Inklusion am Berufskolleg BBS

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    • Inklusion am Berufskolleg BBS

      Hallo liebe forengemeinschaft :)
      Mich beschäftigen ein paar fragen und Gedanken zur Inklusion und meine Frage richtet sich an die Kollegen berufsbildender schulen.
      Berufsbildende schulen betreiben ja von Hause aus und schon immer Inklusion, noch bevor das Thema in aller Munde war. Wie konkret geht ihr damit in eurem Berufsalltag eigentlich um? Bzw wie beeinflusst das eure Art des Unterrichtens? Es ist klar, dass man jedem Bildungsgang entsprechend seinen Unterricht gestaltet. Aber wir haben ja in den einzelnen Klassen schon so eine immense Hetrogenität, dass es doch im Grunde nicht ausreicht, das Lehren dem Bildungsgang anzupassen. Bei uns sitzen teilweise Studienabbrecher neben schwachen Hauptschülern im extremfall. Individualisiert ihr tatsächlich euren unterricht entsprechend der SuS-Voraussetzungen? Oder differenziert ihr eher durch Methodenwahl ala "Starke unterstützen schwache"? Oder differenziert ihr gar nicht? Ich denke so häufig, dass mein unterricht viel effektiver sein könnte weil ich manche SuS nicht ihren Möglichkeiten entsprechend fördern kann. Und ich weiß, dass es bei vielen sogar etwas bringen würde. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass das vom arbeitspensum überhaupt nicht möglich ist. Momentan habe ich zB eine ehemalige Abiturientin in einer Klasse Hauptschüler sitzen. Die langweilt sich zu Tode und will auch nicht ständig den Anleiter für die Mitschüler spielen. Immer zusatzmaterial vorbereiten kann ich aber auch nicht.
      Deshalb meine Frage: Wie intensiv differenziert ihr in eurem Alltag?
      Liebe grüße
    • Kurz und gut: so gut wie gar nicht. Die Abiturienten - so sie denn tatsächlich besser sind, was nicht zwangsläufig ist - helfen aber meist von sich aus den schwächeren.

      Das Maximum, was ich an Differenzierung biete ist, dass ich sie mal in "Zwangsgruppen" setze, damit sie sich gegenseitig unterstützen müssen, wenn das von alleine nicht klappt. Auch biete ich gelegentlich für die ganz schwachen zusätzliches Material zur Selbsterarbeitung von Stoff auf, der etwa in der 7. Klasse Hauptschule gemacht sein müsste. Mit den Lösungen können sie dann gerne außerhalb der Unterrichtszeit zu mir kommen, wenn noch fragen offen sind. Das nutzt aber kaum jemand.

      Was "gelangweilte" Abiturienten und damit die besondere Förderung der starken Schüler angeht: Ehrlich, dann sollen sie studieren gehen. Die Berufsschule bereitet auf einen Beruf vor, die meisten Berufe setzen Haupt- oder Realschulabschluss voraus. Dabei differenziert weder die Arbeit noch die Abschlussprüfung. Wenn einer mit gezielten vertiefenden Nachfragen ankommt, helfe ich ihm da allerdings natürlich gern auf die Sprünge, gern auch außerhalb der Unterrichtszeit. Wenn nicht, soll er sich einfach ein gemütliches Leben machen und einsen kassieren, ohne was zu tun.

      Wohlgemerkt: Ich unterrichte nur "echte" Berufsschule. In Vorbereitungsjahren etc. würde das wohl ganz anders aussehen.
      Ich tät sage, Schwartemage, tät mein Mage gut vertrage.
    • Hallo!

      Spannendes Thema... Vlt. kann ich ja mal meine Schülerperspektive dazu ergänzen, da mein Abitur erst ein paar Jahre her ist. Ich studierte ursprünglich Mathematik auf Gymnasiallehramt, was ja bekanntlich sehr hohe Durchfallquoten hat. So traf es auch mich und ich musste überlegen, wie es beruflich weitergeht. Natürlich denkt man dann in alle Richtungen, auch an eine Ausbildung und als ich mich mit meinem Umfeld u.a. darüber unterhielt, kamen Argumente wie "Aber du hast doch ein so gutes Abi." und "Das würde dich doch völlig unterfordern". Das Thema war dann schnell vom Tisch und tatsächlich ist in der öffentlichen Wahrnehmung kaum bekannt, dass es Inklusion in der Berufsschule überhaupt gibt. Man denkt, es finde alles auf einem Niveau statt und wer damit nicht zurechtkommt, hat Pech gehabt - also Uni light quasi. Da @Miss Jones z.B. schon einmal schrieb, dass in ihrer Region immer mehr Auzubis einen Abiturhintergrund haben, frage ich mich, welche Rolle diese im Berufsschulunterricht einnehmen - außer, dass man zunächst annehmen könnte, dass sie im Vergleich mir ihren Mitschülern auch mit wenig Aufwand gute Noten bekommen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Und so nahm er seinen Mut zusammen und sprang über seinen Schatten...
    • Das müssen natürlich wenn eher die Berufsschullehrer beantworten. Es gibt aber auch welche, die schlicht gar nicht zur Berufsschule gehen, bzw sich "nur" zur Prüfung anmelden; da sie nicht mehr schulpflichtig sind, geht das, sofern der AG mitspielt. Solange sie die Prüfung dann auch bestehen ist das für die sicher die beste Lösung.
      Ansonsten kann ich mir vorstellen, denen geht es ähnlich wie der von @Hannelotti erwähnten Schülerin.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • DePaelzerBu schrieb:

      Wenn nicht, soll er sich einfach ein gemütliches Leben machen und einsen kassieren, ohne was zu tun.

      Wohlgemerkt: Ich unterrichte nur "echte" Berufsschule. In Vorbereitungsjahren etc. würde das wohl ganz anders aussehen.
      Ich als Schülerin würde das auch, aber das erlebe ich leider häufig anders, weil es Langeweilebedingt dann häufig zu Störungen durch die Gelangweilten kommt. Natürlich reagiert man darauf, aber es kommt eben immer wieder vor und Auswirkungen auf die Note hat das ja eh kaum, weil die Anforderungen in den Klassenarbeiten entsprechend niedrig sind.
    • Miss Jones schrieb:

      Das müssen natürlich wenn eher die Berufsschullehrer beantworten. Es gibt aber auch welche, die schlicht gar nicht zur Berufsschule gehen, bzw sich "nur" zur Prüfung anmelden; da sie nicht mehr schulpflichtig sind, geht das, sofern der AG mitspielt. Solange sie die Prüfung dann auch bestehen ist das für die sicher die beste Lösung.
      Ansonsten kann ich mir vorstellen, denen geht es ähnlich wie der von @Hannelotti erwähnten Schülerin.
      für manche Schüler mag das eine gute Lösung sein, allerdings entscheiden sich bei uns viele für die Berufsschule, da sie alternativ arbeiten müssten und dann den Stoff für die Prüfung in ihrer Freizeit lernen müssten.

      Ich habe schon leistungsdifferezierte Aufgaben gestellt, allerdings kommt das bei den Schülern gar nicht immer so gut an. Die starken Schüler nehmen dann aus Faulheit die einfachen Aufgaben und die Schwachen wollen sich nicht die Blöße geben und nehmen dann die zu schweren Aufgaben.

      In vielen Berufen lässt sich die Klassenzusammensetzung so einteilen, dass die guten Schüler gemeinsam in einer Klasse sitzen. Manchmal gibt es reine Abiturientenklassrn.
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