Spiegel: Die Erziehung der Eltern

  • Spiegel Nr. 29 vom 18.7.2005,
    Titelthema: Die Erziehung der Eltern"
    "Abends in die Elternschule", S.124 ff.


    Zitat

    Väter und Mütter scheinen in ihrer Rolle ungeübt und unsicher - und viele Söhne und Töchter spiegeln dieses innere Chaos ihrer Eltern wider. 20 Prozent aller Kindergartenkinder gelten als verhaltensauffällig; kleine Linas, Lenas und Toms, ängstlich, depressiv, befangen, weinerlich, einsam. Die Zahl narzisstisch gestörter Einzelkinder steigt und immer mehr Ärzte diagnostizieren Kindern die Aufmerksamkeitsstörung ADHS.


    "Die meisten sind aufgrund von Erziehungsfehlern so unruhig geworden", meint Cierpka. Ein Viertel der Fälle in ihrer Praxis, sagt die Sprecherin des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte Gunhild Kilian-Kornell, sei auf falsche Erziehung zurückzuführen: Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Aggressionen, Essstörungen. '

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Oh Alias zieh schon mal die Schutzkleidung an, das gibt bestimmt viel Haue.


    Ich allerdings kann dem Zustimmen. Ich möchte mit fast keinem meiner Schüler tauschen und in seine Familie als Kind.


    LG Sunny (die sich auch schon mal duckt)

    Tschacka!


    <img src="http://img113.imageshack.us/img113/6624/zwanzigklein7xb.jpg">

    Einmal editiert, zuletzt von Sunrise1408 ()

  • Keine Panik -
    meine Vorfahren waren Ritter.....


    :D

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Zitat

    woman123 schrieb am 20.07.2005 18:41:
    ...... nur 20 Prozent?!? *gg*


    woman123


    Ist hier tatsächlich eine ernsthafte Diskussion erwünscht ? Wenn ja, dann wird die so, mit Sicherheit nicht zustande kommen.


    Ich persönlich habe ein Interesse daran schon verloren, wenn ich solche "Ironien" wahrnehme....sorry


    LG Braunauge

    Wer war eigentlich Friedrich List? Er saß im Gefängnis, war Staatsfeind, Flüchtling und Asylant, und ein streitbarer Mensch noch dazu. Sein Leben beendete er mit Selbstmord.

  • Ach Braunauge, was willst denn darüber diskutieren?


    Ja stimmt, ich kenn auch genau 20 Prozent verkappte Kinder.


    Wenn ich den Artikelauszug schon lese......., fällt mir nur Ironie dazu ein.


    VG
    woman123

    • Offizieller Beitrag

    Ich fand den Spiegelartikel genauso blöde verallgemeinernd, wie den über Lehrer und Schule.


    Vor allem,w eil kaum darüber geredet wird, wie "Erziehungsfehler" zustande kommen und was die genau sein sollen - als gäbe es da fertige Rezepte.


    Gerade wir wissen doch, dass jedes Kind ein Einzephänomen ist und was andres braucht - gerade deswegen ist unser Job - und der der Eltern - ja auch so unendlich schwer. Diese Supernanny - Tipps ala "Das Kind muss mal richtig ... (setze beliebiges Rezept ein) ... werden" sind mir zu einseitig und undifferenziert. Genau wie "Der Lehrer muss nur mal für ... (setze beliebiges Rezept ein) ... sorgen!"


    In Zeiten, wo Eltern zu viel und zu lange arbeiten oder wahlweise KEINE Arbeit, dafür Geldsorgen haben, und in Zeiten, wo sie mit Rezepten, aber nicht mit finazieller und zeitlicher Unterstützung überhäuft werden, in Zeiten, in denen von Medien und Freundeskreisen und Zeitgeist Werte vermittelt werden, die der elterlichen und der schulischen Erziehung oft konträr zuwiderlaufen, die Kinder also ständig widersprüchliche Nachrichten bakommen, ist es überhaupt ein Wunder, dass noch SO VIELE nette, zuverlässige, normale, lernwillige und vernünftige Kinder herumlaufen.



    Ähnliches gilt für Eltern und Lehrer - auch hier sehe ich mehr Positives als Negatives.
    Wofür das allerdings NICHT gilt, ist für die Bildungspolitik und für die Wirtschaftszweige, die von Kinderverdummung und von Volksverdummung stinkreich werden.


    Ich für meinen Teil habe genausoviele bekloppte Kollegen, wie ich bekloppte Eltern und bekloppte Kinder habe: nämlich wenig. Im Vergleich zu all den Bekloppten anderswo (zum Beispiel da, wo Politik gemacht wird).


    Ein Glück ...


    Heike

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

    • Offizieller Beitrag

    Was erwartest du von mir, woman123? Dass ich einen Streit mit sunrise vom Zaun breche, oder mit dir?
    Ich habe meine Meinung zu dem Spiegel-Artikel gepostet. Das ist das, wozu dieser thread hier gut ist. Warum so eine patzige Antwort auf mein post?


    Schade...
    Heike

    • Offizieller Beitrag

    Heike: Ich fand dein Statement zu dem Spiegel-Artikel treffend und schließe mich deiner Meinung an. Polarisieren bringt nix - auch, wenn ich gut verstehen kann, wo das her kommt ;)


    @all: Ich bin ebenfalls Mutter, kenne viele Mütter und viele Kinder auch aus dem privaten Bereich. Da sieht man viele Erziehungsfehler, aber ebenso habe ich Kollegen, da hätte ich Bedenken, dass mein Sohn da so gut aufgehoben ist.


    Es wurde ja hier nie behauptet, dass alle Lehrer ganz toll und unfehlbar seien und alle Eltern unfähig.
    Manchmal kommt es aber auch darauf an, wie man in den Wald reinruft...
    Und hier haben gewisse Eltern in gewisser Art und Weise immer wieder in den Wald gerufen :rolleyes: - und m.E. noch in den falschen Wald dazu!


    Lasst uns damit doch aufhören! Ich hasse die Super-Nanny ;) und hab auch keine Lust, Eltern permanent Unfähigkeit zu unterstellen und ihnen zu sagen, wie sie doch gefälligst ihre Kinder zu erziehen haben (es sei denn, es fragt mich jemand gezielt danach) - ebensowenig möchte ich aber permanent unterstellt bekommen, Lehrer seien von Natur aus Kinderquäler und zu allem Übel noch völlig inkompetent und unwillig, sich weiterzubilden!


    VG,
    Melosine

  • Kollegin bitte!


    Ich sehe JEDES Kind als Individuum, wäre anders irgendwie auch gar nicht durchführbar an einer GB Schule.


    Ich weiß auch gar nicht wie du das an meinem Post ablesen kannst.


    Es ist nun mal leider so, dass meine Schüler aus teilweise ziemlich heftigen Elternhäusern kommen. Aber da kann der Schüler ja nix für.
    Wenn ich mir anhöre was meine Schüler Nachmittags oder am Wochenende machen wird mir manchmal ganz anders. Ich habe als Kind draussen gespielt, habe mich mit Freunden getroffen und etwas mit meinen Eltern unternommen.
    Gut das mit den Eltern unternehmen könne einige Eltern nicht weil sie arbeiten müssen, da hab ich Verständnis für. Ich habe aber kein Verständnis dafür sich die Hucke vollzusaufen und das Kind vor die Playstation oder den Fernseher zu setzen. (Und ja es tut mir leid, solche Eltern haben meine Kinder)
    Es kann auch nicht angehen, das wir einer Schülerin als "Hausaufghabe" aufgeben müssen sich die Haare zu waschen, oder as ein Junge regelmäßig Montags morgens erstmal Zähneputzen geschickt werden muss, weil man ansonsten umfällt.


    Und mal im Ernst, die Verhaltensauffälligkeiten fangen doch nicht erst in der Schule an. Ich bin nach wie vor fest der Meinung, dass Eltern sich ihre Kinder erziehen. Nun gut, Schule und auch Kindergarten sind gern gesehene Prügelknaben.
    Kann ich auch irgendwo nachvollziehen, das ist einfacher, als eigene Fehler oder unzulänglichkeiten einzugestehen. (Und das meine ich jetzt nicht ironisch.)
    Nur ein Beispiel nicht aus meiner Praxis sondern aus der Praxis einer anderen Kollegin:


    Jene Kollegin hatte einen überaus inteligenten Jungen aus Italienisch (sizilianisch)- syrischem Elternhaus. (Vater ca. 55-60, mutter ca.30)
    Dieser Junge war extrems Verhaltensauffällig, ein Test bestätigte die von der Lehrerin vermutete Hochbegabung.
    Die Lehrerin tat alles um den Jungen uz fordern und zu fördern. Verhaltensauffälligkeiten blieben. (Waren auch schon vor der Schule da, kleiner Bruder ist genauso) Die Verhaltensauffälligkeiten sind für mich kein Wunder, wenn der Vater sich nur mit Prügeln durchzusetzen versucht und überstreng ist und die Mutter ihren Kindern absolut keine Konsequenzen aufzeigt oder sich einmal durchsetzt.
    Dieses Kind tat mir nur leid. Er hat gerade zu um Grenzen (natürlich Vernünftige) gebettelt und um die Liebe seines Vaters gekämpft. Tut mir leid, da möchte ich nicht Kind sein wollen. Echt nicht.
    Ende des Liedes. Eltern haben sich getrennt und Kind ist mittlerweile bei seinen syrischen Verwandten in Syrien.
    Natürlich war an allem die Schule schuld. Kind hat mehrfach gewechselt, bis selbst der Schulrätin irgendwann der Kragen geplatzt ist.


    Natürlich gibt es auch das andere Beispiel, das ein Kind in der Schule oder durch die Schule verhaltensauffällig wird, aber da lebe ich echt in einer Käseglocke und kenne persönlich (Gott sei Dank) keinen Fall.


    LG Sunny!

    Tschacka!


    <img src="http://img113.imageshack.us/img113/6624/zwanzigklein7xb.jpg">

  • Ich denke mal, gerade die Sonderpädagogen, zu denen auch sunrise zählt, müssen das Kind schon als Individuum sehen - anders könnten wir nämlich gar nicht arbeiten. Ohne Differenzierung und individuelle Lernziele läuft bei uns nämlich gar nichts. Von daher möchte ich sunrise unbekannterweise hier mal in schutz nehmen ;)


    Zu dem Artikel - ich finde das passt 100% in den Tenor der Zeit. Imme rmehr Eltern fühlen sich immer mehr überfordert bzw bekommen das suggeriert. Das fängt schon an bei diesen unsäglichen Ratgebern *Jedes Kind kann schlafen lernen*, geht über Tripple P und die Supernanny bis hin zur Modediagnose ADHS.


    Dennoch - wenn ich mir die Eltern meiner Schüler so anschaue - ja, manchmal wär Erziehung für Eltern wirklich mehr als angebracht...

  • Ich weiss, dass es die Elternhäuser gibt und ich weiss auch was du meinst.


    Aber ich wehre mich gegen Pauschalrundumschläge, genauso wie ihr.
    Aber so war es anscheinend auch gar nicht gemeint. Lass mal gut sein.


    Viele Grüße
    woman123

  • Hallo,


    ich habe mich heute auch entsetzlich über eine Mutter geärgert. Einer meiner Schüler, gar nicht mal unbegabt, schafft die Klasse nur mit Ach und Krach - Grund: seine unmögliche Arbeitshaltung.
    Nachdem ich mehrere Briefe und Telefonanrufe deswegen geschrieben bzw. geführt habe bekomme ich heute eine Entschuldigung der Mutter: Sohni konnte wegen Zeitmangel keine HA machen. Hallo? Es war nur eine in Deutsch und die über zwei Tage auf, zudem hatten wir Montag hitzefrei.
    Ich habe wirklich gute Lust, mich um diesen Schüler nicht mehr groß zu kümmern.
    Andererseits - alle anderen hatten die HA gemacht - trotz nahender Ferien. :D


    LG
    Tina

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

  • Ich stimme Heike voll zu und finde ihren Eintrag sehr gut.
    Welche Chancen hat ein Sonderschüler oder Hauptschüler heute noch auf dem Arbeitsmarkt?War das früher nicht viel besser? Sicher wollen Eltern da das Beste für ihr Kind.Hört man die Politik müsste Bildung ja schon mit 3 anfangen damit man Bestehen kann.Wann oder wie lange darf man dann noch Kind sein?
    Vielleicht kann man auch früher gar nicht mit heute vergleichen.Wir, die Schüler, werden oft in der Gesellschaft sehr schlecht hingestellt.Sind wir es wirklich? War das früher auch so?
    Ich empfinde es nicht als gutes Gefühl und es verunsichert einen auch.


    Aisha

    Träume nicht Dein Leben,lebe Deinen Traum


  • Dann habe ich dich wohl missverstanden.

    Wer war eigentlich Friedrich List? Er saß im Gefängnis, war Staatsfeind, Flüchtling und Asylant, und ein streitbarer Mensch noch dazu. Sein Leben beendete er mit Selbstmord.

    Einmal editiert, zuletzt von Braunauge ()

  • @ heike


    Vielleicht liegen unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen der Kinder und Eltern daran, dass wir unterschiedliche "Klienten" betreuen. Ich bin Hauptschullehrer und ärgere mich tagtäglich, dass Kinder bei denen ich spüre, dass sie nicht dumm sind, nur deswegen "den Bach runter" gehen, weil es im Elternhaus an jeder Ecke knirscht.


    Ich habe mehrere Jahre an einer Schule für Erziehungshilfe unterrichtet - was ich an Alkoholiker-Familien, zerütteten, gewalttätigen Familien, Drogen- und Scheißdrauf-Familien erlebt habe, die an gar nichts schuld waren, was mit ihren Kindern passierte - weil es ihnen egal war, was die taten und sich einen Scheiß drum kümmerten - kannst du dir in deinem Elfenbeinturm vermutlich gar nicht vorstellen. Diese Einstellung zu Kindern gab es allerdings auch in "gut situierten" Familien, die mit Freude und Hingabe das weite Feld der Wohlstandsverwahrlosung bepflügten, Solche Kinder sehen nur in wenigen Ausnahmefällen ein Gymnasium von innen.


    Daran, dass die Kinder gewalttätig wurden, in der Schule versagten, sich nur herumtrieben, delinquent wurden, waren nie die Eltern schuld. Da waren die Kinder krank.


    In Elterngesprächen kamen da immer wieder auch "schwierige Geburten" und sonstige "Fehler" der Kinder als Erklärung.


    Und man habe den Kindern doch alles gegeben, was sie brauchen. Sie hätten sogar einen PC, einen Fernseher und eine Playstation im Zimmer.


    Manchmal hatte ich nach solchen Gesprächen das Gefühl, gar nicht genug fressen zu können, wie ich kotzen wollte....

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    Einmal editiert, zuletzt von alias ()

  • Zitat

    alias schrieb am 20.07.2005 21:31:


    Manchmal hatte ich nach solchen Gesprächen das Gefühl, gar nicht genug fressen zu können, wie ich kotzen wollte....


    oh ja...


    Ich weiß noch, wie geschockt ich bei den ersten Gesprächen war, wenn dann die Mutter zu ihrem Grundschulkind sagt *Ich hab keinen Bock mehr auf dich.*


    :(

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