Vor einem halben Jahr ging ich noch mit Handschuhen einkaufen und achtete bewusst auf Abstände. Zudem achtete ich sehr auf Desinfektion und das ganze Zeug in der Zeit rund um den Lockdown. Schnell wurde mir klar, dass ich mich durch die gesellschaftliche Stimmung beeinflussen ließ und dass manche Aspekte übertrieben waren, wodurch ich sie danach stetig reduzierte.
Ich vermute, dass viele lange mit der falschen Vorstellung lebten, dass das Leben per se 100% sicher sei - und da brachte Corona das Weltbild ins Wanken. Risiken und Unsicherheiten gibt es aber an vielen Orten und sind stetige Begleiter unseres Lebens. Es gibt Leute, die damit gar nicht umgehen können und sich ihr ganzes Leben durch ihre Ängste diktieren lassen. Ich versuche, das zu vermeiden so gut wie es geht. Vor einem halben Jahr hatte ich einen Autofall. Die Zeit darauf fuhr ich recht vorsichtig, aber in der Zwischenzeit wieder recht normal - wenngleich ich auf waghalsige Überholmanöver eher verzichte
. Jedes Jahr gibt es eine neue Krankheit, Grippe oder Pest. Es gibt Herzinfakte, Krebs oder Gehirntumore. Frauen dürften nicht mehr schwanger werden, da es ein Restrisiko gibt, dass man bei der Geburt sterben kann. Es gibt Mütter, die ihr Kind auf Schritt und Tritt bewachen, aus Angst, es könnte etwas passieren und sie wären nicht dabei. Gerade in der Arbeit mit Kindern kann man sich immer an irgendeinem Mist, der gerade herumgeht, anstecken. Es gibt Leute, die nicht in der Nacht vor die Tür gehen, aus Angst, dass der maskierte Mörder wieder herumläuft.
Man muss nicht leichtsinnig sein und auch mein Alltagsverhalten ist nicht besonders riskant. Aber ich bin bemüht, mein Leben so frei wie möglich von Ängsten zu leben - und das bedeutet, dass ich auch keine Angst vor Corona habe. Wenn ich es bekommen sollte, dann ist das halt so - ich werde es überleben.