Ungewollte Dienstunfähigkeit, Erstaunen und neue Einsicht

  • Hallo :gruss:

    Ich bin neu hier und würde mich über eure Einschätzungen freuen.


    Wegen zahlreicher körperlicher Gebrechen bin ich schon jahrelang nur noch teildienstfähig mit 50 Prozent. Das war so eine enorme Erleichterung. Seit diesem Zeitpunkt habe ich diesen Beruf, den ich sehr liebe, nicht mehr als Belastung angesehen und alles war gut.

    Private Umstände haben mich vor einem halben Jahr in eine psychische Krise getrieben. Ich wollte mich eigentlich nur 3 Wochen krank schreiben lassen, aber mein fürsorglicher Schulleiter und viele andere Personen, auch Ärzte, meinten, das wird länger dauern.

    Ich bin in Therapie gegangen und habe mit der Psychologin abgesprochen, dass ich nach den Sommerferien zurück kehren werde.

    Der erste Amtsarzt war von dieser Idee schon wenig begeistert, da es aber nicht sein Fachgebiet ist, musste ich zu einem psychiatrischen Amtsarzt.

    Dieser hat mir dann noch deutlicher gesagt, dass er mich wenn überhaupt, nach frühstens einem Jahr zurück kehren sehen wird. Er wolle mich dienstunfähig schreiben und das Land mich dann in den vorzeitigen Ruhestand versetzen lassen. Ich könne frühstens nach einem Jahr einen Antrag zur Reaktivierung stellen, er würde mir aber dringend empfehlen zumindest den Zeitraum abzuwarten bis das Land regulär eine erste Überprüfung startet (nach 2-3 Jahren).

    Zunächst war ich total konrta eingestellt, da ich ja eigentlich nach den Sommerferien zurück wollte, ich habe darauf bestanden, dass ins Gutachten mit übernommen wird, dass ich nach einem Jahr im Rahmen meiner Teildienstfähigkeit zurück kehren möchte.

    So und nun kommt der Sinneswandel :

    Ich merke, dass die außenstehenden Zweifler recht haben, es ist alles nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich zweifle mittlerweile auch sehr daran, dass ich von meiner psychischen Belastung her jemals wieder die Alte werden kann. Und zudem merke ich, dass nicht nur für meine Psyche, sondern auch für meinen Körper, das Weit Weg von der Schule einfach ein Jackpot ist.

    Finanziell ist es zwar ein ordentlicher Einschnitt, aber ich werde in der Dienstunfähigkeit klar kommen.

    Und nun meine Fragen, es erstaunt mich total, dass eine relativ junge Lehrkraft, die Bereitschaft zeigt, nach einem halben Jahr Krankheit wieder zurück zu kehren und das therapeutisch unterstützt wird, trotzdem regelrecht in die DU gedrängt wird. Woran könnte das liegen? Das Land hat doch nichts zu verschenken? Oder bin ich wegen meiner Teildienstfähigkeit eh schon ein zu großer Unsicherheitsfaktor?

    Und meine zweite und mittlerweile wichtigste Frage : Wenn sich mein Gefühl bewahrheitet und ich psychisch zwar stabiler aber eben nicht ganz gesund werde und das bei der regulären Wiedervorstellung beim Amtsarzt auch so erkläre, gibt es dann trotzdem noch eine nennenswerte Wahrscheinlichkeit, dass ich sozusagen gegen meinen Willen reaktiviert werde?

    Denn wenn nicht, würde ich therapeutisch demnächst auch damit beginnen, den frühzeitigen Ruhestand anzunehmen und perspektivisch überlegen, mit welchen sinnvollen ggf. ehrenamtlichen Tätigkeiten ich im Rahmen meiner Möglichkeiten mich noch nützlich machen könnte.

    Ich weiß, ihr alle habt keine Glaskugel, aber vielleicht gibt es ja Erfahrungen.

    Viele Grüße und vielen Dank

  • Ich könnte mir vorstellen, dass der "fürsorgliche Schulleiter" vor allem ein Interesse daran hat, einen neuen (gesunden) Vollzeitlehrer zu bekommen. Dies ginge nur, wenn deine Stelle nicht mehr blockiert wäre.....

  • Hallo Fridolina, ja das ist mir bewusst, aber ich kann es aus seiner Sicht auch verstehen, trotzdem ist unser Verhältnis tatsächlich gut und ich habe auch wirklich kein Problem damit.

  • Zu den Diagnosen möchte ich eigentlich im Detail, erst recht nicht hier öffentlich, nichts sagen. Falls das für die Einschätzung hilft: die Teildienstfähigkeit besteht alleine auf körperlichen Gebrechen, die aber leider zu hohen Fehlzeiten geführt haben. Eines dieser Gebrechen sorgt dafür, dass ich phasenweise einfach keine langen Schultage mehr durchstehe, deswegen hat die Amtsärztin damals auch angegeben, dass ich bewusst keinen freien Tag aber immer kurze Unterrichtstage bekommen soll. Was auch so umgesetzt wurde und meine Fehlzeiten reduziert hat.

    Das mit der Psyche ist völlig neu für mich.


    Aber meine Frage war ja, wie kann es sein, dass ich trotz ursprünglichem Wunsch direkt nach den Ferien wieder arbeiten zu können vom Amtsarzt (also dem Land) in die Dienstunfähigkeit geredet werde (dass es für meinen Schulleiter Vorteile hat ist mir klar, aber er hat es ja nicht zu entscheiden)? Und wie schätzt ihr die Wahrscheinlichkeit ein, dass ich später, wenn ich es nicht mehr wollen würde, trotzdem reaktiviert werde. Also sprich, so wie ich jetzt das Gefühl hatte, dass von Amtsarztseite alles viel schlimmer geredet wurde als es ist... Es in 3 Jahren genau umgekehrt sein könnte, dass ich noch Probleme habe, die aber klein geredet werden und ich gegen Willen reaktiviert werde.


    Nochmals vielen Dank für eure Einschätzung

  • genau umgekehrt sein könnte, dass ich noch Probleme habe, die aber klein geredet werden und ich gegen Willen reaktiviert werde.


    Nochmals vielen Dank für eure Einschätzung

    Ich verstehe das nicht...
    Ich übersetze, wie es (bei mir) ankommt:

    "Dass ich in ein paar Jahren wieder gesund genug bin zum Arbeiten, ich aber keine Lust darauf habe und man mich aber zwingen würde."

    Wäre es nicht dein Ziel, wieder gesund zu sein, so dass du wieder 50% deiner Tage arbeiten könntest? (und dann natürlich entsprechend arbeiten)

    Ich verstehe den Wunsch der Planung, aber ein Ehrenamt, das dir jetzt hilft, Struktur im Alltag zu haben und zu genesen, lässt sich auch reduzieren und als Hobby ausleben.

    Denn ja, das Risiko besteht natürlich bei Wiedervorstellung.

  • wie kann es sein, dass ich trotz ursprünglichem Wunsch direkt nach den Ferien wieder arbeiten zu können vom Amtsarzt (also dem Land) in die Dienstunfähigkeit geredet werde

    Abweichung von Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung. Ist doch jetzt nichts so ungewöhnliches...

    Haben wir bei den Schülern auch tagtäglich mit zu tun. Als Betroffener ist man oft zu nah dran, um eine objektive Perspektive einzunehmen.

    Und wie schätzt ihr die Wahrscheinlichkeit ein, dass ich später, wenn ich es nicht mehr wollen würde, trotzdem reaktiviert werde. Also sprich, so wie ich jetzt das Gefühl hatte, dass von Amtsarztseite alles viel schlimmer geredet wurde als es ist... Es in 3 Jahren genau umgekehrt sein könnte, dass ich noch Probleme habe, die aber klein geredet werden und ich gegen Willen reaktiviert werde.

    Keine Ahnung, aber ich verstehe das Problem nicht.

    Ich kann verstehen, dass man nicht DU eingestuft werden will. Ich kann auch verstehen, dass es Situationen gibt, wo man die DU nicht wieder aberkannt bekommen will. Wobei es mir schon schwerer fällt, das nachzuvollziehen.

    Aber wie beides zusammen geht, ist mir ehrlich gesagt etwas schleierhaft. "Ich will es nicht haben, aber wenn dann für immer"? Das macht für mich wenig Sinn.

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