unverschämte Eltern

  • Hallo
    ich finde es sehr sehr schwer mit unverschämten Eltern zurechtzukommen die sich mir gegenüber respektlos verhalten. Die Kinder sind mir gegenüber nämlich auch respektlos aber ich habe den Eindruck nichts machen zu können. Heute war wieder so ein Elternteil und ich grübele und ärgere mich schon den ganzen Tag darüber.
    Es gibt viele Idioten, nicht nur in unserem Beruf, aber wie kommt man mit ihnen klar? Ich kann mich sehr schwer davon distanzieren und ich weiß nicht wie ich es lernen könnte... Vielleicht habt ihr eine Idee. Ich habe ja selbst Kinder im schulpflichtigen Alter und würde mich niemals so benehmen wie manche Eltern. Es ist für mich absolut nicht nachvollziehbar wie sich Erwachsene wie Kleinkinder benehmen können oder wie Erwachsene einfach so hinterhältig sein können und dauernd provozieren wollen... Ich habe bisher nur ein so Eltern-Exemplar, aber ich weiß, dass ich auch in Zukunft mit solchen Idioten zurechtkommen muss, und dass ich dringend einen Weg brauche damit zurechtzukommen...

  • Kopf hoch dacla, das schaffst Du schon !


    Nun ja, wir wissen ja, wie die Kinder im Klassenzimmer gestrickt sind, die ja ein Spiegelbild ihrer Eltern darstellen.-Und da tun sich zu oft Abgründe auf !


    Von daher bin ich nicht überrascht, wenn man ein paar "nette" Eltern begegnet, die ihre eigene Erziehungsunfähigkeit und Frust auf die Lehrer projizieren.


    Nun können einige Eltern recht unbarmherzig sein, wenn sie beim Lehrer ein unsicheres Auftreten wahrnehmen.


    Daher heißt es, von vornherein Grenzen ziehen und es sich nicht bieten lassen,
    wenn Eltern (unverschämterweise) sich anmaßen, den Unterricht (negativ) beurteilen zu können. Meist sind es die Eltern, die nicht mit den Mängeln ihrer Kinder konfrontiert werden möchten.


    Nun kann ich natürlich als "Musikguru" unserer Schule, der auch bei den Eltern eine unangefochtene Autorität besitzt (Die Eltern lesen in der Zeitung oft von meinen Konzerten mit Spitzen- Profis) "kluge" Ratschläge geben.

    Im Endeffekt meine ich, dass es bei den Eltern darauf ankommt, dass sie den Eindruck gewinnen, dass sie eine selbstsichere Autorität vor sich haben.-Und diese kann man über Jahre schulen !


    Ich persönlich konnte mich von "klugen" Elternäußerungen immer gut distanzieren und leerlaufen lassen. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich in meinem Wirken eine höhere Bestimmung sehe, als das sich Aufreiben an Banalitäten. 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

    Einmal editiert, zuletzt von Elternschreck ()

  • Zitat

    Original von Elternschreck
    Nun kann ich natürlich als "Musikguru" unserer Schule, der auch bei den Eltern eine unangefochtene Autorität besitzt (Die Eltern lesen in der Zeitung oft von meinen Konzerten mit Spitzen- Profis) "kluge" Ratschläge geben.


    Kann ich bitte ein Autogramm haben?


    Grüße vom
    Raket-O-Katz

  • Meine Erfahrung ist, dass sich unverschämte Eltern zwar schneller gegen unsicher wirkende (da mit weniger Erfahrung ausgestattete) Lehrer wenden, aber auch vor erfahrenen Hasen keinen Rückzieher machen, wenn sie auf Unterstützung in der Elternschaft bauen können (u.a. über Stimmungsmache per "Elternrundbrief").


    Als jüngere Lehrkraft lässt man sich häufig mehr gefallen oder sich einschüchtern (Altersunterschied zu den Eltern) bzw hat noch keine Methoden entwickelt sich effektiv zur Wehr zu setzen, klare Standpunkte zu vertreten, die den eigenen Unterricht oder die Beziehung zu den Schülern betreffen. Bei mir tritt dann häufig eine Lähmung auf, wenn ich mich solchen Angriffen ausgesetzt fühle, d.h. eine schnelle, schlagfertige Antwort fehlt dann halt einfach und fällt mir erst später ein.


    Mich lähmt z.B. der hehre Anspruch, der mir im Ref eingetrichtert und -impft wurde, immer konstruktiv (oder auf der berühmt-berüchtigten Metaebene) auf Angriffe reagieren zu sollen, mich ja zu bemühen, das Gespräch nicht eskalieren zu lassen, Verständnis zu zeigen, Diskretion zu wahren, etc. Also all das, was einem letztendlich jede Macht nimmt, angemessen auf Unverschämtheiten zu reagieren. Eigentlich sollte hier der eigene Selbstschutz am wichtigsten sein, der gesunde Instinkt, sich nicht klein machen zu lassen.


    Ich habe z.Z. in meiner Klasse viele unerfahrene Eltern. Das Kind ist das einzige Kind oder eben das älteste, so dass absolut keine Erfahrungen über Kinderverhalten in diesem Alter vorherrscht. Problematisches Verhalten des Kindes wird dann oftmals nicht ernst genommen bzw bagatellisiert ("er ist doch noch ein Kind"). Außerdem tendieren viele unerfahrene Eltern dazu, die verfärbt wiedergegebene Sichtweise ihres Kindes unreflektiert bzw kritisch zu betrachten. Sicherlich ist es ein gesundes Elternverhalten, zuerst dem Kind zu glauben, es zu unterstützen, aber in einigen Fällen (v.a. wenn es von mehreren Seiten ähnliche Rückmeldungen über das Verhalten des Kindes gibt) wird dann doch einfach die Wahrheit nicht akzeptiert, offensichtliche Lügen des Kindes als Aussage gegen die Schilderungen des Lehrers gestellt. Eltern und Schüler wenden sich dann gegen die Schule oder Lehrkraft, so dass absolut kein pädagogisch wirksames Handeln mehr möglich ist. Viele Eltern lassen sich in meinen Augen von ihren Kindern instrumentalisieren, das Kind stellt so die ersehnte und oftmals nicht ausreichende Nähe zu den Eltern her. Auch Eltern sehen hier die Möglichkeit dem Kind, das sich altersbedingt von ihnen entfernt (Pubertät), wieder näher zu kommen. All das sollte man mE bei der Beurteilung "unverschämter Eltern" berücksichtigen.

  • Zitat

    Original von Raket-O-Katz


    Kann ich bitte ein Autogramm haben?


    Grüße vom
    Raket-O-Katz


    Ich auch, bitte mit Beisatz: Für meine liebste Freundin, die Prusselise, das häng ich dann an meine Tür, vielleicht hält mir das die Eltern auch ab ;-)

  • Zitat

    Original von dacla
    Ich kann mich sehr schwer davon distanzieren und ich weiß nicht wie ich es lernen könnte... Vielleicht habt ihr eine Idee.


    Ich denke schon, dass man einen professionellen Umgang mit schwierigen "Kunden" lernen kann. Wie so oft macht wohl die Übung den Meister.


    Ich benutze das Wort "Kunde" ganz bewusst, da ich vor meiner Zeit als Lehrer viele Jahre im Einzelhandel mit sehr intensivem Kundenkontakt gearbeitet habe und heute erheblich von diesen Erfahrungen profitiere.


    Ich denke, dass ein wesentlicher Knackpunkt an der Selbstwahrnehmung liegt. In meiner Rolle als Verkäufer oder Lehrer fühle ich mich als Person nur in extrem seltenen Fällen persönlich angegriffen. Ich vertrete hier die zunächst mal die Interessen eines Unternehmens/einer Institution und Konflikte mit den "Kunden" entstehen zumeist aus dieser Geschäftsbeziehung heraus.


    Wenn ich allerdings dazu neigen würde, meine Persönlichkeit übermäßig stark über meinen Beruf zu definieren, sähe die Sache anders aus. Denn dann nehme ich zwangsläufig Konflikte im beruflichen Umfeld auch als Angriffe auf meine Person wahr.


    Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin nicht der Meinung, dass man seine berufliche Rolle völlig vom Rest seiner Persönlichkeit abgrenzen kann. Gerade bei Lehrern ist dass wohl sogar besonders schwierig. Nicht umsonst spricht man gerne von der "Lehrerpersönlichkeit". Ich denke aber schon, dass sich viele KollegInnen den Unterschied zwischen der beruflichen Rolle und der privaten stärker ins Bewusstsein heben sollten. Ein Schauspieler identifiziert sich im Privaten ja auch nicht mit seinen Spiel-Rollen, sondern legt diese nach getaner Arbeit wieder ab - gerade das macht ihn zu einem guten, weil flexiblen Schauspieler.

  • da mich ein Kollege aufmerksam gemacht hat, dass ich die Email des Vaters nicht wörtlich hier reinpasten sollte, habe ich meinen Beitrag gelöscht. Vielen Dank für eure ganzen Antworten, haben mir wirklich geholfen.

  • Ich würde so in der Art antworten:
    :D


    Sehr geehrter Herr sowieso,
    die mail war eine freiwillige Information meinerseits.
    Solche Informationen schriftlich oder gar mündlich an alle Eltern zu geben,
    würde den finanziellen bzw. zeitlichen Rahmen sprengen.
    Deshalb werde ich solche Infos auch zukünftig nur per mail versenden.


    Wenn Sie an solchen mails nicht interessiert sind,
    nehme ich Sie gerne aus meinem Verteiler.


    Ich stehe Ihnen natürlich auch weiterhin gerne zur Verfügung,
    falls Sie Informationen über den Leistungsstand Ihres Sohnes einholen möchten.
    Meine Sprechstunde: ________
    Bitte vereinbaren Sie vorher einen Termin mit mir,
    damit ich auch Zeit für Sie habe.



    Mit freundlichen Grüßen

  • Zitat

    Original von indidi


    die mail war eine freiwillige Information meinerseits.


    Deshalb werde ich solche Infos auch zukünftig nur per mail versenden.


    *überleg* ... oder es bleiben lassen ...



    Ätzend, solche Antworten, ich kann euch verstehen!

  • Und was die Klassenregeln angeht - dann unterschreibt der Schüler halt nicht.
    Sie wurden gemeinschaftlich festgesetzt, du hast sie ihm mitgeteilt, er hat sich daran zu halten. Es wäre ja noch schöner, wenn jetzt die Schüler (oder Eltern) schon selber entscheiden könnten, ob es ihnen genehm ist, sich an die Regeln zu halten oder nicht.
    Die Kommunikation mit dem Vater würde ich auf ein absolutes Minimum reduzieren.

  • Mir hilft die Einstellung:


    diese "Unverschämtheit" ist oft ein "Vertuschen der Angst", die Eltern um ihre Kinder haben. Sie sind unsicher, wollen alle Fehler des Kindes möglichst nicht sehen müssen (ist ja auch hart, zuzugeben, dass das Stück Mensch, das aus einem selbst entstanden ist, einen Fehler hat), deshalb schießen sie wie wild um sich. Es ist sozusagen eine "Ablenken von den Fehlern der eigenen Kinder", lieber klammere ich mich verzweifelt an jeden "Fehler", den der Lehrer macht, als dass ich über meine eigenen Fehler nachdenke.


    (hoffe, man kann verstehen, was ich meine; habe jetzt auch lange überlegt, ob ich das hier schreiben will, aber nachdem mir eine langjährige Kollegin vor Jahren diesen Hinweis mit auf den Weg gegeben hat und er mir bei "unverschämten Eltern" immer wieder hilft, dachte ich ich gebe ihn mal weiter, vielleicht kann ja auch jemand mit dieser Einstellung was anfangen)

  • Zitat

    Original von dacla
    das Problem ist aber schon, dass ich mich nicht distanzieren kann, weil ich schon auch persönlich angegriffen werde.


    Das ist genau das, was ich meine. Du wertest die Aussage als persönlichen Angriff, anstatt ihn als Angriff auf deine Lehrerrolle zu interpretieren. Beides wäre möglich, selbst dann noch, wenn der Vater tatsächlich ganz bewusst auf deine Person zielt.


    Ärgerlich ist das Verhalten natürlich so oder so. Ich denke aber schon, dass es emotional einen Unterschied macht, wie man den Vorgang betrachtet.


    Edit: dacla, du hast eine PN im Postfach

  • Zitat

    Original von juna
    Mir hilft die Einstellung:


    diese "Unverschämtheit" ist oft ein "Vertuschen der Angst", die Eltern um ihre Kinder haben. Sie sind unsicher, wollen alle Fehler des Kindes möglichst nicht sehen müssen (ist ja auch hart, zuzugeben, dass das Stück Mensch, das aus einem selbst entstanden ist, einen Fehler hat), deshalb schießen sie wie wild um sich. Es ist sozusagen eine "Ablenken von den Fehlern der eigenen Kinder", lieber klammere ich mich verzweifelt an jeden "Fehler", den der Lehrer macht, als dass ich über meine eigenen Fehler nachdenke.


    (hoffe, man kann verstehen, was ich meine; habe jetzt auch lange überlegt, ob ich das hier schreiben will, aber nachdem mir eine langjährige Kollegin vor Jahren diesen Hinweis mit auf den Weg gegeben hat und er mir bei "unverschämten Eltern" immer wieder hilft, dachte ich ich gebe ihn mal weiter, vielleicht kann ja auch jemand mit dieser Einstellung was anfangen)


    Diese zunächst einmal durchaus als im weiteren Sinne "menschlich" zu verstehende Reaktion der Eltern kann man sogar auf den Menschen an sich erweitern.
    Es ist ja nicht nur so, dass Eltern den Lehrern gegenüber unverschämt auftreten sondern auch umgekehrt.


    Bei "unverschämten" Reaktionen sollte man sich klar machen, dass es im Grunde mehr über denjenigen aussagt, der sich so verhält, als über denjenigen, der es abbekommt.


    Sachliches, höfliches, aber bestimmtes Auftreten und das Beschränken auf das eigentliche Thema des Gesprächs (hier z.B. das Fehlverhalten des Schülers) lassen einen wenigstens erhobenen Hauptes aus dem Gespräch gehen.


    Im Falle der "Service-E-Mails" hätte ich allerdings auch einen freundlichen Hinweis gegeben, dass man als Elternteil dann eben die erwähnten Alternativen wahrnehmen muss.


    Gruß
    Bolzbold

  • Mich ärgert es und es macht mir Angst, zu erleben, wie Lehrern mit immer weniger Respekt begegnet wird.


    In anderen Berufen gibt es ein umfassendes Kommunikationstraining, in dem in Rollenspielen der Umgang mit schwierigen Personen trainiert wird. Auch Beratungslehrer scheinen so etwas zu lernen.


    Wie kann es sein, dass dies in unserer Lehrerausbildung nicht vorgesehen ist und wir meist hilflos vor grenzüberschreitenden Eltern stehen? Oft sind Eltern in diesem Bereich inzwischen besser geschult als Lehrer.


    M.E. ist es an der Zeit, dass wir spätestens in der Lehrerfortbildung eine Ausbildung im Bereich Kommunikation einfordern. Gibt es die Möglichkeit, über dieses Forum dahingehend etwas zu bewirken?


    Simian

  • Hallo Simian:


    ich habe während meiner Ausbildung Kommunikationstheorien und Rollenspiele bis zum Anschlag verabreicht bekommen. Ich habe es nie bereut. Sie helfen mir bei der Analyse von Konfliktsituationen. Aber, und das finde ich ganz wichtig, sie hemmen mich in der eigentlichen Auseinandersetzung mit dem Gegenüber, wenn es nämlich darum geht, klare und eindeutige Grenzen zu setzen.


    Das "Grenzen setzen" wird m.E. in solchen Fortbildungen viel zu wenig beachtet. Wie und wann breche ich ein Gespräch ab, z.B., ohne mich danach schlecht zu fühlen? Wie gehe ich mit den Gefühlen um, die unverschämtes Verhalten in mir auslöst? Wo hole ich mir Hilfe und Unterstützung?


    Ich habe etliche Seminare dieser Art hinter mich gebracht. Ich habe sie im Vergleich zu dem Mist, der einem sonst so im Lehrerfortbildungszentrum angeboten wird, wirklich als sinnvoll erachtet, v.a. der Austausch mit Kollegen über Situationen mit unverschämten Eltern/Schülern hat mich bestärkt. Es waren nicht die Rollenspiele, in denen eigentlich nur geübt wurde, wie man seine innere Wut beherrschen lernt, Zurückhaltung übt und eine "professionelle" Maske aufsetzt. Ich bin meistens mit einem Riesenärger aus diesen Rollenspielen wieder herausgetreten.


    Nein, ich sehe es heute so, dass professionelle Zurückhaltung zwar lobenswert ist und von Souveränität Zeugnis ablegt, aber sie ist nicht immer das Gebot der Stunde. Diese Haltung nehme ich ein, wenn ich sehe, dass das Gegenüber noch einen kleinen Funken an konstruktiver Mitarbeit zur Verfügung stellt. In allen anderen Fällen verzichte ich gerne auf jede Diplomatie, sondern nenne die Dinge bei ihrem Namen, schieße auch mal zurück, wo es angebracht erscheint. Oder beende ein auf Vernichtung und Einschüchterung des Gegenüber ausgerichtetes Gespräch unverzüglich. Ich setze mich solchen Menschen und ihren Unverschämtheiten nicht mehr aus. Reiner Selbstschutz.


  • Ich denke mit deinem Posting hast du den Knackpunkt exakt getroffen, schubbidu. Und sehr genau dargestellt, was man üben und trainieren muss.


    Mir selber hat meine systemische Supervision unheimlich viel gebracht, die ich lange Zeit hatte. Vielleicht wäre das auch was für dich klöni, weil man im Rahmen dessen sehr gut konkrete Situationen trainieren kann. Mir persönlich bringt sowas auch mehr als einfach nur Kommunikationstheorien zu lernen und fiktive Rollenspiele mitzumachen. Eben weil ganz oft persönliche Emotionen eine Rolle spielen und es manchmal schon hilft bestimmte Situationen einfach nur zu reflektieren. Beim nächsten Konflikt fiel es mir dann meist gleich leichter, auf die Metaebene zu gehen und zu sehen, was abläuft. Entsprechend ist dann viel schneller klar, wie eine angemessene Reaktion aussehen muss. Und in den meisten Fällen ist das weder eine "professionelle Maske" aufsetzen noch zurückschießen.


    Übrigens muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich als Beratungslehrerin immer wieder feststellen muss, dass es unheimlich schwierig ist mit Lehrerkollegen an den Regelschulen zu kommunzieren. (Kann sein, dass es an Förderschulen nicht anders ist, aber da mache ich halt keine Beratung...) Da kann ich manchmal die Eltern, die ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Klassenlehrer haben, besser verstehen als die Kollegen, die sich über die angeblich schwierigen Eltern beschweren. In vielen Gesprächen habe ich das Gefühl ich muss die Kollegen behandeln wie ein rohes Ei. Und da wären wir genau an dem Punkt, den schubbidu angesprochen hat. Es ist leider häufig nur ganz schwer möglich pädagogische Vorgehensweisen sachlich zu besprechen, jegliche Anregungen und Ideen werden sofort als persönlicher Angriff und Kritik an der eigenen Person gedeutet. Und nicht selten wird die eigene Unsicherheit hinter einem dicken Panzer der "absoluten Unfehlbarkeit" versteckt. Da ist eine konstruktive Zusammenarbeit extrem schwer. Zumal sich dann auch noch viele Kollegen per se weigern, mit Eltern vernünftig zusammenzuarbeiten und diese nur als Kopiergeldzahler und Strafvollzieher bei Fehlverhalten im Unterricht ansehen.
    Gut, mein Job ist es dann diesen Eiertanz mitzumachen und ich packe für meine Beratungsgespräche an Regelschulen immer ganz viel Watte mit ein. Aber ich kann echt verstehen, wenn das manche Eltern auf die Palme bringt und dann eben auch tatsächlich unverschämte Reaktionen kommen.


    Aber natürlich gibt's auch "von Natur aus" unverschämte Eltern, keine Frage. Mit einer professionellen Selbstwahrnehmung und Gesprächsführung kann man aber auch solche Konfliktsituation meistern. So blöd es klingt, aber das ist tatsächlich einfach Übungssache.

    Man soll denken lehren, nicht Gedachtes.
    (Cornelius Gustav Gurlitt)

    Einmal editiert, zuletzt von Mia ()

  • Lies das Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" und du wirst einen anderen Blick auf solche Eltern bekommen, der es dir dann ganz einfach ermöglichen sollte, Grenzen zu ziehen und konsequent die Einhaltung dieser von dir bestimmten Grenzen einzufordern...

  • Zitat

    Original von Scooby
    Lies das Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" und du wirst einen anderen Blick auf solche Eltern bekommen, der es dir dann ganz einfach ermöglichen sollte, Grenzen zu ziehen und konsequent die Einhaltung dieser von dir bestimmten Grenzen einzufordern...


    Argh! Die Werbung für dieses Buch nervt. Gerade von pädagogisch Gebildeten kann man doch erwarten, dass man so ein höchst umstrittenes populärwissenschaftiches Machwerk kritisch hinterfragt. Unwissenschaftlich, veralteter Wissensstand! Das Laien sowas zum Bestseller machen, damit muss man leben, aber Lehrer...traurig.
    siehe wiki: "Einige Kritiker geben zu bedenken, Winterhoff würde ohne Bezug zu relevanter Literatur und Forschungsbefunden, Erfahrungen mit seiner spezifischen Klientel generalisieren und so zu falschen Schlüssen kommen."



    -edit-


    Ein recht interessantes Gespräch ist hier zu finden:
    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,616055,00.html
    Der Autor, ein Kritiker und Spiegel ;)


    SOOOOOOOOOOOO Back to topic! ;)

  • Hallo Mia:


    mit der systemischen Supervision hast du einen guten Punkt erwähnt. Ich möchte Konfliktsituationen des Real Life und nicht irgendwelche in Watte gepackten fiktiven Spielchen bestreiten müssen.


    Zitat

    In vielen Gesprächen habe ich das Gefühl ich muss die Kollegen behandeln wie ein rohes Ei. Und da wären wir genau an dem Punkt, den schubbidu angesprochen hat. Es ist leider häufig nur ganz schwer möglich pädagogische Vorgehensweisen sachlich zu besprechen, jegliche Anregungen und Ideen werden sofort als persönlicher Angriff und Kritik an der eigenen Person gedeutet. Und nicht selten wird die eigene Unsicherheit hinter einem dicken Panzer der "absoluten Unfehlbarkeit" versteckt.


    Mir wurde etwas unwohl, als ich das hier gelesen habe. Ich fühlte mich sofort in der Defensive, als sei ich gefordert, für die Kollegen an Regelschulen Stellung zu beziehen.


    Du schreibst, du nimmst diese Kollegen oftmals "wie ein rohes Ei" wahr. Deine Schlussfolgerung (der ich nicht ganz folgen kann) ist, dass diese Lehrer Vieles persönlich nehmen, was gut gemeint sei. Außerdem schlussfolgerst du, sie fühlten sich unsicher und hielten sich für unfehlbar. Ist dies jetzt ein sachliches oder ein persönlich gefärbtes Urteil?


    Ich kann deiner Argumentationslinie -ganz sachlich gesprochen - nicht folgen. Wäre ich ein Kollege in einem solchen Gespräch, würde ich deine Einstellung mir gegenüber vermutlich spüren und sofort dicht machen. Aus dem guten Grund, weil ich erneut erleben müsste, dass ich für meine Situation keinerlei Verständnis und Unterstützung erhalte, nicht mal von der Beratungslehrerin.


    Ich vermute mal, dass sich deine Beobachtungen auf einige Beispiele beziehen und nicht pauschal zu verstehen sind. Ich würde mich fragen, wie ich solchen Kollegen helfen könnte, damit sie in diesen Situationen nicht wie ein rohes Ei reagieren müssten, wenn es sicjh denn so darstellt.


    Dies mein ganz persönlicher Eindruck.

  • Hoffnungslos unkooperative Fälle gibt's natürlich immer.....


    Mit den meisten Leuten habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass sie gerne kooperieren, wenn sie das Gefühl haben, man zieht am gleichen Strang, d.h. hat (unabhängig von irgendwelchen Schuldzuweisungen) ein gemeinsames Ziel.....

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