Droht der Kollaps ab 2035?

  • An sich ist ein Überschuss an Absolventen für die Länder ja durchweg von Vorteil. In vielen Mangelfächern wird schlicht jeder genommen, egal wie gut er ist. Wenn der Staat also zu viele Lehrer ausbildet, dann kann er sich die Besten aussuchen und die Qualität des Unterrichts steigt (vorausgesetzt, dass die Noten ein guter Indikator dafür sind, wie gut jemand als Lehrer arbeitet).

    Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen. (Robert Frost)

    Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen. (Günther Jauch)

    Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt? (Ernst R. Hauschka)




  • Ich erinnere mich auch daran und je nach Seminar haben zwei Drittel bis vier fünftel angegeben Deutsch und Geschichte oder Deutsch und Englisch zu studieren.

    Dann können sie im Anschluss die Grundschulen bevölkern.


    NDS hat derzeit eine Vorgabe, dass man D oder Ma studieren muss, dazu 1 anderes Fach.

    Das hat den Vorteil, dass die Lehrkräfte, die alle als Klassenlehrer mindestens eines der Fächer unterrichten werden, darin ausgebildet sind,

    es hat den Nachteil, dass man mit nur einem weiteren Fach begrenzt ist und die Nebenfächer schlecht besetzen kann. Dann hat man an kleinen Schulen nicht für jedes Fach eine Lehrkraft, die dies auch studiert hat.

  • Ich finde ja, dass das größte Problem im LehramtsStudium ist, dass die Abschlüsse nicht für andere Bereiche „gelten“. Ich bin z.B. Diplom Handelslehrerin (Univ:victory:) und habe damit auch einen in der Wirtschaft anerkannten Abschluss. Irgendwie müsste man es schaffen, dass die Lehramtsstudiengänge am Ende wenigstens einen Bachelor in irgendeinem anerkannten Fach entsprechen. Und eben mehr Durchlässigkeit zwischen dem Fachstudium und dem Lehramt.


    Naja und halt die NCs... mein Mann hat vor paar Jahren mal geschaut, ob er vielleicht doch noch mal GS Lehramt studiert. Der NC war knackig. Wie kann das sein, wenn doch dringend mehr gebraucht werden?

    Knackiger NC? Kann vlt. an einer besonders beliebten Hochschule liegen. Ich habe gerade einmal nachgeschaut, wo der NC für Grundschullehramt an meiner damaligen Uni liegt: Der war mehrere Semester bei 2,0-2,5 - hoch ist es etwas Anderes. Vor allem nehme ich mal an, dass dein Mann nicht mehr 20 ist und dadurch bereits einige Wartesemester hätte, die ihm zu gute kämen.


    Zum Erstgenannten: Ob man jetzt einen Abschluss Haupt- und Realschullehramt mit Fächern Deutsch und Englisch hat oder einen Abschluss Bachelor Germanistik/Anglistik hat, spielt keine Rolle. In den Lehramtsbereichen, in denen es einen Überschuss gibt, sieht es auch mit den Bachelorpendants nicht anders aus. Im Grunde sind in der außerschulischen Praxis nur wenige Sachen aus der Berufsschule und dem MINT-Bereich der Gymnasien verwertbar.

  • Der war mehrere Semester bei 2,0-2,5 - hoch ist es etwas Anderes.

    Vielleicht mittlerweile nicht mehr.
    Als ich Abi gemacht habe (2007), waren es von rund 140 Absolventen nur eine Handvoll, die eine 1 vor dem Komma hatte. Die Inflation der Noten in den letzten Jahren ist natürlich immens.

  • Die Werte, die ich fand, waren noch bevor Hessen beschloss, die Aufnahmezahlen für Grund- und Förderschullehramt zu verdoppeln. Ich gehe stark davon aus, dass die Werte eher sanken als stiegen in der Zwischenzeit.

  • Die Frage ist doch auch, warum denn der ländliche Raum so unattraktiv ist.

    Was ich als Dorfkind aus Brandenburg kenne ist für mich aber schon Grund genug mich eher in die Nähe einer Stadt zu begeben:


    Kein anständiges Internet, minimal verkehrender ÖPNV (und dann teilweise mit 1-2h Fahrtzeit), wenig Möglichkeiten grundlegende Besorgungen zu machen (meine Familie musste immer mindestens 30km zum Supermarkt fahren), schlechte ärztliche Versorgung, kaum Sport- oder Kulturangebote etc.

    Wenn dann noch die braune Soße dazu kommt, hat man schon keinen Bock mehr da zu leben.


    Hinzu kommt dann die Frage nach der Attraktivität unseres Berufes. Einerseits verdienen wir nicht schlecht, sind aber auf der anderen Seite der Arsch der Nation. Mehrbelastung im Beruf durch irrsinnige Säue die mal wieder durchs Dorf getrieben werden nicht zu vergessen. Große Klassen (wir haben hier an meiner Schule im Schnitt auch in den Oberstufenkursen 25 Aufwärts), teilweise desolate Ausstattung und weite Fahrwege (80-90km eine Tour) sind dann die nächsten Übel.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Es gibt nicht nur Kuhkaff und Millionenmetropole, sondern noch viel dazwischen. Davon abgesehen gibt es in einigen Großstädte teils übelste Zustände, ob in Bremerhaven, Offenbach am Main, Duisburg, Berlin oder Gelsenkirchen. Vlt. gibt es auch Großstädte mit hoher Lebensqualität (München und Stuttgart vlt.?), aber mancherorts hat es sich in den letzten Jahren sehr zum Negativen verändert.

  • Ich wäre sofort für einen NC für gewisse Fächerkombinationen bzw. Schulformen. Da ich selbst aus Bayern bin und den Beginn des NC für Lehramt an Grundschulen live miterlebt habe. Als ich 2013 Abitur gemacht habe, wurde ganz stark vor Lehramt an Grundschulen in Bayern gewarnt, braucht keiner, nach der Lehrerbedarfsprognose damals. Damals hat es auch angefangen, dass auf einmal ein NC auf Lehramt an Grundschulen war. Ein paar Jahre später: Hilfe, wo sind Lehrer für Grundschulen? (Natürlich auch wegen der Flüchtlingskrise 2015, aber auch ohne sie, wäre es dazu gekommen).


    Noch eine Anmerkung: Bei uns herrscht für Lehramt an Gymnasien kein NC, außer vielleicht an der LMU.


    Besonders für Lehramt an Gymnasien wäre ein sehr hoher NC notwendig, außer natürlich für Mathematik/Physik, Mathematik/Informatik etc.

  • Es gibt nicht nur Kuhkaff und Millionenmetropole, sondern noch viel dazwischen. Davon abgesehen gibt es in einigen Großstädte teils übelste Zustände

    Ja,

    und es gibt Kuhkaff MIT schwierigen Zuständen

    und Großstadt MIT bestausgestattetster Schule mit wohlerzogenen SchülerInnen.


    Aber das Problem bleibt:

    A Es gibt Lehrkräfte, die wünschen sich EINEN Schulstandort EINER bestimmten Schulform in BESTER Lage mit BESTER Ausstattung und wohlerzogenen SchülerInnen für die Fächer ihrer Wahl.


    B Und: Es gibt Schulen, die wünschen sich überhaupt Personal und sind inzwischen froh, um jeden, der ins Team kommt und ein paar Stunden übernimmt, weil "kein Unterricht" keine Option ist, aber seit Jahren die Versorgung so schlecht ist, dass man den Unterricht nur mit Mühe abdecken kann und die Schule nur mit Mühe leiten kann, weil jedeR im kleinen Team als Stammlehrkraft so viele zusätzliche Aufgaben übernehmen muss, dass es nicht machbar ist.

    Offenbar gibt es nicht gut Menschen, die gerne unter diesen Bedingungen, zusätzlich zu den allgemeinen Bedingungen, die jeder tragen muss, Lehrkraft sein möchte.


    Da kann man nun warten, bis unter A genug Leute übrig bleiben, die bereit sind, B in Kauf zu nehmen, weil zumindest der Standort stimmt ...

    oder man überlegt sich etwas anderes, das Standort B attraktiver macht, weil man mehr Geld, weniger Unterrichtsstunden, mehr zusätzliches Personal oder anderes einsetzt.

    Das kostet aber mehr Geld, als Hilfskräfte mit prekären Verträgen in die Klassen zu stellen.

  • Es gibt nicht nur Kuhkaff und Millionenmetropole, sondern noch viel dazwischen. Davon abgesehen gibt es in einigen Großstädte teils übelste Zustände, ob in Bremerhaven, Offenbach am Main, Duisburg, Berlin oder Gelsenkirchen. Vlt. gibt es auch Großstädte mit hoher Lebensqualität (München und Stuttgart vlt.?), aber mancherorts hat es sich in den letzten Jahren sehr zum Negativen verändert.

    Stimmt hier gibt es Kuhkaff (30-200 Einwohner), größeres Kaff (bis 400 Einwohner), Kleinstadt (4000-25000) und noch „Großstadt“ (Potsdam hat 180.000).


    Rathenow/Jüterbog/ Ludwigsfelde/ luckenwalde/ Trebbin/ zossen/ friesack/ Nauen etc haben alle Stadtrecht. Sind trotzdem kuhkäffer wo jeder irgendwie jeden kennt.


    Luckenwalde zb ist übel: Sozialwohnungsstadt.


    Rathenow/Premnitz: kaum Arbeitsplätze.


    Jüterbog: brauner Bürgermeister/Altes Lager gehört zu den asozialisten Gegenden Deutschlands (Hartz und herzlich wurde zb hier gedreht).



    Einzige Millionenstadt in Brandenburg: Berlin, ach ne.

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  • Stichwort "Millionenstadt in Brandenburg - Berlin"...... Ich weiß, das Lied ist vielleicht schon fast nicht mehr witzig.



    Kl.gr.Frosch


    P.S.: planmäßig fahre ich im nächsten Sommer den Oder-Neiße-Radweg. Wenn ich durch Schwedt komme, suche ich das Autohaus.

    Man sollte darauf achten, seinen Kindern den richtigen Glauben zu vermitteln. ... Den an sich selbst.
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    "Angst ist ein unfähiger Lehrer." Jean-Luc Picard

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    "Urteile nie über einen Moderator dieses Forums, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist." (frei nach Firelilly)

  • Stimmt hier gibt es Kuhkaff (30-200 Einwohner), größeres Kaff (bis 400 Einwohner), Kleinstadt (4000-25000) und noch „Großstadt“ (Potsdam hat 180.000).

    ...

    Du hast in deiner Aufzählung wohl einiges vergessen:

    Das Land Brandenburg hat z.B. auch die Stadt Brandenburg (wunderschön), Cottbus (Branitz ist genial), Frankfurt, Oranienburg (muss man gesehen haben), Eberswalde (sehr schöne Gegend), Neuruppin, Königs Wusterhausen, Fürstenwalde (alle einen Besuch wert) ...

    Ich zähle nur die auf, die ich schön besucht habe. Diese Orte als Kuhkaff zu bezeichnen ist deine Meinung. Ich sehe das nicht so.

    Das gilt z.B. auch für Rathenow und ein paar andere der von dir genannten Orte.


    Nebenbei: Der Bürgermeister von Jüterbog ist AfD-nah, was bedenklich ist. Dennoch wurde er ein zweites Mal gewählt.

    Dafür gibt es aber einen Grund. Alle sogenannten "großen" Parteien haben in dieser Gegend hoffnungslos versagt. Die Gegend um Jüterbog und vor allem die Prignitz wurden von Potsdam zu den "Armenhäusern" Deutschlands gemacht. Dort wurde massenhaft platt gemacht. Keinerlei Hilfe, kaum Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

    Dann werden merkwürdige Bürgervereinigungen und eben auch ein Pateiloser, der die AfD mag, die Kanzlerin aber überhaupt nicht mag, gewählt.


    Was die Bildung betrifft wurde in Brandenburg einiges falsch gemacht. Da gebe ich dir recht.

    Der ehemals geplante Zusammenschluss mit Berlin wäre aber eine noch größere Katastrophe für Brandenburg geworden. 62 %-Nein-Stimmen in Brandenburg gegen die Fusion waren eindeutig.

    Und es klingt so, als würdest du gern in Berlin wohnen. Glaube mir, deren Probleme möchtest du nicht haben.

    Ich habe mehrere Verwandte und Freunde in Berlin (mit schulpflichtigen Kindern), die neidig auf die Bildung anderer Bundesländer schauen.

  • Cottbus: Probleme mit rechten Strukturen und zwar massiv. Jüterbog ist eine der Städte die seit langer Zeit stark rechts orientiert ist. Reichsbürger usw.

    KW: Hat ein paar schöne Ecken, ist aber auch sehr ländlich geprägt. Zum Urlaub machen sind viele Städte hier durchaus schön. Keine Frage.


    Wir reden hier aber vom Leben.

    Rathenow, Brandenburg, KW sind u.a. Städte, in denen ich schon gelebt habe. Brandenburg ist da noch raus was das kuhkaff angeht.

    Rathenow nicht. Die Stadt ist seit der Buga am absterben weil mit dem komplett Umbau der Innenstadt viele Geschäfte pleite gegangen sind.

    Der liebe Jüterbog Bürgermeister ist nicht nur AfD-Freund sondern hat schon in so einige rechte Horne geblasen. Was er und seine konsorten auf den Volksfesten schon vom Stapel gelassen haben an stammtischparolen reicht da schon über AfD Niveau kaum heraus.


    In Berlin hab ich schon mal zwangsweise gewohnt und gearbeitet. Muss nicht nochmal sein.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Kapa: Wirst schon deine Erfahrungen gemacht haben, die will ich gar nicht abstreiten. Luckenwalde sagt mir nichts, aber auf Google Maps fand ich dort recht viele Einfamilienhaussiedlungen, da hätte ich mit mehr Plattenbau/Hochhäusern deiner Beschreibung nach gerechnet. Beim genaueren Überlegen fielen mir auch sowas wie Bitterfeld-Wolfen oder Zeitz als Beispiele für Städte, die ihre besten Zeiten hinter sich haben.

    Da der Vergleich Berlin/Brandenburg ein bisschen auf kam: Es gibt sicher Berlin-Anhänger und welche, die alles, wofür Berlin steht, schrecklich finden und gerne auf Brandenburg ausweichen ;) .

  • Wenn überall so einer Mangel herrsche, was ist denn dann mit den Scharen an Lehramtsstudenten an den Universitäten? Ich erinnere mich an so einige volle Seminare und Vorlesungen und es gab eine Zeit, da hatte ich das Gefühl, dass jeder Zweite Lehramt studiert - von "Lehramt? Um Gottes Willen, bloß nicht!" war da auffallend selten die Rede.

    Du übersiehst sowohl, dass man in Lehramtsstudiengängen naturgemäß in Kursen sitzt, die ausschließlich oder zumindest in hohem Maß von anderen Lehramtsstudierenden besucht werden, als auch, dass von den Studienanfängern z.B. im Bereich des Grundschullehramts nur etwa 40% am Ende das Studium und Ref auch abschließen und im Schuldienst landen.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich würde auch nicht von Lehrermangel sprechen und das bald alles den Bach heruntergeht.


    In den Medien wird immer von "Lehrermangel" geredet, was dann so aufgenommen wird, als ob es zu wenig Lehrer*innen geben würde. In meinem Bekanntenkreis sind mehrere LuL mit einem Gymnasiumabschluss, die entweder keinen Job haben oder sich von Vertretungsstelle zu Vertretungsstelle hangeln. Alle zwischen 28-35 Jahre alt. Der Grund: Es gibt keine freien Stellen.


    Würde die Regierung freie Stellen schaffen, fänden meine Bekannten alle eine Stelle und alle waren froh.

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