Ich bin vor 10 Jahren im Referendariat gewesen und selbst dort gehörte es zur Lehrkräfteausbildung, alle Weltreligionen im Fach Ethik zu behandeln und Rituale und Traditionen exemplarisch zu zeigen und ggf. einmal anzuwenden.
Sorry, aber das geht mal überhaupt nicht. Es kann nicht sein, dass Menschen zu Ritualen in einem unterrichtlichen Rahmen angehalten werden. Machst du den Schülern klar, dass sie daran nicht teilnehmen müssen? Oder müssen die Schüler das von sich aus einfordern? Also, so etwas schockiert mich dann in einem Ethikunterricht doch sehr.
Hättet ihr es gewusst, dass es einen Ramadan-Kalender gibt, der unserem Adventskalender ähnelt? Dass die abrahamitischen Weltreligionen eigentlich denselben Ursprung haben? Dass jede dieser Weltreligionen einen Gott hat, ein Glaubenshaus, betet, Gläubige Dinge in ihrem Leben gemacht haben sollen (Säulen des Islams, Sakramente...), es ein Buch Gottes gibt usw.
Der Ramadan-Kalender ist mir bekannt. Ich hatte damals leider keinen, auch wenn ich wohl in der Zeit aufgewachsen bin, als der so gerade in Mode kam. Es ist eine Adaption des Adventskalenders und deshalb auch aus religiöser Sicht sehr umstritten.
Dass die abrahamitischen Religionen sich alle auf Abraham/Ibrahim berufen, sollte hoffentlich Allgemeinwissen sein und sollten Schüler lernen, egal ob jetzt im Religions- oder Ethikunterricht. Aber hier beginnen ja schon die Unterschiede: welchen Sohn sollte Abraham opfern? Juden und Christen werden Isaak sagen, Muslime beantworten die Frage heute mit Ismael, der als Stammvater der proto-islamischen Völker gilt. Muslime gedenken Abraham heute übrigens jährlich zum Opferfest (das ich nun auch nicht als Ritual im Ethikunterricht sehen will, nicht nur den Dinkel-Dörtes wegen).
Der Eingottglaube ist aus muslimischer Sicht fundamental. Eine große Differenz zum Christentum ist ja gerade darin begründet. Aus islamischer Sicht die die Trinität eine Falschlehre, genauso die Menschwerdung Gottes. Für mich, der kein Christ – auch nicht kulturell – ist, ist die Dreifaltigkeit bis heute völlig unverständlich. Dieser fundamentale Unterschied zwischen Christentum und Islam (aber auch allen anderen abrahamitischen Religionen, egal ob Judentum, Bahai, Mandäer oder Samaritanern) sollte schon herausgearbeitet werden.
Das sind jetzt nur ein paar, sehr offenkundige und bereits an der Oberfläche sichtbare Unterschiede. Man kann da sehr viel weiter reingehen.