Beiträge von Midnatsol

    Wie geht ihr eigentlich damit um in die Schule zu müssen?


    Seid ihr gelassen? Seid ihr wütend?

    Habt ihr Angst?

    Ich fühle mich hilflos den willkürlichen Entscheidungen „von oben“ (bislang: Des Ministeriums für Bildung und Erziehung, demnächst dann vllt. denen des Bundes) ausgeliefert. In ruhigen Momenten (z.B. beim Weg vom Parkplatz zum Gebäude, in Pausen) habe ich Befürchtungen, dass meine Gesundheit und die meiner Angehörigen mutwillig gefährdet werden. Während des Unterrichtsgeschehens kommen solche Gedanken anlassbezogen auch auf, z.B. wenn ich SchülerInnen auffordern muss, die Masken vernünftig aufzusetzen, in einen ungelüfteten, von einer Stunde Unterricht ungelüfteten Raum komme, oder ich plötzlich von einer Traube FünftklässlerInnen umgeben bin. Manchmal, wenn einzelne SchülerInnen sich wiederholt nicht an Regeln halten („Erna, ich sage es jetzt noch ein Mal: Die Maske muss auch deine Nase bedecken. Sehe ich letztere in dieser Stunde noch einmal, muss ich dich des Raumes verweisen.“), bin ich wütend - teilweise auf diese SchülerInnen (wenn ich den Eindruck habe, dass sie bewusst handeln), aber auch oft auf die PolitikerInnen, die sich einreden, dass alle Menschen vernünftig seien und postulieren, Schulen seien „sichere Orte“, gleichzeitig selbst aber keine BesucherInnen im Parlament empfangen, per Videokonferenz oder mindestens mit gesicherten Abständen tagen, etc.

    Aktuell tröstet mich nur, dass meine Stadt schon vor den Ferien signalisiert hat, dass sie die Schulen schließen würde, wenn das Ministerium nicht dagegen vorgehen würde, und ich mir sicher bin, dass die Inzidenz von 200 gerissen werden wird, bevor das Bundesgesetz durchkommt. Danke, liebe Bürger meiner Schulstadt, dass ihr so freundlich seid, die Inzidenz so hochzutreiben, dass ich hoffen darf, mit Distanzunterricht geschützt zu werden.

    Die Diskussion, die jetzt läuft, finde ich im Gegensatz zu der von gestern (sind Frauen selbst Schuld, wenn sie wegen einer potenziellen Schwangerschaft nicht eingestellt werden?) konstruktiv: Wir nehmen das Faktum, dass Frauen bedingt durch die Schwangerschaft und Geburt mit hoher Wahrscheinlichkeit, und junge Eltern bedingt durch Elternzeit wahrscheinlich einige Zeit beruflich kürzer treten, zur Kenntnis und überlegen, wie man das System verbessern kann, sodass es hierdurch nicht in Schieflage gerät. Das ist schonmal ein ganz anderer Ansatz als zu sagen "Das System gerät in Schwierigkeiten, deshalb ist es verwerflich, als junger (weiblicher) Mensch Ausbildungs- und Arbeitsstellen zu besetzen und dann die Arbeitskraft nicht voll zur Verfügung zu stellen."


    Im Lehramt muss hierfür ganz klar eine entsprechend große Vertretungsreserve her. Ggf. wäre diese sogar (teilweise) über Planstellen im Sinne des Modells von Fallen Angel realisierbar. Da der Bedarf an Stellen und die Anzahl an Stellen, die mit jungen Lehrkräften besetzt werden, doch sehr gut prognostizierbar sind, sollte es ein Leichtes sein, den Vertretungspool entsprechend zu gestalten.


    Grundsätzlich halte ich auch die Einrichtung von betrieblichen Angeboten zur Kinderbetreuung für vielversprechend, gerade in mittelständischen Unternehmen. Wäre das Kind verlässlich während der Arbeitszeit versorgt, könnten die Eltern mehr und flexibler arbeiten. Natürlich kann ein Unternehmen mit zwei MitarbeiterInnen keine Kinderbetreuungsfachkraft anstellen, ein Krankenhaus hingegen könnte das z.B. durchaus. Die Frage ist, was es dem AG wert ist, dem AN die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Ist es ihm nichts wert, hat er aber eben auch kein Recht, sich zu beklagen, dass mitunter teuer ausgebildete Fachkräfte ausfallen.

    Wenn du selbst sagst, es würde dich nicht eklatant belasten, wenn die Schwangerschaft abginge und es schon einige Leute wüssten, würde ich es an deiner Stelle wohl bestmöglich der SL mitteilen - ggf. mit genau diesem Vermerk: Zu normalen Zeiten hättest du mit der Benachrichtigung noch gewartet wegen der erhöhten Gefahr des Verlustes in den ersten Wochen; doch da die Situation momentan ist, wie sie ist, und du natürlich kein gesteigertes gesundheitliches Risiko eingehen möchtest, teilst möchtest du ihn/ sie (die SL) schon jetzt informieren; wenn möglich, wäre es in deinem Sinne, wenn die Nachricht noch nicht ans Kollegium weitergegeben würde, sondern du die KuK nach der "üblichen" Frist selbst informieren möchtest.


    Das finde ich ganz transparent und die SL dürfte deine Beweggründe gut nachvollziehen und hoffentlich entsprechend reagieren können.

    Und du verurteilst den rational handelnden Arbeitgeber.

    Eine Stelle zuzusagen, die man gar nicht antreten bzw. wie vereinbart ausfüllen will, ist moralisch nicht in Ordnung. Nachvollziehbar ist das Handeln im Prinzip, könnte ich aber mit meinem Gewissen und meinem Anspruch an Ehrlichkeit nicht vereinbaren.

    Wenn andere das können, muss ich das sicher nicht gut finden.

    Das Problem ist, dass du beim Arbeitgeber (zweck-)rationales Handeln mit legitimem Verhalten gleichsetzt. "Legitim" kann hier nur "moralisch" legitim bedeuten, denn dass es gesetzlich verboten ist, die Frage nach der Familienplanung zu stellen bzw. diese als Kriterium für die (Nicht-) Einstellung heranzuziehen, ist hinlänglich bekannt. Aber rationales Verhalten ist eben nicht automatisch moralisch legitim, das bedarf der Begründung. Du musst also begründen, weshalb es moralisch legitim wäre, Frauen eine Arbeitsstelle (oder wie weiter oben auch zu lesen war: Beförderung) zu verwehren, weil die Möglichkeit besteht, dass sie schwanger sein oder werden könnten.

    Letzteres ist ein biologisches Faktum und eine biologische Notwendigkeit zur Sicherung der Nachkommenschaft. Dafür eine Stelle verwehrt zu bekommen, ist nichts anderes als eine Diskriminierung. Sich hiergegen zu wehren, ist nicht nur rechtlich legitim, sondern auch moralisch. Dafür kann dann auch das ohnehin kaum durchzuhaltende Gebot der absoluten Ehrlichkeit gebrochen werden. Das Gut der (Chancen-) Gleichheit wiegt hier meiner Ansicht nach deutlich höher. Dass das nicht nur meine Privatmeinung ist, sieht man daran, dass der Gesetzgeber dem ebenfalls folgt.

    Und das tut sie mit Recht und völlig zu Recht, wenn zu befürchten steht, dass sie ansonsten (da sie für das "wichtige Projekt" nicht zur Verfügung stünde) wegen ihrer Schwangerschaft die Stelle nicht erhalten würde - ergo: Wegen ihrer Schwangerschaft diskriminiert würde. Das ist verboten und es ist ihr (gutes!) Recht, sich gegen diese Diskriminierung zu wehren - eben indem sie a) schweigt, oder b) lügt.


    Zu sagen "Frauen sind selbst Schuld, wenn sie wegen ihrer potenziellen Gebährfähigkeit diskriminiert werden, weil sie es wagen, sich gegen die Diskriminierung von Frauen wegen deren potenzieller Gebährfähigkeit zu wehren" ist schon wirklich.... :uebel:

    Ich habe noch nie jemanden - egal ob Kollegin oder Kollege - darüber reden hören, nach welcher Zeit ein/e Kolleg/in mit welchem Stundenumfang zurückkommt.

    Von KollegInnen habe ich das auch noch nie gehört. Aber ich hatte eine ganz unangenehme Konversation mit Schulleitung und Chefsekretärin. Ich wollte etwas von letzterer, die Tür stand offen und die beiden lästerten gerade über eine unterhälftig arbeitende Kollegin, die eben diese unterhälftige Teilzeit gerade verlängert hatte (so ich das richtig verstanden habe). Als sie merkten, dass ich in der Tür stand, wurde ich dann eingebunden, bzw. man versuchte zu rechtfertigen, dass das wirklich eine beklagenswerte Lage sei: Es sei ja für die Schule eine Zumutung, wenn dauerhaft unterhälftig gearbeitet würde, da könne ja keine verlässliche Unterrichtsverteilung erfolgen, die Stelle müsse freigehalten werden, es gäbe nicht ausreichend Vertretungslehrkräfte, dadurch würden dann andere (Vollzeit-) Kolleginnen wie ich noch mehr belastet, die Kolleginnen sollten sich daher mal überlegen, was sie da anrichten. Die Sekretärin hätte doch auch nach nicht ganz einem Jahr wieder voll gearbeitet, ohne reichen Ehemann, das sei also irgendwie machbar und die Mütter heutzutage würden sich so anstellen.


    Ich fand das unglaublich daneben. Es ist das Recht der KollegInnen, (auch länger als ein Jahr) Elternzeit zu nehmen, in dieser auch unterhälftig zu arbeiten, und wenn das im System Probleme verursacht, hat man das nicht den KollegInnen vorzuwerfen, die ihr Recht in Anspruch nehmen, sondern dem System. Das habe ich auch so artikuliert.


    Es war mir unheimlich unangenehm mitzubekommen, wie da hinter (nicht...) verschlossenen Türen auf der Leitungsebene gelästert wird.


    Eines aber muss ich aber doch der Schulleitung zugute halten: In den letzten Jahren wurden bei uns viele junge Kolleginnen eingestellt, und einige davon sind mittlerweile auch schwanger geworden. Alle haben von keinerlei Einflussversuchen oder ähnlich abfälligen Kommentaren berichtet, wie ich sie da mitbekommen habe. Gegenüber den (werdenden) Müttern selbst scheint die Schulleitung professionell zu agieren.

    Sechstklässler führen ein Rollenspiel vorne auf, einer springt als Teil desselben aus der Hocke auf - und haut von unten mit dem Kopf gegen die Tafel, die ein anderer Mitschüler gerade als Teil der Szenerie aufklappt. Der Schüler hat eine heftig blutende Platzwunde, ihm wird schwindelig, er kippt fast um (Mitschüler stützen ihn/ fangen ihn auf), drei MitschülerInnen fangen aus Angst an zu heulen, der Rest der Klasse stürzt nach vorne, um bloß alles zu sehen. Boah war das ein Horror.


    Emotional richtig mitgenommen hat mich eine andere Szene, die aber nicht direkt ein Unterrichtserlebnis war, sondern auf dem Pausenhof geschah. Das erzähle ich dann mal wann anders, wenn es passt.

    Nach Düren und Dortmund hat das Ministerium nun auch der Stadt Duisburg die geplante Schließung der Schulen aufgrund einer seit einer Woche über 100 liegenden Inzidenz untersagt. Siehe hier.

    Mal schauen, welche Städte und Kreise als nächstes folgen und wie lange das Ministerium diese unerträgliche Totalverweigerung gegen jede Vernunft noch beibehält.

    Für mich sind Merkmale eines schlechten Stundenplans:


    - Mehr als 2x Nachmittagsunterricht (3x habe ich aber leider fast immer)

    - Mehr als 2 Hohlstunden an einem Tag

    - Keine Hohlstunden an einem Tag mit Nachmittagsunterricht, wenn ich ab der 1. Std. unterrichte (also z.B. 1.-10. Stunde, ohne Freistunde)

    - Sechs Stunden durchgängig mit Aufsicht in beiden großen Pausen

    - Unterricht am Freitag nach der 6. Stunde

    - "Der kurze Tag" (wenn es einen gibt) am Konferenztag

    - Gebäudewechsel innerhalb der 5-Minuten-Pause (ist halt nicht zu schaffen, bedeutet entsprechend jedes Mal Stress und Verlust von Unterrichtszeit)

    - Wenn ich eine Klasse Mo, Di und Fr sehe, weil wir Mo und Fr keine Hausaufgaben aufgeben dürfen (Nachmittagsunterricht bzw. Wochenende), sodass ich nur dienstags HA geben darf, dann aber bitte nur ca.20 Minuten pro Fach...)

    - Wenn ich meine eigene Klasse (Klassenleitung) nur Mo/Di sehe: Es kommt dann erfahrungsgemäß grundsätzlich immer dienstagsnachmittags die Bitte, in dieser Woche noch gaaaaanz dringend X und Y auszuteilen/einzusammeln/zu besprechen/... und ich renne jedes Mal los, um irgendeinen Kollegen zu finden, der das übernimmt.


    Je mehr davon zusammenkommt, desto schlechter der Plan.


    Nein, liebe Stundenplaner, ich erwarte nicht, dass ihr das alles im Blick habt. :sterne:

    Weil die Masken bei medizinischem Personal vom Arbeitgeber gestellt und nicht vom privaten Geld der Angestellten gekauft werden.

    Ich wäre unter denselben Bedingungen absolut dafür!!

    Die Aussage des Gesundheitsamtes ist nicht verständlich. Es ist völlig egal, wo du eine Hochrisikobegegnung hattest. Fakt ist, dass man sich in diesem Fall testen lassen und bis zum Testergebnis isolieren sollte. Schließlich kann ich mich an Ort X infizieren und das Virus an Ort Y an andere Personen weitergeben. Ansonsten wäre diese Pandemie nie aus Wuhan heraus gekommen.


    Womöglich hat das Gesundheitsamt deine Anfrage missverstanden und dachte, du hättest Angst jetzt in die Schule zu gehen, weil du befürchtest dort ein hohes Risiko zu haben dich anzustecken, und haben dich daher darauf hingewiesen, dass du die Begegnung auch anderswo gehabt haben könntest. Oder die MitarbeiterInnen des Gesundheitsamtes vor Ort sind heillos überarbeitet und überfordert und verlieren daher die Möglichkeit, sinnvoll Auskunft zu geben.


    Ich würde entweder selbst die Dinge in die Hand nehmen, mich an meinen Arzt des Vertrauens wenden und testen sowie bis zum Testergebnis krankschreiben lassen. Oder zumindest die Schulleitung informieren, deine Bedenken schildern und ihr genau dieses Vorgehen vorschlagen.

    Bei uns läuft es genau wie bei panthasan. Es ist zum Mäusemelken. Niemand geht in Quarantäne, und zugleich nehmen die Corona-Fälle in der Stadt und an der Schule immer weiter zu. 7-Tages-Inzidenz lag als ich zuletzt schaute bei über 280, ein absoluter Hotspot. Aber Kontaktnachverfolgungen oder gar Quarantänen sind offener an Schulen nicht vorgesehen.:angst:

    Lehrer = Freiwild halte ich für eine absolut übertriebene Polemik. Allerdings finde ich schon, dass der Dienstherr sehr (!) wenig zu unserem Schutz tut. Das einzige Instrumentarium, das er bei uns erlassen hat, ist die Maskenpflicht im Unterricht. Außerdem hat er gesagt "kümmert Euch um ein Hygienekonzept" - nein, sorry, Fürsorgepflicht ist anders: Das ist, wenn sich Experten um die Erstellung und Umsetzung eines Hygienekonzepts kümmern, nicht LuL.


    Vom Dienstherrn kam nichts, was uns wirksam schützen würde. Wir haben pro Person zwei Baumwollmasken erhalten, die aber ja bekanntlich andere, nicht einen selbst schützen. Wenn ich eine Maske tragen möchte, die mich schützt (FFP2 oder FFP3), muss ich sie selbst kaufen. Geräte um die Luft in Klassenzimmern von Aerosolen zu säubern gibt's nicht, stattdessen sollen wir alle 20 Minuten 5 Minuten lüften (allerdings geht leider Stoßlüften nur sehr begrenzt: Durchzug geht gar nicht, da Fenster nur an einer Klassenraumseite, und nur 30% davon kann man richtig öffnen, also nicht nur kippen. In anderen Schulen geht das offenbar noch viel schlechter, wie man den Medien entnehmen kann). Desinfektionsmittel kann sich der Schulträger nicht leisten, das mischen unsere Chemiekollegen zusammen. Reduzierte Gruppen gibt es auch nicht (im Gegensatz zu jeder Behörde, wo eine Höchstanzahl von Personen entsprechend der Raumgröße vorgeschrieben wird). Und wenn ich in den Distanzunterricht gehen muss, dann mache ich das mit meinem Privatgerät (mal schauen, wann es sich ändert und ob die Geräte dann auch tauglich sind um damit zu arbeiten).


    Also: "Freiwild?" Nein. Aber ich fühle mich vom Dienstherrn allein gelassen mit den durch die Pandemie aufkommenden Problemen in der Schule.

    1) Wie ist bei euch geplant bei Wechselunterricht zu verfahren?

    Geplant ist weiterhin Präsenzunterricht, in weitere Planungen ist das Kollegium nicht eingebunden, das macht die Schulleitungsrunde. Wir sollen aber übernächste Woche auf der LK darüber unterrichtet werden.


    2) Welche Form haltet ihr für besser und warum?

    Ich persönlich präferiere eine dritte Alternative: Stundenweiser Wechsel, also: Bei einem regulären Schultag von 6 Stunden kommt Teil A der Klasse in den Stunden 1-3, Teil B in den Stunden 4-6. In beiden Blöcken findet derselben Unterricht statt, also z.B. 1. Std. Mathe, 2. Stunde Englisch, 3. Stunde Bio (= für Teil A). Desinfektionspause. 4. Std. Mathe, 5.Std. Englisch, 6. Std. Bio (= für Teil B). Wenn es für die Stundenplanung leichter sein sollte, könnte man natürlich die Verteilung innerhalb eines Blocks auch ändern.

    Vorteile, die ich gegenüber beiden anderen Konzepten sehe:

    - Alle SuS sind jeden Tag in der Schule, niemand wird komplett abgehängt/ aus den Augen verloren.

    - Da alle SuS jeden Tag in der Schule sind, verringert sich für unsere Altersgruppe und Klientel die Betreuungsproblematik der Eltern: Ich halte es für nicht toll, aber zumutbar, dass auch Fünft- und Sechstklässler als "Schlüsselkinder" ein paar Stunden allein zu Hause bleiben und Arbeitsaufträge bearbeiten. Den kompletten Arbeitstag von Vollzeitarbeitenden fände ich da sehr, sehr hart bis unzumutbar, aber wenn man zwischendurch ca.3,5h in der Schule war, finde ich das okay - so haben sie zumindest jeden Tag ein paar soziale Kontakte und vereinsamen nicht komplett.

    - Da ich als Lehrkraft die komplette Klasse an einem Tag sehe, kann ich gut dafür sorgen, dass alle auf einem Stand bleiben und auch meinen Unterricht / die umfangreichen "Hausaufgaben" gut planen. Da Teil A nicht "eine Woche voraus ist", können SuS aus Teil A und Teil B sich jederzeit (telefonisch) über die Unterrichtsinhalte austauschen.

    - Für meine Planung finde ich es auch einfacher, Aufgaben für einen kürzeren Zeitraum zu stellen und im Anschluss wieder zu korrigieren, als wenn ich Aufgaben für eine komplette Woche aufgebe (Gefahr von zu vielen / zu wenigen Aufgaben) und kontrollieren muss (kaum sinnvoll möglich; Selbstkorrektur mittels Musterlösungen ist aber in meinen Fächern nur begrenzt möglich).


    Wenn es nur die Wahl zwischen Tage- und Wochenweisem Wechsel gäbe, dann würde ich auch ähnlichen Gründen den tageweisen Wechsel bevorzugen.


    3) Zusatzfrage: Was haltet ihr vom Mitstreamen des Unterrichts? (Das muss man sich als Option für einen wochenweisen Wechsel überlegen.)

    Nichts. Es hat gute Gründe, dass Unterricht regulär nicht einfach besucht und beobachtet werden darf. Unterricht ist immer auch Beziehungsarbeit. Diese leiste ich mit meinen SuS, nicht aber mit deren Eltern oder anderen Personen, die womöglich zusehen. Alle am Unterricht Beteiligten (SuS und LuL, ich betone mal explizit, dass das auch womöglich noch unsichere Reffis einschließt) sollen sich im Unterricht sicher fühlen und nicht Gefahr laufen, dass Fehler oder Fehlverhalten von x unbekannten Personen beobachtet, bewertet, womöglich aufgezeichnet werden. Das ist mein Hauptgrund, hinzu kommen praktische bzw. technische Probleme, die weiter oben schon oft aufgeführt wurden.

    Ich finde es schade, dass Akademiker es nicht schaffen, sich mal sachlich mit einem konstruktiv vorgetragenen Vorschlag auseinanderzusetzen, nur weil er offenbar nicht den eigenen Befindlichkeiten entspricht. Da wird völlig sinnentleert ironisiert und übertrieben, ins Lächerliche gezogen, eine sachliche Argumentation findet sich geschätzt in 10% der Beiträge. Ehrlich gesagt finde ich das als Reaktion auf das Eingansgposting ziemlich respektlos.


    Ich persönlich bin hinsichtlich des Genderns hin- und hergerissen. Anfänglich habe ich mich dem total verwehrt, weil ich es auch übertrieben fand: Das generische Maskulinum ist ein grammatikalisches Phänomen, und das grammatische Geschlecht eines Wortes hat in der deutschen Sprache nun einmal wenig bis nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun (die Steckdose?). Mit einer hinsichtlich das Gender-Themas ziemlich unreflektierten Sprache aufgewachsen hielt ich daher die Leute, die diese Problematik aufzeigten, erst einmal nur für zu blöd, den Unterschied zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht zu verstehen. Nervig, dass die die Sprache so kompliziert machen wollen, wo man sie doch so schön unreflektiert nutzen könnte.


    Ich finde aber inzwischen, dass an einigen Argumenten einfach etwas dran ist: Wenn ich den Satz lese "Die Ärzte als Götter in weiß haben gerade mal wieder eine Besprechung", dann sehe ich intuitiv tatsächlich ersteinmal Männer vor meinem geistigen Auge. Das kann an blöden Rollenbildern liegen, die mir ansozialisiert wurden. Die Sprache tut aber nichts, um diese aufzubrechen. Wenn hingegen von "Den Ärzten und Ärztinnen" die Rede ist, ändert sich das Bild abrupt und ich sehe vor meinem geistigen Auge das, was ich rational natürlich weiß: Dass Frauen ebenfalls diesen Beruf ergreifen können. Sprache hat durchaus Einfluss auf das Denken, insbesondere unbewusst. Und warum sollte ich mich dieses Werkzeuges verwehren in dem Bestreben, Rollenmuster abzustreifen, die sicherlich der größte Teil der Gesellschaft inzwischen ablehnt - aber leider trotzdem noch kennen gelernt hat?


    Dass diese Erkenntnis "von oben" kommt, finde ich unproblematisch. Wozu sind Intellektuelle denn da, wenn nicht, um auf implizite Vorgänge/ Wirkmechanismen, ... hinzuweisen, die zu hinterfragen und erkennen der größte Teil der Bevölkerung wenig Zeit hat oder gar Anlass sieht? Die Vorschläge, wie über die Sprache Gleichbehandlung der Geschlechter zu fördern wäre, sind heutzutage mannigfaltig und wurden hier im Thread ausführlich verhöhnt. Längst sind sie aber so gut wie allen Menschen im Land bekannt und werden von manchen befürwortet, von anderen abgelehnt. Vieles hat bei vielen Menschen Einzug in die Alltagssprache gefunden. Es sind nicht mehr nur die "abgehobenen Eliten", die eine bewusstere oder angepasste Sprache verwenden. Sprachwandel findet von unten, nicht von oben statt? Mag ja sein, inzwischen ist er aber unten auch angekommen und wächst von dort aus wieder hoch - so meine Beobachtung.


    Ich gendere nicht immer und nicht alles. Aber manches habe ich doch auch inzwischen übernommen, was ich anfangs lächerlich fand. Ich nutze Worte wie "Lehrkräfte" oder im Schriftlichen auch Kurzausdrücke wie "SuS"/"KuK"/"LuL". Das ist inzwischen genauso normal geworden, wie die Alternativen, die ich vorher genutzt habe. Anders, aber doch nicht schlimmer. Wenn Kinder aufwachsen und von vornherein eine stärker gegenderte Sprache kennenlernen, dann ist diese für sie auch nicht kompliziert, sondern einfach normal. Und wenn sich dadurch das geistige Bild verändert und Geschlechterunterschiede minimiert werden, dann finde ich das begrüßenswert.


    Noch nie habe ich gesehen, dass sich jemand für diese total übertriebenen Beispiele aus diesem Thread ausgesprochen hätte. Natürlich würde auch ich sie ablehnen - Sprache soll ein pointiertes Werkzeug bleiben. Aber genauso halte ich eine Komplettverweigerung für unangebracht. "Lehrkraft" statt "Lehrer/ Lehrerin" zu sagen ist doch nun wirklich nicht kompliziert. Und wenn das Geschlecht eine Rolle spielt, habe ich diese Begriffe ja immer noch. Mir wird nichts weggenommen, nur ein weiteres Mittel an die Hand gegeben, pointiert auszudrücken, wen oder was ich (nicht) meine. Ich wüsste nicht, was an diesem Wandel schlecht sein soll. Wie immer gilt es eben, eine goldene Mitte zu finden: Schüler*innen*lots*innen*ausbilder*innen ist sicherlich übertrieben. Jegliche Anpassung der Sprache zu verweigern aber auch.

    Söder hat für Bayern wohl angekündigt, dass Lehrer, die jetzt schon digital unterrichten eine Prämie bekommen sollen...


    ... ich würde ja gerne digitaler unterrichten, meine Schule ist aber total mies ausgestattet... :autsch:

    :autsch: was soll das denn heißen, "digital unterrichten"? Als ob digitale Spielereien an sich einen Mehrwert hätten. Digitalisierung muss sinnvoll eingesetzt werden, es darf nicht darum gehen, dass jetzt alle KuK auf Deubel komm raus irgendwas Digitales einbauen, um dann die Prämie zu kassieren.


    Anekdote dazu: Ich war vor zwei Jahren mehrere Wochen am Stück krank. Meine eigene achte Klasse übernahm in Englisch ein sehr digitalaffiner Kollege. Ich selbst bin noch jung und nutze durchaus mal das ein oder andere Tool im Unterricht (Botschaft: Bin kein Feind der digitalen Medien), grundsätzlich könnte ich aber auch ohne auskommen. Ich gebe zu, als ich hörte, dass der Kollege mich vertritt, habe ich etwas geschluckt und gedacht: "Oha, da werden Forderungen auf mich zukommen, auch so 'modernen' Unterricht zu machen." Als ich zurückkam wurde ich im O-Ton begrüßt mit: "Eeeeendlich sind Sie wieder da!" Ich fragte, wie es in den letzten Wochen gelaufen sei. Rückmeldung unisono: Am Anfang war es voll cool mit dem Vertretungskollegen, er hat fast jede Stunde Kahoot mit ihnen gespielt, zum Beispiel zu der aktuellen Grammatik. Aber als die Klassenarbeit näher rückte, war die Begeisterung schnell aus. Grund: "Man versteht dabei halt gar nichts, weil man ja nur so schnell wie möglich die richtige Farbe wählen muss. Da hat man garkeine Zeit nachzudenken, warum was jetzt (nicht) richtig ist und erst Recht keine Möglichkeit den Lehrer zu fragen. Deswegen macht das zwar Spaß, aber das bringt einem ja mal gar nichts." Sie freuten sich darauf, endlich mal wieder mit Arbeitsblättern zu arbeiten. Ich muss sagen, ich fand das erstaunlich - erstaunlich reflektiert. Und es bringt meine Kritik an solchen Ankündigungen wie der vom Söder auf den Punkt: Digitalisierung ist kein Gut an sich. Vernünftig eingesetzt kann sie eine Bereicherung des Unterrichts darstellen. Aber der Einsatz digitaler Medien auch kontraproduktiv sein. Auf das Wie, nicht auf das Das kommt es an.


    Dass darüber hinaus für das Das Rahmenbedingungen geboten werden müssen (digitale Ausstattung der Klassenzimmer, KuK und SuS), bevor es von Lehrkräften erwartet wird, sei unbedingt auch angemerkt.


    Naja, das war jetzt nichts zu Corona, aber musste raus.

    Aber bei euch herrscht Abstand oder Maskenpflicht, oder? Bei uns ist das ja in Hort und Unterricht nicht so, da stehen die sich ja teilweise direkt gegenüber und pusten sich ins Gesicht, obwohl sie sonst am anderen Ende vom Klassenraum sitzen.


    Aber bei euch herrscht Abstand oder Maskenpflicht, oder? Bei uns ist das ja in Hort und Unterricht nicht so, da stehen die sich ja teilweise direkt gegenüber und pusten sich ins Gesicht, obwohl sie sonst am anderen Ende vom Klassenraum sitzen.

    Nein, keine Maskenpflicht im Unterricht (und 1,5m erst Recht nicht), nur auf den Fluren und dem Schulhof. 80% der Sus tragen sie aber freiwillig

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