Das Tablet müsste man dir zur Verfügung stellen. Natürlich musst du es nicht privat anschaffen. Häufig kommen dann Sprüche wie "du kannst es doch bei der Steuer absetzen!", aber da kriegt man natürlich längst nicht alles wieder...
Ich glaube auch nicht, dass es ohne Beschluss der Schulkonferenz umsetzbar wäre. Allerdings sind Eltern und Schüler leichter zu überzeugen, da alles mit Technik und alles, was neu ist, erstmal positiv gesehen wird; Lehrer haben da zumeist einen differenzierteren Blick. Gut möglich, dass die SL wenig Bedenken hat, weil sie die Stimmen von Schülern und Eltern miteinplant oder auch schon hinter den Kulissen Gespräche geführt hat.
Ich bin überhaupt kein Freund der Tablets. Andere Länder überdenken gerade die Mediennutzung und Deutschland muss erstmal all die gleichen Fehler machen. Wir sind halt ein wenig langsam...
Vorteile sind das vereinfachte Bereitstellen von Materialien und ... das war's eigentlich. Mir fällt nicht mehr ein.
Nachteile:
- Je jünger die Schüler, desto katastrophaler. Die Geräte lenken einfach ab. Allein ihre Anwesenheit bewirkt schon etwas bei jüngeren SuS, da sie die Geräte von zu Hause als Spielgeräte kennen und nutzen.
- Restriktionen und Kontrolle sind zwingend notwendig und erfolgen häufig nicht, wie es erforderlich ist. Jegliche Freiheiten werden ausgenutzt: Kamera und Mikro für unerlaubte Aufnahmen, die Kamera auch gerne zum Schminken, das Internet zum Surfen, Zocken und Online-Shopping etc. Nicht alle Sperren funktionieren wie gedacht: SuS können über den Browser auf Spiele zugreifen. Da hilft eine "Spielesperre" nicht oder das Einschränken der Apps. Da muss man schon den Zugang zum Browser oder das Internet kappen.
Das bedeutet also, dass eigentlich alles gesperrt werden müsste und nur durch Lehrer freigegeben wird. In der Regel läuft es aber genau andersrum an Schulen: Wenig Einschränkungen und Lehrer sollen "per Klick" Funktionen der Tablets sperren. Welcher Lehrer hat denn nicht Lust, jede Stunde damit zu verbringen, Geräte zu sperren...?
In Vertretungsstunden werden die Geräte bei vielen Kollegen dann für alles Mögliche verwendet.
Schüler versuchen sich Kontrollen zu entziehen, indem sie Verbindungen zum Gerät kappen. Man muss dann als Nächstes gucken, wenn sie "offline" sind: Sind die Tablets im Netz? Und darf den Schülern noch über die Schulter schauen, um das auch zu prüfen.
Schusselige Schüler vergessen ihr Tablet oder laden es nicht auf. Alles online bereitgestellt? Sie haben es nicht.
Bücher auf den Tablets ist auch ... bescheiden. Echte Bücher sind idR. größer als die Tablets und somit ist alles besser sichtbar. Zudem wechseln die SuS dann immer hin und her: Buch, Notizen, Buch, Notizen...
Die SuS schreiben auf Tablets häufig deutlich langsamer, weil sie immer ranzoomen -> schreiben -> rauszoomen und nach rechts ziehen -> ranzoomen -> schreiben... Man braucht einiges an Geduld. Und viele schreiben eh schon langsam.
Oder der Pen ist nicht geladen, wenn es denn einen gibt. Dann muss der erstmal geladen werden.
- Bei SuS in der Oberstufe habe ich weniger Bedenken; zu einer Verbesserung der Leistungen haben sie da aber definitiv auch nicht geführt.
- Die Geräte führen nicht zu einem besseren Umgang mit Medien, sie fördern keine Medienkompetenz und die SuS starren dann halt jeden Tag noch ein paar Extrastunden auf einen Screen. Die zig Stunden zu Hause reichen ja schließlich noch nicht.
Was wäre also eine sinnvolle Lösung? Leihgeräte. Sporadischer und gezielter Einsatz, wenn der Lehrer/die Lehrerin es für sinnvoll hält. Sonst nicht. Aber man muss ja dem Trend folgen. Wen interessiert schon, ob die Geräte taugen oder nicht? Hauptsache neu.