Einsicht bei Kindern und Jugendlichen

  • Hallo wertes Forum,


    egal welche Schulart oder Jahrgangsstufe... wir kennen alle die Situation, dass Schüler Fehlverhalten in unterschiedlichsten Formen zeigen und man anschließend einen pädagogisch sinnvollen Umgang damit sucht. Ich hatte mal einen Rektor, der sehr gut darin war, Kinder und Jugendliche im Gespräch unter vier bzw. sechs Augen zu "öffnen" oder bei Bedarf auch zu "knacken". Sie sprachen nach wenigen Minuten darüber, was eigentlich gerade in ihnen vorgeht, warum sie ein bestimmtes Verhalten an den Tag legten, etc. Daraus folgte meist, dass diese Kinder und Jugendlichen von sich aus ihr Verhalten reflektierten und formulierten, was sie in Zukunft anders tun sollten.


    Unser Beruf basiert natürlich auf Beziehungsarbeit mit den Schülern. Habt ihr konkrete Tipps für die Praxis, wie man im Umgang mit Schülern in Konfliktsituationen Einsichtigkeit und Selbstreflektion befördern kann?


    Vielen Dank im Voraus!

  • Keine Strafen, SuS ernst nehmen, Perspektiven aufzeigen, Wiedergutmachung vereinbaren, Gespräche im Nachhinein, wenn die Gemüter sich beruhigt haben, im Netzwerk arbeiten, Vertrauenspersonen mit ins Boot holen


    Das würde mir spontan einfallen...

  • Das Gespräch mit dem Rektor hat (bei unseren Schülern zumindest) per se eine andere Wertigkeit. Wenn man da hin "muss", zeigt man sich lieber einsichtig. Will deinem Rektor aber nicht seine besondere Fähigkeit absprechen.

  • Beziehungsarbeit ist das Wichtigste in unserem Beruf. Auch bei Kritik immer wertschätzend bleiben, nur die Sache kritisieren, nicht die Person. Wenn ein Schüler das Gefühl hat, das du ihn magst und wertschätzt, darfst du ihn auch kritisieren, ohne dass die Beziehung abbricht. Loben, wertschätzen, aber klare Grenzen zeigen - so kriegt man viele Störenfriede. Leider erfordert das auf Seiten der Lehrer ein hohes Maß an Selbstkompetenz und Reflexion, das kann auch nicht jeder.

  • Und erst muss man jemanden mehrfach wertschätzen, bevor man ihn kritisieren kann. Manche nennen das "aufs Konto einzahlen", ich denk mir, derjenige muss erstmal wissen, dass ich ihn als Person mag und nur sein Verhalten xy nicht.

    Achja, konkretes Verhalten ansprechen, niemals die Person als Ganzes. Bei jedem Schüler etwas finden, was man an ihm mag, sonst geht´s gar nicht. Den "Mögepunkt" auch im Hinterkopf beim Gespräch haben.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Schülern in Konfliktsituationen Einsichtigkeit und Selbstreflektion

    Stopp, IN konfliktsituationen wirst du niemals Einsicht und Selbstreflexion bewirken/erreichen.

    Da geht es erstmal nur um "Deeskalieren" und "Erden". Danach, später, whenever zum Gespräch bitten. Dann reflektieren. Und einen Plan, einen sehr konkreten, handlungsorientierten, für die nächste Eskalation gemeinsam erarbeiten. ZB "Ich gehe raus, ich zeige die rote Karte, damit ich nicht reden muss, ich zerknülle das Wutpapier..." - was halt passt. Gemeinsame Ziele festlegen, Kind ernst nehmen, Plan erstellen, daran denken, wöchentlich reflektieren, wenn´s auch nur kurz ist.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Man stößt Reflexion auch dann an, wenn man sehr deutlich zeigt, dass man bestimmte Verhaltensweisen unter keinen Umständen akzeptiert und Gespräche, die eskalieren, sofort beendet.


    Der eigentliche Lernprozess findet ja nicht im Gespräch selbst statt, sondern später, wenn der/diejenige sich selbst überlassen ist.


    Klare Ansagen und Rollenverteilung und konsequentes Reagieren auf Fehlverhalten ist ebenso wichtig wie "mögen". Ich kann nicht jeden mögen, und wer mich immer wieder anlügt und beschimpft, der hat halt irgendwann keinen Kredit mehr. Aber damit komme ich klar. Ich kann auch Leute unterrichten, die ich nicht mag.


    Ich glaube, das "Mögen" wird schwerer, je älter die Schülerinnen und Schüler sind. In der Grundschule hat man vermutlich noch mehr "Kindchenschema". Aber so ist das halt. Mögt ihr alle eure Kolleginnen und Kollegen? Da fragt keiner nach. Man muss damit klar kommen.

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