Seminar Direkteinstieg BW: wie zeitaufwendig?

  • Hallo zusammen,
    ich bin am überlegen,ob ich versuchen sollte per direkteinstieg in den lehrerberuf zu kommen.
    Nun ist meine frage,wie aufwendig das Seminar sein würde?wie oft und lang muss ich hin (uhrzeiten?). Gibt es akzeptierte fehlzeiten? Wieviele Prüfungen hätte ich als direkteinsteigerin?
    Danke für eure antworten und entschuldigt die falsche groß-/Kleinschreibung (handy... ;-)).

  • Mh, was heißt referendariat? Ist ja nicht seiten- sondern quereinstieg,den ich machen würde . Habe bisher nur rausfinden können,dass das seminar einmal pro Woche ist.
    Wie sind die uhrzeiten? 9uhr-? ?
    Wäre froh,wenn mir jemand antworten könnte. Bin im Moment am überlegen/zweifeln, ob ein direkteinstieg mit kleinen Kindern schaffbar ist und man seinen Kindern noch gerecht werden kann... :(.
    Danke für eure antworten!

  • Hallo,


    ich befinde mich gerade im Direkteinstieg in BW. Du hast ja nur im ersten Jahr die Seminare - im zweiten Jahr sind es nur noch drei oder vier Tage insgesamt, die du ans Seminar musst (abgesehen von den Prüfungen).


    Die Uhrzeiten kann dir hier niemand verbindlich sagen, da dies vom Seminar an sich (ob nun Weingarten, Stuttgart usw.) und auch von den Dozenten abhängig ist. Bei mir sieht es folgendermaßen aus: Mittwochs von 14:00-17:15 Uhr Zentralseminar und Donnerstags von 9:00 - 15:00 Uhr Fachdidaktik. Fachdidaktik findet zwar jede Woche statt, jedoch wechseln sich dein Erst- und Zweitfach dabei immer ab.


    Dabei sind die Seminare an sich weniger zeitfressend - eher die (teilweise) langen Anfahrtswege (bei mir etwa zwei Stunden pro einfacher Strecke). Grundsätzlich sind die normalen Fehlzeiten (krank) natürlich akzeptiert. Ansonsten ist es eben bezahlte Arbeit - also nix mit "komm ich heute halt mal nicht". Da kann ich natürlich wieder nur für mein Seminarstandort reden, aber es kann ganz schön Ärger geben und macht natürlicherweise auch keinen guten Eindruck (auf die Personen, die dich nachher prüfen).


    Die zeitliche Belastung ist für die Direkteinsteiger, die vorher noch nie unterrichtet haben, doch sehr hoch. Da ich bereits einige Jahre an Schulen unter freier Trägerschaft unterrichtet hatte, habe ich da wohl Glück. Eine Sammlung unter unseren Teilnehmern (etwa 25 Stück) ergab eine durchschnittliche Arbeitszeit (Fahrzeiten, Seminar, Schule und Vor- und Nachbereitung zuhause) von etwa 60 Stunden. Wurde aber nach drei Monaten abgefragt und liegt inzwischen wahrscheinlich bei weniger Stunden. Zudem gibt es hier große Unterschiede von Person zu Person.


    Jedoch gibt es auch bei uns Direkteinsteiger/innen mit Kindern, auch Alleinerziehende, die das bewundernswerterweise gut hinbekommen. Allerdings sind diese auch hervorragend organisiert (das muss man wohl sein in dem Fall).


    Editiert wegen vieler, der Uhrzeit und dem Ipad geschuldeter, Rechtschreibfehler. Sind wahrscheinlich noch welche übrig :) .

  • Du hattest ja noch nach den Prüfungen gefragt. Dafür teile ich die zwei Jahre jetzt einfach mal in vier Halbjahre.


    1. Halbjahr: In jedem Fach einen beratenden Unterrichtsbesuch (beratende Unterrichtsbesuche sind keine Prüfung und geben keine Note, sind aber vom Aufwand gleichzusetzen mit den abschließenden Lehrproben). Dazu 8 Std/Woche selbstständiger Unterricht, 6 Std/W Hospitationen und begleiteter Unterricht, 2 Std/W Schulkunde durch die Schulleitung.


    2. Halbjahr: In jedem Fach einen beratenden Unterrichtsbesuch, zwei Besuche der Schulleitung im Unterricht, eine Dokumentationsarbeit im Erstfach. Dazu 10 Std/W selbstständiger Unterricht und 2 Std/W begleiteter Unterricht.


    3. Halbjahr: In jedem Fach wieder einen beratenden Unterrichtsbesuch und zwei mündliche Prüfungen (Schulrecht und - organisation, Pädagogik und Pädagogische Psychologie). Dazu 18 Std/W selbstständiger Unterricht und 2 Std/W begleiteter Unterricht.


    4. Halbjahr: Im Erstfach eine Lehrprobe und im Zweitfach zwei Lehrproben (gehobener Dienst glaube nur eine im Zweitfach) und in jedem Fach ein Kolloquium, sowie wieder zwei Besuche durch die Schulleitung für die abschließende Beurteilung. Dazu 18 Std/W selbstständiger Unterricht.


    Im dritten Jahr (Bewährungsjahr) muss ebenfalls noch mit vollem Deputat gearbeitet werden. Eine Reduzierung ist erst danach möglich.


    Editiert wegen vieler, der Uhrzeit und dem Ipad geschuldeter, Rechtschreibfehler. Sind wahrscheinlich noch welche übrig :) .

  • Oha,ich dachte,das Seminar wäre nur 1x pro Woche?!
    Das ganze scheint ja sehr zeitaufwendig... wann hat man denn das Seminar in weingarten?ich dachte,man wäre nur an einem ort? Wovon hängt es denn ab wo man ist? Vom Fach oder wohn-oder schulort?


    Was ist schulkunde? Ist das tatsächlich 2h/w?


    Der direkteinstieg klingt für mich jetzt irgendwie viel stressiger als ich dachte.
    60h sind mit zwei kleinkindern ja verrückt :(.
    Andererseits weiß man ja nicht wie oft man die Chance für einen direkteinstieg bekommt.ach schwierig :(.

  • In Stuttgart ist das Seminar einmal in der Woche, jeweils von 9:00 bis 16:30.


    Aber das mit den 60 Stunden kommt schon hin.


    Viele Grüße
    Super-Lion

  • ---es ist halt ein ref. ausbildungsphasen sind von hohem arbeitseinsatz gekennzeichnet. aber: wir hatten im ref eine mama mit drei kindern unter fünf, alleinerziehend. sie hat es auch geschafft. war aber wohl recht belastend, gar keine frage.

  • In Weingarten ist das Zentralseminar (Methodentraining, Schulrecht und -organisation, Pädagogische Psychologie usw.) jeweils Mittwochs (14-17:15 Uhr). Die Fachdidaktik findet Donnerstags an der jeweiligen Schule unseres Fachdidaktikers statt und teilweise an den Schulen der Direkteinsteiger um sich einen Unterricht anzusehen. Zumindest ist das im Moment so.


    Schulkunde wird nicht geprüft und findet an deiner Schule durch die Schulleitung statt. Die zwei Stunden in der Woche sind ein Richtwert. Kann sein, dass die Schulleitung das nicht jede Woche, sonder hin und wieder (dafür dann aber länger) macht.


    Super-Lion: Habt ihr dann Zentralseminar und Fachdidaktik an einem Tag? Das hätte ich mir auch gewünscht - da spart man einiges an Fahrtzeit.

  • Ich würde die 60h auch als realistisch einschätzen. Hab zwar in NRW gemacht, aber so viel anders wird das sicher nicht sein.
    Ich hab auch 2 Kinder, der kleine war beim Start gerade 1 Jahr. Es geht, ist aber ohne eine gute Organisation und mit viel schlechtem Gewissen nicht machbar. Der Kleine ist so sehr zu kurz gekommen, aber er hat es gut weggesteckt, da er es ja nun mal nicht anders kennt. Trotzdem: mein ganzes Umfeld musste mitziehen. Teilweise ist meine Schwiegermama morgens früh gekommen, weil ich schon losmusste, bevor die KiTa aufgemacht hat.
    Die Große war nicht mehr ganz so betreuungsintensiv, aber sie kam grad in die Oberstufe. Das hat mich zum Teil lange Abende gekostet, weil sie am Anfang in Mathe nicht gut zurecht kam. Manchmal frage ich mich, wie ich das alles geschafft hab :)


    Wünsche Dir alles Gute bei Deiner Entscheidung.

  • Vielen dank für eure zahlreichen und ausführlichen antworten!
    Ich werde mal in mich gehen. Letztendlich hängt das ganze für mich davon ab,ob für mich in den zwei jahren ein kleinkindfreundlicher Stundenplan gemacht wird. Wenn man das nur schon vorher wüsste ; (...

  • Vielen dank für eure zahlreichen und ausführlichen antworten!
    Ich werde mal in mich gehen. Letztendlich hängt das ganze für mich davon ab,ob für mich in den zwei jahren ein kleinkindfreundlicher Stundenplan gemacht wird. Wenn man das nur schon vorher wüsste ; (...


    Das halte ich für extrem unwahrscheinlich:
    Es mag vielleicht Ausnahmen in kleinen Systemen (kleine Grundschulen oder Förderschulen) geben.In allen mittelgroßen Systemen (Realschulen, Gymnasien etc.) ist das schon fast gar nicht mehr möglich, ) weil so viele andere Dinge berücksichtigt werden müssten.
    Selbst als schon lange "fertige" Lehrerin mit 2 kleinen Kindern und teilweise nur 1/4-Stelle, vorherigen Absprachen etc. musste ich im Prinzip damit rechnen, der Schule von 8-18 Uhr (Konferenzen) zur Verfügung zu stehen und Unterricht im Bereich von 8-nachmittags haben zu können (bei Stundenplanänderungen teilweise mit 3Tagen Planungsvorlauf.
    Und ich fürchte, auf Seiteneinsteiger, die ja im Prinzip eine volle Stelle haben, wird eher nicht mehr Rücksicht genommen werden.
    Hast du auch die Konferenzen (Dienstbesprechungen, Lehrerkonferenzen, Fachkonferenzen, Zeugniskonferenzen, pädagogische Konferenzen...) und Zusatzveranstaltungen (Tag der offenen Tür, Fortbildungen, Schulfeste, Projektwochen, Elternsprechtage, Exkursionen etc.) im Blick, die ständig außerhalb des normalen Stundenplans anfallen? Oder die Seminarveranstaltungen außer der Reihe? Auch an Aufsichten etc. solltest du denken.

  • Zitat

    Letztendlich hängt das ganze für mich davon ab,ob für mich in den zwei jahren ein kleinkindfreundlicher Stundenplan gemacht wird. Wenn man das nur schon vorher wüsste


    1. Ich stimme Referendarin zu: das kann es eigentlich gar nicht geben. Der Unmut des Kollegiums wäre Dir sicher. Diese Diskussionen gab hier auch schon oft im Forum. Es gibt IMMER KuK, die wegen privater Dinge besondere Rahmenbedingungen haben. Wo soll man da die Grenze ziehen? Und welche Rahmenbedingungen werden als berücksichtungsrelevant bewertet und welche nicht? Soll eine Seiteneinsteigern mit Kleinkind anders behandelt werden als ein Kollegin, der eine kranke Mutter daheim hat? Und müssen dann die Kollegen, die keine Zwangsbedingungen haben, ihr Leben lang unter miserablen Stundenplänen leiden?
    In kleinen Kollegien: ok. Aber dann auch erst, wenn Du fertig bist. Als Seiteneinsteigern/Reffi wird von Dir 150%-Einsatz verlangt. Hast Du Dein Umfeld nicht so mit eingebunden, wird es nicht gelingen.
    2. Vorher den StuPla wissen? Ich bin nun seit 5 Jahren an der Schule und weiß teilweise erst eine Woche vorher meinen Stundenplan. Hätte ich mich nicht so organisiert, dass ich Kinderbetreuung von 7-17 Uhr habe, würde es mit einer Vollzeit-Stelle gar nicht gehen.
    3. Referendarin sprach es an: Ich bin oft mit meinen Schülern zu Exkursionen weg. Die gehen teilweise bis abends. Diese ganzen Zeiten drumherum sind einfach nicht zu unterschätzen. Ist es SEK I hast Du auch viel mit Eltern zu tun.



    Ich will es Dir nicht ausreden (ich habe ja auch durchgestanden), aber wie gesagt: Kinderbetreuung von morgens und abends musst Du haben, sonst geht es nicht!

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