Beiträge von Ratatouille

    Ich führe mich nicht sicher. Auch mit Tests nicht. Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass diese Test nichts aussagen.

    Die Tests sind sehr nützlich bei Menschen mit Symptomen. In der Schule ist die Aussagekraft aber tatsächlich sehr begrenzt (durchschnittlich 58% bei Symptomlosen). Dazu kommen Anwenderfehler. Selbst erwachsene Laien erreichen nicht ganz die Ergebnisse von Profis, auch nicht, wenn sie von Profis eingewiesen werden (z.B. Charité-Untersuchung). Wie sehr das erst recht für das Schulsetting gilt, kann man hier beobachten:

    https://www.news4teachers.de/2…el-fuer-dreyer-und-hubig/


    Cochrane Review:

    Erstautorin Jacqueline Dinnes, Senior Researcher in Public Health, Epidemiologie und Biostatistik an der University of Birmingham kommentiert: „Unsere Übersichtsarbeit zeigt, dass einige Antigen-Tests nützlich sein können, wenn bei Menschen mit Symptomen ein Verdacht auf COVID-19 besteht. Diese Tests scheinen bei Menschen, die keine Symptome von COVID-19 haben, nicht so gut zu funktionieren. [...]

    Koautor Jon Deeks, Professor für Biostatistik an der Universität Birmingham, fügt hinzu: „Es ist gut, dass wir Evidenz dafür finden konnten, dass einige Testmarken die von der WHO festgelegten minimalen Leistungsstandards für die Untersuchung von Menschen mit Symptomen erfüllen. Allerdings machen diese nur einen sehr kleinen Teil der kommerziell erhältlichen Tests aus.

    Anders verhält es sich beim Testen von Menschen ohne Symptome, insbesondere bei der Verwendung von wiederholten Antigen-Schnelltests zum Screening auf SARS-CoV-2-Infektionen bei Schülern und Personal in Schulen sowie bei Krankenhaus- und Pflegeheimpersonal. Wir haben keine Daten oder Studien gefunden, die die Genauigkeit dieser Tests bewerten, wenn sie beim wiederholten Screening von Personen ohne bekannte Exposition gegenüber SARS-CoV-2 eingesetzt werden. Solche Test-Strategien können sich bisher nicht auf ‚Real-World‘-Evidenz aus der Praxis stützen."


    https://www.cochrane.de/de/new…ts-zum-nachweis-von-covid


    Die Möglichkeit zu Selbsttests für Schüler und Schulpersonal ist sehr zu begrüßen, wenn auch nicht als Nieskonzert im Klassenzimmen. Als Argument für geöffnete Schulen bei höheren Inzidenzen sind sie aber schlicht nicht geeignet.

    Überschlagt doch mal alle Faktoren, die an eurer Schule das Ergebnis schmälern werden (Testtage vs. Anwesenheitstage, Nichtteilnehmende, Anwendungsfehler, Sicherheit von Selbsttests bei Kindern ohne Symptome (im Durschschnitt nur 58%), "Bus verpasst", Quatsch machen etc.).


    Da kommt realistisch betrachtet erschreckend wenig bei rum, viel weniger kanns bei Testung zuhause auch nicht sein. Dafür möchte ich mich nicht anhusten und anniesen lassen, den Müll entsorgen müssen und bei einem Ausbruch "schuld sein". So wie das ablaufen soll, erhöht es die Sicherheit nicht!

    FAZ: "In Paris hat die Triage begonnen"


    Schulschließung? Och nö.


    "Besonders kritisch ist die Lage an vielen Schulen, insbesondere in der Hauptstadtregion. Die Inzidenz in der Altersgruppe zwischen zehn und neunzehn Jahren beläuft sich im Großraum Paris auf 835. Doch in der Regierungsfraktion verweist man auf die sozialen Folgen einer Schulschließung. „Ich bin stolz darauf, dass wir die Schulen offen halten. Das ist die stärkste Weise, um gegen Ungleichheit zu kämpfen. Wer kann die Schäden für die Kinder ermessen, die seit Monaten keinen Klassenraum gesehen haben?“, sagte die Abgeordnete Aurore Bergé von La République en marche am Montag. ... Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Medef, Geoffroy Roux de Bézieux, sprach sich gegen Schulschließungen aus. „Wenn wir die Schulen schließen, hat das schwerwiegende wirtschaftliche Folgen“, warnte der Medef-Vorsitzende. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer teilte einen Videoclip zur Musik von Pink Floyds „Another Brick in the Wall“ mit dem Text: „We hate online education“ („Wir hassen Online-Unterricht“)."


    https://zeitung.faz.net/faz/po…wIrXJ-z1Od7998-3oplZ-Z0Xo

    Man fragt sich halt echt, warum die sich überhaupt noch treffen und das auch noch lang vorher in der Presse ankündigen...

    Damit der grade amtierende Brückenkopf der Lockerungskräfte verkünden kann, alle KMs seien sich einig - blöd nur, wenn ein Wahlkämpfer während der laufenden Konferenz ausschert und seine Schulen schließt - fiel also diesmal flach. Außerdem gibts bestimmt einem leckeren Lolli von der Wirtschaft und ein Paper mit der neuesten Sprachregelung von einer PR-Agentur. "Kein Treiber" geht ja zur Zeit noch, "sichere Orte" hat man schön länger nicht gehört, das heißt jetzt "verantwortungsvoll beobachten", "absichern", "so viel wie möglich", "verteidigen die Interessen der Kinder". Es kann ja wohl in einer Pandemie nicht jeder labern, was er will.

    So, erster Schultag in RLP


    Die RKI-Inzidenzen der Schülerjahrgänge in allen Schulformen liegen in meinem Landkreis seit mehreren Wochen zwischen 200 und 300. Ist zwar in RLP kein Anlass zum Handeln, nur eventuell zum "Nachdenken", sieht aber irgendwie doch blöd aus. Also, wie kriegt man die Zahlen jetzt runter?


    1. freiwillige Tests,

    2. die demnäääächst mal so naaach und naaach an die Schulen ausgeliefert werden sollen

    3. natürlich in großen Gebinden, das hält auch nochmal auf

    4. getestet werden soll aber auf jeden Fall in der Schule, damit man im KM was zum Herumrechnen hat

    5. positive Selbstttests werden nicht mit PCR-Tests nachgetestet, sondern mit Antigen-Schnelltests, die bei Symtomlosen durchschnittlich nur 58% erkennen, also über 40% richtigpositive Selbsttests wieder aus der Statistik raustesten (die betreffenden falschnegativen Schüler gehen zurück in die Klasse)

    6. der Rest an doppeltpositiven Fällen wird ans Gesundheitsamt gemeldet, aaaaaber - geniale Harke - nicht ans RKI, da kein PCR-Test

    7. da die Quarantäne ohne PCR-Test verhängt wird, ist ein Selbstzahler-PCR-Test allenfalls zum vorzeitigen Freitesten zu einem Zeitpunkt angesagt, an dem man nicht (mehr) infektiös ist, geht also auch nicht in die RKI-Zahlen ein


    Auf diese Weise gehen zwar höchstwahrscheinlich die Infektionen durch die Decke, aber die RKI-Zahlen fallen erfreulicherweise rapide ab. Cooler Plan.

    Teststrategie in RLP:


    Auf positiven freiwilligen Selbsttest in der Schule folgt ein Antigen-Schnelltest in einer Teststation, PCR-Test ist nicht vorgesehen (nur zum Freitesten aus der Quarantäne). Wenn der Antigen-Schnelltest negativ ist, geht der Schüler zurück in die Schule.


    Antigen-Schnelltests sind aber bei Symptomlosen sehr unzuverlässig, durchschnittlich werden nur 58% der Infizierten erkannt. Man könnte daher auch aufs Nachtesten verzichten und einfach eine Münze werfen, ob der Schüler die Schule verlassen soll. Wäre auch nicht wesentlich unsicherer.


    Bericht über die Metastudie des Cochrane-Netzwerks zur Zuverlässigkeit von Antigen-Schnelltests:

    https://www.apotheken-umschau.…virus/artikel_773719.html

    Laschet sagte, der Bund habe bei den vergangenen Ministerpräsidentenkonferenzen selbst gesagt, dass die Länder näher an den Schulen dran seien. Es sei klüger, diese Fragen in den Ländern zu entscheiden. "Man kann Entscheidungen für Schulen nur ortsnah mit den Beteiligten treffen, mit den Eltern, mit den Schülervertretungen, mit den Lehrergewerkschaften, mit den Verbänden. Da hat der Bund gar keine Ansprechpartner", sagte er.

    https://www.n-tv.de/politik/La…sung-article22467375.html

    :saint::saint:

    RLP bleibt gewohnt geizig: ein Test pro Woche angekündigt

    RLP hat die Testfrequenz "verdoppelt" auf zweimal pro Woche.

    Aaaaber nur in der Präsenzwoche, also von einmal pro Woche auf zweimal in 14 Tagen.
    Wobei alle Schulen, die ich kenne, tageweise wechseln.

    :D


    (Die Tests sind natürlich freiwillig, was nochmal kräftig spart.)

    RLP bleibt gewohnt geizig: ein Test pro Woche angekündigt, bislang nichts davon zu sehen, ab Inzidenz 100 denkt die Schulaufsicht mit dem betreffenden Gesundheitsamt mal nach, worüber genau, weiß man nicht.


    "Am Montag gab es noch Diskussionen über Schulschließungen ab einer Inzidenz von 200 und Öffnungen über 100 mit zweimaliger Testung aller pro Woche. Doch im endgültigen Beschlusspapier ist davon nichts mehr zu lesen. [...] Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) betonte dazu in einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen, dass schon vorher klar gewesen sei, dass Länder über die Kultushoheit verfügen. Deshalb müsse „nicht jedes Mal in der Kanzlerrunde stundenlang über das Thema debattiert werden“. Die kursierende Inzidenz von 200 habe „gar nichts mit unserer Realität zu tun“, sagte Dreyer."


    https://www.merkur.de/politik/…00-tests-zr-90256460.html

    Meinen die Kultusminister das ernst? Gab es irgendetwas wichtiges oder nur solches Geschwurbel?

    "Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), hat sich gegen eine starre Orientierung an Inzidenzwerten bei Schulschließungen ausgesprochen. ... Klar sei aber auch, dass die Kommunen handeln müssten, wenn die Inzidenzwerte in „einen hohen dreistelligen Bereich“ anstiegen."

    https://nuernberger-blatt.de/2…denzen-orientieren-85240/


    Man hat die stark steigenden Inzidenzen bei Schülern gesehen und möchte die Schulen trotzdem offen halten. Es werden andere Kriterien gefordert, da die Inzidenz als Kriterium, wie mit den Schulen zu verfahren ist, "nichts taugt".

    Ich muss sagen, da drücken wir uns hier differenzierter aus.

    Besser nicht, sonst müssen wir uns in die Ecke stellen und schämen:


    „In diesem Zusammenhang betonen die Kultusministerinnen und Kultusminister nachdrücklich, dass Kinder und Jugendliche nicht als Gefahr für alle an der Schule Beteiligten stigmatisiert werden sollen.“

Werbung