Thread zu Unterrichtsstörungen Nummer 5000

  • Liebe KollegInnen,


    nun eröffne auch ich einen Thread zu dem Thema. Ich habe vor allem Probleme in einem 8er-Kurs und es fällt mir schwer, Ruhe hereinzubekommen. Ich muss dazu sagen, dass die anderen Kollegen und auch die Klassenlehrer auch ihre Schwierigkeiten mit einigen Leuten aus dem Jahrgang haben.
    Mir fällt es schwer, Ruhe in den Kurs zu bekommen. Das Hauptproblem vermute ich darin, dass ich das Gefühl habe, wenig Handlungsspielraum zu haben, wenn es um Sanktionen geht. Natürlich müssen Regelverstöße geahndet werden und Konsequenzen nach sich ziehen nur habe ich noch nicht die für mich passenden gefunden. Gängige Praxis an unserer Schule ist das Abschreibenlassen eines Störtextes. Dies habe ich jedoch noch nie aufgegeben, da ich dies für wenig sinnvoll erachte. Mit ein schwieriger Punkt ist der Umgang der SuS untereinander: viele Sticheleien, Beleidigungen und ähnliches. Ich unterrichte vier Stunden pro Woche in dem Kurs und wenn ich Derartiges mitbekomme, schreite ich natürlich ein.
    Ich habe auch bereits mit den SuS einzeln gesprochen, was in vielen Fällen zumindest kurzzeitig geholfen hat. Elterngespräche haben auch zumindest für kurze Zeit Besserung bei einzelnen SuS gebracht, bei anderen interessieren sich die Eltern nicht sonderlich. Darüber hinaus müssen ca. fünf SuS aus dem Kurs ein Verhaltensheft führen. Leider ist der Kurs generell auch sehr schwach, sodass viele SuS bereits resigniert haben und nur sagen "ich kann eh kein Englisch" und zu machen. Selbst, wenn es um sehr simple Aufgaben geht. Ebenso muss ich ewig Unterschriften von Arbeiten nachlaufen.


    Die hier oft empfohlene Einzelarbeit bei lauteren Klassen funktioniert leider oft nur mäßig, da der Leistungsstand so arg niedrig ist. Welche Tipps könnt ihr mir bzgl. eurer Meinung nach sinnvollen Konsequenzen geben? Wie sorgt ihr für Ruhe im Klassenraum, speziell bei lauteren Klassen?


    Ich hoffe, ich habe nicht allzu wirr geschrieben. Danke für eure Tipps! :-)

  • paar ideen:


    komplett umschwenken auf offene freiarbeit mit innerer differenzierung? kann helfen, setzt aber vorhandensein von passendem material voraus (somnst arbeitest du dich ja tot) und muss kleinschrittig eingeführt werden. so kommen wenigstens die weiter, die wollen, und die anderen können land sehen, sobald sie arbeit investieren, da aufgaben auf ihrem niveau vorhanden sind.


    oder nur noch gemeinsames diktat, bis sie sich benehmen. jede stunde wieder normal beginnen, dann abbruch nach einer warnung und diktat, wenn es nicht geht. du schreibst an der dokumentenkamera/overhead mit, gesicht zur klasse. das klappt nur, wenn sie grundsätzlich fähig und willig (zwei bedingungen) sind, unterricht zu machen, und es sozusagen nur noch nicht bemerkt haben/zu sehr mit ihrer pubertät befasst sind.


    notfalls auch klassenteam gemeinsam in die klasse, ansage a la "wir wollen so nicht mehr mit euch arbeiten, weil..." und dann regelwerk nochmal transparent machen. immer doppelsteckung (soweit es der stundenplan hergibt, ja, ist eure zeit, aber es wirkt), einer hinten, einer vorn, und beim kleinsten mucks trainingsraum und elterninfo oder eben der störtext. das ist nicht schön, aber es wirkt. wir haben das mal bei einer unsäglichen 10 gemacht, not pretty, aber wirkungsvoll. dauer bei uns: drei wochen.


    wenn das problem v.a. im schlechten sozialklima der klasse liegt (klingt so): merde. das ist am schwierigsten. in so einer atmosphäre will keiner gern lernen, schon gar keine auf anerkennung ihrer peer-group entwicklungsbedingt existentiell angewiesene teenager. dann vielleicht zeit am nachmittag investieren für eine große packung erlebnispädagogik und dergleichen. ist aufwand, kann aber was bringen. von alleine wird das nie besser meiner erfahrung nach, und auf eltern darfst du in solchen klassen auch nicht hoffen. die kinder haben dieses asoziale verhalten ja i.a. irgendwo gelernt/ausführlich passende vorbilder beobachtet.

  • Erstmal danke für die Tipps!


    Zitat

    komplett umschwenken auf offene freiarbeit mit innerer differenzierung? kann helfen, setzt aber vorhandensein von passendem material voraus (somnst arbeitest du dich ja tot) und muss kleinschrittig eingeführt werden. so kommen wenigstens die weiter, die wollen, und die anderen können land sehen, sobald sie arbeit investieren, da aufgaben auf ihrem niveau vorhanden sind.


    Das habe ich in der Tat auch eine Zeit lang so probiert. Leider haben wir keinen passenden Materialpool, ich habe dazu differenzierende Aufgaben aus dem Buch genommen plus ein paar Arbeitsblätter, allerdings bietet das Buch da nicht allzu viel. Der Großteil kam mit der eigenständigen Arbeitsweise jedoch nicht zurecht und hat dann kaum bis nichts geleistet, nur eine Hand voll SuS haben etwas abgegeben und den Großteil der Aufgaben bearbeitet. Der Kurs meldete mir zurück, dass sie sich die Aufgaben nicht eigenständig erarbeiten könnten und sich mehr Input von mir wünschten. Ich habe dem Kurs daraufhin geantwortet, dass ich gerne auch wieder mehr erklären kann, so lange es funktioniert und sie aufmerksam sind. Kurzzeitig klappte das dann, bis es wieder kippte und ich nur mit Müh und Not zumindest ein wenig etwas an Stoff behandeln konnte.


    Zitat

    notfalls auch klassenteam gemeinsam in die klasse, ansage a la "wir wollen so nicht mehr mit euch arbeiten, weil..." und dann regelwerk nochmal transparent machen. immer doppelsteckung (soweit es der stundenplan hergibt, ja, ist eure zeit, aber es wirkt), einer hinten, einer vorn, und beim kleinsten mucks trainingsraum und elterninfo oder eben der störtext. das ist nicht schön, aber es wirkt. wir haben das mal bei einer unsäglichen 10 gemacht, not pretty, aber wirkungsvoll. dauer bei uns: drei wochen.


    Das ist leider zeitlich nicht machbar, da wir meist parallel Unterricht haben. Darüber hinaus ist der Punkt der Elternbenachrichtigung schwierig, da sich viele wie gesagt nicht interessieren oder ich die Eltern nur schwer telefonisch erreichen kann.


    Zitat

    wenn das problem v.a. im schlechten sozialklima der klasse liegt (klingt so): merde. das ist am schwierigsten. in so einer atmosphäre will keiner gern lernen, schon gar keine auf anerkennung ihrer peer-group entwicklungsbedingt existentiell angewiesene teenager. dann vielleicht zeit am nachmittag investieren für eine große packung erlebnispädagogik und dergleichen. ist aufwand, kann aber was bringen. von alleine wird das nie besser meiner erfahrung nach, und auf eltern darfst du in solchen klassen auch nicht hoffen. die kinder haben dieses asoziale verhalten ja i.a. irgendwo gelernt/ausführlich passende vorbilder beobachtet.


    Ja, das wird wohl leider tatsächlich der Knackpunkt sein. Das Problem ist leider, dass ich v.a. nach einigen anstrengenden Stunden eigentlich umso weniger Lust darauf habe, irgendetwas "Schönes" mit dem Kurs zu machen. Auf der anderen Seite trägt jedoch wohl genau sowas zu einem besseren Verhältnis bei. Zum Anfang des Jahres hat der Kurs sich gewünscht, mal einen Tagesausflug zu machen. Jedoch kann ich mir das nur schwer vorstellen, wenn ich mich leider kaum auf die Leute verlassen kann. Erschwerend kam jetzt diese Woche hinzu, dass ich am letzten Tag noch eine Arbeit mit dem Kurs geschrieben habe und es eigentlich schöner gewesen wäre, sich etwas auszutauschen und Kekse zu essen o.ä.


    Was würdet ihr mir raten, um das Problem von bspw. fehlenden Unterschriften zu lösen? Ich kann ja nicht jedes Mal bis auf bei zwei Leuten die ganze Kursliste abtelefonieren und dem Sekretariat will ich auch nicht zumuten, 20 Briefe deswegen zu verschicken ...

  • Gängige Praxis an unserer Schule ist [...].
    Dies habe ich jedoch noch nie [...]

    Wenn mehr Lehrer an einem Strang ziehen würden, gäbe es auf dieser Welt viel weniger Unterrichtsstörungen.


    Stattdessen köchelt jeder sein eigenes Süppchen und wundert sich, dass die Schüler durchdrehen.

  • ich meinte mit erlebnispädagogik mehr so die üblichen spielchen, irgendwas mit "wir stehen alle auf einer großen malerdecke und falten sie immer weiter", "wir überqueren den flur aka amazonas mit teppichfließen gemeinsam als team", "wir reichen eine kugel auf löffeln durch das ganze treppenhaus weiter" etc. das klappt dann oft alles nicht, weil die klasse null kooperiert und alle wieder in ihre üblichen rollen von stänkerer bis meckerfritz und aggressiver idiot bzw. beleidigtes lieschen zurückfallen. das kann man dann danach reflektieren lassen und schrittweise dran arbeiten. zudem kann man so schön (selbst-)wahrnehmung und vertrauen schulen.


    guckste hier:
    https://www.aventerra.de/erlebnispaedagogik-spiele (ganz unten spielesammlung)
    http://www.abenteuerprojekt.de/Spiele/ ... gibt sehr, sehr, sehr viel.


    vielleicht mal eine fortbildung in dem bereich?

  • ...Gängige Praxis an unserer Schule ist das Abschreibenlassen eines Störtextes. Dies habe ich jedoch noch nie aufgegeben, da ich dies für wenig sinnvoll erachte. ...

    Probiers erst, dann urteilen. Der Textinhalt oder die Aufgabe des Schreibens ist nicht das Entscheidende, sondern das Längerdableibenmüssen, die Konsequenz, das Erwartbare. 3 Striche, dann Text. Das wird einmal, zweimal durchgezogen und führt dazu, dass nicht mehr du der bist, der laufend reagieren muss und hinterherhinkt mit Ermahnungen, sondern der Fokus der Kinder auf den Strichen und somit wieder auf ihrem Verhalten liegt. "Ou, jetzt muss ich still sein". Und alles, was ihren Fokus weg von dem Gezeter der anderen hin auf sich selbst lenkt, ist gut.



    Und loben, loben, loben, das möglichst konkret. "Du meldest dich heute oft: merkst du, wie viel du weißt?/ ihr habt gerade richtig leise gearbeitet, könnt ihr Stolz sein/freut mich, dass du dein Lineal herleihst/toller Beitrag, krass korrekt, Alter ;) ... Manchmal verkraften sie nicht mal das Lob am Anfang, weil sie es selbst nicht glauben können und denken, man verarscht sie oder sie fühlen sich angegriffen, wenn ein anderer die positive Rückmeldung bekommt. Daher möglichst unaufgeregt und nachvollziehbar spiegeln, wenn man angemessenes Verhalten sieht, das bringt wieder positive Stimmung in den (für mich) ziemlich enttäuscht klingenden Klassenraum...

  • ...Der Großteil kam mit der eigenständigen Arbeitsweise jedoch nicht zurecht und hat dann kaum bis nichts geleistet, nur eine Hand voll SuS haben etwas abgegeben und den Großteil der Aufgaben bearbeitet.
    ...
    ...klappte das dann, bis es wieder kippte und ich nur mit Müh und Not zumindest ein wenig etwas an Stoff behandeln konnte...

    Klingt also nicht danach, als ob frontal mehr bei rauskäme. Freiarbeit zeigt dir nur offensichtlicher, wie groß die Schwachstellen sind. Also Freiarbeit muss man auch nicht machen, ich wollte nur auf den Widerspruch hinweisen.


    ...
    Was würdet ihr mir raten, um das Problem von bspw. fehlenden Unterschriften zu lösen? Ich kann ja nicht jedes Mal bis auf bei zwei Leuten die ganze Kursliste abtelefonieren und dem Sekretariat will ich auch nicht zumuten, 20 Briefe deswegen zu verschicken ...

    Pech gehabt, wieso sollst du den Unterschriften hinterherlaufen? du hast ne Liste, Haken dran, gut ist. Dann hast du gleich was Konkretes für die Ordnungsnote.

  • Zu den Spielen werde ich mich mal weiter informieren und auch mal mit den Klassenlehrern sprechen, danke!


    Die Sache mit den Störtexten habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht aus der von euch genannten Perspektive gesehen. Ich empfand die Maßnahme einfach nur als stumpf, aber ich denke auf jeden Fall, dass ihr da recht habt. Meine Aversion ggü. den Störtexten war u.a. dadurch begründet, dass manche Kollegen zig Texte aufgegeben haben, die jedoch natürlich nicht geschrieben wurden.

    Pech gehabt, wieso sollst du den Unterschriften hinterherlaufen? du hast ne Liste, Haken dran, gut ist. Dann hast du gleich was Konkretes für die Ordnungsnote.


    Generell stimme ich dir zu, nur sollen die Eltern ja auch über den Leistungsstand informiert sein. Material für viele versäumte Aufgaben habe ich (leider) ohnehin genug, was sich natürlich auch in der Leistung bei den Arbeiten zeigt. Neben der Verhaltensprobleme ist das andere Ding einfach die fehlende Leistungsbereitschaft. Ich habe einen Vokabeltest schreiben lassen, der ziemlich schlecht ausgefallen ist. Daraufhin habe ich angekündigt, ein paar Tage später den exakt gleichen Test nochmal schreiben zu lassen und viele haben nicht nur eine, sondern gleich zwei Sechsen geschrieben. Da fühlt man sich leider, als kämpfe man gegen Windmühlen.

  • ...
    Generell stimme ich dir zu, nur sollen die Eltern ja auch über den Leistungsstand informiert sein. ...

    Die können ja vorbeikommen, wenn sie Interesse haben. Wer nicht unterschreibt, dem ist es doch wurscht. Oder, wenn du das nicht aushältst, ihr macht einmal im Vierteljahr ne Notenübersicht aller Fächer, dann minimiert sich die Unterschriftenzahl.


    ...Daraufhin habe ich angekündigt, ein paar Tage später den exakt gleichen Test nochmal schreiben zu lassen und viele haben nicht nur eine, sondern gleich zwei Sechsen geschrieben. Da fühlt man sich leider, als kämpfe man gegen Windmühlen.

    Klingt, wie in der Förderschule. Könnt ihr mehr zusammen üben? Oder hast du dafür keine Zeit? Die wissen nicht, wie man lernt, und keiner hält sie dazu an.

  • Probiers erst, dann urteilen. Der Textinhalt oder die Aufgabe des Schreibens ist nicht das Entscheidende, sondern das Längerdableibenmüssen, die Konsequenz, das Erwartbare. 3 Striche, dann Text. Das wird einmal, zweimal durchgezogen und führt dazu, dass nicht mehr du der bist, der laufend reagieren muss und hinterherhinkt mit Ermahnungen, sondern der Fokus der Kinder auf den Strichen und somit wieder auf ihrem Verhalten liegt. "Ou, jetzt muss ich still sein". Und alles, was ihren Fokus weg von dem Gezeter der anderen hin auf sich selbst lenkt, ist gut.


    Und loben, loben, loben, das möglichst konkret. "Du meldest dich heute oft: merkst du, wie viel du weißt?/ ihr habt gerade richtig leise gearbeitet, könnt ihr Stolz sein/freut mich, dass du dein Lineal herleihst/toller Beitrag, krass korrekt, Alter ;) ... Manchmal verkraften sie nicht mal das Lob am Anfang, weil sie es selbst nicht glauben können und denken, man verarscht sie oder sie fühlen sich angegriffen, wenn ein anderer die positive Rückmeldung bekommt. Daher möglichst unaufgeregt und nachvollziehbar spiegeln, wenn man angemessenes Verhalten sieht, das bringt wieder positive Stimmung in den (für mich) ziemlich enttäuscht klingenden Klassenraum...


    Sehr gut, @Krabappel, das unterstütze ich mal wieder voll und ganz.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Klingt, wie in der Förderschule. Könnt ihr mehr zusammen üben? Oder hast du dafür keine Zeit? Die wissen nicht, wie man lernt, und keiner hält sie dazu an.

    Ja, ich habe auch drei Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen im Kurs. Einer davon kommt jedoch fast nie und bei einem anderen kann ich (im positiven Sinne) kaum einen Unterschied zum Rest des Kurses feststellen.
    Für das gemeinsame Üben von bspw. Vokabeln war zuletzt kaum Zeit, da zwischen den Arbeiten nur drei Wochen lagen, das möchte ich aber definitiv einführen.


    Welche Maßnahmen ergreift ihr, um zu Stundenbeginn effektiv für Ruhe zu sorgen? Schaut ihr auf die Uhr und lasst Zeit, die der Kurs zur Beruhigung braucht, nacharbeiten oder wie handhabt ihr das?


    //Entschuldigt, wenn die Frage simpel erscheint, allerdings sind es ja schließlich auch manchmal simple Maßnahmen, die man nicht bedacht hat.

  • Ich läute ein Glöckchen, dann stehen die Schüler auf.
    Die Begrüßung spreche ich erst, wenn alle, wirklich alle, ruhig sind. Ihc beginne nicht, wenn hier und da noch geschwatzt, sich umgedreht, gekramt oder ins Buch geguckt wird (Vokabeln!).


    Die Dauerredner schaue ich intensiv an, und gerne drehe ich auch Däumchen dazu.


    Die Zeit nehme ich mir einfach.


    Im Fall dass es mehrfach hintereinander mir zu lange dauert, bis Ruhe eingekehrt ist, schreibe ich die verlorene Zeit an die tafel, notiere sie mir und kündige Nacharbeit an. War aber noch nicht nötig.

  • Ich brauche immer ein bisschen, bis ich mein Material gerichtet und Anwesenheitskontrolle gemacht habe. In der Zeit lasse ich die Schüler in Ruhe und lausche nebenbei mit halbem Ohr, was die sich so alles erzählen (sehr aufschlussreich).


    Wenn ich soweit bin, stelle ich mich vor die Klasse, warte, bis Ruhe ist und sage immer die gleichen Begrüßungsworte auf Englisch. Dann geht's los.


    Im Prinzip so ähnlich wie Friesin, jedoch ohne Glöckchen und Aufstehen.

  • Ich kruschtel vorne meinen Kram zusammen, fahre den Rechner hoch/mache den Beamer an blablabubb, plaudere mit diversen SuS über alles Mögliche (wichtige Einzelangelegenheiten bei mir nur nach der Stunde, das wissen alle nach kurzer Zeit). Die SuS packen ebenfalls aus (wir haben Raumwechsel zu jeder Doppelstunde) und plaudern noch. Wenn ich soweit bin, stelle ich mich ruhig vorne hin, die Klasse steht auf, wir begrüßen uns im Stehen und fangen an. Bei den Kleinen muss man das noch einfordern, geht leicht über Einzellob ("Die Anna hat ihre Sachen schon auf dem Tisch, super!"). Ich fange nicht an, bevor nicht alle ruhig sind und nach vorn schauen. Ab und an gibt es vor der Begrüßung sobald alle Stehen auch ein Wiederholungsspiel, Bewegungsspiel, spontane Übung aus dem szenischen Spiel, Rhetorikübung... Je nach Alter und Lust und Laune. Vor allem, wenn die Klasse durch ist, z.B. am Nachmittag, nach Prüfungen in der Vorstunde etc.

  • Innerlich präsent sein. Schüler einzeln ansprechen. Wenns mir zu bunt wird, setze ich um bzw. vor die Tür. Wer die Arbeit allein vor der Tür nicht in Angriff nimmt, holt nach. Auch wieder altmodisch, aber ich bin kein geduldiger Mensch und dulde auch kein Sägen an meinen Nerven, ich muss den Beruf noch viele Jahre ausüben.

  • Okay, dann ist es nicht viel anders als bei mir. Ich warte ebenfalls, bis Ruhe herrscht und begrüße dann. Oftmals dauert es einige Minuten, bis ich den Kurs in Ruhe begrüßen kann, allerdings bricht häufig leider direkt nach der Begrüßung wieder Gerede aus, sodass es dann wieder ein Akt ist, Ruhe in den Kurs zu bekommen.


    Nachdem es am Mittwoch besonders lange gedauert hat, habe ich die Zeit auch tatsächlich notiert, es hat ganze zwölf Minuten gedauert, bis ich eine Begrüßung aussprechen konnte.


    //


    Zitat


    Wenns mir zu bunt wird, setze ich um bzw. vor die Tür. Wer die Arbeit allein vor der Tür nicht in Angriff nimmt, holt nach.

    [/quote]Ja, das sehe ich auch als sinnvoll an. Jedoch führt v.a. das Umsetzen regelmäßig zu Diskussionen und Verweigerung, sodass es oft ein Kraftakt ist, die Veränderung der Sitzordnung durchzusetzen.

  • ...Jedoch führt v.a. das Umsetzen regelmäßig zu Diskussionen und Verweigerung, sodass es oft ein Kraftakt ist, die Veränderung der Sitzordnung durchzusetzen...

    Jetzt. Dort. Hinsetzen. Ich diskutiere das nicht.


    Aber wenn das nicht deine Art ist, dann zähle Minuten, wichtig nur, dass die dann exakt hinten angehängt werden. Dafür ist mir aber ehrlich gesagt meine Pause zu lieb :flieh:


    Aber alles in allem klingts, als ob ihr euch gerade finden würdet :_o_)


  • Wie sorgt ihr für Ruhe im Klassenraum, speziell bei lauteren Klassen?

    • Rigoros den eigenen Unterricht auf Leerlaufphasen prüfen und diese abstellen.
    • Ständiger Blickkontakt zur Klasse. Kein Anschreiben an die Tafel, wenn die Klasse unruhig ist, stattdessen OHP.
    • Aufgaben so differenzieren (nach oben und unten), dass jeder Schüler daran arbeiten kann. (Greift mit in Punkt 1)
    • Schüler loben und Erfolgserlebnisse in den Unterricht einbauen.
    • Klare Konsequenzen bei Störungen... immer und ohne Ausnahme. Dabei gibt es ein System für individuelle Störungen und eines für kollektive Störungen. Alle Formen von Nacharbeit in Form von Förderaufgaben passend zum Unterrichtsstoff.
    • Sitzordnungshoheit nutzen
    • Positve Beziehung zu den Schülern aufbauen und diese nutzen.
    • Nonverbale Kommunikation und Standort in der Klasse gezielt einsetzen.
  • @kodi,


    sehr gut ! Das kann ich alles auch unterschreiben.


    Ich beobachte, sofern ich mal dazu komme, vor allem, dass Leerphasen zu Störungen führen. Der Lehrer hat zwar zu tun und empfindet das womöglich gar nicht als Leerphase, aber die Kinder haben nichts zu tun und fangen je nach Temperament, Charakter und Interesse an, sich zu langweilen. Das geht bei einigen rasend schnell.


    Natürlich müssen sie auch aushalten, mal einfach nur zuzuhören, aber das geht offensichtlich immer nur kurzzeitig und ist auch altersabhängig.


    PS: Mir ist aufgefallen, dass ich in Klassen, in denen ich neu bin und noch um eine vernünftige Arbeitsatmosphäre ringe, meistens die ganze Stunde stehe. Je mehr ich eine Klasse im Griff habe, desto öfter und länger sitze ich hinter dem Lehrertisch. Bei den anderen bin ich quasi immer "sprungbereit". :-)

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Danke für hilfreiche Auflistung! Ich habe die Punkte mal kommentiert ...


    1) Guter Punkt, das ist mir auch schon aufgefallen und seitdem versuche ich diese zu minimieren bzw. wenn möglich zu vermeiden.
    2) Auch dazu habe ich mir schon Gedanken gemacht und das ist ein sehr wichtiger Punkt, da die Tafel nicht von allen Plätzen aus gleich gut gesehen wird. Das einzig Dämliche ist leider, dass öfter mal die Sonne blendet und ich keinen Schlüssel für die Verdunkelung besitze. Der Hausmeister hat diesen bestellt, es kann jedoch nicht garantiert werden, dass die Mittel dafür tatsächlich bewilligt werden ... Das sind dann nämlich die institutionellen Hürden, die stellenweise ziemlich frustrieren können.
    3) Wenn möglich, tu ich das. Die Aufgabe, die ich aufgebe, ist in der Regel schon vom Niveau sehr tief angesiedelt. Aber Differenzierung nach oben hin ist wohl auch ein wichtiger Punkt, da muss ich mich mal um entsprechendes Material kümmern. Das Lehrbuch gibt leider diesbezüglich wenig her.
    4) ersteres tu ich und bin auch bemüht, stets die positiven Aspekte herauszustreichen (speziell in Einzelgesprächen, ein Schüler meinte auch von sich aus beim Elternsprechtag, ich würde nicht nur die negativen, sondern auch die positiven Aspekte nennen)
    5) Welche Systeme nutzt du bei den beiden Kategorien? Bzgl. individueller Störungen werde ich wohl dann doch mit den Störtexten arbeiten, da diese den Schülern immerhin schon bekannt sind. Ggf. arbeite ich dazu eine englische Version aus. Einzig bei den kollektiven Störungen tu ich mich etwas schwer (von der Maßnahme, bei einer vollen Stunde den Kurs nacharbeiten zu lassen mal abgesehen).
    6) Diese werde ich verstärkt durchsetzen.
    7) Ich würde behaupten, dass ich diese zum Großteil der Schüler habe, da ich mich darum sehr bemühe. Im Einzelgespräch ist das in der Regel auch kein Problem und wir unterhalten uns, lediglich während des Unterrichts ist es oft nicht zufriedenstellend. Unter anderem auch durch das negative Klassenklima bedingt.
    8 ) Das tu ich bereits, bei einigen hilft es, andere unterhalten sich auch weiter, wenn ich daneben stehe.

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