Schreibkonferenzen... meine Schüler verbessern nichts...

  • OK, das ist übertrieben ausgedrückt...
    Aber ich mache gerade wieder Aufsatzerziehung, die Kriterien sind besprochen, Übungsaufsätze sind geschrieben... und nun sollen die Schüler ihren Aufsatz schreiben, für den es auch dann eine Note gibt.
    Das machen sie... sie gehen in Schreibkonferenzen, alle Aspekte werden also da nochmal überprüft... und die Schüler sind da auch ehrlich miteinander. Sie kennen Schreibkonferenzen.
    Sie zeigen mir ihren Schreibkonferenzbogen, wir besprechen, wo sie dann noch was verbessern könnten...
    Aber die meisten Schüler machen das nicht.
    Sie schreiben einfach ihren vorgeschriebenen Aufsatz 1:1 ins Heft und geben ab. Sie denken sich nichtmal eine bessere Überschrift aus.
    Wenn ich sie darauf anspreche, ernte ich ein Schulterzucken... oder ein... das ist so viel Arbeit und ich will jetzt lieber Mathe machen... oder egalwas... jedenfalls ist ihnen das zu viel Mühe.
    Auch ein Klassengespräch dazu, der Hinweis auf Noten, der Bericht eines Schriftstellers, der seine eigenen Texte ja auch immer wieder überarbeitet.... alles bringt nichts.


    Wie handhabet ihr das... und wie bringt ihr eure Schüler dazu, ihre Aufsätze zu überarbeiten.

    Das Leben ist unberechenbar. Iss das Dessert zuerst!

  • Beziehe den Schreibprozess in die Bewertung ein - bewerte also, ob die Schüler die angegebenen Verbesserugsvorschläge auch berücksichtigt haben und lass sie eine kurze Reflexion schreiben, inwiefern sie die Vorschläge berücksichtigt haben. Also, die Schüler müssen zwei Versionen abgeben, die erste musst du ja nur überfliegen, um zu sehen, dass was verändert wurde.

  • Wahrscheinlich geht das jetzt am Thema vorbei, aber ich finde es interessant, dass es noch andere Lehrer gibt, die mit Schulterzucken usw. "abgespeist" werden. Ich dachte zwischenzeitlich nämlich schon ich mach was verkehrt. Meine Kinder sind in vielen Bereichen so, dass sie einfach "keinen Bock" haben, etwas zu tun und dann sogar schlechte Noten mit einem Schulterzucken "abnicken". Ist denen schnurzpiep! Die wollen am liebsten den ganzen Tag nur das machen, worauf sie Lust haben. Frage mich oft, ob das von zu Hause kommt?!


    Zu deinem eigentlichen Problem: Da kann ich mich President nur anschließen. Wir haben zu jedem Aufsatz so Beurteilungsbögen mit entsprechender Punkteverteilung. Da würde ich einfach Punkte geben für die Berücksichtigung der Verbesserungsvorschläge.

  • Ich "zwinge" sie dazu. ;) Ich hab das Problem natürlich auch, dass viele Schüler ihre Aufsätze bzw. die Übungen dazu einfach nicht überarbeiten. Gerade heute hab ich mir wieder die Haare gerauft, denn wir üben seit zwei Wochen intensiv für unseren morgigen Aufsatz und bei nicht wenigen Kindern sitzt das immer noch nicht. Zudem sind gerade die Kinder kaum gewillt, Verbesserungen vorzunehmen.
    Manche (schwachen) Kinder sind auch mit der Fülle von Verbesserungsvorschlägen überfordert und lassen es dann ganz. Denen gebe ich unabhängig von der Schreibkonferenz gezielte Schreibvorschläge bis hin zu ausformulierten Sätzen (je nach Aufsatzform).
    Wer immer noch nicht verbessert muss das wahlweise als Hausaufgabe / in der Nachbarklasse / in der Förderstunde machen.


    Es ist ein frommer Wunsch (den ich langsam aufgebe), dass alle Kinder irgendwann die Fähigkeit erlangen, ihre Aufsätze weitgehend eigenständig und aus einer Erkenntnis heraus zu überarbeiten. Manche schaffen das auch mit 100 Schreibkonferenzen nicht. Damit sie aber wenigstens typische und richtige Formulierungen kennenlernen, lasse ich sie diese eben mehr oder weniger - ergänzend zu ihrem eigenen Text - abschreiben.


    Ich beobachte auch, dass die meisten Kinder kaum noch eine Sache durchhalten, die mal nicht so viel Spaß macht. Ist schon ätzend manchmal...

    Für mich gibt es wichtigeres im Leben als die Schule.


    (Mark Twain)


    Auf dem Weg zur Weltherrschaft! :teufel:

  • Ich habe die gleiche Erfahrung mit Schreibkonferenzen gemacht: die Schüler verbessern nichts und der Text wird 1 zu 1 kopiert. Mittlerweile gebe ich jedem genau zwei klar gefasste Aufträge (überarbeite die Satzanfänge; suche treffendere Verben usw.) Ob das dann gemacht oder nicht, bepunkte ich dann bei der Endabrechnung und berücksichtige es somit bei der Note. Einige verändern immer noch nichts, aber es gibt Schüler, die mit einem klaren Auftrag besser klarkommen.

  • aus meiner 5. HS


    Was hilft: Bewertung aufsplitten. Erster Aufsatz VOR der Konferenz wird streng bewertet. Überarbeitung kann dann aber durchaus 2 Notenstufen Verbesserung erwirken.
    Es ist klar, dass Kinder eine Kosten-Nutzenrechnung beherrschen und sich bei einer 1/2 im ersten Verlauf kaum noch ranklotzen. Wenn aber ein typischer 2er-Schüler bei einer 3/4 dümpelt, dann regt ihn das schon an.


    es ist anzumerken, dass letztlichnur der überarbeitete Entwurf und der Arbeitsprozess zur Leistungsmessung herangezogen wird.

  • Es ist ein frommer Wunsch (den ich langsam aufgebe), dass alle Kinder irgendwann die Fähigkeit erlangen, ihre Aufsätze weitgehend eigenständig und aus einer Erkenntnis heraus zu überarbeiten.


    Ist das vielleicht die Folge eines intellektuellen Reifungsprozesses, der sich erst allmählich im Zuge der geistigen Entwicklung von Kindern heranbilden kann? Ich kann es ja nicht wirklich beurteilen, aber kann man bei Kindern im Grundschulalter wirklich von tatsächlichen und nicht nur von (didaktik-ideologisch vorgegebenen) scheinbaren Abstraktionsleistungen ausgehen, die solche Erkenntnisse zur Folge hätten?


    Nele

  • Naja, aus der reinen Selbsterkenntnis heraus schaffen das sicher kaum Kinder, aber es war ja hier die Rede von Schreibkonferenzen. Und es gibt durchaus Kinder, die daraus Gewinn ziehen und ihre Texte entsprechend überarbeiten. Ich hab schon den Eindruck, dass die meisten Schüler im Gespräch während der Konferenz verstehen, was sie besser machen könnten, es jedoch aus Faulheit (?) nicht umsetzen. Es gibt natürlich auch Kinder, die nicht in der Lage sind (und diese auch in der Grundschulzeit nicht erreichen), Schreibtipps sinnvoll umzusetzen.


    Also können würden viele schon, nur wollen tun sie nicht. ;)

    Für mich gibt es wichtigeres im Leben als die Schule.


    (Mark Twain)


    Auf dem Weg zur Weltherrschaft! :teufel:

Werbung