Kind mit Down-Syndrom im Regelschulbetrieb - Bitte um Erfahrungen

  • Auch wenn es dir hier im Thread o.t. erscheint: Für mich ist das immer wichtig zu fragen....

    Inklusion ist v.a. ein Thema, das die Emotionen hochkochen lässt, auch hier im Forum, da es eben am Ende auch auf auf unsere Kosten geht. Keine Ahnung, wieso du meinst, irgendwas wäre mir zu OT;) Ich bezog mich auf konkrete Aussagen, die der Definition von Inklusion widersprechen. Und Palim hat mehr Erfahrung mit Inklusion als wir alle zusammen... Im übrigen habe ich den Eindruck, als ob du offene Türen einrennen würdest, ich würde nicht an einer Förderschule arbeiten, wenn ich das unterstützen würde, was sich Inklusion nennt...

  • Nun bin ich mal wieder gezwungen, mich selbst fortzubilden.

    Japp. Und dafür gibt es dann wieder keine Fortbildungspunkte, die ihr doch sammeln müsst, oder?

    Und ich habe ja immernoch den Wunsch, dass es genau dafür eine zentrale Beratungsstelle gibt, bei der man Informationen abgreifen oder auch unbürokratisch und ohne Umweg über Schulleitung und Dezernentin als Lehrkraft Anfragen stellen kann, die zeitnah beantwortet werden, um wenigstens die grundlegenden Informationen zu erhalten und nicht alles selbst sammeln zu müssen.


    Tatsächlich habe ich in den letzten Tagen genau das für MEIN Bundesland hinsichtlich einer anderern Beeinträchtigung gefunden und war ganz überrascht. Vielleicht sind meine Wünsche erhört worden... man darf ja Träume haben :thumbup:

    ... ich habe nachgeschaut, für andere Beeinträchtigungen scheint es das noch nicht zu geben.



    Und Palim hat mehr Erfahrung mit Inklusion als wir alle zusammen...

    Danke, aber vielleicht ist das zu viel der Ehre.


    Tatsächlich ist es so, dass Nds. vor ein paar Jahren die FöS Lernen für die Grundschule geschlossen hat. Somit sind diese Kinder IMMER mit im Unterricht und man muss auch gar nicht überlegen, ob das Kind nicht besser irgendwo anders beschult werden könnte. Es gibt diese Möglichkeit nicht. Gleiches gilt seit Jahrzehnten für den Schwerpunkt Emotional-Soziale Entwicklung, weil fast alle Schulen in privater Trägerschaft sind und die SuS sehr gezielt auswählen oder auch ablehnen.


    Durch diese Umsetzung sehen auch immer mehr andere Eltern die Möglichkeit, Inklusion an den Grundschulen zu nutzen, sodass man SuS aus allen Förderschwerpunkten in den Klassen haben kann, häufig ohne große Unterstützung seitens der Schulbehörde.

    Außerdem ist das immer an ein Verfahren gebunden, was schon immer aufwändig war, in den letzten Jahren aber noch weitaus schwieriger geworden ist. Ohne Bescheid keine weitere Unterstützung.

    Gleiches gilt zwischenzeitlich auch für den EInsatz von Schulbegleitungen, wobei sie für mich bisher immer ein Segen waren! (ok, eine Ausnahme)


    Für manche Schwerpunkte gibt es Mobile Dienste (also ein Beratungsgespräch, ggf. eine Hospitation oder eine Testung von Teilbereichen), für andere nicht. Da muss man selbst sehen, was man macht, oder die Kollegin der Grundversorgung bitten, die aber ja auch nicht sämtliche Schwerpunkte hat ... und sich entsprechend wenig auskennt oder sich nicht zuständig fühlt.


    Um so schöner sind diese Foren und trotz unterschiedlicher Bestimmungen in den BL habe ich inzwischen sehr viele Tipps und Hilfen auf den Bildungsservern anderer Bundesländer gefunden.

  • Okay, vielleicht würde es helfen, hier konkretes Material zu sammeln? Wenn ich eine Klasse habe, die ich in De und Ma unterrichte, versuche ich Unterricht themengebunden zu machen. Etwa zu einer Lektüre oder zur EM zwei Wochen "Europa", dazu findet man oft fertige Stationen oder Aufgabensammlungen im Netz. Manche Dinge kann man dann gemeinsam machen, "italienisch kochen" u. a.


    Persen z.B. verkauft auch inklusives Material mit 3 Niveaustufen, wobei sich das m. E. mindestens auf dem Niveau eines Erstklässlers bewegt, wenn das Kind geistig behindert ist, kann man es auch damit nicht alleine hinsetzen.


    Versuche aus dem HSU zu Schwimmen und Sinken, Pflanzenwachstum und co. könnte es jeweils in einer Gruppe mitmachen.


    Dann würde ich schauen, ob es fit genug ist, um Material mit Selbstkontrolle z. B. LÜK zu bearbeiten, da gibt's auch Vorschulhefte mit Pränumerik etc. und da könnte das Kind auch über längere Zeit, täglich immer und immer wieder dasselbe bearbeiten.


    Der neue Sächsische Lehrplan für geistige Entwicklung stellt Bezüge zu den Grundschullehrplänen her, allerdings auch nur mit rudimentären Vorschlägen für den Alltag, basteln wird man in jedem Falle müssen. Vielleicht hat aber die Inklusionskraft Lust, da was (nach deiner Anleitung!) vorzubereiten.


    Und zu guter Letzt muss es ja auch nicht ständig mitmachen was alle machen. Wenn die Eltern sich beschweren, könntest du auch (scheiß)freundlich zurückfragen, ob sie sich wirklich wünschen, dass alle Kinder der Klasse genau gleich behandelt werden? Sollten wirklich alle Schweinefleisch essen müssen...? Schlage sie mit ihren eigenen Waffen ;)

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  • In der 3. Klasse kommt ja noch der Fremdsprachenunterricht dazu. Ist in dem Zusammenhang überhaupt etwas möglich oder sollte man darauf eher verzichten zugunsten von zusätzlicher Förderung Deutsch/Mathematik? Hast du diesbezüglich Erfahrung, @samu?

  • Inklusion ist nicht immer der Königsweg. Der Königsweg ist immer das, was dem Kindeswohl dient.

    Es gibt Kinder, die von Inklusion nicht profitieren, sondern Schaden nehmen, vor allem unter den derzeitigen wirklich schlechten Bedingungen.

    Die sollten weder auf dem Altar der Ideologie geopfert werden, noch dazu missbraucht werden, auf die Missstände aufmerksam zu machen.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Es ist ja immer die Frage, worauf man den meisten Wert legt:


    - gesellschaftliche Teilhabe (kurz- oder längerfristig)

    - 'akademisches' Lernen

    - 'lebenspraktisches' Lernen

    - individuelle Förderung

    - Wohlbefinden/Selbstkonzept des Kindes

    - Wohlbefinden/Selbstkonzept der Eltern/Familie


    Ja nachdem, was man da in den Fokus nimmt, und natürlich je nach Kind und örtlichen Rahmenbedingungen wird es unterschiedliche Antworten auf die Frage Inklusion oder Sonderbeschulung geben.

  • Okay, vielleicht würde es helfen, hier konkretes Material zu sammeln?

    Vermutlich muss man da noch ein wenig warten und erst einmal ergründen, was das Kind denn nun kann, was bisher möglich war und worauf man aufbauen kann.

    Dann kann man immernoch speziell zu den Themen Fragen und um Hilfe bitten

    Persen z.B. verkauft auch inklusives Material mit 3 Niveaustufen, wobei sich das m. E. mindestens auf dem Niveau eines Erstklässlers bewegt, wenn das Kind geistig behindert ist, kann man es auch damit nicht alleine hinsetzen.

    Persen hat ganz schöne Inklusiv-Hefte, die wir recht neu angeschafft haben, in denen es auch sehr viel bildgestütztes Material gibt. Damit kann man sicher arbeiten.

    Von Heften in Deutsch und Mathe bin ich bisher noch nie überzeugt gewesen, da die Kinder immer so unterschiedlich sind und in vielen Bereichen weit mehr Übung benötigen, als einzelne Hefte anbieten.

    Dann würde ich schauen, ob es fit genug ist, um Material mit Selbstkontrolle z. B. LÜK zu bearbeiten

    Ja, das würde ich auch probieren. Das ist dann auch mal etwas anderes.

    Außerdem kann es sinnvoll sein, dies zu ritualisieren oder auch andere Methoden für Deutsch und Mathe einzusetzen, sodass man immer wieder die gleiche Methode einsetzen kann, dabei dann aber das Buchstaben/Wortmaterial oder den Zahlenumfang ändert.

    Beispiel: Buchstaben/ Wörter abschreiben auf eine bestimmte Art oder Zahlenkarten ziehen und dann die Anzahl mit Materialien legen lassen oder 5 Karten ziehen und der Größe nach ordnen. Sowas geht im ZR 10, 20 und dann auch aufsteigend.

    Oder Paare finden, was offen oder verdeckt geht und zu gleichen Buchstaben, Anlaut-Bild, Wort-Bild, Satz-Bild, Zahl-Zahl, Zahl-Anzahl ... je nach Fähigkeiten.

    Dann bleibt die Konzentration beim Inhalt und fordert nicht immer neues Eindenken in andere Formate.

    Auch kann man, wenn man mit Wochenplänen arbeitet, dafür ein Symbol suchen und immer wieder einsetzen, sodass das Kind dann weiß, welche Materialkiste dazu gehört und wie die Aufgabe funktioniert.

    Und zu guter Letzt muss es ja auch nicht ständig mitmachen was alle machen. Wenn die Eltern sich beschweren,

    ... vermutlich geht es darum und da muss man dann zunächst zuhören, was sie sich vorstellen, dann selbst Position beziehen oder Kompromisse finden und das auch gut argumentieren.

    Ich halte beim Lesen, Schreiben und Rechnen mehr davon, ein eigenes aufbauendes Programm zu haben, sodass Fortschitte möglich sind und man aufbauend beschult, statt mal hier und mal da ein bisschen was zu machen.


    Bei anderen Themen, z.B. Würfelgebäude, Muster, Wahrscheinlichkeit, vielleicht Aufsatz (als Erzählung) oder im SU kann man auf taktile Materialien und/oder Bilder ausweichen, sodass das Kind im gleichen Themenfeld arbeitet und man die Leistung dann entsprechend einbinden und auch würdigen kann. Ich fand schon erstaunlich, was eines unser GE-Kinder mit massiver Sprachstörung vor der Klasse vorgetragen hat, passend zum Thema hatten sie zu Bildern Sätze überlegt und haben die dann vorgetragen, wo andere mit Schlüsselwortmethode einen Text erarbeiten und daraus einen Vortrag zusammenstellen mussten. (Klasse 3)

    Aber bevor man an der Stelle weiter überlegt, muss man wirklich im Gespräch mit den Eltern die Möglichkeiten offenlegen und daraus dann einen generellen Rahmen abstecken.

  • Ich habe ein Jahr lang in einer 3.Klasse ein Kind mit Down Syndrom erlebt.

    Es handelte sich um ein relativ fittes Mädchen, das zumindest sprechen und sich allein anziehen und zur Toilette gehen konnte. Außerdem war sie auch die meiste Zeit lieb und freundlich und hatte sehr engagierte Eltern.



    Persönlich bin ich allerdings der Meinung, dass eine Regelschule für geistig behinderte Kinder überhaupt kein geeigneter Förderort ist.


    Für die anderen Kinder ist ein behindertes bestenfalls eine Art Maskottchen, und dass sie es nicht ernsthaft mobben, liegt nur daran, dass es permanent von einer Integrationskraft begleitet wird. Dieses aufgeschlossene und neugierige Mädchen hätte auf einer Förderschule sicherlich schnell Anschluss gefunden, so aber eckte sie durch die ihr eigene, unvermeidliche Distanzlosigkeit an, und wurde nie ins Spiel integriert, da sie den anderen in keiner Weise kognitiv gewachsen war.


    Vom Lernstoff her war das Mädchen nicht ansatzweise auf dem Level der anderen. In der dritten Klasse war sie immer noch dabei, einzelne Buchstaben zu lernen und Äpfel auf Bildchen zu zählen. In Deutsch und Mathe wurde sie im Nebenraum von der Integrationshelferin (die dafür weder qualifiziert war, noch dies überhaupt offiziell übernehmen dürfte) "unterrichtet", in den anderen Fächern saß sie mit im Unterricht, und die Integrationshelferin bemühte sich, dass das Mädchen nicht allzu sehr durch dazwischen reden oder spontane Einfälle störte. Manchmal meldete sie sich und versuchte sich am Unterricht zu beteiligen, wobei ihre Beiträge aber fast immer das Thema völlig verfehlten.


    Ich habe an einer Förderschule und in einer Behindertenwerkstatt erlebt, wie viel besser auf solche Behinderungen in einem wirklich darauf eingestellten Umfeld mit passenden Lernmethoden eingegangen werden kann, und wie viel mehr an sozialer Interaktion geistig behinderten unter ihresgleichen möglich ist. Förderschulen haben meiner Meinung nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern sind für viele Betroffene ein Segen. Wenn ich selbst ein behindertes Kind hätte, wäre ich gegen die so gut gemeinte Inklusion.

  • ... In Deutsch und Mathe wurde sie im Nebenraum von der Integrationshelferin (die dafür weder qualifiziert war, noch dies überhaupt offiziell übernehmen dürfte) "unterrichtet",

    Interessant, wenn du das Kind in der Klasse hattest, warst du doch für den so genannten "Unterricht" zuständig.

  • ... Wenn ich selbst ein behindertes Kind hätte, wäre ich gegen die so gut gemeinte Inklusion.

    Das wiederum ist eine ziemlich vage Behauptung, denn natürlich weiß man nicht, wie es ist, ein behindertes Kind zu haben. Weiß man nicht. Alles was da mit dran hängt an Entscheidungen, Erlebnissen, Empfindungen kann man schlicht nicht einschätzen. Es sei denn, Sätze wie "wenn ich König von Deutschland wär'" haben irgendeine Relevanz.

  • Ich stimme Wael zu und würde auch wie sie (?) verfahren, wenn ich ein eigenes Kind mit Behinderung hätte. Verstehe aber auch @samu, dass man einen solchen Fall emotional kaum "vorbereiten" kann.

  • Vom Lernstoff her war das Mädchen nicht ansatzweise auf dem Level der anderen. In der dritten Klasse war sie immer noch dabei, einzelne Buchstaben zu lernen und Äpfel auf Bildchen zu zählen.

    Ja, das nennt man zieldifferent Beschulung. Das ergibt sich auch beim Förderbedarf Lernen, in der Regel bei Flüchtlingskindern, die hier 2 Jahre Notenbefreiung bekommen und in dieser Zeit aufholen, und manchmal auch beim Nachteilsausgleich LRS oder Dyskalkulie. Andere Förderbedarfe brauchen häufig auch Anpassungen.

    Das dies in einer Regelklasse schwierig ist, bestreitet niemand, aber ein hätte, wäre, würde hilft hier nicht und sonst auch nicht.

    Ich kann mir die SuS, die in meiner Klasse sitzen so gut wie nie aussuchen und ich fahre gut damit, es als meine Aufgabe zu sehen, die, die da sind, möglichst gut zu beschulen. Alle. Alle, die da sind und das schließt die oben genannten Kinder mit ein.


    Tatsächlich kann man die Fortschritte dennoch wahrnehmen und ich wüsste nicht, warum man diese nicht kommunizieren sollte, sodass sich alle freuen können. Dann kann das Kind eben einen neuen Buchstaben, eine neue Zahl, einige Wörter auf Deutsch oder etwas anderes, was es trotz Beeinträchtigung gelernt hat.


    Für die anderen Kinder ist ein behindertes bestenfalls eine Art Maskottchen, und dass sie es nicht ernsthaft mobben, liegt nur daran, dass es permanent von einer Integrationskraft begleitet wird.

    DAS erschreckt mich viel mehr!

    Wenn in der Klasse ein solches Klassenklima herrschte, dass unwidersprochen gemobbt wurde, lagen dort noch ganz andere Dinge im Argen. Dann hat man offenbar generell und im Speziellen hinsichtlich Beeinträchtigung den sozial-emotionalen Bereich zu stark vernachlässigt.

    Dass hier das Integrieren schwierig sein dürfte, ist verständlich, wenn Grundlegendes nicht vorausgesetzt werden kann. Trotzdem bleibt auch das Aufgabe der Lehrkraft, so wie man auch trotz schlechter Voraussetzungen schneiden, rechnen oder Geräteturnen vermitteln muss.

  • Ich hatte im eigenen Unterricht noch kein Kind mit Down-Syndrom, sondern eher andere Formen der Einschränkung, und es muss nicht extra betont werden, dass Mobbing auf keinen Fall geht. Ich habe jedoch starke Zweifel, dass ein solches Kind wirklich gleichberechtigter Teil des sozialen Gefüges werden kann - was nicht heißt, dass ich mich nicht über jeden Fall, bei dem das doch möglich ist, freue :) .

  • Wenn ich selbst ein behindertes Kind hätte, wäre ich gegen die so gut gemeinte Inklusion.


    Ich stimme Wael zu und würde auch wie sie (?) verfahren, wenn ich ein eigenes Kind mit Behinderung hätte.

    Wie wäre es vor allem mit etwas differenzieren : Behinderung ist nicht gleich Behinderung und Kind A mit Behinderung A nicht Kind B mit Behinderung A. Es gibt viele Arten von Behinderung, die prinzipiell keiner Beschulung an der Förderschule bedürfen, andere, bei denen dies möglich, aber nicht in jedem Einzelfall das Mittel der Wahl ist, weil auch behinderte Kinder sehr unterschiedliche Bedürfnisse bzw. Lernvoraussetzungen haben. Ich kann nur hoffen, dass, solltet ihr tatsächlich einmal in diese Lage kommen, ihr nicht pauschal anhand des Wortes "Behinderung" oder der Art der Behinderung urteilt, sondern genau hinseht, was für euer Kind tatsächlich ein guter Weg sein kann und zwar ganz gleich, ob das am Ende Förderschule, Inklusionsklasse oder Haupt-, /Realschule /Gymnasium bedeutet (da gibt es nämlich auch Kinder mit Behinderung, wie euch klar sein sollte, spätestens wenn ihr an eure eigenen KuK mit Behinderung denkt).


    Wael : Mir ist unklar, warum die Lernbegleiterin in deiner Klasse zur Lehrerin wurde. Wie kam es dazu?

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • ... spätestens wenn ihr an eure eigenen KuK mit Behinderung denkt)...

    Wo denkst du hin, es gibt an Behinderungen nur den Rollstuhlfahrer und das Down-Syndrom und auch da weiß man natürlich genau, mit welchem Menschen man es zu tun hat, weil eine Behinderung klassifiziert einen in eine genau umschriebene Kategorie.

  • Je jünger die Kinder sind, desto eher kann Inklusion geistig Behinderter funktionieren. Je älter diese jedoch werden, desto mehr entwickeln sich die Lebenswelten beider Gruppen in verschiedene Richtung. Je nach Schwere der geistigen Beeinträchtigung können sie irgendwann einfach nicht mehr "mithalten" und ziehen sich selbst zurück, auch wenn sich die Mitschüler sehr um sie bemühen. Spätestens dann sollte man als Eltern überlegen, ob nicht eine geeignete Förderschule die bessere Wahl wäre.

  • Wo denkst du hin, es gibt an Behinderungen nur den Rollstuhlfahrer und das Down-Syndrom und auch da weiß man natürlich genau, mit welchem Menschen man es zu tun hat, weil eine Behinderung klassifiziert einen in eine genau umschriebene Kategorie.

    Ich weiß, wie du das meinst und weiß dennoch nicht, ob ich jetzt lachen oder weinen soll. Leider gibt es noch immer viel zu viele Vorurteile jedweder Art über Menschen mit Behinderung. Da ich selbst dazu gehöre, habe ich auch schon manche Dummheit und auch Übergriffigkeit, die manche Menschen als legitim im Umgang mit Menschen mit Behinderung betrachten erleben müssen. (Ich kann da zum Glück Grenzen setzen, andere können das nicht.) Das Schlimmste ist dieses "alle mit Behinderung A, B oder C in jeweils einen Topf werfen- ist ja eins", statt hinzusehen, was der Mensch, der vor mir sitzt tatsächlich benötigt oder auch mitbringt. Wer selbst schwerbehindert ist weiß, dass beispielsweise Nachteilsausgleiche aus gutem Grund sehr allgemein formuliert sind, da es individuell verschieden ist, was wer tatsächlich zum Nachteilsausgleich benötigt, auch wenn es sich rein nominell um dieselbe der Behinderung zugrundeliegende Krankheit oder Einschränkung handelt. Gerade im Umgang mit Inklusionskinder sollte das nicht vergessen werden : Ich persönlich habe keinen Zweifel, dass es Kinder mit Down-Syndrom gibt, für die die inklusive Beschulung genau richtig ist und die in diesem Setting mit entsprechenden Lehrkräften, die individuell hinsehen und zieldifferent zu unterrichten bereit sind auch ihr Potential voll entfalten können. Das setzt natürlich eine entsprechende Haltung von uns Lehrkräften jenseits der Förderschulen voraus.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Je nach Schwere der geistigen Beeinträchtigung können sie irgendwann einfach nicht mehr "mithalten" und ziehen sich selbst zurück, auch wenn sich die Mitschüler sehr um sie bemühen.

    Was mich nervt in dieser Debatte, derlei Aussagen sind so pauschal und frei ausm Bauch raus.


    Ich arbeite an einer Förderschule, denkst du, da gibt's kein Mobbing, keine Außenseiter, keine Differenzen? Wenn alle mit irgendwelchen Problemen unter sich sind läuft endlich alles wie geschmiert? Nach der Logik müssten alle Kollegen super miteinander auskommen, denn der Bildungshintergrund ist ein ähnlicher, die Intelligenz müsste ähnlich verteilt sein, selbst der Berufswunsch war derselbe und nein, aus eigener Erfahrung kann ich sicher sagen, das ist nicht der Fall. Gruppendynamik ist ein Arsch und hat nichts damit zu tun, ob einer im Zahlenraum bis 10 rechnet und der andere bis 1000.


    Ein Problem ist, dass Kollegen unmöglichen Anforderungen ausgesetzt werden und ihre Schulleitungen oft genug Eltern mit unmöglichen Erwartungen Honig ums Maul schmieren und die Kollegen auflaufen lassen. Aber auch das ist nicht neu und hat nichts mit der Chromosomenanzahl der Schüler zu tun.

  • Ich persönlich habe keinen Zweifel, dass es Kinder mit Down-Syndrom gibt, für die die inklusive Beschulung genau richtig ist und die in diesem Setting mit entsprechenden Lehrkräften, die individuell hinsehen und zieldifferent zu unterrichten bereit sind auch ihr Potential voll entfalten können. Das setzt natürlich eine entsprechende Haltung von uns Lehrkräften jenseits der Förderschulen voraus.

    Lehrkräfte müssen nicht nur bereit sein genau hinzusehen und zieldifferent zu unterrichten, sondern sich weit über ein "normales Maß" hinaus zu engagieren und Zeit zu investieren, denn in der Regel bekommt man kaum Unterstützung. Außer einer Schulbegleitung und mit viel Glück ein paar wenige Stunden vom mobilen sonderpädagogischen Dienst (MSD) passiert in Bayern recht wenig.

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