Beiträge von WillG

    Es wird insgesamt weniger gelesen, was aber nicht unbedingt eine Aussage über schwindenden Anspruch ist. Was hinzugekommen ist, ist ein sehr starker Fokus auf die Analyse von Sachtexten (verschiedene Textsorten: Reden, Artikel, Essays etc.) und auf Sprachreflexion, also Auseinandersetzung damit, wie Sprache funktioniert und was sie bewirkt - auch in Hinblick auf Kommunikations. Das gab es alles früher schon, ist aber mehr in den Mittelpunkt gerückt, auch weil es eben viel Kritik an vermeintlich "nutzlosen" Bidlungsinhalten gab. Man erinnere sich an den viralen Tweet von dieser Schülerin, die sich beklagt hat, dass sie Gedichte in drei Sprachen analysieren kann, aber nicht weiß, wie man eine Steuererklärung ausfüllt.

    Ja, und wenn solche Themen mehr Raum einnehmen, gibt es halt weniger Zeit für Ganzschriften.

    Es klang schon an, aber so ganz deutlich wurde dieser Aspekt wohl noch nicht ausgesprochen (- frei nach dem alter Lehrerkonferenzmotto "Es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem."):

    Welchen Vorteil bringt dir die Zeitersparnis, durch den Wegfall des Pendelns, wenn du durch Ganztagsunterricht etc. die gesparte Zeit doch wieder an der Schule verbringen musst? Ich will damit sagen: Wenn dein Problem nicht explizit die Handlung des Fahrens ist oder die Angst vor Unfällen etc., sondern wenn e dir um Lebenszeit geht, kann ein Schulwechsel eine Milchmädchenrechnung sein.

    Grundsätzlich schon, aber es ist halt weniger pratkisch. Games sind quasi gar nicht umsetzbar, zumindest fehlt mir massiv die Fantasie, wie das aussehen kann, ohne 25 PS5 und 25 Exemplare von Bioshock anzuschaffen. Abgesehen von der oftmal stark sexualisierten und gewaltsamen Darstellungsform, obwohl die alleine schon spannende Themen ergeben würden, man denke nur an die Reaktionen auf die Darstellung von Aloy in Horizon Zero Dawn.

    Bei Graphic Novels ist es nicht ganz so extrem, aber vielleicht ähnlich: In der Regel sind sie zu teuer, um sie als Ganzschrift anzuschaffen. Auszüge macht man durchaus, "Maus" ist bei mir Standard und vor allem Graphic Novel Versionen von klassischen Schullektüren verwende ich immer wieder (- nicht gerade "oft", aber doch "immer wieder" -) im Unterricht.

    Im Übrigen habe ich auch viel Englisch durch entsprechende LucasArts Adventures gelernt. Bis heute kann ich mich erinnern, dass ich das Adjetkive "strange" zum ersten Mal als "strange markings" bei ZakMcKracken gelesen habe.

    Da muss ich ganz ehrlich sagen hat das Smartphone auch wirklich so die Zeiträume gefüllt, in denen ich vor der Smartphone-Zeit einfach gelesen habe.

    Ich glaube, das geht uns allen so, mir auf jeden Fall auch. Ich lese deutlich (!) weniger als früher, was mich ärgert.
    Darüber kann/darf man sich auch ärgern. Was meiner Ansicht nach aber ein echter Fehler ist, ist sich Druck zu machen, wie viele Bücher man "eigentlich unbedingt auch mal lesen müsste". Wenn ich sterbe ohne die Buddenbrocks gelesen zu haben, macht mich das vermutlich nicht zu einem schlechteren Menschen.

    Visual Novels ergänzen das gleiche um Musik und Hintergrundgrafiken, Videospiele generell erzählen ähnlich gute Geschichten mit Interaktion.

    Im Sinne des erweiterten Textbegriffs gibt es auch keinen automatischen "qualitativen" Unterschied zwischen den von dir genannten Textsorten und klassischen "Büchern". Bioshock, The Last of Us, God of War als Games oder Watchmen, Dark Knight Returns, Persepolis, Maus als Graphic Novels - kann man alle wie Literatur behandeln.

    Grundsätzlich ist die Frage, "was uns der Autor damit sagen wollte", höchstens ein Teilbestandteil der Interpretation, wenn überhaupt noch. Die Frage ist eher, wie ein Text Bedeutung vermittelt oder generiert, das muss aber nicht automatisch immer der Autorenintention entsprechen, da es eine Vielzahl anderer Einflüsse gibt, bewusst wie unbewusst.

    Die Vorstellung, dass ein Autor jedes Wort gezielt mit einer Aussageintention wählt, ist ja auch ganz offensichtlich Unsinn. Was aber stimmt ist, dass wir alle beim Schreiben (bspw. auch hier im Forum) ein gewisses Gefühl dafür haben, was "richtig" klingt und ggfs. Formulierungen abändern, weil sie "einfach besser passen". Das hat viel mit unserer Prägung und mit dem Gefühl für Sprache zu tun - und natürlich auch, bewusst wie unbewusst, mit der Wirkung, die ein Text haben soll. Welche Wirkung ein Text nun (absichtlich oder unabsichtlich) hat und welche textlichen und sprachlichen Mittel dazu beitragen, ist Ziel der Analyse.

    Das kann man nun an Kurzgeschichten oder Romanen oder Dramen oder Gedichten machen. Oder an Sachtexten, Reden oder Tweets. Spielt keine Rolle. Literarische Texte eignen sich besser, da sie doch häufig ein wenig mehr bewusst konstruiert sind, weshalb die angewandten Mittel deutlicher werden.

    Ich war auch immer Vielleser, ab der 10. Klasse vor allem die "modernen Klassiker", also 20. Jhdt - auch privat.
    Lektüren vor dem 20. Jhdt mit höherem sprachlichen und inhaltlichen Anspruch haben meiner Ansicht nach eher in der Oberstufe bzw. ab der 10. Klasse ihren Platz, vorher sollte es schon eher darum gehen, Lesefreude zu wecken. In der Sek II auch noch, aber halt auch Einführung in systematische Analyse und Interpretation.
    Grundsätzlich lehne ich aber die "moralisierenden" Jugendbücher ab, die offensichtlich konkret für den Schulunterricht geschrieben wurden. Furchtbar. Und auch im Bereich der klassischen Literatur gibt es sicherlich Werke, die mehr an die Schüler rangehen (Sandmann; Woyzeck; Verwandlung) als andre (Zerbrochener Krug, Taugenichts).

    Wer bestimmt, dass der Verfasser nun genau das damit bezweckt hat bzw. aussagen wollte?

    Diese Frage stellt man eigentlich seit 20 Jahren nicht mehr in dieser Form.


    Bei der Auswahl der Plichtlektüren, die hier aufgeführt wird, finde ich vor allem bedenklich, wie viel (sexuelle) Gewalt hier eine Rolle spielt: Zerbrochener Krug (Vergewaltigung), Faust (Grooming), Woyzeck (Ehrenmord), Prozess (Prostitution). Als ob es keine anderen Werke gäbe...

    Ja, die Frage habe ich mich auch gestellt (und meinem PR / Verband) und keiner wusste Bescheid. Allerdings hatte ich noch weiterreichendere Fragen, die auch nicht beantwortet werden konnten, also habe ich es komplett gelassen.

    Ich könnte es dir (auch für Bayern) jetzt auch nicht sagen, aber das muss 100% irgendwo geregelt sein, denn vor allem die Frage nach Mehrarbeitsabrechnung wird ja sicherlich aufkommen und betrifft höhere Stellen als die Schule selbst, die halt für die anderen Fragen "irgendwie eine Regelung finden" kann.

    Insgesamt aber noch weniger Schaden als eine komplette Beurlaubung (schon alleine wegen der Krankenversicherung), vermute ich.

    Absolut. Ich frage mich immer, wie klein der Personenkreis sein muss, der von so einer Beurlaubung überhaupt profitieren kann.

    Also, die genaue Rechnung ist ein wenig komplizierter als ein reiner Dreisatz. Es kann sein, dass man durch die "Sonderform der Teilzeit" steuerlich anders behandelt wird, am Ende also etwas mehr auf dem Konto hat als man vielleicht gedacht hat. Gleichzeitig werden evtl. Sonderzahlungen natürlich auch nur anteilig ausgezahlt. Und man darf nicht vergessen, dass die gesamte Zeit, also Ansparphase und Freistellungsphase, natürlich als Teilzeitphase Auswirkungen auf die Pensionszahlungen hat.

    Aus PR-Sicht ist zumindest theoretisch die Frage, ob man mit dieser "Sonderform der Teilzeit" eben auch unter die Schutzregelungen für Teilzeit fällt (Mehrarbeitsabrechnung, Entlastung an Elternsprechtagen, bei Studienfahrten etc.). Einerseits hat man die gleichen finanziellen Einbußen wie jede andere TZ-Kraft, andererseits ist man ja während der Ansparphase (in der Regel) mit vollem Deputat an der Schule.

    Kann man 50% Teilzeit machen und ein halbes Jahr voll arbeiten und ein halbes Jahr nicht?

    Oh, das ist eine interessante Idee. Vielleicht könnte man das ja auch ausweiten, dass die finanziellen Einbußen nicht so spürbar sind, also vielleicht 7 Jahre 85% Teilzeit und davon sechs Jahre arbeiten und eins nicht. Oder meinetwegen 3 Jahre Teilzeit mit 66% und davon zwei Jahre arbeiten und ein Jahr nicht.

    [/Ironie off] Das ist ja genau die Natur des Sabbatjahres. Sabbat ist eine Sonderform der Teilzeit.

    Zunächst brauchst du die Freigabe vom abgebenden Bundesland. Die erhältst du in der Regel, wenn die Bilanz von abgegebenen und aufgenommenen Lehrkräften neutral ist, das genaue Verfahren ist aber intransparent.

    Ich würde dir hier in der Abfolge leicht widersprechen. Die Freigabe ist ja erstmal nur die "Erlaubnis" des Dienstherrn, am Verfahren überhaupt teilzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt steht noch gar nicht fest, wie viele Lehrkräfte dann tatsächlich im Ringtauschverfahren abgegeben bzw. aufgenommen werden.

    Es kann also sein, dass man die Freigabe (= Teilnahmererlaubnis) erhält, dann aber im Verfahren nicht zum Zuge kommt, weil nicht ausreichend Lehrkräfte getauscht werden können und/oder weil die eigenen Wünsche nicht kompatibel sind.

    Interessante Frage. Mein Verständnis ist, dass der Begriff "planstellenneutral" sich auf das Bundesland als Ganzes bezieht. D.h., wenn NRW 127 Lehrer im Ländertauschverfahren abgibt, bekommt das Land im gleichen Verfahren auch 127 Lehrer zurück. Wenn das stimmt, wäre es im nächsten Schritt Aufgabe des Landes, die 127 Lehrer auf Schulen mit Bedarf zu verteilen, so dass theoretisch schon denkbar, wäre, dass erstmal viele ins Ruhrgebiet gesteckt werden und deine Schule mit einer unbesetzten Stelle dasteht.

    Aber das ist mindestens zu 50% Spekulation.

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