Beiträge von Firelilly

    Naja, auch wenn Brandenburg möglicherweise teurer geworden ist, ist die Bodensee-Region eine der teuersten in ganz Deutschland. Da die Lehrerbesoldungen in den Bundesländern nahezu vergleichbar sind, ergibt sich daraus durchaus ein deutlich anderer Lebensstandard.

    Ich bezweifle auch, dass man mit dem Lehrergehalt in einer teuren Region halbwegs gut leben kann. Dafür ist die Alimentierung einfach zu schlecht. Um halbwegs einen Lebensstandard zu haben bin ich extra von der Stadt in die Provinz gegangen, wo die Grundstückspreise auch für Lehrer halbwegs bezahlbar sind. Als Auto geht dann zwar immer nur noch ein gebrauchter Mittelklassewagen, aber man kann zumindest auch mal ohne allzu schlechtes Gewissen essen gehen oder etwas unternehmen. Man reiht sich so mit den selbstständigen Handwerkern ein, steht ein kleines bisschen besser als normale Büroangestellte und muss sich also auch nicht verstecken in der Nachbarschaft.
    In guter Lage oder einer teureren Region könnte ich mir das alles so ziemlich abschminken, so etwas würde ich tunlichst bleiben lassen. Da arbeitest Du sonst von morgens bis abends und darfst Dir anschauen, wie die Nachbarn ihren Kindern direkt Autos zum erworbenen Führerschein schenken und selber froh sein kannst, wenn Du aufgrund der Miet- oder Kaufpreise überhaupt vier Wände um dich hast und nicht die billigsten Nahrungsmittel kaufen musst.
    Und dann hörst Du Dir, z.B. wie meine Mitreferendarin von der Frau des Nachbarn (Mediziner) an: "Na klar verdienen Sie nicht so viel, sie sind dafür ja auch den halben Tag zuhause", als sie mittags heimkam mit zwei Stapeln Abiklausuren, Erstkorrekturen im ersten und Zweitkorrekturen im anderen Fach. Allein das macht einen ja depressiv.

    Dann lieber in einer schlechten Lage wohnen und da das trügerische Gefühl haben "gut" zu verdienen, weil die Nachbarn in der Regel nicht studiert haben und entsprechende "einfache" Jobs haben. Fürs Seelenwohl deutlich besser! Geh nach Brandenburg in die Provinz, ernsthaft!

    Frechdachs ist gar keine Grundschullehrkraft....

    Weil da so viele Fächer standen, ging ich davon aus, mein Fehler. Dann sollte ich es so formulieren, die Grundschullehrkräfte sollten sich bei Frechdachs mal was abschauen. Das würde uns Gymnasiallehrern sehr viel Arbeit in der 5. Klasse ersparen. Habe den Eindruck, dass das viele eben genau so wie eingangs moniert mit den Schülern verfahren. Die Jaulen wirklich sehr schnell, wenn sie mal etwas aufschreiben sollen. Das sind die gar nicht gewöhnt.

    So sehen dann auch bei mir die Tafelanschriebe aus, d.h. auch ich benutze Geodreieck und Zirkel,... Die Länge der Tafeltexte variiert natürlich je nach Thema, kann aber durchaus schon mal etwas länger sein. Ich finde schon, dass sich die Schüler an eine ausdauernde Arbeit gewöhnen sollen, dass sie Inhalte auch in vollständigen Sätzen und einigermaßen korrekten Rechtschreibung und Grammatik wiedergeben können, Fachsprache anwenden können, ... Merksätze sind auswendig zu lernen. In Tests müssen die Schüler auch in vollständigen und sinnvollen Sätzen antworten.

    Von (vorgefertigten) Arbeitsblättern der Verlage und Lückentexte halte ich nicht viel. Die Schüler drücken sich so schon viel zu knapp und ungenau aus ("Ich Klo"- nicht unbedingt nur die Ausländer) und Arbeitsblätter stimme ich lieber auf die Klasse ab.

    Bin zwar aus einem anderen Lehramt, aber ich möchte Dir großes Lob aussprechen! Es wäre so schön, wenn es noch mehr Grundschullehrkräfte wie Dich geben würde. Leider nimmt dieser Anspruch anscheinend immer mehr ab.

    Ich würde ein Schreiben aufsetzen und darin die anderen beiden Abos aufgrund des Vorfalls kündigen.
    Das hat aber auch den Hintergrund, dass ich das Material für größtenteils untauglich halte (Chemie, Gymnasium).

    Das schliesse ich unter anderem daraus, dass meine Chefin schon Abwerbungsversuche abwehren musste.

    Und wie hat sie das hinbekommen? Dir denselben Gehaltszuschlag gewährt, wie die Headhunter dir bei deinem Wechsel zu zahlen bereit waren? Einmalige Bonuszahlungen von denen du in den Urlaub fliegen konntest? Weniger Stunden, die du arbeiten musstest?
    Elitekräfte in anderen Berufen werden tatsächlich umworben und abgeworben, aber Lehrer? Womit will man denn da locken? Da bekommt doch die Elitekraft (was Unterricht angeht, wir reden jetzt nicht von der Übernahme von Zusatzaufgaben, denn es ging in deinem Beitrag ja darum, dass du toll unterrichtest, was ich einfach mal glauben möchte) genau dasselbe am Monatsende wie der faule Schlumi.
    Es ist im Lehrerberuf doch eher so, dass gerade die, die ihre Zeit für Zusatzschnickschnack und dies (oftmals!) auf Kosten wohldurchdachten, gut vorbereiteten Unterrichts diejenigen sind, die mehr verdienen. Dass Leute, die gut unterrichten, einen Vorteil hätten oder gar abgeworben werden (mit realistisch gesehen verlockenden Angeboten) kommt doch gar nicht vor? Deshalb die Ironie, womit wollen die anderen Schulen locken? Mit der Ausstattung (FÜR SCHÜLER) ? Ich weiß nicht, entweder ist es in der Schweiz ganz anders, aber in Deutschland halte ich so etwas wie Headhunter im Lehrerberuf schlicht für unmöglich aufgrund des Systems, dass Lehrer (eher schlecht als recht) alimentiert werden.

    Der Pfleger oder die Schwester kann genau so gut eine Kanüle ansetzen. Warum muss ich denn unbedingt meine Grippebehandlung oder meinen verstauchten Fuß von einem Arzt behandeln lassen, wenn eine Pflegekraft die Standardbehandlung genau so gut hinbekommt. Es reicht doch, dass sie so weit qualifiziert ist, um Zweifel zu erkennen und dann an den Arzt weiterzureichen.

    Jepp, und warum muss ein Lehrer Krankheitsentschuldigungen der Schüler verwalten, Klassenfahrten organisieren, Geld einsammeln und auf verwalten und und und. Müsste alles ausgelagert werden.
    Eigentlich bräuchte man einen Haufen Verwaltungskräfte und Handlanger.
    Totale Verschwendung von hochgebildeten Menschen. Wenn ich die Zeit hätte didaktische Überlegungen für meinen Unterricht zu machen, Schüler in Wettbewerben zu fördern, ja verdammt nochmal meine Arbeitsblätter sinnvoll zu überarbeiten, dann hätten wir in Deutschland mit Sicherheit viel qualifiziertere Stundenten und auch Arbeiter. Also nicht nur wegen mir, sondern, weil wir alle viel besser als Multiplikatoren für Wissen und Kompetenz fungieren könnten.
    Im Endeffekt geht ein Großteil meiner Arbeit mit banalen Dingen drauf für die man mit Sicherheit kein Hochschulstudium braucht.
    Und da, wo ich eigentlich durchaus Zeit bräuchte (strukturierten, durchdachten Unterricht zu machen) um sinnvoll meine "Produktivität" zu erhöhen, muss ich am ehesten sparen.

    Mach interessanten Unterricht. Das ist die "sicherste" Methode, die Schüler davon abzubringen, sich anderweitig zu beschäftigen und damit zu stören.

    Das ist eine sehr gute Vorbereitung auf das spätere Leben. Sowohl die ganzen Univorlesungen, als auch der Job als Kassierer beim Aldi oder in der Sparkasse sind ja schließlich auch spannend, abwechslungsreich und haben immer einen spannenden Einstieg in das Thema des Tages. Ich merke das auch ständig wenn ich korrigiere, gut, dass das so viel Spaß macht und die Schülerantworten so spannend sind.
    Wenn dem nicht so wäre, dann wäre es vielleicht sinnvoll bei den Schülern auch mal Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit sich auch mit Dingen länger beschäftigen zu können, die nicht bunt und spannend sind, zu schulen. Zum Glück braucht man so etwas wie Fleiß und Arbeitsdisziplin nicht mehr. Ein Glück, dass einfach alles in der Welt spannend genug ist.

    Ein Attest aufgrund einer Abordnung klingt erst einmal komisch. Wenn die Kollegin bereits gesundheitliche Probleme hat, dann sollte sie diese gegenüber der SL geltend machen und darauf verweisen, dass eine mit der Abordnung aufgrund ihrer individuellen Situation verbundenen höheren Belastung auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Da würde ich gar nicht mit dem Attest drohen sondern das Ganze erst einmal nüchtern schildern.

    [...]
    Wir hatten eine Kollegin, der man von höherer Stelle in anderer, aber ähnlicher Weise übel mitgespielt hat. Zum Glück hat sie rechtzeitig klug geschaltet und eine Dienstunfähigkeitsversicherung abgeschlossen.

    Nach einigen Jahren mit extrem hohen Krankheitsabsenzen (der psychischen Belastung durch die Situation geschuldet), in denen sie immer wieder zuhause Kraft tanken musste und wiederholten Kuren (die übrigens nicht von ihr gezahlt werden mussten) zur Wiedereingliederung ist sie nun frühpensioniert und bekommt fast so viel netto, wie als wenn sie arbeiten würde. Nebenher verdient sie sich sogar etwas dazu, was sie darf, solange es künstlerische Tätigkeit ist (sie ist Autorin) und sie einen gewissen Betrag nicht überschreitet.
    Wir trafen uns vor gar nicht allzulanger Zeit und sie wirkte sehr glücklich. O-Ton:"Tja, da sitze eben doch ich am längeren Hebel. Hätten sie sich vorher überlegen sollen."
    Sie sagte auch, dass der Diestherr einfach damit rechnet, dass die meisten Lehrer nicht den Mumm haben das konsequent durchzuziehen. Eigentlich sitzt man als Beamter auf Lebenszeit am längeren Hebel und kann erstmal ein schönes Kurprogramm fahren.
    Ich glaube tatsächlich, dass der Dienstherr ganz anders mit einem umgehen würde, wenn er wüsste, dass der Großteil der Menschen dreckig zurückkämpft, wenn man ihnen fiese und gemein ans Bein pinkelt.
    Aber Lehrer lassen sich in der Regel halt ganz viel gefallen und es fallen ihnen dann noch eigene Kollegen in den Rücken. Liest man hier ja auch im Sinne von "Stell Dich nicht an" etc.

    Bei Vollzeit beobachte ich einige Kollegen die mit Mathe ziemlich am Limit laufen, daraus ziehe ich nach einiger Reflexion für mich den Schluss niemals Vollzeit zu machen. Denn ich kenne meine Grenzen.

    Das liegt eben auch daran, dass die Anzahl der Stunden bei Vollzeit nicht mehr berücksichtigt, wie sich der Lehrerberuf verändert hat, sprich, welche Dinge nun noch zusätzlich erledigt werden müssen.
    Wenn ich ältere Kollegen höre, dann sind so viele zeitfressende Zusatzaufgaben hinzugekommen (von Inklusion usw. ganz zu schweigen), dass eigentlich die Pflichtstundenzahl gesenkt werden müsste oder das Gehalt erhöht werden.

    Das Problem ist, dass man als Teilzeitler zwar eventuell einen Tag frei hat, aber durch unteilbare Aufgaben überproportional belastet ist. Will meinen, Du verlierst Gehalt in stärkerem Maße, als Du weniger arbeitest.
    Da musst Du dann selber aktiv werden und diese Zeit wieder reinholen: Das ist zwar nicht schön, aber anscheinend will es der Dienstherr so. Ansonsten würde er dafür sorgen, dass Teilzeit wie in anderen Berufen abläuft.
    Ich würde an Deiner Stelle einfach den Antrag stellen. Bei Ablehnung steht der Dienstherr dann halt auch vor den Konsequenzen, die das ergibt. Dann bist Du halt öfter krank, weil Du das Pensum nicht schaffst und das auch auf das Immunsystem schlägt.
    Der nächste Antrag wird dann eventuell durchgehen.

    Und dann interpretieren meine Abiturienten die Intentionen und Absichten der Moleküle und schreiben, dass das Oxonium-Ion den starken inneren Drang vespürt ein Proton abzugeben und, dass zwischen den Zeilen ganz deutlich zu spüren ist, dass Silberionen sich nicht mehr so alleine fühlen würden, wenn sie jeweils ein Elektron mehr hätten und sie deshalb aus niederen Motiven heraus den Magnesiumatomen welche stehlen.
    Und dann ist der Stil auch wieder nicht richtig? Die Schüler haben es schon schwer heutzutage, man man man!

    Klar, Eltern könnten wir jederzeit mitnehmen - ist aber eigentlich nicht das, was wir wollen.

    Warum machen nicht Eltern generell solche Freizeitveranstaltungen? Ja ist man als Lehrer denn ein Reiseveranstalter oder Babysitter?
    Wenn mir noch einmal ein Elternteil "Schönen Urlaub" wünscht vor einer Klassenfahrt, dann lasse ich mich vor Ort krank schreiben und die Eltern können die Fahrt als ihren Urlaub übernehmen.

    Nicht fahren ist in Hessen tatsächlich keine Alternative, da Klassenfahrten hier noch ganz klar als Dienstpflicht deklariert sind (im Gegensatz zu anderen BUndesländern).

    Schleswig-Holstein (eh das knechtendste aller Bundesländer) ist hier ganz genauso. Da hilft im Zweifel nur die spontane Erkrankung.

    Der SL kündigte auf eigenen Wunsch einen "Hospitationstag" an und gab Briefe an die Eltern aus mit der Bitte um Anmeldung.

    Was ist das denn für ein ausgemachter Bullshit den sich eure SL überlegt hat. Welcher Berufsstand kommt noch auf so dumme Idee, das können nur Lehrer sein.
    Ich melde mich demnächst auch im Krankenhaus zum Hospitationstag an, möchte meinem Chirurgen vorher nochmal über die Schulter schauen während einer OP. Und dann laufe ich einen Tag bei meinem Rechtsanwalt mit. Und es wird auch endlich mal Zeit, dass ich in der Bank mit hinter die Kulissen komme und den Tresorraum sehe. Denn immerhin liegt da auch MEIN Geld, also habe ich ja wohl größtes Recht dazu. Außerdem will ich bei einem Gespräch mit Kunden dabei sein, will ja schließlich überprüfen, ob er auch gut berät bei den Krediten.
    Wenn ich sowas lese wie "Hospitationstag" dann könnte ich im Quadrat kotzen. Und nein, mein Unterricht ist nicht schlecht, im Gegenteil, wenn eines im Schulleitergutachten sehr gut wegkam, dann war es mein Unterricht. Trotzdem verwehre ich mich dagegen Eltern im Unterricht sitzen zu haben. Ich latsche auch demnächst mal ins Cockpit eines Flugzeugs und wenn mein großes Blutbild erstellt wird, kreuze ich im Labor auf und möchte live dabei sein. Und wenn meine Steuererklärung bearbeitet wird stelle ich mich demonstrativ direkt hinter den Sachbearbeiter.
    Lehrer sind echt die Deppen der Nation, mit denen kann man es ja machen.

    Und vor allen Dingen hat man das Problem, dass Schüler mit schwachem Abi sich in zulassungsfreie Studiengänge einschreiben können. Und das machen nicht wenige.
    Würde man die von vornherein an der Realschule haben, dann würden die automatisch in die Ausbildungsberufe gehen.
    Und WENN da mal jemand in der Realschule ist, der erst spät durchstartet und merkt nach einem guten Realschulabschluss, dass er oder sie studieren will, dann macht er oder sie das Abi eben nach.
    Aber der Großteil derer die (heutzutage) ein schwaches Abi machen, sollte besser direkt in die Ausbildungsberufe "gelotst" werden. Es ist ein Fehler, dass diese die Zugangsberechtigung zum Studium haben.
    Sind wir doch mal ehrlich, die, die ein schwaches Abi haben sind doch oft solche "ach, ich dödel mal vor mich hin, hauptsache stressfrei" Leute. Die schreiben sich (nach nem verdödelten freiwilligen sozialen Jahr) in Studiengang XY ein und lummern da erstmal vor sich hin.
    Meine WGs waren voll mit solchen Leuten.
    Die denken sich eben auch, erstmal entspannt "studieren" und feiern. Und in manchen Fächern (nicht NAturwissenschaft) kommen die damit auch durch und sind halt dann später arbeitslos.
    Nein nein, diese sollte man direkt nach der Realschule in eine Ausbildung drücken, wo sie dann pünktlich aufstehen müssen und so weiter. Denen tut die Struktur und Verpflichtung einer Ausbildung gut.
    Studium ist aus meiner Sicht nur etwas für welche, die sich selber gut organisieren und intrinsisch motiviert sind. Denn es gibt genug Studiengänge, die sind nicht so verdrillt wie ein Chemiestudium (in das sich eh kein Schlumi verirrt) und das lädt dann die Schlumis ein da auch auf Sparflamme zu laufen. Durchs Abi sind sie (dank des Systems) mit der Einstellung ja auch ganz gemütlich, wenn auch knapp, durchgekommen.

    enn da dieses hässliche Wort "elitär" nicht wäre, hätte ich längstens auf "like" geklickt. Meine Gymnasiasten sind nicht "elitär". Die meisten von ihnen sind einigermassen gescheit und interessiert, auf jeden Fall halte ich die grosse Mehrheit für studierfähig. Nur wenn ich meine Gymnasiasten jetzt "elitär" nenne, was nenne ich dann meine Fachmaturanden? Die sind ja selbstverständlich auch gut in dem was sie tun, nur studierfähig sind sie halt nicht. Ich stehe mit denen genauso im Praktikum und mache zum Teil sogar die gleichen Experimente mit ihnen, wie am Gym. Nur die Theorie, die ist halt um die Hälfte eingestampft.

    Die sind dann halt nicht die Elite?! Wenn die Theorie um die Hälfte eingestampft ist und die nicht studieren danach, dann sind sie eben nicht die Elite aber das ist doch nicht schlimm. Die können ja durchaus gut sein in dem was sie machen, warum denn auch nicht?
    Weiß ja nicht was die Fachmaturanden sind (kenne das Wort nicht), aber so von der Beschreibung mit der Hälfte der Theorie klingt es, als könnte man aus denen klasse chemisch technische Assistenten machen. Dass die dieselben Versuche machen ist dann doch auch sinnvoll, denn später werden sie auch an komplizierten Apparaturen arbeiten und es ist wichtig viel Praxiserfahrung zu sammeln. Nur die Forschung und Theorie dahinter, die Auswertung der Daten, das macht dann eben die Elite (die mit dem Dr. rer. nat. in Chemie) später.
    War bei uns in der Forschung Gang und Gäbe, wir hatten Assistenten, die für uns Versuchsreihen gemacht haben oder die UV-Vis oder NMR Daten erzeugt haben. Und natürlich haben die auch eine klasse Arbeit gemacht.
    Wie gesagt, es braucht eine Elite um Spitzenforschung betreiben zu können und deshalb müssen wir denen auch optimale Bedingungen (keine Inklusion, leistungsstarke Lerngruppen mit entsprechend hohem, stimulierendem Niveau) bieten. Aber genauso braucht es einen soliden (!) Unterbau! Strukturierte, gut ausgebildete technische Assistenten usw.

    Eine Gesellschaft braucht die optimal geförderte Elite genauso wie optimal geförderte mittlere Abschlüsse.
    Was wir haben nicht brauchen sind durchschnittliche oder unterdurchschnittliche Leute in Ausbildungswegen für die Elite. Diese Leute sollten in Realschulen entsprechend gefördert werden.
    Lieber einen nur durchschnittlichen Schüler zu einem ordentlichen CTA ausbilden als aus ihm einen schwachen Studenten machen. Auch habe ich so einen Schüler lieber als Schalterbeamter in der Sparkasse sitzen als, dass man aus ihm einen schwachen Erdkundelehrer macht. Leider geht der Trend dahin, dass alle irgendwie Zugang zum Studium bekommen.

    Sag mal ehrlich: Wie oft hast du selbst einen Deutsch-/Geschichts- oder Erdkundelehrer nach der Stunde nach tiefergehenden Informationen gefragt? Dein Frust an der tumben Schülerschaft scheint mir daher zu kommen, dass du erwartest, alle Schüler müssten deine Begeisterung für Naturwissenschaften teilen. Ich persönlich habe tatsächlich in meinen Sprachfächern schon als Schüler immer mal wieder nach genaueren Infos etc. gefragt. In den Naturwissenschaften kam das je nach Fach deutlich seltner bis gar nicht vor.

    Ich erwarte überhaupt nicht, dass alle Schüler diese Begeisterung teilen. Im Gegenteil, ich finde es absolut legitim einen anderen Schwerpunkt zu haben. Aber: Zum Beispiel erwarte ich, dass ein Profilkurs an seinem Fach tiefergehend interessiert ist. Das war damals bei uns im Leistungskurs so (wobei ich auch da als Schüler das Gefühl hatte mindestens 1/3 meiner Mitschüler ist an der falschen Schulform) und das sehe ich jetzt nur bei wenigen Schülern. Gut, dafür habe ich momentan einen Grundkurs, in dem wirklich ganz tolle Schüler sitzen (die mehr Fragen und Interesse haben als das Profil im Durchschnitt). Solche Schüler gehören auch ans Gymnasium.
    Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn das Interesse nicht in Naturwissenschaften liegt. Man redet ja mit den SuS und bekommt schon mit, wenn jemand eben andere Interessensgebiete hat.
    Eine Schülerin bei mir kann mit Chemie gar nichts anfangen, ist aber mega gut in Deutsch und spielt selber Theater. Da merke ich, auch wenn sie in Chemie kein Gas gibt und auch echt Probleme hat, dass es trotzdem eine interessierte, gymnasiale Schülerin ist. Es gibt aber eben auch Schüler am Gymnasium, die interessieren sich für nichts (und sind auch nicht besonders intelligent oder merkbar fleißig). Trotzdem schleppt man sie durchs Abi mit Ach und Krach. Warum? Wer kein Interesse hat und nicht gerade überdurchschnittlich intelligent ist, der sollte das Gymnasium nicht schaffen. Das sollte eine Schule für besonders interessierte und / oder begabte Schüler sein. Abi nicht schaffen ist schon fast eine Kunst.
    Also, ich verlange nicht, dass ein Schüler Interesse an Naturwissenschaften hat. Ich verlange, dass ein Schüler entweder intelligent ist oder zumindest in irgendeinem Bereich sehr interessiert / engagiert. Am besten beides.

    Zur deiner persönlichen Frage: Ja ich habe auch außerhalb der Naturwissenschaften viele Fragen gestellt, in Erdkunde und Geschichte jetzt nicht, aber Philosophie hat mich z.B. sehr interessiert. Auch in Englisch war ich sehr motiviert und begeistert und habe den Lehrer Dinge gefragt (zum Beispiel hat mich das shakespearean english "Hast thou seen thy lover?" und solche Konstrukte interessiert und das wurde aber nicht direkt behandelt).
    Könnte noch unzählige Beispiele nennen. Und ja, es gab auch Fächer die fand ich total uninteressant und das ist auch legitim. Ja, ich ware eine Einserschülerin, aber selbst die durchschnittlichen Schüler sollten zumindest Interesse haben. Und das gab es bei uns im LK durchaus auch. Die haben das gewählt, weil sie intessiert waren und dann viel Fleiß an den Tag gelegt.

    Es wäre wohl an der Zeit, an allen Schulformen mal kräftiger zu sieben, damit die Schulen ihre eigentliche Bedeutung wiederbekommen.

    Finde ich eine ganz wichtige Aussage. Da sehen ich vor allem auch uns Gymnasiallehrer in der Pflicht, allerdings brauchen wir natürlich Rückendeckung von oben. Leider möchte die Politik das komplette Gegenteil.
    Ich fände es aber auch total sinnvoll. Man stelle sich vor die Gymnasien würden wieder elitärer, erstmal würden die wirklich guten Schüler dann nicht mehr durch die Horden schwacher Schüler ausgebremst und wir hätten langfristig auch an den Unis endlich wieder mehr studierfähige Erstsemestler. Das Ganze Niveau an den Universiäten würde steigen, wenn die allgemeine Hochschulreife eben nicht mehr so leichtfertig vergeben würde.
    Der Realschulabschluss würde folglich auch von Schülern gemacht werden, die heutzutage eben stattdessen durchs Abi geschleift werden. Dann hat man diese eher praktisch denn intellektuell veranlagten Schüler eben auch für solide Ausbildungsberufe zur Verfügung.

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