Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Hast du mal wirklich deine Arbeitszeit getrackt? Arbeitest du wirklich täglich mehr als 8 / 9 Stunden? Durchgehend?

    Ja und du willst nicht wissen auf was für Zeiten ich kam. Ich bin im Monat auf Zahlen gekommen, die ich hier gar nicht niederschreiben möchte, um keinen shit storm zu provozieren. Natürlich arbeite ich nicht durchgehend. Wie sollte das denn auch funktionieren? Es gibt Pausen, in denen ich nach meinem Kind schaue oder ihn abhole. Trotzdem ist es sicher kein toller Zustand um 19 Uhr 2 Stunden einzuschlafen und dann nochmal bis 2 Uhr ranzuglotzen, nachdem man das Kind ewig in der Kita lassen musste, weil man da schon die erste Schicht hatte.


    ei einem klassischen 40 Wochenstunden Bürojob hast du ja auch frühestens um 16.30 Uhr Schluss und bist dann vielleicht um 17 Uhr zu Hause.

    Das ist doch gar nicht vergleichbar. Die reine Bürozeit ist etwas ganz anderes als 15 Stunden vor der Klasse und zu Hause noch einmal zig Stunden zur Vorbereitung. Ich kann es nur mit meinem damaligen Job im Hort vergleichen. Ich kam nach Hause und da war Feierabend. Hier geht für mich die Arbeit erst los.

  • Aber im Alltag habe ich echt nicht das Gefühl, dass es sehr familienfreundlich ist. Ständig wechselnde Stundenpläne, Kitabedarf von 40 Stunden für eine halbe Stelle, regelmäßig Konferenzen, die die Kita-Öffnungszeiten sprengen, ...

    Also, das Gefühl habe ich im (BBS-)Alltag nicht. Die Stundenpläne wechseln allenfalls zum Halbjahr. Was den Kita-Bedarf angeht, so haben z. B. die in meinem vorherigen Beitrag genannten Kolleginnen ihre Kinder für 32 Stunden (wie gesagt: Bei Vollzeitstelle!) in der Kita bzw. im KiGa angemeldet, da unsere Stundenplaner*innen - und so weiß ich es auch von anderen BBSn, an denen Bekannte von mir arbeiten - es irgendwie immer hinbekommen, dass Kolleg*innen mit kleinen Kindern, die ihre Kids am frühen Nachmittag von der Betreuung abholen müssen, spätestens nach der 6. Stunde Unterrichtsschluss haben. Bzgl. der Zahl der Konferenzen und anderer Nachmittagstermine: Diese sind an mehreren mir bekannten BBSn in den letzten Jahren immer weniger geworden und z. T. auf Online-Meetings umgestellt worden, was natürlich denjenigen, die nachmittags ihre Kinder betreuen müssen, besonders zupass kommt.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Gartenfreundin-H20


    Alleinerziehend mit kleinen Kindern ist so ziemlich jeder Beruf herausfordernd. Entweder, weil er schlicht gar nicht im Homeoffice erledigbar ist und man damit noch viel länger an zwingende externe Betreuung der Kinder angewiesen ist oder weil es im Homeoffice, welches dann dennoch oft termingebundene Tätigkeiten mit sich bringt, die von dir zurecht beschriebenen Probleme der Ablenkbarkeit gibt.

    Gerade im Lehramt korrelieren unserer Abwesenheitszeiten von zu Hause i.d.R. äußerst gut mit den Zeiten möglicher externer Kinderbetreuung und die Homeoffice-Zeiten sind zeitlich sehr flexibel zu legen. Das kann dann eben auch bedeuten, nachmittags bewusst Zeit für die eigenen Kinder zu haben und dann abends am Schreibtisch zu sitzen. Es gibt kaum andere Berufe, in denen dies derart flexibel möglich ist.

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