Verweigerung Verbeamtung auf Lebenszeit?

  • Hi,
    Ich hoffe, ich bin hier richtig und jemand kann mir hier helfen...
    Mein Mann ist Sonderpädagoge an einer Hauptschule, seit November 2015 in der Probezeit und würde diese im November theoretisch beenden. In der Praxis wurde sie nun aufgrund von ca. 30 Krankheitstagen verlängert. Für uns nicht schön, aber wir akzeptieren es..was bleibt uns sonst übrig.
    Der Grund für die Krankheitstage ist zwei Jahre alt, heißt Johanna und ist mit Vacterl-Assoziation auf die Welt gekommen. Vacterl ist ein Akronym für eine Häufung bestimmter Fehlbildungen. Zur Zeit kämpft sie sehr mit ihrer Lunge (chronisch lungenkrank, ähnlich Mukoviszidose), hat vor kurzem operativ einen neuen Daumen erhalten und wird wohl noch eine komplizierte Wirbelsäulen-OP durchstehen müssen. Sie hat Pflegegrad 2 und ist zu 70% schwerbehindert. Da sie einen Zwillingsbruder hat und wir keinen Familienanschluss im Umkreis von 450km haben, sind wir auch als Eltern aufeinander angewiesen, auch wenn ich so oft es geht wirklich versuche alles zu übernehmen.


    Wir versuchen irgendwie alles unter einen Hut zu bekommen, stoßen aber mit den wenigen Kindkranktagen an unsere Grenzen.
    Nun wurde vor kurzem in unserem näheren Umfeld geunkt (Lehrer im Freundeskreis), dass auch die Verbeamtung nach der Verlängerung der Probezeit verweigert werden könnte, da er so oft krank ist.
    Stimmt das? Ist das wirklich möglich? Kann uns da jemand helfen? Gibt es vielleicht irgendeine Sonderregelung für pflegende Eltern chronisch kranker/ behinderter Kinder?


    Vielen Dank schon einmal....!

  • Ich halte die Verweigerung der Verbeamtung aus den beschriebenen Gründen für sehr unwahrscheinlich. Ich würde allerdings in der Situation Rücksprache mit meiner Schulleitung suchen und mit ihr über meine Befürchtung reden, um die Lage abzuklopfen. Dann kann man ggf. immer noch weitersehen.


    Es bringt nichts, sich durch irgendwelche Gerüchte verrückt machen zu lassen. Die Gründe dafür, einen Lehrer am Ende der Probezeit mit "nicht bewährt" zu begutachten, haben eine klare Rechtsgrundlage. Bei der GEW kann man einiges dazu lesen.

  • Vielleicht wäre hier noch zu klären, ob es in eurem Bundesland die Möglichkeit gibt, den Kandidaten nochmals zum Amtsarzt zu schicken. Hohe Krankheitsbelastung könnte durchaus ein Grund sein.

  • Bei allem Verständnis für eure schwierige Situation: Ihr solltet überdenken, wie ihr diese verbessern könntet.



    Ihr solltest euch dauerhaft Hilfe holen. Pflegestufe 2 bedeutet 545€ monatlich. Man könnte dieses Geld einsetzen, um eine Tagesmutter zu beschäftigen, dein Mann könnte in Teilzeit gehen oder es kommt dafür ein Pflegedienst, der einen unterstützt, da kenne ich mich nicht aus.


    So wie ich das einschätze, wird sich in absehbarere Zeit der Gesundheitszustand des Kindes nicht verbessern. Die Lösung kann ja nicht sein, dass dein Mann so viel fehlt.

  • Danke für eure Antworten bisher.
    Ich habe mich dank des Links in der ersten Antwort etwas belesen können, welche Kranktage meinem Mann zustehen.


    Zu lamaison2: es ist ein Pflegegrad; Pflegestufen wurden mit der Reform 2017 abgeschafft. Die 316 €, die wir für den PG2 erhalten, gehen komplett für die pflegerische Versorgung von Johanna drauf. Wir müssen sogar einiges mehr zuzahlen....daher wäre es uns auch nicht einmal ansatzweise möglich, auch noch das einzig verbliebene Gehalt von uns beiden auf Teilzeit zu reduzieren. Es ist schwer, jemandem, der kein pflegebedürftiges Kind hat, klar zu machen wie man sich an so einem Umstand arm zahlen kann, trotz Pflege- und Krankenversicherung. Jeder der selbst betroffen ist, wird wissen was ich meine.


    Eine Tagesmutter wäre also finanziell auf diesem Weg nicht machbar, abgesehen davon hat sie theoretisch einen Kindergartenplatz in einem integrativen Kindergarten. In der Praxis ist sie jedoch die Hälfte des Monats krank zu Hause oder mit mir im Krankenhaus. Sobald ich einmal ausfalle oder unser Sohn ebenfalls eine andere Betreuung braucht, muss sich mein Mann krank melden. Einen Pflegedienst für Johanna zu finden ist leider ein Tipp, den auch nur ein nicht Betroffener geben kann. Es ist nahezu unmöglich für Kleinkinder einen Pflegedienst zu finden. Zumal wir dann ja komplett auf das Pflegegeld verzichten müssten, das bisher einen Teil der medizinischen Versorgung abdeckt.
    Uns wurde von den Ärzten in Aussicht gestellt, dass es Johanna in 6-8 Jahren deutlich besser geht (aufgrund eines dort für sie wichtigen Wachstumsschubes, und weil sie dann einen Großteil der OPs hinter sich hat), so dass sie dann vielleicht auch nicht mehr pflegebedürftig ist. Bis dahin müssen wir uns eben so organisieren.
    Ist jetzt nicht so, dass wir da nicht schon alle Alternativen durchgespielt hätten... :-/


    Und ja, es kann sein dass mein Mann so viel fehlt. Er ist eben auch der Vater unserer Kinder.

  • Wie wäre es mit einer Tagesmutter für den zweiten Sohn? Nur für Notfälle, wenn er krank ist. Ich habe auch 3 Kinder, die nächsten Verwandten sind 250 km entfernt und auch diese sind/waren öfter krank.


    Mein Mann hat einen Job, bei dem er sehr oft im Ausland ist oder andere seeehr wichtige meetings hat und er konnte sich eigentlich nie freinehmen. 6 Wochen zu fehlen, aus welchem Grund auch immer, da hätte er echte Probleme bekommen. Achso, ich bin die meiste Zeit auch berufstätig.


    Sorry für meine Meinung, es muss in meinen Augen eine andere Lösung her, als dass dein Mann eben zu Hause bleibt, wenn es eng wird. In Ausnahmefällen sicher, aber nicht als dauerhafte Lösung.


    Ich hatte in meinem Bekanntenkreis 1 oder 2 Frauen, zu denen ich notfalls meine kranken Kinder bringen konnte, kam aber sehr selten vor.

    Einmal editiert, zuletzt von lamaison2 ()

  • Ich muss das jetzt mal fragen: welche Tagesmutter nimmt ein krankes Kind auf?
    Wir haben hier keine Freundinnen, die zu Hause sind und ein krankes Kind aufnehmen könnten. Wäre Johanna nicht so krank, wie sie es ist, wäre ich in der Situation deines Mannes ;-)

  • M.E. hätte dein Mann nicht sich krankschreiben dürfen, wenn das Kind krank ist. Soweit ich weiß, darf man Kindkranktage nehmen, so viel nötig sind. Man bekommt dann nur kein Krankengeld mehr.


    Wenn seine Diagnose von damals beispielsweise "Erschöpfungszustände" oder sowas lauten würde, dann könnte man die Begründung beim Amtsarzt angeben, dass sich der Belastungszustand in den nächsten Jahren verbessert, aufgrund der positiven Prognose des Kindes.


    Wenn ihr euch eine Diagnose ausgedacht hättet, wäre es m.E. Versicherungsbetrug und ich würde mal den Namen und die Diagnose deiner Tochter rauslöschen. (Falls die Angaben stimmen, würde ich derlei Daten sowieso löschen.) Wie auch immer der Grund der Erkrankung deines Mannes von damals lautet, sooo einfach ist es nun auch nicht, die Verbeamtung zu canceln. Da muss der Amtsarzt begründen, warum der Arbeitnehmer mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht das Pensionsalter erreichen wird und das ist recht schwer.


    So zumindest meine Infos, ich hoffe das stimmt alles. Viel Erfolg euch beiden und Kraft für alles, was noch kommen wird :troest:

  • Ich meinte deinen Sohn.


    Mit meiner Nachbarin hatte ich ausgemacht, dass sie sich um meine kranken Kinder kümmert, wenn ich nicht zu Hause bleiben kann. Wenn sie natürlich "richtig" krank waren, dann nicht.



    Off-topic: Beispiel aus meinem Umfeld. Meine Kollegin ist rheumakrank seit sie 3 Jahre alt ist, sie gilt als behindert und dafür bekommt sie 6 Ermäßigungsstunden. Als sie schwanger war, wurde IHREM MANN gekündigt (er ist Ergotherapeut) mit der Begründung, dass die Chefin damit rechnet, dass er oft ausfällt, weil seine Frau sich wegen der Krankheit nicht allein um das Kind kümmern kann.
    Das ist natürlich unmöglich und man hätte auch juristisch vorgehen können, denke ich.


    Andres Beispiel: Meine Kollegin pflegt ihre 90 Jahre alte Eltern, die muss sich auch Hilfe von außen holen. Zusätzlich hat sie 5 Kinder zu versorgen (Patchworkfamilie).

  • danke!
    Er hatte bis jetzt nur die Info, über 4 Kranktage pro Kind verfügen zu können, oder in absoluten Ausnahmefällen über unbezahlten Sonderurlaub, mit ausreichender Voranmeldung.
    Ist in Notfällen eher schwierig. Die meisten Tage sind "DU"-Tage, ohne Schein.
    Mit den neuen Infos muss er jetzt mal das Gespräch mit der Schulleiterin suchen.

  • lamaison2:
    Ja, den meine ich auch. Ich denke nicht dass wir das fortführen sollten, da ich nicht glaube dass du unsere Situation richtig erfasst hast. Ist auch unerheblich, da ich eigentlich konkrete Fragen gestellt hatte.
    Ich weiß auch, dass sich andere durch alles mögliche kämpfen müssen, und bitte um die Akzeptanz, dass wir das gemeinsam als Eltern machen MÜSSEN.
    Ich danke dir für deine Mühe.

  • Was es bedeutet, ein chronisch krankes Kind zu versorgen, was zudem häufig operiert werden muss, kann man sich als Außenstehender nicht vorstellen. Das ist auch eine enorme psychische Belastung, Erstickungsanfälle des Kindes, Angst um das Leben. Täglich. Nächtelang. Dazu ein Zwilling, der die Aufmerksamkeit braucht, wie jedes andere Baby auch und ständig das Gefühl, dem nicht gerecht zu werden... Wie soll man da noch arbeiten gehen?

  • danke!
    Er hatte bis jetzt nur die Info, über 4 Kranktage pro Kind verfügen zu können, oder in absoluten Ausnahmefällen über unbezahlten Sonderurlaub, mit ausreichender Voranmeldung.
    Ist in Notfällen eher schwierig. Die meisten Tage sind "DU"-Tage, ohne Schein.
    Mit den neuen Infos muss er jetzt mal das Gespräch mit der Schulleiterin suchen.

    Hab eben noch mal gelesen... Die Chefin hat wohl Recht, als privat Versicherter und als Lehrer ist das nochmal schwieriger, da die Private wohl keine Kindkranktage bezahlt und Lehrer nicht mal soeben tagelang Sonderurlaub nehmen können.


    Dein Mann sollte tatsächlich besser mit der Vorgesetzten sprechen, wie das in Zukunft geregelt werden könnte. Mit seiner eigenen Krankschreibung wäre ich wie gesagt vorsichtig, auch im Nachhinein- wurde er wg. Grippe und Magen Darm x-Mal krankgeschrieben und jetzt bittet er um Sonderurlaub wg. chronisch krankem Kind... schwierig.

  • Was es bedeutet, ein chronisch krankes Kind zu versorgen, was zudem häufig operiert werden muss, kann man sich als Außenstehender nicht vorstellen. Das ist auch eine enorme psychische Belastung, Erstickungsanfälle des Kindes, Angst um das Leben. Täglich. Nächtelang. Dazu ein Zwilling, der die Aufmerksamkeit braucht, wie jedes andere Baby auch und ständig das Gefühl, dem nicht gerecht zu werden... Wie soll man da noch arbeiten gehen?

    Ich habe doch Vorschläge gemacht. Die will man aber nicht hören.

  • Glaubst du echt, auf deine Vorschläge ist die Familie noch nicht selbst gekommen? Was du mit deiner Nachbarin ausgemacht hast, ist ja schön für dich, aber tut nichts zur Sache. Das wäre bei uns auch nicht gegangen und wahrscheinlich geht es bei J@nna eben auch nicht. Akzeptiere doch einfach, dass das Leben dieser Familie mit Zwillingen, einem davor schwer krank, nicht so einfach ist und dass deine Lösungsvorschläge wahrscheinlich eher nerven als nutzen. Es war ja nicht nach Lösungen gefragt, sondern ob die Verbeamtung gefährdet sein könnte.


    Warum hat dein Mann eigentlich nur 4 Tage pro Kind? Bei uns hat fast jeder 10 Tage, bist du sicher, dass ihr da richtig informiert seid?

  • Warum hat dein Mann eigentlich nur 4 Tage pro Kind? Bei uns hat fast jeder 10 Tage, bist du sicher, dass ihr da richtig informiert seid?

    Ich meine, als Beamte hat man nur 4 Tage, wenn man über ein bestimmtes Einkommen ist. Ich arbeite teilzeit, bekomme 10 Kind-Krank-Tage, würde ich vollzeit arbeiten, hätte ich nur 4. (Die Logik verstehe ich auch nicht.) Als Angestellte hat man generell 10 Tage...

  • @lamaison2, ich schätze, so einfach ist es nicht. Normale Betreuung reicht nicht, wenn man schon im nichtkranken Zustand bestimmte Medikamente verabreichen muss, inhalieren, Sauerstoff zugeben, physiotherapeutische Übungen etc.pp. und alles aufgrund von Entscheidungen, die man nur mit Erfahrung treffen kann. Ich würde das vermutlich auch keinem Nachbarn zutrauen/zumuten, schon gar nicht in dem Alter.


    Wenn das eine Kind im Krankenhaus ist, muss sich zudem jemand um das Geschwisterkind kümmern. Selbiges ist ja auch hin und wieder krank, dann kann man es auch nicht dem Nachbarn hinsetzen.


    Es bräuchte also professionelle Betreuung, die man sich aber nur leisten kann, wenn man arbeitet. So stelle ich mir das jedenfalls vor.

  • Bei uns haben alle 10 Tage, mag aber daran liegen, dass wir A12 sind. Ich hatte das mit den 4 Tagen auch mal gehört, dachte aber, das gilt nur für wirklich sehr gut verdienende Ausnahmen (A14 oder so). kann sein, dass ich mich da geirrt habe. Aber nochmal nachzusehen, wie der eigene Anspruch wirklich ist, schadet ja nicht.

  • Das gilt für alle Beamten. Ob eure Schule da etwas anderes macht, ist sicherlich nett, aber nicht die Grundlage. Ihm stehen nur 4 Tage pro Kind zu. Wenn er sich darüber hinaus krank schreiben lässt, dann ist das rechtlich eben nicht in Ordnung und kann in der Probezeit natürlich Konsequenzen nach sich ziehen.

Werbung