Ich sei nichts für den Lehrerberuf (Staatsprüfung) :-(

  • Ich finde nicht, dass es DIE Lehrerpsersönlichkeit gibt. Es gibt ganz unterschiedliche Lehrertypen und der, der den einen SuS gefällt, mit dem kommen andere gar nicht zurecht. Was am Ende zählt, ist, dass man irgendwie bei den SuS durchdringt und etwas vermitteln kann. Das ist doch das Wichtigste, oder?

  • Natürlich wird immer mal wieder mit der "Lehrerpersönlichkeit" argumentiert, aber doch meist erst während des Referendariats. Ich stimme Lehrerin2007 absolut zu, dass es verschiedene Lehrertypen gibt, aber wenn ein/e Fachleiter*in die "Lehrerpersönlichkeit" anspricht, ist damit wohl zumeist gemeint, ob er/sie sich den/die Referendar*in überhaupt als Lehrkraft vorstellen kann. Ich kann mich an einen ehemaligen Ref. an unserer Schule erinnern, der sein Referendariat abgebrochen hat und dem ich eine "Lehrerpersönlichkeit" tatsächlich absprechen würde (er war sehr unsicher, hat ständig zur Tafel gesprochen, konnte den SuS nicht in die Augen sehen usw.)

    Ich sage aber auch immer mal wieder SuS, dass ich sie nicht unbedingt als Kauffrau/-mann im Einzelhandel sehe, wenn sie nicht mal im Unterricht oder ihren Mitschüler*innen gegenüber den Mund aufbekommen u. ä. und ihnen dann auch im Praktikum bestätigt wird, dass sie für diesen Beruf eher ungeeignet seien.

  • Ich versuche es immer meiner eigenen Persönlichkeit. Klappt ganz gut 😉.


    Der Begriff Lehrerpersönlichkeit klingt für mich echt schizophren. Natürlich verhalte ich mich im Unterricht anders als bei einem Bier mit Freunden. Ich bin eben auf der Arbeit und verhalte mich entsprechend.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Was war das für eine Persönlichkeit der du vom Lehrerberuf abgeraten hattest?

    Also, mir hat ein älterer, sehr menschenfreundlicher und von mir sehr geschätzter Lehrer am Ende der Oberstufe deutlich abgeraten, Lehrerin zu werden. Er hat sich, was mich sehr berührt hat, mehrere originelle Alternativen für mich überlegt, die zu meiner Persönlichkeit, wie er sie damals wahrgenommen hat, besser gepasst haben. Ich konnte sein Bild von mir nachvollziehen, aber ich habe gespürt, dass er dennoch nicht richtig lag. Und tatsächlich bin ich in dem von mir gewählten Beruf von Anfang an und inzwischen seit Jahrzehnten sehr glücklich gewesen.


    Ja, klar, es gibt auch eitle, wichtigtuerische, unsensible oder destruktive Leute, aber viele meinen es sicherlich auch gut und sehen manches vielleicht richtig, aber eben immer nur einen Teil der Persönlichkeit. Oft hat man außerdem selbst das deutliche Gefühl, dass man sich entwickeln und in seine Aufgaben hineinwachsen wird. Und schließlich gibt es nicht DIE Lehrerpersönlichkeit. Der eine ist lustig und charmant, die andere strukturiert und klar, der nächste kreativ und originell oder hat ein gutes Verständnis für schwierige Lebenslagen oder die Psychodynamik einer Klasse. Die eine ist charismatisch und kann Jugendliche begeistern, der andere überzeugt fachlich und durch gute Vorbereitung. Ich habe so viele gute Lehrer*innen kennen gelernt, und jede*r von ihnen ist anders. Es gibt ganz verschiedene Wege, von Jugendlichen ernst genommen zu werden und einen guten Kontakt zu ihnen aufzubauen. Zwar ist ein gutes Standing zu haben oder zügig zu entwickeln für Lehrer tatsächlich nötig. Aber ansonsten ist man, vorausgesetzt, man hat Freude an seinen Aufgaben, als genau der, der man ist, für einen Teil der Schüler genau die richtige Antwort (und für die anderen auch keine schlechte). Daher: nur Mut, du bist schon richtig und wirst ganz von allein viel dazulernen.

  • Lehrerpersönlichkeit ist: Die Fähigkeit, Begeisterung und Lernzuwachs bei einem großen Teil der SuS auszulösen.


    Lehrerpersönlichkeit ist nicht: laut, leise, gut vorbereitet, schlecht vorbereitet, groß, klein, blond, grau, Mann, Frau, divers und viele weitere beschreibbare Eigenschaften.


    Vielleicht ist der Begriff "Persönlichkeit" hier irreführend. Wie Ratatouille ja völlig zurecht sagt, kann auch ich den guten bis sehr guten LehrerInnen meiner Lebenslaufbahn nicht wirklich viele Gemeinsamkeiten zuordnen, außer dass sie Spaß am Lernen vermitteln konnten.


    Aber im Ernst: Jeder von euch könnte das beurteilen, wenn er mal ein bisschen Unterricht beobachtet hat. Was SuS können, können natürlich auch andere Menschen. Insofern glaube ich schon, dass die Beurteilung "Lehrerpersönlichkeit" durch die Fachleitung in aller Regel Hand und Fuß hat (ganz einfach, weil ich sie genauso treffen könnte)

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."


    Wer wissen will, ob ich gerade per Handy oder am PC schreibe, checkt einfach den Text auf mögliche Rechtschreibfehler!

  • Bei Lehrern wird ja immer mit der Lehrerpersönlichkeit argumentiert und wenn man diese nicht habe, könne man den Job glatt vergessen. Nachdem dieser Thread wieder dieses Thema anschneidet, frage ich mich, ob es das auch in anderen Berufen gibt. "Ich sehe Sie nicht als Kaufmann für Bürokommunikation." wird ja wohl noch nicht so oft gesagt werden.

    Wer am Telefon nur rumstottert oder keine Email vernünftig beantworten kann, kann durchaus auch nicht der Typ für einen Bürojob sein.

  • Das gibts für jeden Beruf. In Ausbildungsberufen wird zB. noch viel rustikaler aussortiert. Revisionen in der Traineezeit sind auch nicht lustig. Wer da nicht 24/7 auf der Matte steht, um beim Kunden das Produkt zu bewerben, zu schulen, zu warten, zu reparieren usw. hat wenn sonst nichts zu finden ist eben auch keine passende "Persönlichkeit" für das Berufsfeld oder der corporate identity.

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