Nochmal: Referendariat und Kind

  • Hallo!


    Ich werde nächsten Sommer hoffentlich mit meinem Studium fertig. Nun planen mein Mann und ich schon fleißig unsere Familie und sind eigentlich beide sicher, dass wir nicht noch zwei Jahre mit unserem ersten Kind warten wollen.
    Habe hier aber schon gelesen, dass ein Refi mit Kind stressig ist...
    Kann man eigentlich auch später ins Referendariat einsteigen?
    Also Studium fertig, dann Kind, danach dann das Refi? Oder ist das nicht ratsam?


    LG
    Julia

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Julia.


    Ich verstehe die Frage nicht ganz.
    Das Referendariat ist generell stressig, ob mit oder ohne Kind.
    Klar kannst Du auch "später" ins Ref. einsteigen. Aber was meinst Du mit später?
    Die Reihenfolge Studium, Kind, Ref. hört sich so an, als könnte man ein Kind sozusagen "fertig machen" bzw. "beenden", um dann das Ref. zu machen.


    Könntest Du das noch etwas präzisieren?


    Gruß
    Bolzbold

  • Hi!


    Ich meinte mit meiner Frage, ob es unbedingt nötig ist, gleich nach dem Studium mit dem Ref anzufangen oder ob man erstmal eine Babypause machen kann.


    Hab mir mal von ner Freundin sagen lassen, dass das sogar der sinnvollere Weg ist, weil man dann nach dem ref sofort in den Beruf starten kann und nicht dann erst die Kinder-Pause macht.


    Hoffe das war verständlicher??


    LG
    Julia

    • Offizieller Beitrag

    Nun, NÖTIG in dem Sinne ist es nicht.


    Inwieweit die Babypause nun vor dem Ref. oder nach Antritt der ersten vollen Stelle (oder vielleicht auch nach dem Ref. und VOR dem Antritt der ersten vollen Stelle) sinnvoller ist oder nicht, kann ich Dir als männlicher Kollege natürlich nicht sagen.


    Ich behaupte aber mal, dass es DEN optimalen Weg bei diesen drei Konstellationen nicht gibt.


    Je nach familiärer Konstellation wäre ein Ortswechsel aufgrund ungünstiger Seminarzuweisung (trotz Sozialpunkten) natürlich mit Kindern bitterer als ohne.
    Nach dem Ref. die Kinder zu kriegen ist auch so eine Sache, weil Du dann ja auch noch nicht weißt, wo Du schulmäßig hinkommst.


    Taktisch am klügsten wäre aus meiner Sicht, dass man erst nach Antritt der vollen Stelle die Kinder bekommt, weil man dann sozusagen in trockenen Tüchern ist.


    Das wird zumindest in meinem Umfeld von den meisten Frauen so "praktiziert".


    Generell würde ich aber sagen, dass es den richtigen Zeitpunkt für ein Kind in dem Sinne nicht gibt, wenn man die Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen hat bzw. auch noch nicht weiß, wann und wohin man im Schuldienst kommt bzw. geschickt wird. Die Unwägbarkeiten sind streng genommen in allen drei oben genannten Phasen vorhanden. Daher müsste die berufliche Situation Deines Mannes sowie Eure generelle berufliche Flexibilität (auch räumlich) natürlich auch noch sondiert werden.


    Ich hoffe, ich konnte Dir ein bisschen helfen.


    Gruß
    Bolzbold

  • Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Klassisch macht man das halt (sprich viele machen es so), wenn man eine feste Stelle sicher hat und somit am Stärksten abgesichert ist. Aber das Leben läuft nicht immer nach Plan und man kann das so oder so schaffen, wenn man bereit dafür ist.

    Zitat

    Die Reihenfolge Studium, Kind, Ref. hört sich so an, als könnte man ein Kind sozusagen "fertig machen" bzw. "beenden", um dann das Ref. zu machen.

    Dem kann ich mich nur anschließen. Das Kind ist ja auch noch da, wenn man dann das Ref anfängt und man hat dann eben ein anderes Leben als Refs ohne Kind. Aber das kann man ja (meist) frei entscheiden.

  • Hallo,
    also ich habe mein Kind während des Referendariats bekommen. Es war nicht so geplant, aber es war machbar. Nach meinem "Lebensplan" hätte ich mein erstes Kind allerdings auch erst bei Antritt einer festen Stelle eingeplant. Wie gesagt, es war machbar. Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, irgendwem nicht gerecht zu werden. Entweder meinem Sohn, oder meiner Klasse. Das hat auch eine Weile gedauert, bis sich das so eingependelt hatte, dass alles gut geklappt hat.
    Liebe Grüße.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    es kommt ja auch ein bisschen auf den Vater an. Wie ist der beruflich eingebunden? Kann er Kinderbetreuung übernehmen oder kommt er erst abends um 8 Uhr nach Hause, usw.


    Planen würde ich ein Kind im Ref sicher nicht, aber wenn es dann so ist, kann man damit bestimmt auch klar kommen.


    Mein Sohn kam während meines Studiums zur Welt, was den Vorteil hatte, dass ich zeitlich nicht so gebunden war. Nachteil: kein Geld. ;)


    Ich glaube eigentlich auch, dass es den optimalen Zeitpunkt nicht gibt, aber das Ref ist meiner Meinung nach eher ein ungünstiger Zeitpunkt, ein Kind zu bekommen oder ein Baby/ Kleinkind zu haben.


    Ref ist in der Regel stressig, auch wenn es gut läuft. Ich war froh, dass mein Sohn da so groß war, dass er in die Schule und anschließend in die Betreuung gehen konnte.


    Aber letztlich spielen ja viele Faktoren dabei eine Rolle, wie z.B. die oben angesprochenen Frage nach der Kinderbetreuung durch den Vater oder andere Personen.


    VG
    Melo

  • Da muss ich Melosine Recht geben. Es kommt sehr stark darauf an, wie die individuelle Situation ist, z.B. wer die Betreuung des Kindes übernehmen kann/soll/möchte etc.

  • Ich will prinzipiell den hier geäußerten, rationalen Überlegungen zustimmen. Insbesondere dem nicht oft genug wiederholbaren Satz: Es gibt keinen günstigen Zeitpunkt! (Das sollte uns allen übrigens sehr zu denken geben...)
    Ich und meine Frau haben uns lange ein Kind gewünscht und aus den oben aufgeführten Gründen dies immer wieder verschoben, bis uns klar wurde, dass wir uns auf jeden Fall auf unser Kind einstellen, somit immer persönlich einschränken müssen. Außerdem wollten wir beide möglichst früh Eltern werden. Nachdem wir das wirklich realisiert hatten, haben wir ein Kind bekommen. Während der Schwangerschaft die Examensarbeiten geschrieben und stecken jetzt mit einem Säugling (5Mon) mitten im Examen. Wenn ich im Feb08 mein Referendariat beginne, wird meine Frau zu Hause bleiben und es wird finanziell eng, aber all das zusammen erlebe ich mit Freude, weil ich einen kleinen Sohn zu Hause habe, den ich gegen keine Freizeit und kein Geld dieser Welt eintauschen will!


    --> Wenn ihr Euch Kinder wünscht, bekommt sie wann ihr wollt! Die Umstände sind meist flexibler als man zunächst glaubt...

  • Hallo, also ich kann auch nur sagen: einfach auf das Gefühl hören und sich nicht von "Außenstehenden" reinreden lassen. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt! Ich selbst habe auch während des Studiums meine Tochter bekommen, habe hochschwanger meine Examensarbeit geschrieben, dann 1 Semester Pause gemacht und dann das Examen. Da war sie ca. 8-13 Monate alt. Hat alles super geklapt, habe auch sofort einen Ref-Platz bekommen und bin jetzt seit Mai dabei. Ist alles machbar, muss natürlich gut organisiert sein und erfordert echt Disziplin. Ich habe während des Examens IMMER abends/nachts gelernt, wenn sie im Bett war. Und auch jetzt sitze ich oft bis in die Nachtan den Vorbereitungen. Ist zwar schon manchmal hart, aber dafür hat man halt so einen süßen Zwerg Zuhasue. Ich denke, es ist eine Eintellungssache. Ich würde es jederzeit wieder so machen!!
    Wie sieht's denn mit der Betreuung aus? Ich habe halt das Glück, dass mein Mann im Schichtdienst arbeitet, so dass die Kleine entweder Zuhause mit dem Papa ist oder gleich nebenan bei der Oma. Das ist natürlich superpraktisch!
    Hoffe, ich konnte ein bisschen weiterhelfen! LG :)

  • Zitat

    Original von J.D.


    --> Wenn ihr Euch Kinder wünscht, bekommt sie wann ihr wollt! Die Umstände sind meist flexibler als man zunächst glaubt...


    Das kann ich nur unterschreiben.
    Ich bin direkt nach dem ersten Examen ungeplant schwanger geworden, habe das Ref begonnen und für 8 Monate unterbrochen. Klar ist es stressig mit Baby und dem Leistungsdruck, aber den konnte ich viel besser ertragen als meine kinderlosen Kollegen, weil das Ref nie oberste Priorität hatte. Und meine Noten haben trotzdem gestimmt... geht alles.
    Aber... ich habe vor kurzem mit nun fester Stelle das 2. Kind bekommen... ich muss zugeben, dass ich die Babyzeit jetzt schon mehr genießen kann.


    Dennoch... die Entscheidung für ein Kind ist für mich weniger eine rationale, als eine emotionale Entscheidung :)

    • Offizieller Beitrag

    Miss Bounty hat einen sehr wichtigen Punkt angesprochen neben dem Kinderkriegen:


    Wenn das Ref. aufgrund von Kind und Partner nicht mehr die universelle Priorität einnimmt, dann nimmt man es weniger Ernst, was nicht heißen soll, dass man es dann zu lasch nimmt, aber man nimmt sich Dinge dann nicht so zu Herzen. Es ist dann eben eine wichtige Sache von vielen, die eben viel Zeit kosten.


    Gruß
    Bolzbold

  • Ich habe am Ende meines Studiums mein Kind bekommen, dann 3 Jahre Elternpause gemacht (zwischendrin, kurz nach dem 1. Geburtstag, das 1. Staatsexamen) und dann 2 Jahre Ref.


    Sowohl das 1. als auch das 2. Staatsexamen liefen super.
    Ich empfand das Ref. zu keinem Zeitpunkt als unzumutbar oder auch nur grenzwertig stressig.
    Ich lebe mit meinem Kind allein, hatte also auch keine nennenswerte Unterstützung durch den Vater/Partner und auch Omas und Co gibt es nicht vor Ort.


    Mit Babysitter, Kindergarten und stabiler Gesundheit ließ sich das aber alles absolut problemlos managen.


    Von mir ein absolutes 100%iges Pro zum Kind im Ref.


    LG
    Sunny

  • Sunny, vergiss nicht, dass die Betreuungsmöglichkeiten in den neuen Ländern ungleich besser sind als in den alten. ;)


    Ich habe meine Kinder im Studium bekommen und mit ihnen mein 1. StEx gemacht.
    Jetzt bin ich im Referendariat und es ist machbar. Es muss sich einpendeln, die ersten Wochen waren auf jeden Fall chaotisch.


    Stressig werden auf jeden Fall nochmal die Zeiten, wenn ich Hausarbeit schreiben muss und dann die Prüfungslehrproben kommen plus die mündlichen Prüfungen.
    Aber andere haben das auch schon geschafft.

Werbung