Die Angst vor dem Referendariat

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    • Ich könnte auch einen Artikel über mein Ref schreiben, aber ein Bericht in dem es darum geht, dass meine Kolleginnen sehr hilfsbereit waren, wir uns als Reffis gut gegenseitig unterstützt haben und es zwar phasenweise sehr stressig aber im Großen und Ganzen irgendwie schon ok war, würde wohl keine Zeitung kaufen und daher kann man so Artikel auch nicht lesen.
      Im 1. Berufsjahr Abiturklausuren korrigieren und mündliche Abiprüfungen erstellen und durchführen hat mir jedenfalls mehr Stress bereitet.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Wer im Ref "ohne Begründung" abgeschossen würde hätte eine Steilvorlage für einen gerichtlich zu klärenden Widerspruch. Man ist auch als Ref nicht nur Marionette. Schlechte Ausbilder kommen damit nur durch, wenn niemand den Mund aufmacht und für sein Recht auf Ausbildung kämpft ggf. unterstützt von der eigenen Gewerkschaft. Seminare die ihre Refs nicht adäquat ausbilden und unterstützen begeben sich auf sehr dünnes Eis, gerade in der aktuellen Phase der noch völlig unklaren Umstrukturierung der Seminarlandschaft in BW der möglicherweise sämtliche Seminare in der heutigen Form zum Opfer fallen könnten.

      In einem anderen Thread schriebst du etwas darüber einem TE Mut zu machen Buntflieger, hier wäre es angemessen, statt weiter Ängste zu schüren.
    • Ich verstehe die Logik hinter deinem Eingangspost ehrlich gesagt nicht. Fang doch einfach mal das Ref an und schau, wie es wird. Es hilft doch nichts, jetzt das Ref mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln künstlich nach hinten zu verschieben. Da "verlierst" du doch nur noch mehr Zeit. Wenn du dann im Ref bist und feststellst, ne, das ist doch nichts für mich, dann kannst du danach immer noch umschwenken...

      Ich fand das Ref total entspannt. Nur 10 Stunden Unterricht die Woche (verteilt auf drei Tage). Montags chillig Seminar. Ja, eine Lehrprobe war etwas stressig, weil ich da kein Wochenende zur Vorbereitung hatte. Wurde trotzdem ne 1,5.

      Die ersten drei Jahre NACH dem Ref, die waren anstrengend. Aber das Ref an sich. Nein.
    • Susannea schrieb:

      Ich fand weder Ref noch die Jahre danach übermäßig anstrengend, aber auch ich kann bestätigen, dass man z.T. einigen Leute ausgeliefert ist, aber damit kann man umgehen und dagegen angehen, nicht umsonst saß bei mir der Personalrat mit in der Staatsexamensprüfung.
      Klingt nach einer heftigen Geschichte, aber auch nach einer sehr wehrhaften Anwärterin, die um ihre Rechte wusste und für sich auch zu kämpfen wusste. (Passt zu dem Bild, dass ich infolge deiner Beiträge im Forum von dir habe.) Genau das braucht es, wenn es zu Machtmissbrauch verschiedenster Form kommt. Ich habe auch von meinem Rügerecht Gebrauch machen müssen, um einen Prüfer auszuschließen, der Aussagen getätigt hatte, die befürchten ließen ich würde nicht fachlich geprüft von dieser Person, sondern basierend auf meinen gesundheitlichen Problemen. (Sorgen, die verstanden und ernst genommen wurden mit entsprechenden Konsequenzen.) Die "Mittel"- Gespräche mit Vorgesetzten/ PR/Gewerkschaft/ Rügerecht- gibt es, man muss sie nur selbst aktiv nutzen und für sich kämpfen bzw. sich entsprechende Mitkämpfer frühzeitig ins Boot holen.

      Insofern lieber TE: Such´ dir spätestens zu Beginn des Refs eine Gewerkschaft deines Vetrauens und werde Mitglied, nutze die Informationsangebote, die diese bereits vorab für angehende Referendare anbieten und such´ frühzeitig das Gespräch mit den an deiner Ausbildung Beteiligten, sowie ggf. ergänzend PR und/oder Gewerkschaft, wenn es nicht "rund" läuft. Sprechenden (kommunizierenden) Menschen kann geholfen werden. :)
    • Das sind Erfahrungsberichte individueller Personen, die passend zum Artikel gesucht wurden. Ich würde mich da nicht verrückt machen, zumal es eben nicht Dein Lebensweg und die Schüler sind, die Du betreust. Am Ende ist es 50:50, aber man kann es ja positiv beeinflussen :) Nur nicht verrückt machen.
    • CDL schrieb:

      Wer im Ref "ohne Begründung" abgeschossen würde hätte eine Steilvorlage für einen gerichtlich zu klärenden Widerspruch. Man ist auch als Ref nicht nur Marionette. Schlechte Ausbilder kommen damit nur durch, wenn niemand den Mund aufmacht und für sein Recht auf Ausbildung kämpft ggf. unterstützt von der eigenen Gewerkschaft. Seminare die ihre Refs nicht adäquat ausbilden und unterstützen begeben sich auf sehr dünnes Eis, gerade in der aktuellen Phase der noch völlig unklaren Umstrukturierung der Seminarlandschaft in BW der möglicherweise sämtliche Seminare in der heutigen Form zum Opfer fallen könnten.

      Hallo CDL,

      Mut kann ich insofern machen, indem ich das, was du sagtest, bestätige: Wer für seine Rechte eintritt und sich rechtzeitig Unterstützung organisiert (was mir nur möglich war, indem ich beinahe ein Disziplinarverfahren wegen Dienstversäumnissen - man muss ja viel telefonieren und organisieren - aufgebrummt bekam, obwohl ich alles abgeklärt hatte), darf hoffen, dass es irgendwie weitergeht.

      Ich fühle mich trotzdem wie eine Marionette, weil ich wie eine behandelt wurde. Die Gewerkschaften sind eine tolle Sache, aber sie können auch nicht zaubern. Vor Gericht haben wir Referendare so gut wie keine Chance, da sich die Gegenseite wechselseitig deckt und nichts von Relevanz schriftlich festgehalten wird. Da stehst dann am Ende du gegen den Rest der Welt: Person XY klagt gegen das Land XY.

      Klar gibt es Einzelfälle, die Erfolg haben. Aber die Aussicht, vor Gericht ziehen zu müssen, ist nun wirklich alles andere als rosig.

      Mag sein, dass ich auf Grund meiner Erfahrungen die Sache in einem zu einseitig negativen Licht sehe; das, was ich sehe: Denjenigen Leuten, die mit Referendaren bisweilen fahrlässig umgehen, geht es nach wie vor blendend.

      der Buntflieger
    • Buntflieger schrieb:

      ...was ich sehe: Denjenigen Leuten, die mit Referendaren bisweilen fahrlässig umgehen, geht es nach wie vor blendend...
      Dann schlage ich vor, du machst Prüfungen und freust dich drauf, wie geil das Leben endlich wird. Du kannst machen was du willst, wirst niemals in Konflikte mit Kollegen oder Schulleitern geraten, endlich werden alle anerkennen, was für ein fantastischer Didakt und Pädagoge du bist, kannst ungestraft Referendare quälen... alles mit dem Erhalt des 2. Staatsexamens.

      Nur blöd, dass du dann (hier) nicht mehr Rumjammern kannst aber einen Nachteil hat eben auch das Lehrerleben. Stattdessen könntest du Parksünder aufschreiben, Spiegel-Artikel verlinken oder besorgter Bürger werden. Wende dich vertrauensvoll an die Zyniker unter uns, es gibt immer Möglichkeiten, sein Frustlevel auf einem anständigen Niveau zu halten. Sei unbesorgt, äh nee, das passt ja nicht :gruebel:
    • ...äh, doch. alles von belang wird aufgeschrieben. das ist genau dieses "ständig beobachtet werden", das viele im ref so stressig finden. schrifltiche aufzeichnungen sind vorgeschrieben, wenigstens in bayern, du musst auch alles im gutachten belegen können und das gutachten muss zur note passen. so ein gutachten gibt es zu jeder lehrprobe, zu jedem prüfungsgespräch ein entsprechendes protokoll, alles muss nachweisbar sein. und da sind auch mindestens vier leute dran beteiligt, meist deutlich mehr. also auch nichts mit einzelmeinungen, die dann alles dominieren. eher steht dann im gutachten "im fach xy zeigte der referendar z", dann weiß man halt, dass das problem/der vorzug nur in fach xy zu sehen war und im anderen fach nicht/an der anderen schule nicht usw.

      es gibt immer einzelfälle, die unfair laufen, aber im großen und ganzen ist die beurteilung i.a. nicht völliger käse und es geht auch in keiner weise (!) darum, den refis dumm zu kommen oder ihnen übel mitzuspielen. genausowenig, wie das bei den allerallerallermeisten lul gegenüber sus bei der benotung der fall ist.

      das ref ist hart und stressig und arbeitsreich, aber nicht irgendwas, vor dem man großartig angst haben müsste.

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    • Buntflieger schrieb:

      Ich fühle mich trotzdem wie eine Marionette, weil ich wie eine behandelt wurde. Die Gewerkschaften sind eine tolle Sache, aber sie können auch nicht zaubern. Vor Gericht haben wir Referendare so gut wie keine Chance, da sich die Gegenseite wechselseitig deckt und nichts von Relevanz schriftlich festgehalten wird. Da stehst dann am Ende du gegen den Rest der Welt: Person XY klagt gegen das Land XY.
      Klar gibt es Einzelfälle, die Erfolg haben. Aber die Aussicht, vor Gericht ziehen zu müssen, ist nun wirklich alles andere als rosig.
      Dann entscheide dich doch einfach, dich nicht wie eine Marionette zu fühlen, im Sinne von niemandem das reicht einzuräumen, dir dieses Gefühl zu geben. Das scheint mir mental bedeutend gesünder zu sein. Ändert nichts an problematischem Verhalten von Mitmenschen, aber alles an der eigenen, inneren Haltung.

      Ich habe mit Unterstützung meiner Gewerkschaft erfolgreich den Rechtsweg bestritten soweit dies von Nöten war bis zu einer abschließenden Klärung. Das hat meine Gewerkschaft rund 2000€ gekostet und viel Zeit und Engagement, die ich ihnen wert war. Allein stand ich zu keinem Zeitpunkt, da ich mehrere Berater und Unterstützer innerhalb der Gewerkschaft hatte ergänzend zum Anwalt. Ja, nicht alle Fälle sind erfolgreich und nicht immer ist das gerechtfertigt (weshalb ich mit Unterstützung der Gewerkschaft ein Musterverfahren angestrebt hatte, da mein Fall dafür prädestiniert war; wurde durchschaut und plötzlich ging es sehr schnell die Angelegenheit positiv zu bescheiden, denn schriftlich war ja alles sauber belegt, nachdem zunächst alles auf ein Verfahren hinauslief- gut für mich, schade für andere Referendare in vergleichbarer Situation bei weniger eindeutigen Rahmenbedingungen die eine Einzelfallprüfung erfordern), im Regelfall kommt es aber gar nicht erst zu rechtlichen Auseinandersetzungen.

      Ehrlich: Was auch immer dich umtreibt und vorgefallen ist in deinem Ref, versuch das für dich selbst gesund abzuschließen, zu verarbeiten und vielleicht daraus zu lernen, wie du selbst es eine mögliche künftige Mentorentätigkeit/deinen konstanten Lehreralltag anders gestalten kannst. Ich weiß, wie verdammt hart es sein kann Unrecht hinter sich zu lassen, aber meiner ganz persönlichen Erfahrung nach muss man sich das wert sein, um psychisch gesund bleiben (oder werden) zu können. Ich habe schon einigen Müll im Leben erleben müssen, nichts davon würde ich jemand anderem wünschen oder mir selbst wenn ich eine Wahl gehabt hätte, aber ich weiß für mich, dass ich an all dem gewachsen bin und stärker geworden bin, weil ich mir das herausgezogen habe (und herausziehe), was ich daraus konstruktiv zurückbehalten und für mich lernen konnte/kann (oder auch muss). Ich wünsche dir, dass du mit den Sommerferien ausreichend durchatmen kannst um deine Erfahrungen verarbeiten zu können.
    • Liebe aktuellen, ehemaligen und künftigen Mitleidenden aka Refis!

      Aus Erfahrung weiß ich: Selbst das beschissenste Ref hat sein (Hoffentlich glückliches) Ende.

      Mir ging es auch ziemlich furchtbar im Ref. Ich hatte unfassbare Selbstzweifel, eine schreckeliche Mentorin in einem Fächer und recht ungünstige Bedingungen (lange Pendelei (120 km pro Tag), sehr anspruchsvolle Schulleitung und zwei für mich anstrengende Mentorenwechsel im anderen Fach wegen Sabbatjahr und Versetzung der Mentorin).

      Was mich allerdings gerettet hat, waren dreierlei Dinge: großartige Mitstreiter und Kollegen, eine tolle Beziehung zu meinen Schülern, die mich immer noch gern gemocht haben, obwohl mein Unterricht teilweise echt unter aller Kanone war und Hilfe zur Selbsthilfe durch Coachings.

      Zieht euch an den positiven Dingen hoch und seien sie noch so klein, sie helfen doch beim Durchhalten.
      Und wenn das nicht mehr hilft, hilft eine Weisheit von einer der gefürchtetsten Studienleitungen des Landes: "Auch 45 Minuten sind irgendwann vorbei!"

      Sprich: Jede Stunde und jede Besprechung sind einzeln abgeschlossene Dinge und bieten jedes Mal aufs Neue die Möglichkeit, etwas Neues zu probieren und sich so zu verbessern.

      Ich hatte mich selbst so aufs Ref gefreut, es zwischenzeitlich verflucht und bin nun so froh über diese anstrengende, aber lehrreiche Zeit, weil ich über mich hinaus gewachsen bin, vor allem auf persönlicher Ebene!

      Lieber @Kreacher, sei gespannt und offen, das wird ein steiler Aufstieg, aber der Ausblick lohnt sich :)

      Lieber @Buntflieger, halte durch, du hast es doch auch bald geschafft, oder? 8)
    • SchmidtsKatze schrieb:

      Krabappel schrieb:

      Wie wird man das?
      Die Kernkompetenzen umfassen Gnadenlosigkeit, Detailverliebtheit und ein kaum zu erreichender Anspruch an die Referendare. (Aber die Frau bildet super aus! Das muss man ihr lassen.)
      Kannst du das noch konkreter machen? Was verstehst du unter Gnadenlosigkeit und kaum zu erreichendem Anspruch, was will der Mensch Unerreichbares?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Krabappel ()

    • Naja, die SL ist eine Koryphäe, u.a. Landesfachberatung und unter ihrem Namen laufen DIE Veröffentlichungen in der Didaktik und sie verlangt ihren Referendaren eben ein sehr hohes Unterrichtsniveau ab und ist da auch bei Berufsanfängern nicht gerade nachsichtig.
      Dazu ist ihre Persönlichkeit eher überkorrekt und sie zeigt nicht so oft ihre menschliche Seite...
      Das schüchtert LiVs wirklich ein.
    • ...nachvollziehbar, aber da zeigt sich meiner meinung nach wieder mal, dass beliebtheit eines beurteilenden bei den beurteilten eben nicht so das entscheidende kriterium für die qualität der lehre ist, ganz egal, ob das in schule, ausbildungsbetrieb, uni oder hier im ref betrachtet wird. noteninflation hilft doch keinem weiter.