vorab: sei froh, dass Dein Fachleiter nicht dem Bonbon"modell"-Virus verfallen ist. als Idee bestimmt erstmal ganz brauchbar, für Personen, die halt vlt. Zertifikatskurs oder fachfremd in Sek I unterrichten, aber bei uns wird die mittlerweile auf eine Art von FachleiterInnen verlangt, die man nur totalitär nennen kann. dieses hemdsärmelige Vereinfachung eines komplexen Lernprozesses überhaupt ein Modell zu nennen ist schon frech genug - dass das Ganze auch noch von PhilosophInnen kommt, einfach nur unterirdisch.
ungeachtetdessen: Du kannst statt hermeneutisch auch einfach problemorientiert vorgehen - ich wüsste nur wenige Fächer, bei denen die Anwendung dieses Uraltprinzips so fachinheränt ist, wie Philosophie. Letztlich haben wir es ja explizit nur mit Problemen zu tun. sprich: Problemfrage (durch Dilemma, Film, Karikatur, Tafelanschrieb wasweissich), antizipierter Antwortversuch der SuS, philosophische Experten erarbeiten, bewerten, nächste Frage und wieder von vorne. Bestenfalls nicht Stunde für Stunde, sondern halt eine Frage suchen, die eine ganze Unterrichtsreihe und mehrere Experten trägt, also z.B. "Ist die Welt wirklich so, wie wir sie wahrnehmen" mit zB Idealismus, Realismus, Rationalismus, Konstruktivismus, Pragmatismus. Idealerweise bleibt am Ende jeder Expertenposition mindestens ein großes Problem offen, das dann der nächste Experte versucht zu beantworten usw., dh die SuS kommen selbst auf die Fragen. Am Ende dann irgendwie ne größere Aufgabe zur Bewertung und Abwägung der Positionen mit eigenem Urteil und/ oder Kreativaufgabe mit Transfer und/oder Debattenformat zu aktuellem Problem. und wieder von vorne.
gundsätzlich muss man das Rad, was die Texte angeht, nicht neu erfinden - die entscheidenen Textstellen finden sich in den meisten Schulbüchern (nicht empfohlen: Zugänge) und müssen nur auf die Lerngruppe angepasst werden. Natürlich muss man auch nicht für alles Texte nehmen - ich gehör da eher der alten Schule an - sondern kann auf andere Formen des Inputs zurückgreifen. für die Sek I bin ich ein großer Fan der alten FairPlay-Ausgabe. da wird nicht nur die ganze Zeit eine Befindlichkeit, nach der nächsten durchgelabert, sondern man hat es auch mal mit echter Theorie zu tun, gleichzeitig sind aber Texte und vorallem Aufgabenstellungen dem Niveau angemessen.