek

    Ich hatte mich zuerst für das Fach Biologie entschieden und dieses auf Diplom studiert. Erst anschließend entschied ich mich fürs Lehramt und angesichts meiner fachlichen Ausbildung kam für mich auch nur das Gymnasium die Frage. Und weil dies die Schulart war, die ich aus meiner eigenen Schulzeit kannte. Also holte ich noch das Chemiestudium nach, machte in beiden Fächern das erste Staatsexamen und dann ging es los. 😊

    Interessant, in Bayern ist das entsprechende Gesetz anders:

    BayEug Art. 63: 1Soll die Schülerzeitung auf dem Schulgelände verteilt werden, ist der Schulleiterin oder dem Schulleiter rechtzeitig vor Drucklegung ein Exemplar zur Kenntnis zu geben. 2Sie oder er kann Einwendungen erheben. 3Berücksichtigt die Redaktion die Einwendungen nicht, so hat sie die Schülerzeitung zusammen mit einer Stellungnahme dem Schulforum vorzulegen. 4Das Schulforum soll auf eine gütliche Einigung hinwirken; scheitert die gütliche Einigung, kann das Schulforum die Verteilung der Schülerzeitung auf dem Schulgelände untersagen.

    Manches an dem Film fand ich auch unrealistisch - z.B. dass die Schüler die Schülerzeitung mit dem Interview einfach so, ohne vorherige Prüfung, auf dem Schulgelände verkaufen durften. In vielen Bereichen hätte ich wohl auch anders reagiert als die Lehrerin, aber trotzdem hatte mich der Film beim Ansehen so gepackt wie schon lange kein Film mehr. Alleine die Tatsache, dass ich am späten Abend beim Ansehen NICHT eingeschlafen bin, sagt eine Menge. Gleichzeitig habe ich überlegt, wie ich in der Situation reagiert hätte. Z.B. bei dem Elternabend, da hätte ich wohl offener kommuniziert, was geschehen ist, ohne das Persönlichkeitsrecht des betreffenden Kinds zu verletzen. Im Sinne von "Wie das gelaufen ist, hat mir nicht gefallen und wir arbeiten das gerade mit der Schulleitung auf." (Wobei es in meinem Unterricht solche Kontrollen der Geldbeutel bestimmt nicht gegeben hätte, wenn Kollegen damit hereingekommen wären.) Alles in allem fand ich die dargestellte Situation für alle Beteiligten sehr beklemmend und auch für mich als Zuschauer. Was mir bei all diesen Filmen immer auffällt, ist die doch eher große Distanziertheit im Kollegium untereinander. So habe ich noch nie ein reales Kollegium erlebt. (Am schönsten ist immer, wenn Lehrkräfte oder Ärzte sich in Filmen mit "Herr Kollege" anreden.)

    Wir haben in jedem Klassenzimmer über dem Handwaschbecken standardmäßig einen kleinen Spiegel. Weitere Gedanken habe ich mir noch nie darüber gemacht, finde die Ausführungen aber interessant. Und tatsächlich haben wir einen Raum, der zum Üben für die Tanzgruppen und Theatergruppen genutzt wird, dessen eine Wand komplett verspiegelt ist.

    Am Montag lag ich mit echter Grippe und Fieber im Bett, hatte eine miese Nacht hinter mir und war dennoch morgens froh, gerade jetzt krank zu sein, als ich mitbekam, dass wegen Schneefall schon wieder Distanzunterricht angekündigt war, wie auch am Montag zwei Wochen zuvor. Keine Videokonferenzen, keine Arbeitsaufträge, einfach im Bett bleiben. Das war in dem Moment einfach schön, trotz der Grippe. (Mir ging es von Tag zu Tag wieder besser und ab Montag bin ich wieder in der Schule.)

    Ich bin am letzten Wochenende krank geworden und habe im Lauf des Sonntags die Krankmeldung per Mail an die Vertretungsplanerin geschickt, damit die schon etwas Vorlauf hat. Im Lauf des Tages kam von ihr auch die Bestätigung und ich wusste, dass meine Krankmeldung angekommen ist.

    Melde ich mich erst am eigentlichen Tag eine halbe Stunde vor Unterrichtsbegrinn krank, weil ich krank aufgewacht bin, mache ich das telefonisch, weil dann auch sicher ist, dass meine Krankmeldung angekommen ist. Bei einer Mail habe ich immer die Befürchtung, dass sie nicht ankommt, untergeht oder frühs nicht rechtzeitig/kurzfristig gelesen wird. Daher in diesem Fall lieber das kurze Telefonat mit dem Sekretariat. (Und am Sonntag hatte ich tatsächlich keine Stimme mehr, hätte diese zwei Sätze aber noch ins Telefon reinkrächzen können.)

    Ich bekam es kürzlich bei einer anderen Lehrkraft im Fremdsprachenunterricht mit, dass ein Schüler eine Klausur ablieferte, deren Leistung so deutlich über dem Sprachniveau war, dass die Schüler in diesem Fach überhaupt haben konnten, dass klar war, dass dies nicht die Leistung des Schülers sein konnte. Er wurde nicht in flagranti erwischt, aber die Diskrepanz war so deutlich, dass die ganze Arbeit als Unterschleif gewertet wurde. Es gab auch keine weiteren Beschwerden.

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