Beiträge von qchn

    ich weiss schon, warum ich die Dinger sonst so gut, wie nie verwende...

    hab mich maln bisschen eingelesen und in meiner Erinnerung gekramt und natürlich war es schon immer so, dass emoticons/emojis je nach (sub)kulturellem Background und auch Generation anders verwendet werden. Letztlich meist aus Distinktionsgründen (“die Alten/NPCs/Uncoolen nutzen lol und 😂, wenn sie was ernsthaft witzig finden, wir aber nutzen das nur ironisch-distanziert”).

    tja, die gute alte Zeit: Ich persönlich vermisse sehr stark den Erikativ in Sternchen * tutesleiddasserdiesediskussionangefangenhat *, oO und ^ ^ werden nicht mehr verstanden und meine Strich-Emoticons häufig automatisiert in emojis umgewandelt =(. dazu kommt, dass Menschen anscheinend empfindlicher geworden sind, als früher: 👍️ oder ... (bedeutungsschwangere Leerstelle, die zum Denken anregen soll ^ ^) werden anscheinend als bedrohlich wahrgenommen. (ich hab “Daumen hoch” seit Ende der 90er im rl ausschließlich distanziert-zitierend verwendet, also “Daumen hoch” gesagt und dumm gegrinst, je nach Kontext auch ironisch und immer irgendwie plakativ. So verwende ich es auch im vl)

    ich hab so bei mir gedacht, dass ja auch ein Missverständnis auf beiden Seiten vorliegt, und zwar zwischen mehreren Funktionen desselben Zeichens, zB in unserer Lehrergruppe an der Schule: junge KollegInnen lachen sich wahrscheinlich tot, dass wir Älteren immer Herzen unter irgendwelche Nachrichten posten und lesen das vermutlich als Distinktionszeichen der Uncoolen. bei mir ist es aber schlicht Gruppendruck: ich fühle mich mich genötigt, kommentieren zu müssen, damit ich nicht irgendwie unfreundlich rüberkomme und da ist das Herz halt das Belangloseste, was ich posten kann.

    dieses ständige Quittiertwerden dient natürlich hegelmäßig der Versicherung der eigenen Existenz, aber das ständige Quittieren und Quittiertwerden ist so schrecklich ermüdend und letztlich doch eher die sartre´sche Hölle durch die anderen.

    siehst Du Dich in dieser Angelegenheit als Opfer? ich hab Dich zwar offenbar missverstanden, weil ich über Deinen Wortwitz gelacht habe, der von Dir nicht als solcher gemeint war, aber ich tu mich sehr schwer, das als Mobbing einzustufen, weil da ja schon bisschen mehr passieren muss, als dass jemand sich nicht ernst genommen fühlt. Passieren Dir solche Situationen öfter, dass Du Dich angegriffen fühlst, obwohl Dich niemand angreift und Du dann die Kommunikation abbrichst, und so eine Klärung des Vorfalls vermeidest? Warum machst Du das?

    ja, die Dinger sind einfach doppeldeutig. ich muss sagen, dass ich ja eh noch davon geprägt bin, alle Smileys in der Internetkommunikation extrem peinlich zu finden und sich allenfalls mal ein : ) zu erlauben. Ich kann garnicht nachvollziehen, warum diese ganzen Emoticons so in Mode gekommen sind. *lol hat aber ja auch ne ganz ähnliche Karriere hingelegt. ich würd ja gerne wieder "word" einführen.

    die Schule schränkt doch jetzt schon permanent Wahlmöglichkeiten der SuS ein. zB. bei der Begrenzung der Wochenstunden, dass nur 1 Zusatzkurs genommen werden kann, der Latein-LK aufgrund zu geringer Nachfrage oder Nichtpassung mit dem Schulprofil nicht eingerichtet wird, bestimme LK-Profile gewählt werden müssen, nicht jede Fachschaft eigenständig die Klausurzeit im Korridor für sich festlegt, bei Wahl einer neueinsetzenden Fremdsprache aus stundenplantechnischen Gründen irgendwas nicht gewählt werden kann etc. Begründet wird das immer mit: System.

    die Festlegung, dass alle im Projektkurs die Prüfung im 5. Fach ablegen sollen ist ebenfalls genau eine solche Wahleinschränkung, aber es sind doch noch sehr viele andere Optionen denkbar, die dann halt schulspezifisch bestimmte Effekte aufs System haben. Die werden dann halt nicht als "Wahleinschränkungen" gelabelt.

    Ich glaube sogar, dass die SuS eher geneigt sind, die Prüfung in einem beliebigen GK abzulegen, da es einfacher ist, einfach zwei Leistungsnachweise in die KI zu hauen und sich daraus einen Vortrag stricken zu lassen als das mit zwei Projekten zu tun, die man evtl. etwas aufwendiger beschreiben muss. Wie würdet ihr das einschätzen?

    LLM sind so leistungsfähig, dass das keinen Unterschied macht. ohne LLM find ich eigentlich die Präsentation im GK schwieriger. Das Leben wär aber so viel einfacher für alle Beteiligten gewesen, wenn die Landesregierung nicht vorgesehen hätte, dass man den verpflichtenden Projektkurs zum Abiturfach machen kann... das ist einfach systemischer GAU.

    Und gibt es wohl in Schild3 ein "Häkchen", das ich bei den SuS setzen kann, um nachzuhalten, ob sie ihre GKL alle abgelegt haben?

    das neue LUPO soll diese Funktion beinhalten und sogar apple können. Ich denke die Wahl des jeweiligen Fachs im Fächerbereich sollte spätestens zu Beginn des Quartals/ Halbjahrs feststehen.

    Zur Blackbox des Wahlverhaltens: ist ja eigentlich jedes Jahr spannend. Relevanter Faktor wird sein, dass wir die Wahloptionen frühzeitig einschränken und dabei im Gegensatz zur Landesregieung systemische Effekte mit einbeziehen. (Kursgrößen, Korrekturcluster, Ausfallrisiko)

    Es geht nicht unbedingt darum, dass mehr Leute unzufrieden sind, aber dass Klagen imho mehr Aussicht auf Erfolg haben werden. ich finde die Vorgaben zur Präsentationsprüfung derartig kompliziert, dass es da einfach viele Fehlerquellen geben wird. Dazu kommt, dass es nicht mal mehr die Illusion der Vergleichbarkeit gibt, weil die SuS quasi im 1. Teil ihre eigene Prüfung gestalten und man dann im zweiten Teil irgendwie halb-spontan agieren muss; im worst-case dann noch mit zwei KolegInnen unterschiedlicher Fächer bei der 5-köpfigen Gruppe.

    danke Alterra für den gruseligen Einblick in den Alltag Eurer Präsentationsprüfungen. so ungefähr stelle ich mir das vor =(

    Ich warte ganz gespannt ab, ich habe mir das Kozept nun mehrfach zu Gemüte geführt und verstehe es nicht. Bolzbold, wenn du jetzt noch (nicht mehr geforderte) Fächerbindung einwirfst, ist nur noch Knoten in meinem Hirn. Kann nicht mal jemand eine KI so prompten, dass ein schönes vorher-nachher- Schaubild erscheint? :D

    es sind eigentlich garnicht so viele Veränderungen:

    alle Vorgaben zur schritflichen Belegung in der Q-Phase bleiben weitgehend erhalten.

    statt 4 Fächern, kommen aber jetzt 5 Fächer ins Abi; das 5te Fach ist eine Art mündliche Präsentationsprüfung in einem schriftlichen Fach der Wahl, bei der zwei benotete Leistungen (Klausuraufgabe, Referat, wasweissich) aus der laufenden Q-Phase verwurstet werden. Weil die bisherigen Abiturfachbedingungen [alle drei Bereiche Sprache/Kunst, Gesellschaftswissenschaften/Religion und Mathe/Naturwissenschaften] und [2 der Abiturfächer müssen M, D oder ne Fremdsprache sein] weiterhin gelten, können jetzt SchülerInnen z.B. Kunst nehmen, ohne Mathe wählen zu müssen; oder auch zwei NW, was vorher nicht möglich war. Wenn allerdings der Projektkurs als 5. Fach gewählt wird, kann das dazugehörige Referenzfach natürlich nicht mehr ins Abitur eingebracht werden, weil man das dann ja doppelt im Abitur hätte.

    verpflichtende Belegung eines Projektkurses in Q2, der an ein schriftliche belegtes Fach angebunden sein muss und auch von einer entsprechenden Fachlehrkraft unterrichtet wird. darin ist pro Halbjahr eine irgendwie geartetet Leistung zu absolvieren. der Projektkurs ist deutlich reglementierter als früher.

    SchülerInnen sollen in der Q-Phase pro Bereich (Sprachen/Gewi/NW) eine Klausur mittels alternativen Prüfungsformat absolvieren, wenn dieses Prüfungsformat zu dem Zeitpunkt vorgesehen ist, da sie das Fach schriftlich belegen. In der EF gilt das Selbe.

    SuS in der Q-Phase müssen genau 40 Kurse belegen und zur Zulassung einbringen, wobei auch unbenotete Vertiefungskurse in der Q-Phase mitzählen. Ist auch nur ein Kurs nicht bewertbar oder mit ungenügend bewertet, so können nicht mehr 40 Kurse eingebracht werden und die Zulassung damit nicht möglich.

    Der Teufel liegt eher in der systemischen Umsetzung. So Fragen wie:
    - in welchen Fächern sollen eher die Projektkurse angeboten werden: Fächer mit hoher Korrekturbelastung sind gleichzeitig diejenigen, die alle belegen (müssen), bieten sich also irgendwie an, wenn man kleine Projektkurse und damit große normale Kurse vermeiden möchte. damit belastet man aber wieder immer die selben KollegInnen. (imho sind zwei Referenzfächer nur sinnvoll, wenn man mehrere KuK mit der selben Fachkombi an der Schule hat, sonst holt man sich nur unnötig Ärger ins Haus.)*
    - wie sollen die Alternativen Prüfingsformate auf die Halbjahre/Quartale aufgeteilt werden, um den SuS möglichst viel Lernzeit zu ermöglichen.

    dann sind dann noch Fragen zum 5. Prüfungsfach, die auch die motiviertesten SchönrednerInnen nicht schönreden können, z.B.
    - wie viel Tage schließen wir eigentlich die Schule für die Prüfungen im dritten und vierten Fach?
    - wie viel Beratungszeit für die Notenfindung im 5. Fach wird angesetzt und wie viele dieser ziemlich fordernden Prüfungen sind wohl einer FachkollegIn hintereinander zuzumuten?
    - wie wird man wohl mit der Flut an Einsprüchen im 5. Fach umgehen?
    - wie soll man Einzelleistungen in Gruppenprüfungen im 5. Fach bewerten?


    *Ich denke ja bei uns wird vor allem Kunst betroffen sein: die Klausuren sind - im Gegensatz zu Musik - quasi geschenkt (niemals hatte bei uns hier jemand etwas Schlechteres als ne 3) und liegen wegen des Wegfalls der sogenannten Mathebindung für viele im Bereich des Denkbaren. Darüber hinaus ist der Kunstbegriff ja weit gefächert, so dass man auch mehrere Kunstprojektkurse (Performance, 2D, 3D, ?) anbieten könnte. Nennt man das Ganze dann ganz selbstbewusst "Kunstprofil", legt noch nen rotierenden Notfall-Hauptfachprojektkurs an und fertig ist die Laube. Ist doch auch was Schönes, wenn die SuS neben all dem outgesourcten Denken mal bisschen selbst kreativ werden müssen.

    mag sein, dass mehr SuS das Abi schaffen, weil die sogenannte Mathebindung in einigen Fächern wegfällt und daher (potentiell) punktreichere Fächer ins Abi eingebracht werden können. (es ist btw. auch nicht so, dass die SchülerInnen, die in Mathe schwach sind, in Bio/Chemie oder Physik so viel leistungsstärker sind)

    viele andere Aspekte zeigen auch in eine andere Richtung: die starre Zahl von 40 Kursen; die damit einhergehende Regelung, dass geringe Anwesenheit = NB = nicht genug Kurse = keine Zulassung bedeutet; die gekürzte Klausurzeit bei gleichzeitig explodierender Anzahl von Klausurformaten; dass man mit dem 5. Abiturfach zwingend Deadlines einhalten muss; die Tatsache, dass man ein Fach mehr im Abitur hat etc. Plus den Anscheinsbeweis mit KI und der generellen Erschwernis von Fehlen durch Krankheit. Das sind wiederum Hürden, die es WackelkandidatInnen schwerer machen, mit einem blauen Auge davon zu kommen.

    ich war diese Woche bei einer Implementationsveranstaltung zur neuen Apo und finde, die Projektkurse sind jetzt maximal unattraktiv geworden, weil sie quasi irgendwie strukturell kontraproduktiv verankert sind. Vertiefungskurse sind imho die neuen Projektkurse; wäre cool, wenn bei den ganzen zusätzlich einzurichtenden Kursen noch Stunden dafür übrigblieben..

    Vieles an der Reform ist zwar doch nicht so schlimm, wie erwartet, aber ich hatte oft den Eindruck, als wäre da ex-post mit aller Gewalt durch krude Praxisanweisungen irgendein Sinn in eine eine verschwurbelte Verordnung gebracht worden und weiterhin stehen Aufwand und Ergebnis in keinem Verhältnis. Das 5. Abiturfach ist irgendwie einfach nur noch unsinnig. Ich bin mir nichtmal mehr sicher, ob die Grundfunktion der neuen Apo, nämlich mehr SuS durchs Abi zu kloppen, wirklich erreicht wird.

    Lustig ist auch, dass sich anscheinend der Philologenverband irgendwie mit seinen kürzeren Klausurzeiten (in der Q1 sogar noch unter der Bandbreite, wenn ich mich recht erinnere) durchgesetzt hat, aber gleichzeitig alle KLP tausend Klausur- bzw. Klausurersatzformate vorsehen, die irgendwie eingeübt werden sollen, weil das Abitur bis jetzt weiterhin noch 5 Stunden dauert.

    muss nicht die 1. sein, sondern nur eine in der EF. könnte man zb die 4. wählen, die parallel zu den ZP liegt. wieauchimmer: ich meinte, man solle in der Q-Phase im Extremfall, abgesehen vom Vorabitur nur einmal Sprachmittlung und sonst immer HV smachen, weil das weniger Arbeit ist. wie gesag, es geht mir hier nicht darum, ob das sinnvoll ist oderso, sondern nur, ob man regelkonform Korrekturzeit sparen kann.

    Sprachen sind natürlich megaätzend. da muss man den Spielraum wirklich mit der Lupe suchen, aber es ist nicht so, dass jede Klausur vorgegeben ist. Die Höchstgrenze an Hörverstehen und Sprachmittlung ausreizen, Aufgabe 3 erst in Q2.2 mit Wahlmöglichkeit, 2 statt 6 Inhaltskriterien, auf Fehlerquotient verzichten, nur W, G, R und Z und eben das "schrittweise anpassen" sehr wörtlich auslegen bei Textlänge und Zusammenfassung von Aufgaben. da brauchts halt ne mutige Fachschaft. (ich unterichte die Fächer selbst nicht, aber ne Freundin ist Mitglied einer solchen mutigen Fachschaft.

    Wenn Du nicht zwischendurch Lehrerwechsel erzwingen möchtest, setzt das voraus, dass Du keine neunte Klasse und keine Q1 parallel in einem Kernfach bekommst.

    nein, Du hast mich missverstanden: ich empfahl eine Intervention, wenn man ausschießlich (also sein komplettes Deputat) in der Q2 und der 10 parallel eingesetzt wird.

    Nützt halt in der Oberstufe nichts, wo alles genau vorgeschrieben ist.[...] Und mindestens 1 Arbeit muss ja auch dem späteren Prüfungsformat entsprechen, sowohl in Sek I (ZP 10) als auch die Vorabiturklausur.

    Das ist genau das was sich meine: es wird behauptet, es gäbe keinen Spielraum, um dann beispielhaft anzuführen, dass 1 (EINE!) von 10 Klausuren in der Oberstufe einer vorgegebenen Form entsprechen muss. Unbenommen, dass es am BK mehr Möglichkeiten der Kreativität bei der Aufgabenstellung gibt, aber 9/10 sind jetzt nicht gerade wenig Spielraum:
    man kann sich als Fachschaft darauf verständigen, nur das Minimum abzudecken, was Klausurenzahl- (abhängig vom Fach) und Dauer im Rahmen der Bandbreite angeht.
    Zahl der Teilaufgaben, Materialumfang und Gewichtung sind frei, solange die AFB-Progression Richtung Abitur erkennbar bleibt. Muss man halt mal fachschaftsintern darüber nachdenken, mit wie wenig Text man auskommt, um "Schreiben" abzuprüfen. Letztlich können konkretere Vorgaben in Aufgaben das Schreibvolumen auch massiv reduzieren. mglw. kann man ja Aufgabenteile als MC (geht auch in intelligent mit AFB2) gestalten. Warum auch kein Lückentext? Muss ja nicht alles MC oder Lückentext sein.
    Auch wird gerne behauptet, jede Klausur müsse alle drei AFB abdecken, was nicht der Fall ist. Wenn die Fachschaft darauf besteht, dann nutzt man halt son Zwitter-Operator wie "erörtern" und hat trotzdem ne Aufgabe weniger.
    ansonsten kann man im Normalbetrieb einfach oberfächlicher korrigieren. Wenn eine Formulierung unverständlich ist oder vage, dahh schreib ich halt "vage" oder "unverständlich/?" und mach mir nicht erst die Mühe zu verstehen, was da vlt. gemeint gewesen sein könnte, um dann nen wall of text dahinzukorrigieren, die eh niemand liest und mir damit einzuheimsen, dass die SchülerIn beim nächsten mal genauso wenig Sorgfalt an den Tag legt. Im Abitur versuch ich natürlich alles zu verstehen, aber da muss ich auch keine Positivkorrektur machen.

    nennt das ruhig malign compliance, aber niemand dankt es uns, wenn wir uns im vorauseilenden Gehorsam mehr Arbeit machen, als vorgeschrieben ist.

    klar, wenn man jetzt nur Abitur- und ZP10-Klassen hat, nutzt das in dem Quartal wenig, aber dann sollte der LR schon lange bzgl. der Unterrichtsverteilung interveniert haben.

    Und was ist, wenn man Korrekturfristen hat, die man einhalten muss, die Menge an Korrekturen aber zu hoch bzw. die Zeit zu knapp ist um in der "normalen" Arbeitszeit damit durchzukommen? Klar, an der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts Zeit einsparen ... ? Geht aber auch nur bedingt.

    Klassenarbeiten und Klausuren korrekturfreundlich gestalten. imho ist das der Punkt, an dem gerade besonders belastete KorrekturfachlehrerInnen ungern Zeit sparen, weil sie sich bei der Konzeption der Arbeiten an Wünschen oder Traditionen orientieren, anstatt die tatsächlichen Vorgaben opportun umzusetzen.

    Hast du es jemals durchgezogen? Ich glaube, ich kenne nur einen Fall.

    also im Abi selbst hab ich tatsächlich noch nie zwei Punkte in der Darstellungsleistung abgezogen, sondern immer nur einen, weil ich sonst einfach auch sehr viele Punkte abziehe:

    Meine Strategie, um die Noten in "Laberfächern" bei schlechten Leistungen adäquater zu gestalten ist es, nicht das zu zählen, was die SchülerInnen vielleicht meinen, sondern genau das zu bewerten, was geschrieben wurde. Wenn im AFB 1 nur irgendwelche zusammenhanglosen Buzzwords mit willkürlich verteilten Konjunktionen ("non sequitur") ohne Erklärung stehen ("vage") bleibt von 4 Spalten ganz schnell nur noch ein inhaltsleerer Einleitungssatz (im Folgenden werde ich blabla) übrig. Darüber hinaus dann noch konsequent Paraphrasen und nicht in eigenen Worten erläuterte direkte Zitate nicht zählen, weil eine Textanalyse keine Grammatikübung ist, bei der einfach ein Text ins Passiv gesetzt werden soll, und schon bleibt nur noch ein Halbsatz übrig. Hat sich bisher noch niemand beschwert.

    vorab: sei froh, dass Dein Fachleiter nicht dem Bonbon"modell"-Virus verfallen ist. als Idee bestimmt erstmal ganz brauchbar, für Personen, die halt vlt. Zertifikatskurs oder fachfremd in Sek I unterrichten, aber bei uns wird die mittlerweile auf eine Art von FachleiterInnen verlangt, die man nur totalitär nennen kann. dieses hemdsärmelige Vereinfachung eines komplexen Lernprozesses überhaupt ein Modell zu nennen ist schon frech genug - dass das Ganze auch noch von PhilosophInnen kommt, einfach nur unterirdisch.

    ungeachtetdessen: Du kannst statt hermeneutisch auch einfach problemorientiert vorgehen - ich wüsste nur wenige Fächer, bei denen die Anwendung dieses Uraltprinzips so fachinheränt ist, wie Philosophie. Letztlich haben wir es ja explizit nur mit Problemen zu tun. sprich: Problemfrage (durch Dilemma, Film, Karikatur, Tafelanschrieb wasweissich), antizipierter Antwortversuch der SuS, philosophische Experten erarbeiten, bewerten, nächste Frage und wieder von vorne. Bestenfalls nicht Stunde für Stunde, sondern halt eine Frage suchen, die eine ganze Unterrichtsreihe und mehrere Experten trägt, also z.B. "Ist die Welt wirklich so, wie wir sie wahrnehmen" mit zB Idealismus, Realismus, Rationalismus, Konstruktivismus, Pragmatismus. Idealerweise bleibt am Ende jeder Expertenposition mindestens ein großes Problem offen, das dann der nächste Experte versucht zu beantworten usw., dh die SuS kommen selbst auf die Fragen. Am Ende dann irgendwie ne größere Aufgabe zur Bewertung und Abwägung der Positionen mit eigenem Urteil und/ oder Kreativaufgabe mit Transfer und/oder Debattenformat zu aktuellem Problem. und wieder von vorne.

    gundsätzlich muss man das Rad, was die Texte angeht, nicht neu erfinden - die entscheidenen Textstellen finden sich in den meisten Schulbüchern (nicht empfohlen: Zugänge) und müssen nur auf die Lerngruppe angepasst werden. Natürlich muss man auch nicht für alles Texte nehmen - ich gehör da eher der alten Schule an - sondern kann auf andere Formen des Inputs zurückgreifen. für die Sek I bin ich ein großer Fan der alten FairPlay-Ausgabe. da wird nicht nur die ganze Zeit eine Befindlichkeit, nach der nächsten durchgelabert, sondern man hat es auch mal mit echter Theorie zu tun, gleichzeitig sind aber Texte und vorallem Aufgabenstellungen dem Niveau angemessen.

    wir haben früher auch alle diese unsägliche Mittagspause gehabt, verlässlich bis 16 Uhr Schule und wirklich jeden Mist vertreten.

    Im Lehrerrat haben wir endlos mit der verantwortlichen Stundenplanerin über Sinn und Zweck diskutiert (unserer Auffassung nach war der Arbeitsschutz auch ohne die zusätzliche Mittagspause bereits durch die normalen großen Pausen erfüllt, da die vorgeschriebene Pause ja nicht am Stück genommen werden muss) und letztlich ist diese Mittagspause erst abgeschafft worden, weil die Stundenplanerin die Schule gewechselt hat und wir es uns aufgrund von Raumnot nicht mehr leisten konnten, eine komplette Stunde alle Räume leerstehen zu lassen.

    Jeden Mist in der Sek 1 zu vertreten hat dann Stück für Stück aufgehört, weil wir als Kollegium einfach krass überlastet waren und sich dann aus purer Not langsam etabliert hat, dass der Nachmittagsunterricht in den oberen SekI Klassen ausfallen darf, wenn keine Vertretungsreserve mehr übrig ist. (Sek II-Unterricht ausfallen zu lassen, damit die Sek I vertreten werden kann, wurde nach ein paar Wochen verworfen) Eltern können eine ihren Kindern eine Dauererlaubnis gebene, dann nach Hause zu gehen, ansonsten werden die Kinder verwahrt. Mittlerweile geht das bis zur 8. Klasse runter - wir haben aber auf der einen Seite wirklich viele Vertretungsreserven (5/ Stunde bei 5-zügig) und auf der anderen Seite ein recht gut funktionierendes Vertretungskonzept, bei dem Kinder die Aufgaben dann halt zu Hause alleine machen müssen.

    Lernzeiten werden zur Gänze und Mittagspausenaufsichten leider zur Hälfte abgerechnet. ist finde ich, doppelt ungerecht, weil man für eine Deputatsstunde entweder 45min mitten am Tag in der ruhigen Lernzeit abhockt, oder 2 x 45min stundenplanverlängernd sich das Geschrei von Kindern anhören muss, aber leider nicht zu ändern.

    Ganztagsschule ist aus LehrerInnensicht einfach ein schlechter Deal, wenn man auch versuchen kann, es ein wenig besser zu machen. Grundsätzlich lässt sich der Ganztagsstatus auch ändern (siehe Schlossgymnasium in Benrath bei Düsseldorf), aber da muss man Durchhaltevermögen haben.

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