In meinem Erststudium gab es speziell in Politikwissenschaft, wo wir ebenfalls wöchentlich immer wenigstens 100 Seiten lesen mussten, als Teil der Seminarleistung die Vorgabe, dass jede Woche eine Gruppe Referentinnen und Referenten neben den Grundtexten noch vertiefende Zusatztexte lesen und basierend darauf ein Handout vorbereiten, das Thema präsentieren und anhand selbst erstellter Thesen (mindestens drei mussten vorbereitet werden) im Plenum diskutiert werden mussten. Um am Ende eine Seminarbescheinigung zu erhalten musste für die benotete Variante noch eine Hausarbeit geschrieben werden, für die unbenutzte Variante war zumindest die regelmäßige, aktive Teilnahme an den Debatten gefordert. Nur drinsitzen und konsumieren reichte nicht, da das schließlich keine Vorlesung war. Das hat zuverlässig nach der ersten Seminarstunde all diejenigen ausgesiebt, die nur drinsitzen und konsumieren wollten, weil klar war, dass man in diesen Seminaren nur für aktives Mitdenken einen Schein erlangen konnte.
Vielleicht wäre das auch etwas für deine Seminare, also einerseits mehr aktive Mitwirkung zur Grundvoraussetzung für die Teilnahme an deinen Seminaren zu machen und das andererseits in der ersten Woche deutlich zu sagen, damit die Leute dein Seminar eben nicht mit einer Vorlesung verwechseln oder durch ihr Verhalten dazu machen. Das bringt es mit sich, dass du das konstant einfordern musst und letztlich dir auch ein dickeres Fell zulegen musst im Umgang mit Feedback, wann immer dieses unangemessen ist.
Dies geschrieben: Was an dem Feedback könnte denn zutreffend gewesen sein? Eine gewisse Unsicherheit lese ich aus deinem Beitrag heraus, die diesbezügliche Kritik war also vielleicht nicht ganz unzutreffend, weil es schließlich dein erster Durchlauf war und du noch keine Routinen entwickeln konntest? Wäre es möglich, dass deine Unsicherheit sich auch auf deine Erklärungen ausgewirkt hat manchmal? Zumindest ich kenne das durchaus von mir, dass ich an Tagen, an denen ich weniger selbstsicher bin, weil ich zum Beispiel bei irgendetwas ins kalte Wasser geworfen wurde und mich noch unsicher fühle, auch bei Aufgaben, die ich eigentlich im Schlaf anleiten könnte plötzlich in zu komplizierten Schachtelsätzen im Hauptschulzug unterwegs bin. Das sagt also nichts über deine generelle Kompetenz oder deine Fähigkeit zu erklären auch, aber vielleicht darüber, wie unsicher du tatsächlich noch an vielen Stellen warst. Dass Studierende schreiben, sie finden die Seminare bei anderen Dozierenden besser gehört erst einmal dazu. Du wirst niemals für alle deine Studierenden den perfekten Unterricht liefern können, also nimm dir das keinesfalls zu Herzen. Überleg dir aber vielleicht, ob du in solchen Fällen eine Rückfrage einführst, was genau den Studierenden in anderen Kursen mehr zusagt. Vielleicht kannst du dir auf dem Weg das eine oder andere anschauen für deine Seminare, was zu dir Person und deinem Unterrichtsstil passt, woran du aber bislang noch nicht gedacht hast.
Was hat denn gut geklappt, so dass du das beibehalten solltest? Wann hast du dich richtig gut gefühlt? Wie kannst du dein Seminar im kommenden Semester umstrukturieren, damit es sich für dich mehr nach den richtigen Gewässern anfühlt und du souveräner agieren kannst?