Ich glaube, dass das gar nicht ausgeschlossen wird - ganz im Gegenteil. Wir müssen hier klar unterscheiden zwischen dem deskriptiven "nach oben heiraten" und dem präskriptiven "nach oben heiraten". Letzteres wäre die gesellschaftliche "Norm" bzw. Forderung, die in der Tat aus dem vorletzten Jahrhundert stammt aber bis ins letzte Jahrhundert nachgewirkt hat.
Ersteres ist einfach nur eine beobachtende, aber keinesfalls wertende Beschreibung. Man schaut sich die Ehen an und vergleicht den sozialen Status vor der Ehe. Die Motivlage wird dann analysiert, daraus werden aber keine Forderungen an Frauen oder Männer bezüglich ihrer PartnerInnenwahl abgeleitet.
a) Natürlich wird hier immer wieder gewertet, etwa dass Frauen auf die Suche nach Männern gingen, die mehr verdienten, um dann Teilzeit arbeiten zu können und so dem armen kinderlosen Kollegen die Last aufzubürden, Frühaufsicht zu übernehmen.
b) Indem du sagst, du beschriebest lediglich, behauptest du, eine Wahrheit auszusprechen. Genau das ist aber hier Gegenstand der Diskussion, es ist eben NICHT mehr so, dass Frauen Stenotypistin werden (müssen!) und dann ihren Chef heiraten, der das Parkett fürs Reihenhäuschen finanziert.
c) Im Laufe des Lebens, meist durch Kinder, kommt es jedoch auch heute immer noch häufig dazu, dass Mütter mehr zu Hause arbeiten/erziehen etc. und Väter erwerbstätig sind, was dann die Ungleichheit nach wie vor zementiert. Insbesondere nach Scheidung, wenn Frauen allein erziehen und kaum Rentenpunkte anhäufen können.