Trennung von Privat- und Berufsleben bei Lehrern ohne Zukunftschance?

  • Zitat

    Original von Micky
    Raket-O-Katz


    ich hab selten so gelacht!!! Kleine Ergänzung: Am besten sterilisiert man alle Lehramtsstudenten - in den Rahmen passen Kinder nicht. Höchstens als Anschauungsobjekt, aber das macht man dann bei der Expertenbefragung und dazu lädt man welche von "draußen" ein.


    Nicht lachen! Noch in den fünfziger Jahren war es selbstverständlich, dass Lehrerinnen nur solange ihren Beruf ausübten, solange sie ledig und kinderlos waren.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Zitat

    Ich erweitere diese (Horror-)Vision mal konsequenterweise:
    Die Lehrer bekommen in der Schule ihr eigenes Zimmer, welches ihr Klassenzimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer zugleich ist.


    Eine Kollegin von mir ging bereits den ersten Schritt in Richtung dieses Horroralbtraums - den Schülern zuliebe. Sie hatte sich von ihrer Klasse breitschlagen lassen, eine Nacht an der Schule zu verbringen. Alle (inkl. Lehrerin) "schliefen" gemeinsam im Klassenraum, auf dem 100 Jahre alten, klebrigen Fußboden, unter den Schultischen und -stühlen an denen die vergilbten Kaugummis längst vergessener Schülergenerationen kleben, zwischen Kreide-, Staub-, Tinten- und Pausenbrotresten des Schultages und was es sonst noch so Ekliges in den versifften Klassenräumen unserer maroden Schulgebäude zu finden gibt.


    Die Schüler fanden's toll und superlustig und wollen die Gaudi so schnell wie möglich wiederholen. Erwähnte Kollegin torkelte noch tagelang traumatisiert und ziellos durch die Gänge der Schule, käsebleich und irgendwie verändert....so kann's enden. Sie fragte mich heute, ob ich nicht in ihrer Klasse die stv. Klassenleitung übernehmen möchte. Thanx, and ...no thanx!


    Ich habe mal gestöbert und ein Buch zur "Theorie und Geschichte der Reformpädagogik" gefunden. Wie man dort nachlesen kann, scheinen bereits in den Frühzeiten der Reformpädagogik die Lehrer Probleme mit den neuen, an sie herangetragenen Anforderungen gehabt zu haben. Ich habe dort folgende Erzählung aus dem Jahre 1927 gefunden. Es ist ein Bericht von der sog. "Lehrerkrisis" aus der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, in dem sich die Schüler über die Lehrer beschweren:


    "Die Versammlung wurde eröffnet [...] Friedel hielt ein Referat über die Beschwerden der Schüler gegen die Lehrer [...]. Diese Beschwerden liefen [...] darauf hinaus, dass zwischen Lehrern und Schülern kein kameradschaftliches Verhältnis sei und besonders in den Kameradschaften keine wirklich erzieherische Arbeit geleistet werde, dass die Lehrer allzusehr ein Privatleben für sich führten und die Schüler sich selbst überließen. Es wurde darauf hingewiesen, dass nur wenige Lehrer zu den Zwischenmahlzeiten kämen, sich an Dauerlauf und Gymnastik beteiligten, Sport und praktische Arbeit mitmachten, sich an das Gesetz der Stillen Stunde bänden usw.
    Es wurde z.B. von dem Oberprimaner Igor Pruzen gesagt: Wir vermissen hier seitens der Lehrer jene erziehliche Tätigkeit, die zu Hause die Eltern und das ganze Milieu der gebildeten Häuslichkeit ausüben...."


    Also ohne mich!! Ich schließe mich meinen Vorrednern an: da muss entweder deutlich mehr Knete rüberkommen (aber wann kann man das Geld dann noch ausgeben? Gibt ja keine Freizeit mehr) bevor ich quasi den Privatlehrer an einer öffentlichen Schule mime, oder ich kündige und verzichte auf all die Privilegien des Beamtenstatus, die ich im Alter angesichts der krankmachenden Arbeitsbedingungen vermutlich ohnehin nicht mehr auskosten werde.


    m.E. sollen die Lehrer mit ihrer kostbaren Lebenszeit das Schuljahr, welches im Zuge der Schulzeitverkürzung im Gy8 (ich rede jetzt mal nur fürs Gym) verloren geht, ersetzen. Irgendwann muss ja auch noch der Erziehungsauftrag erfüllt werden. Dann machen wir's halt - wenn schon nicht mehr während des "normalen" Schultages möglich - nachmittags, abends und nachts. Dann schaffen wir's vielleicht sogar irgendwann, die Schüler schon nach 4 Jahren durchs Abi zu bringen. Was da an Geldern gespart werden könnte!


    Eine gute Nacht wünscht k.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Friedel hielt ein Referat über die Beschwerden der Schüler gegen die Lehrer [...].

    Who the f* is Friedel?? :D


    Boah.

    Zitat

    ... dass nur wenige Lehrer (...) sich an das Gesetz der Stillen Stunde bänden

    Doch, taten sie. Friedel hat nur nicht geschnallt, dass sie just DESWEGEN nicht zu finden waren...


    :tongue: Meike


    PS :

    Zitat

    Schüler fanden's toll und superlustig und wollen die Gaudi so schnell wie möglich wiederholen. Erwähnte Kollegin torkelte noch tagelang traumatisiert und ziellos durch die Gänge der Schule

    - Muss allerdings gestehen, dass ich mit meinen 5ern auch refelmäßig Lesenächte gemacht habe - und dann getorkelt bin. Würd ich auch wieder machen, wenn ich eine 5. hätt- aber eben nur einmal im Schuljahr.


    Mei-Friedel-ke

  • Gruselige Vorstellung. Aber irgendwie gehen viele meiner Kollegen davon aus, dass sich Privat- und Berufsleben nicht trennen lassen. Wir führen regelmäßig Diskussionen darüber, z.B. wenn sich mal wieder einer einen Elternabend bis 22 Uhr aufhalst, man sich unbedingt abends noch treffen will, um Unterricht durchzugehen. Ok, alles in Maßen, aber bei einigen ist keine klare Trennlinie mehr erkennbar und es scheint ihnen auch nichts auszumachen. Ich versuche, mir meine Freiräume zwischen all den Terminen und Vorbereitungen zu schaffen, habe meine Hobbies, gehe auf Konzerte (auch auf Festivals), kleide mich anders und fühle mich wohl damit. Allerdngs sorgt das bei einigen für Stirnrunzeln :tongue:
    Irgendwo ist das "Lehrerin-sein" mein Beruf, nicht mein Leben. Klar, ich bin mit Hingabe Lehrerin und liebe diesen Beruf, aber wir sollten ab und annicht vergessen, dass es eben "nur" ein Beruf ist und keine Lebenseinstellung und Lebensbestimmung, die unser Leben 24/7 diktiert.

  • Zitat

    Original von Mikael
    Nicht lachen! Noch in den fünfziger Jahren war es selbstverständlich, dass Lehrerinnen nur solange ihren Beruf ausübten, solange sie ledig und kinderlos waren.


    Gruß !


    Das nannte sich
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lehrerinnenzölibat


    und galt für kirchliche Lehrkräftinnen :) sogar noch bis 1968!


    Zitat

    Im Dienstrecht des Landes Baden-Württemberg bestand bis 1956 die Regelung, dass eine Lehrerin den Dienst zu quittieren hatte, wenn sie heiratete. Aus diesem Grund gab es damals besonders an Grundschulen noch viele „Fräulein“. (Evangelische Pfarrerinnen durften übrigens bis 1968 ihr Amt nicht mehr ausüben, sobald sie heirateten.)

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    Einmal editiert, zuletzt von alias ()

  • Guten Abend an alle!


    Irgendwie hat mich die Überschrift des Themas bislang nicht interessiert; jedoch kamen so viele Beiträge, dass ich neugierig wurde.


    Soooo seltsam ist die Vorstellung des Schulleiters gar nicht. So etwas gibt es tatsächlich. Ich weiß es, denn ich war dort aus anderen Gründen und habe es gesehen.


    Hier der Link dazu.


    Auch in den Gesprächen mit den Lehrkräften und am netten Verhältnis der Schüler zu ihnen, aber auch an vielen anderen Sachverhalten bestätigte sich mir der positive Eindruck von diesem Internatsgymnasium.


    Gut, 24h-Dienst haben nicht alle Lehrer und schon gar nicht ständig, sondern mit ausreichenden Pausen, aber es ist gängige Praxis.


    Ihr könnt ja denken, was Ihr wollt, nur finde ich es wunderbar und die Ergebnisse sprechen für sich.
    Voraussetzung dafür, als Schüler dort lernen zu dürfen ist: Es kostet eine Stange Geld und DIESE Schule ist somit nicht für jeden offen (Bidungschancen ;) ).

  • Diese englischen Schulen mit Internatscharakter sind schon vorbildlich.
    Mir gefällt besonders diese


    Traumhafte Zustände!



    edit: Schade, ein Direktsprung zum Stundenplan funktioniert leider nicht....

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    3 Mal editiert, zuletzt von alias ()

  • Zitat

    Original von Raket-O-Katz
    Wow, maximal 12 Schüler je Klasse. Traumhaft! :)


    Lehrer in Schuluniform - nix für mich!


    Grüße vom
    Rakeht-O-Katz


    Eindeutig die Zukunft! "Privates Internatsgymnasium", jedenfalls für alle, die es sich leisten können:
    http://www.schlosstorgelow.de/lagekost/kosten/kosten.htm


    In diesem Zusammenhant Art.7 Abs. 4 S. 3 GG:
    "Die Genehmigung [zur Errichtung privater Schulen] ist zu erteilen, wenn [...] eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird."


    Wahrscheinlich trifft das hier nicht zu, da die Schüler das alles selber zahlen (und nicht die Eltern). Wer das nicht kann, kommt dann halt auf die Einheitsschule.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    Einmal editiert, zuletzt von Mikael ()

    • Offizieller Beitrag

    Ich verändere das Ausgangsposting ein wenig, nicht sehr viel, ich lasse viele Inhalte und Sätze genauso wie sie waren. Ich wähle eine Berufsgruppe, welche in meiner Stadt (im öffentlichen Bereich) etwas mehr verdient als jüngere, angestellte Lehrer/innen... Und nun lest:


    Zitat

    Unser neuer Betriebsleiter - den ich für äußerst kompetent halte und schätze - skizzierte neulich auf einer Sitzung seine Vision eines "guten öffentlichen Verkehrsbetriebes", die Busfahrer sind ganztags mit ihren Fahrzeugen und Fahrgästen verbunden, bieten viele Lernprojekte über die Fahrzeuge an, die Streckenfahrpläne werden in demokratischem, gleichbereichtigtem Arbeitsklima zwischen Fahrgästen und Busfahrer abgesprochen, an jedem nur möglichen Tag finden kulturelle und sportliche Events im und rund um den Bus statt, die Busfahrer sind intrinsisch motiviert ihren Beitrag zu leisten, ....


    Die Aufgabenbeschreibung des Busfahrers stellt sich so dar: Fahrbegleiter, der gemeinsam mit den Fahrgästen fährt, ihnen Fahrstunden erteilt, mit ihnen gemeinsam das Fahrzeug putzt und repariert, von ihnen Fahrtricks erlernt, ihnen regelmäßig ein kleines Buffet zubereitet und selbst davon isst. Ferner fühlt sich der Busfahrer durch regelmäßige Mitfahrseminare in die Gefühle der Fahrgäste ein. Auch bisher unbekannte Kieze und Straßen kann er durch die demokratische Bestimmung der Streckenführung erlernen, z.B. Eddis Lieblings-Eckkneipe, so dass sich privates und berufliches Leben immer mehr annähern und die Grenzen zwischen beiden Bereichen langsam aber sicher nicht mehr auszumachen sind.


    Jetzt muss ich hier mal nachfragen: Wie seht ihr das? Hättet ihr was dagegen, wenn sich euer Privatleben nicht mehr vom beruflichen Leben unterscheiden würde? Wäre dies ein erstrebenswertes Ziel? Möchtet ihr immer euren Bus vor der Haustür haben mit einer Meute lustig feiernder Fahrgäste drin? Wäre dies vllt ein Teil der Arbeitspflicht, den man hinzunehmen habe oder macht man das sogar gern? Könnte irgendeine irgendwie geartete Vision eine solche Aufhebung der Grenzen - die wir in Teilen ja schon haben - rechtfertigen? Wird sich der Busfahrerberuf unvermeidlich in diese Richtung entwickeln?

  • Conni, genial!! :lach: :lach: :lach: :rofl:


    Das lässt sich vllt noch weiterspinnen, für den Beruf des Friseurs, Bürgermeisters, der Kanzlerin oder Prostituierten...

  • Zitat

    Unser neuer Lude - den ich für äußerst kompetent halte und schätze - skizzierte neulich auf einer Sitzung seine Vision eines "guten öffentlichen Verkehrsbetriebes", die Nutten sind ganztags mit ihren Love-Mobils und Freiern verbunden, bieten viele Lernprojekte über verschiedene Sexspielchen an, die Stellungen werden in demokratischem, gleichbereichtigtem Arbeitsklima zwischen Freiern und Nutten abgesprochen, an jedem nur möglichen Tag finden kulturelle und sportliche Events im und rund um das Hotelzimmer statt, die Prostituierten sind intrinsisch motiviert ihren Beitrag zu leisten, ....


    Die Aufgabenbeschreibung der Sexarbeiterin stellt sich so dar: Sexpartnerin, die gemeinsam mit den Freiern f****, ihnen "Fahrstunden" erteilt, mit ihnen gemeinsam das Bett putzt und repariert, von ihnen kleine, süße Tricks erlernt, ihnen regelmäßig ein kleines Buffet zubereitet und selbst davon isst. Ferner fühlt sich die Prostituierte durch regelmäßige Orgien und Gesprächsrunden in die Gefühle der Freier ein. Auch bisher unbekannte Kieze und Straßen kann sie durch die demokratische Bestimmung der Stellungsführung erlernen, z.B. Eddis Lieblings-Puff, so dass sich privates und berufliches Leben immer mehr annähern und die Grenzen zwischen beiden Bereichen langsam aber sicher nicht mehr auszumachen sind.


    Jetzt muss ich hier mal nachfragen: Wie seht ihr das? Hättet ihr was dagegen, wenn sich euer Privatleben nicht mehr vom beruflichen Leben unterscheiden würde? Wäre dies ein erstrebenswertes Ziel? Möchtet ihr immer euer Love-Mobil vor der Haustür haben mit einer Meute lustig feiernder Fahrgäste drin? Wäre dies vllt ein Teil der Arbeitspflicht, den man hinzunehmen habe oder macht man das sogar gern? Könnte irgendeine irgendwie geartete Vision eine solche Aufhebung der Grenzen - die wir in Teilen ja schon haben - rechtfertigen? Wird sich der Beruf der Prostituierten unvermeidlich in diese Richtung entwickeln?


    Sorry, hab heute viel korrigieren müssen.

  • Ist doch ganz einfach:


    Wer als Lehrer nicht willens ist, sein Privatleben zugunsten seines Berufs aufzugeben, der ist halt UNGEEIGNET, da er NICHT (aus-)BRENNEN will.


    So muss man doch unsere Bildungsforscher verstehen:


    http://www.focus.de/wissen/cam…tsstudium_aid_139820.html
    http://www.focus.de/schule/leh…aedagogik_aid_266173.html


    Und weiter: Busfahrer und Sexarbeiterinnen sind ehrenwerte Berufe in unserer Gesellschaft, also bitte nicht solche unsachlichen Vergleiche anstellen...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Berufsleben und Privatleben?


    Hmmmm, ich habe das ganz anders gelöst, ich leiste mir zwei Wohnungen :(


    Ich wohne in der Woche in meinem Schulort und am Wochenende in meinem Heimatort. Ich habe ca. 1 Stunde Fahrtzeit.....


    In der Woche sehe ich zu, dass ich alles Schulische bewältigen kann...(klappt nicht immer)! Freitags nachmittags fahre ich in meine Privatwohnung und sonntags komme ich wieder in meine "Dienstwohnung". Ich genieße das "private" Wochenende total.


    Es ist mir natürlich klar, dass es sich bei mir um eine Ausnahmesituation handelt, die sich nicht jeder leisten kann und will! Aber ich muss sagen.......es geht mir sehr gut damit (und ich habe recht günstige Mieten hier auf dem Land)!


    LG
    Isa

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