Beiträge von treasure

    Ich hab jetzt mal quergelesen - wenn deine Kurse voll sind, kannst du auch zur Logopädie gehen. Die machen auch oft Lehrertraining, gerade, was Sprechen und Haltung angeht. Sehr effektiv. Ich habe es selbst nicht gemacht, da ich das im Studium hatte, weiß aber von Kolleginnen und Kollegen, dass ihnen das sehr geholfen hat.

    Was übrigens tatsächlich auch hilft und was ich in meinen Theater-Übungen im Studium mitgenommen habe, ist der SPIEGEL. Nicht die Zeitung. Wie fühlt sich Lächeln an? Wie lache ich? Wie schaue ich? Wie kann ich meinen Blick intensivieren und meine Haltung präsenter machen? Ausdrücke üben etc. Seit ich diese Übungen gemacht habe, gibt es kein Foto mehr, auf dem ich blöd gucke, es sei denn, jemand hat mich beim Essen oder Blödsinnerzählen aufgenommen. Die Kamera kommt und ich weiß genau, wie mein Gesicht wann wie aussieht. Hilft enorm.

    Für mehr Sicherheit im Unterricht habe ich mich akribisch vorbereitet. Jede Sekunde war verplant, meist etwas zu viel, falls es schneller geht als ich es eingeschätzt habe, dann hatte ich immer schon den Start für die nächste Stunde. Mittlerweile mache ich viel im Kopf, einfach weil die Erfahrung viel lehrt und habe mehr Mut für Spontanität. Früher habe ich mir genaue Notizen gemacht und sie teilweise daheim auch einfach mal durchgesprochen. Klar, auch früher gab es dann schon Exkurse und Spontanes, bei denen ich dann sehr aufgeregt war, ob sie auch klappen, weil eben nicht vorher durchdacht. Aber ohne das wäre der Unterricht ja auch sehr wenig biegsam.

    Die 5 Jahre kann ich so ungefähr mitgehen, das weiß ich nicht mehr genau, aber ich habe irgendwann gemerkt: "Hey, du bist nicht mehr nervös, manche Dinge denkst du dir durch und ziehst sie dann durch, dein Unterrichten hat auch ohne 485739576076 Zettel Hand und Fuß" usw.


    Das wird! :top:

    Ich kann das mit dem Genervtsein gut nachempfinden, auch wenn ich selbst diesen Zustand noch nicht erreicht habe (noch lange nicht so lange im Dienst wie du). Je älter man wird (und DAS merke ich auch an mir), desto schwieriger fällt einem in vielen Fällen die Akzeptanz von Extremen (Lautstärke, Hibbeligkeit etc), meiner Wahrnehmung nach.

    Die Unruhe entsteht meiner Meinung nach, neben all dem, das hier schon angesprochen wurde, auch durch die "Schnelllebigkeit" in den Medien. Ich habe Tiktok mal für fünf Minuten angemacht und entsetzt wieder deinstalliert, weil ich schon nach dieser kurzen Zeit völlig überfordert war von den schnellen Wechseln in Schnitten, Bildern und Videos. Der Content bewegt sich im Bereich zwischen 1-2 Minuten, danach folgt der nächste. Viele Kinder sind auf diesem Medium sehr, sehr viel, was ich so mitbekomme und werden von dieser Schnelligkeit geprägt.

    Letztens habe ich in Englisch einen kleinen Film (6min Dauer) wiederholt, da die Kinder danach mit den Texten des Films diesen als Rollenspiel nachspielen sollten. Kommentar eines Jungen: "Wiesoooo??? Haben wir doch schon gesehen! Wiederholungen sind kacke!!" Auf meinen Blick hin hat er sich für seine Wortwahl und sein Reinrufen entschuldigt, ich habe dies angenommen, aber im Prinzip hat er eine Wahrheit für viele Mediennutzer und Mediennutzerinnen dieses Alters ausgesprochen. Gucken - und weiter. Content - und weiter. Einmal gesehen - und weiter. Schnellschnellschnell.

    Dies führt unweigerlich dazu, so empfinde ich das, dass Kinder, die dieses Konsumverhalten haben, nicht mehr in der Lage sind, Langsamkeit, Entspannung und längere Strecken eines Themas zu "ertragen". Wenn man sich Filme von früher anschaut und sie mit heutigen Filmen vergleicht, sind die Filmschnitte auch um ein SO vieles schneller, ja, rasanter geworden. Die Augen werden überschüttet mit Input, der Kopf kommt kaum hinterher. Die Menschen haben im Schlaf dann so viel mehr zu verarbeiten, was sicher dazu führt, dass der Schlaf unsteter ist und der Organismus immer mehr in eine Störung hinein kommt. Dies sind die Ergebnisse meines Nachdenkens darüber, nichts ist wissenschaftlich belegt, aber nach meiner Wahrnehmung und meiner Erfahrung mit den Kindern nimmt genau dieses Verhalten immer mehr zu. So ändert sich dann auch der Konsumwunsch - und wenn der Unterricht diesem Wunsch nicht nachkommt, entsteht Unruhe, weil Kinder dieses langsamere Vorgehen nicht mehr ertragen.

    Daher auch die Schere im Unterricht. Kinder, die noch ein Leben mit weniger Medienkonsum haben, noch viel spielen, draußen sind, Sport treiben etc., mit Freunden unterwegs sind, haben ganz andere Prägungen. Unterrichts-Einheiten, wie sie zu meiner Schulzeit noch möglich waren, sind heute, so meine Wahrnehmung, nicht mehr möglich, die Leistungen und auch die Ausdauer können bei einigen Kindern nicht mehr vorausgesetzt werden.

    Wenn ein Hirn andauernd fehlbeschossen wird, passt es sich an. Ich gehe davon aus, dass, genauso wie man seinen Körper in einen Fehlstoffwechsel bringen kann (durch falsches Essen, fehlende Bewegung etc), man sein Hirn auch in so einen Zustand kriegt. Nicht grundlos werden die ADHS-Fälle immer mehr. Sicher gibt es auch "natürliche Fälle" mit angeborener Stoffwechselstörung, aber ich glaube, man müsste ADHS in zwei Diagnostiken stecken, welche Ursache es hat, sonst übertüncht man diese mit der Diagnose und der vielleicht anstehenden Medikation nur.

    Ich weiß, es hat nur bedingt mit Quittengelees Thema zu tun, es sind aber meine Gedanken zum Thema "wird es echt unruhiger? Oder bin ich einfach nur gestresster?" Ich meine, es wird wirklich unruhiger, aus den oben aufgeführten Gründen.

    Ich persönlich gehe mit sehr straffen Regeln vor, die ich freundlich und humorvoll einführe und dann straight umsetze. Zudem darf die Klasse, wenn alles gut läuft, bei mehreren Stunden am Stück, zusätzlich zu den regulären Pausen, auch mal "aufstehen und zappeln", in Form eines kurzen Spiels. Danach folgt eine Ruheübung (1min absolute Ruhe, was hörst du?/Klangschale anspielen, wann ist der Klang weg?/Augen zu, ein Papier, sonstiges fallenlassen, wer hört es und wer kann sagen, was usw). Danach geht es mit der Arbeit weiter.

    Zusätzlich dazu bestärke ich die Kinder positiv, die ruhig arbeiten und schimpfe die Unruhigen nicht, sondern gehe hin und frage, was denn in ihnen ist, dass Arbeiten gerade schwierig für sie zu sein scheint. Meist kommt dabei was raus. Auch lasse ich Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Sitzen haben, auch mal im Kreis beim Arbeiten liegen oder aufstehen, wenn sie es brauchen (zB beim Sitzen im Sitzkreis ist das bei mir erlaubt, sich auch auf den Boden zu setzen oder sich zu stellen, ohne dass es heißt "heee, der/die steht aber!!"). Das etwas freiere Bewegen hilft vielen, die in einer Position irgendwann die Krise kriegen.

    Nicht arbeiten ist keine Alternative, aber ich versuche, es ihnen für sie persönlich so angenehm wie möglich zu gestalten.


    Keine Ahnung, ob das hilft...ich habe einfach mal meine Gedanken losgelassen.

    Und jetzt hoppel ich zur Schule. :)

    Du hältst die Erlaubnis bestimmter alkoholischer Getränke für einen Vertrauensbeweis und hoffst, dass sich dann niemand betrinkt.

    Ich finde es vertrauensvoll zu sagen, dass eine Schulfahrt ohne Alkohol auskommen muss und ich hoffe, dass sich niemand betrinkt.


    So haben wir zwei Ansätze und gegenteilige Meinungen. Passiert. 😊

    Da ich eine andere Altersgruppe unterrichte, komme ich nicht in die Nähe dieser Entscheidung und habe meine Ansicht in den Pott gegeben. Dass es andere Menschen anders sehen und machen, ist eher normal.

    Wichtig ist nur, alles hieb- und stichfest zu haben. Sowohl eine Absprache, im Normalmaß Alkohol konsumieren zu dürfen als auch das Verbot und seine Folgen bei Nichtbeachtung. Wenn allerdings ein Gericht schon der Klage stattgibt, dass Kinder beim Übertreten des Verbots heimgeschickt werden (Kosten), dann würde mich das als Lehrkraft ermutigen, eine offene und geklärte Kommunikation mit SuS und Eltern zu verschriftlichen.

    Das hat überhaupt nichts mit "cool" zu tun, sondern mit der Erkenntnis, dass die Durchsetzung eines strikten Alkoholverbots während einer Klassenfahrt mit Sek II Schülern ohnehin scheitern muss....schlicht schon deshalb, weil diese nicht mehr rund um die Uhr unter permanenter Beobachtung stehen müssen und sich selbst legal Alkohol kaufen können. Und andersherum ist es vollkommen weltfremd anzunehmen, ein Alkoholverbot halte die Schüler vom trinken ab.

    Danke!

    Exakt. Die Lösung eines Verbotes nimmt die Spannung aus einer Sache, die eh niemals durchsetzbar ist. Das Aussprechen des Vertrauens seitens der Lehrkraft hilft ebenfalls. Meiner Erfahrung nach halten sich Regeln dann leichter, wenn die SuS das Gefühl haben, ihnen wird echtes Vertrauen entgegengebracht.

    Dann müssen sie nicht gegen ein Verbot antrinken.

    Ich kenne mich rechtlich nicht aus, dazu steht ja schon einiges.

    Aber ich weiß, wie wir als Jugendliche waren. Bei uns war Alkohol komplett verboten und der Physik-LK so besoffen, dass einer der Jungs morgens in meinem Bett aufgewacht ist, weil er total betrunken das Zimmer verwechselt und sich einfach ins Bett gelegt hat. Zu mir. Ich hab es nicht mitbekommen, obwohl lange nicht so voll mit Alkohol wie der Kumpel. Hätte uns mehrfach erwischen können. Trunkenheit UND zusammen im Bett. Kam nie raus (Der Lehrer lebt heute nicht mehr, somit bin ich wohl jetzt safe).

    Ich halte daher die Idee, die Eltern ins Boot zu holen und schriftlich abklären zu lassen, dass ein normaler Konsum von Bier und Wein am Abend ok ist und sich klar an die Regeln gehalten werden muss, nicht über den Durst zu trinken. Mancher kann dann zwei Bier trinken, mancher nur ein halbes, das muss dann jeder selbst wissen. Oder gibt es einen Klassenfahrt-Elternabend? Da könnte man es zum Thema machen.

    Das Verbot ist meines Erachtens nach völlig utopisch - alles, was verboten ist, ist immer reizvoll und es finden sich immer Türen, die man dann halt unerlaubt betritt und Grenzen überschreitet. Also lieber erlauben und vor allem von den Eltern das klare Go kriegen, dass du sowieso als Einzelperson niemals in der Lage wärst, deine ganze Klasse auf Alkohol-frei zu kontrollieren. Ich gehe davon aus, dass du nicht nur mit 10 Leuten fährst. Klare Ansagen, klare Absprachen, klare Strafen, wenn. Hätten wir damals eine Erlaubnis bekommen und zB abends mit dem Lehrer eine Runde zusammen getrunken, wäre es nicht so angespannt-verboten gewesen, sondern entspannter.

    Das ist nur meine Meinung als "Schülerin" quasi. Als Lehrkraft komme ich nicht in solch eine problematische Situation, weil sich Viertklässer glücklicherweise noch ohne Alkohol amüsieren.

    ... Über einen Kurzschluss! 🤭

    In unserer Schulküche fiel dadurch die Kühlung aus und eine Menge guter Hefeteig musste verarbeitet werden. Wir durften uns welchen mitnehmen und so gibt es heute gute Pizza zum Mittagessen! 😁

    Danke an die SL, die den Vormittag für uns "notgebacken" hat und im LZ sich die Heferinge mit Salz stapelten! Manchmal kommt es anders als man denkt... Oder im Fall Hefeteig: manchmal GEHT es anders. ;)

    Wow, Kapa...ich ziehe meinen Hut!


    Ich freue mich seit Schulbeginn (bei uns mit der Anfangskonferenz am Donnerstag, Schulstart war gestern) wie ein Schnitzel.

    In den Ferien habe ich genullt (50) und wurde am Donnerstag von meiner kompletten Kollegschaft sogar mit einer kleinen Band, einer singenden Mann- und Frauschaft und einem eigens für mich geschriebenen Lied empfangen...heute, in meinem Erwachsenenchor ging das genauso weiter. Die haben sich extra in den Ferien getroffen, um für mich etwas einzustudieren.

    Ich kann diese Zuneigungsbekundungen kaum "verkraften", im positiven Sinne. Das Herz ist bis zum Platzen gefüllt und die Freude will zu jeder Ritze raus...

    *strahl*

    Also...ich habe zwar keine Lehrervotings gewonnen (was es alles gibt...), aber bei mir war die Motivation, Lehrerin zu werden, ganz profan:

    Immobilie gekauft, der Nachmittagsunterricht reichte nicht. Überlegt, was ich mit meinem Studium hinkriegen könnte, ohne total aus dem pädagogischen Bereich rauszufallen, Grundschule blieb im Kopf, Initiativbewerbungen geschrieben und durch Bekanntheit in meiner Stadt (durch aktive Musik sind Musiklehrer/Musiker schnell bekannt, auch in anderen Städten) sofort eingestellt worden, finanzielles Problem gelöst, nächstes Problem angegangen, zwar ein pädagogisches Studium zu haben, aber nicht für Schulklassen.

    Anfangs daher total gekämpft, weil ich methodisch und didaktisch auf Einzelunterricht und Chor eintrainiert war, aber schnell in sicherere Wasser gekommen und festgestellt, dass ich die Arbeit mit Kindern einfach auch hier mag. Ich mag die Gegenseitigkeit im Unterricht, meine Fächer, meine Klassen und bereite auch total gerne Unterricht vor, bzw korrigiere Klassenarbeiten mit Spaß (wobei mir bewusst ist, dass Grundschule einfach in der Korrektur etwas SO anderes ist als in anderen Schulformen). Ich liebe es, die Kinder aktiv einzubeziehen, mit ihnen zu diskutieren und die Themen so zu gestalten, dass sie von sich aus mit Feuereifer dabei sind.

    Das hat mich anfangs nicht dazu bewogen, Lehrerin zu sein, aber mittlerweile ist das meine Motivation, Lehrerin zu bleiben, die Probleme des Anfangs gemeistert zu haben und nun mit Spaß zu unterrichten.

    In dieses HSS muss ich mich erst einlesen, aber insgesamt scheint die Suche nach immer mehr Input ebenfalls mit dem Hirnstoffwechsel zu tun zu haben.

    Ich stehe da erst ganz am Anfang, aber so, wie ich es verstanden habe, sendet und empfängt das Hirn durch den gestörten Stoffwechsel anders. ADHS ist ja auch so eine Störung und Hypersensibilität sicher auch, auch wenn es ja nicht als Krankheit beschrieben wird.

    Trotzdem: das Hirn ist normalerweise in der Lage zu filtern und Unwichtiges auszublenden. Dieser Filter ist dann fast komplett runtergefahren. Beispiel von mir: ich sitze im Restaurant mit einer Freundin und höre neben dem, was sie sagt, auch noch alle anderen Gespräche an den Nebentischen mit. Ich will das gar nicht, aber mein Hirn macht es. Folge: ich höre überall mit und nichts richtig. Meine Freundin wertet es dann als Unachtsamkeit, aber das hat damit nichts zu tun.

    Leider dauert es als Kassenpatienten ewig, an Fachtermine zu gelangen, aber ich bin dran.

    Das ist insgesamt der Grund, warum ich dich nach dem Warum gefragt habe. Natürlich ist es völlig ok, so zu sein und nicht nachschauen zu lassen. Manche sind stolz drauf oder auch emotionslos. Sie nehmen es hin. Ich fühle mich belastet, also schaue ich nach Linderung. Wenn es für dich gut so ist, ok. Wenn dieses dauernde Getriebensein dir aber eigentlich nicht gut tut, dann wäre vielleicht der Weg, sich das mal anzuschauen, warum das alles so ist, sicher eine gute Lösungsmöglichkeit und nach meinem Empfinden besser als das dauernde Suchen nach Übertünchung der Symptome. Vielleicht bringt eine Diagnose und eine Medikation die innere Ruhe zurück. Ich bin mir sicher, dass Ruhe dir und deinem Organismus eigentlich auch besser tun würde als ständiger Input, wobei ich nun verstehe, warum du ihn suchst.

    Mir gehts gut, ich weiß, dass wir Lehrer priviligiert sind und es gibts nichts tollerers als die Welt und deren Sinne zu entdecken und zu zu genießen, wenn es besondere Dinge sind, die man vor allem in kunstvollen, edlen Speisen finden kann. Und aufregenden Hotelaufenthalten. Gepaart mit den größten Naturwundern und das Ganze auf die außergewöhnliche Art, die nur HSP kennen.

    Ich muss gestehen, dass ich es nicht schaffe, den Thread hier in seiner Gänze zu verfolgen. Ich habe auf S. 6 etwas geschrieben und habe es bis S. 8 durchgehalten, aber ich fühle sehr starken Stress beim Lesen der ganzen Beiträge, dem Offensichtlichen, dem Unterschwelligen...ich habe dann noch die S. 11 angeschaut, um die Entwicklung zu beobachten und konnte sehen, dass sich die Dynamik dann doch mehr ins Hilfreiche geschoben hat, denn zuerst vermisste ich hier den Respekt und die Wertschätzung von BEIDEN Seiten.

    Was mich immer wieder erstaunt, ist die scheinbare Tatsache, dass du als diagnostizierte HSP so unglaublich viel Input suchst und anscheinend auch brauchst. Du fütterst quasi ständig dein System und möchtest absichtlich in die Überreizung gehen. Natürlich ist das absolut legitim und auch die Frage nach Möglichkeiten ist es. Ich gehe aber nochmals den Weg nach dem Warum. Du hast dich zwar bei mir bedankt (danke dafür), aber ich kann nicht herauslesen, ob du weißt, woher das kommt oder ob du dem auf den Grund gehen möchtest.

    Bei mir zB wird gerade ein großer Apparat in Gang gesetzt, der den Stoffwechsel im Gehirn untersucht und gegebenenfalls mit einer Medikation gewisse Abläufe wieder richtet. Bei mir gibt es neben der diagnostizierten Hypersensibilität nämlich auch Anzeichen von ADHS, was ja total im Widerspruch steht und bei Frauen sich ganz anders darbietet als bei Männern. Daher wird geschaut, wie mein Hirn was in welcher Form verarbeitet und ob mir Erleichterung zu verschaffen ist. Ich wäre sehr dankbar, denn die dauernde Selbstkontrolle mit der dauernden völligen Erschöpfung von allem Äußeren macht das Leben nicht gerade einfach. Da der Stoffwechsel bei mir auch sonst im Organismus nicht funktioniert, wäre das eine Erklärung.

    Ich als HSP stehe gefühlt im völligen Gegensatz zu dir, ich brauche viel Ruhe, muss abschalten und meine Urlaube sind mit zwei Wochen Irland (mit ein paar mir lieben Menschen, die mich gut kennen, die Natur zu durchstromern, die Ruhe zu genießen, die Weite mit den Augen zu erfassen) am finanziellen und auch erlebnismöglichen Limit. Eine Woche NY würde mich zum Beispiel killen und aufregende Hotelaufenthalte würden mich schier überfordern. zB bin ich schon gestresst dadurch, dass es in "meiner Welt" NIE ruhig ist. Die Autobahnkreuze hier sind so gebaut, dass, egal, wo man in meiner Umgebung wohnt, man immer ein Grundrauschen hat, selbst, wenn es ruhig ist. Das ist für mich schon zu viel. Ich kriege es nicht weggedrückt. Andere benennen meinen Wohnplatz als traumhaft und sehr ruhig.

    Von daher interessiert es mich wirklich brennend (GANZ unironisch!), warum das bei dir anders herum ist. Für mich scheint es so, als gäbe es hier zusätzlich zur Hypersensibilität noch irgendwas anderes, das diese Überforderung nahezu sucht und du dich nur dann befriedigt fühlst, wenn du mit vielen Reizen umgeben bist.

    Luxus und schöne Urlaube seien dir gegönnt, ich kann mir das nicht leisten, bin mit meiner Art zu leben aber völlig zufrieden. So wie ich erkläre, dass ich mit zwei Wochen Irland am finanziellen Limit bin (müsste ich ja auch nicht), kannst du von mir aus erklären, wieviel bei dir eine Hotelnacht kostet. Was man aus dieser Information macht, ob sie einen nervt oder antickt, kann man ja selbst entscheiden.

    Was ich vielleicht überlesen habe: gerade wird dir ja geraten, Zusatzausbildungen zu machen, um dich zu fördern und die Zeit zu füllen. Warum nicht? Gerade, wenn du einen Intellekt hast, der sich schnell langweilt, ist das sicherlich eine gute Sache. Mich würde aber noch interessieren, ob der Wunsch nach Abwechslung eher im Kognitiven oder im (körperlich) Aktiven liegt. Ich hatte eher den Eindruck, du willst viel und Abwechslungsreiches erleben, sehen, spüren, da wäre jetzt ein Zusatzstudium, wo man sich mit einer Sache beschäftigt, zwar zeitfüllend, aber wäre es abwechslungsreich? Für den Intellekt sicher gut, aber es wäre sicher noch sinnvoll, zB einen Sport intensiver zu betreiben, den du in den Ferien dann verstärken könntest oder dir, wie gesagt, ein Hobby zu suchen, das dich ausfüllt und worauf du dich bei etwas mehr Freizeit freust.

    Wenn es um die Sinne geht, gibt es ja auch einige Locations, die da helfen. Vom Barfußpfad über Dunkelrestaurants, von Exit-Rooms über den Besuch von Restaurants, die fremdländisches Essen anbieten (muss nicht teuer sein), von Tagesausflügen an Orte, die man nicht kennt (und dann versuchen, ohne Karte durchzusteigen) was auch immer. Ich weiß ja nicht, was für dich banal ist und was erstrebenswert. Wenn alles immer High End sein muss, kann ich eh nicht raten, da kenne ich mich zu wenig aus. Wenn bei mir eine Nacht im Hotel mal 130 Euro kostet, denke ich schon dreimal drüber nach, ob ich das mache, aber da helfen ja schon andere, die da mehr Erfahrung haben.

    Für mich wäre also wirklich die Reflexion wichtig, wie deine Sehnsucht zustande kommt, warum sie da ist, trotz Hypersensibilität und ob es reicht zu versuchen, diese Sehnsüchte zu befriedigen oder ob du schon etwas unternommen hast zu schauen, woher das kommt, wo die Wurzeln liegen, die dieses Getriebensein als Symptom haben. Ich würde mich freuen, wenn du vielleicht kurz darauf eingehst oder mir den Beitrag nennst, den ich vielleicht überlesen habe.

    Meine Frage wäre eher: "Wie kommt es, DASS du dich auf die von dir beschriebene Weise langweilst?"

    Du schreibst, du bist hochsensibel, dein Organismus braucht andauernde Stimulation.

    Das ist interessant, denn ich bin auch hochsensibel und muss immer schauen, dass ich mich eher runterfahre, weil ich viel zu viele Reize habe, die den ganzen Tag auf mich einprasseln. Dass man noch mehr braucht, kenne ich so nicht, aber das heißt ja nix. Du sagst, du brauchst immer mehr und mehr und mehr, um dich zu füttern quasi.

    Ich glaube, ich würde da ansetzen und nicht mehr und mehr und mehr suchen (denn dann wird man automatisch unzufrieden, weil man irgendwann keine steigerbaren Sachen mehr hat, ohne sich total in Gefahr zu bringen), sondern eher überlegen, warum das so ist.

    Warum kannst du nicht mit dir alleine sein, ohne das Gefühl der Leere und der völligen Langeweile?
    Und das meine ich völlig ernst, ohne Wertung, ohne von oben herab.

    Du suchst andauernd Bereiche im Außen, die dich irgendwie innerlich füllen, die dir so viel Aktion bieten, dass du dich zufrieden fühlst. Totale Beschleunigung im Leben, ohne Ruhemomente - so klingt es, wenn ich dich lese. Das Miteinander mit deiner Freundin könnte dir so wichtig sein, WEIL du da Ansprache hast und dich das Außen mitnimmt. Alleine zu sein, für dich zu sein, scheint dir schwer zu fallen, so dass du dich von diesem Zustand ablenken/aus diesem Zustand ausbrechen möchtest.

    Stünde ich vor diesem Problem, würde ich zwei Dinge an den Start bringen:

    1. mir eine Passion suchen, die mich wirklich erfüllt (vor Ort am besten) und da auch wirklich Zeit investieren, bis ich weiß, was das sein könnte. Ich zB habe etwas gesucht, das als Gegenpol zur dauernden Musik bestehen kann, weil mir das zu einseitig wurde. Ich bin in die Fotografie eingetaucht. Das ist für mich Seelenmalerei, dazu die Technik, es gibt genug Menschen, die das interessiert, es entschleunigt, bringt Ruhe rein und macht unglaublich Spaß. Mittlerweile bin ich professionell unterwegs und habe Menschen in Deutschland und Europa, die Ansprechpunkt und auch Reisepunkt sind - und es ist eine Passion, die mit oder ohne Partner/in betrieben werden kann. Einfach nur als Beispiel.

    2. das Innen wieder auf den Weg setzen. Viele Menschen suchen im Außen ihre Befriedigung und ihr "Daheim", dabei ist das Innen fast Brachland und bräuchte dringend Aufmerksamkeit. Autogenes Training (auch für Hochsensibilität gut), Mediation (ist nicht für jeden was und sollte auch am Anfang erst mal unter Führung passieren), das Sich-Beschäftigen mit seinem eigenen Ich - darüber findet man nämlich auch oft einiges heraus, dessen Angehen dann einiges an Zeit braucht. Und gerade, wenn du mit dir nichts anzufangen weißt (so beschreibst du es jedenfalls, wenn ich das richtig lese) oder du mit Unlust auf vieles reagierst, wäre es vielleicht mal etwas Gutes zu schauen, warum das so ist und wie dein Inneres so aussieht.

    Meine Ferien sind oft ein Zusammenspiel aus To-Do-Liste, Treffen mit mir lieben Menschen, die schon auf meine Ferien warten, meinen Hobbys und tatsächlich einfach Ruhe-Zeit nur für mich. Fernseher aus, social medias (auch das Lehrerforum) aus, mich um mich kümmern, self care. zB auch einfach mal durch den Wald gehen und aufmerksam riechen oder zuhören. Sich mit sich selbst unterhalten, den Augen und Ohren Auszeiten gönnen. Habe ich auch erst gelernt...braucht Zeit und Willen, sich mit sich zu beschäftigen.

    Es ist total interessant, wie das erdet und beruhigt. Gerade als Hochsensibler eine durchaus ernstzunehmende Sache.

    Dazu habe ich eine Frage: Von diesen ganzen Hits (Komet, Dorfkinder...), wo bekommt ihr da die Noten her? Und begleitet ihr dann am Klavier, Gitarre, Playback? Ich hab halt ein Liederbuch mit schönen Liedern (Der Papagei ein Vogel ist, Hörst du die Regenwürmer husten, Der Kuckuck und der Esel etc), aber da fehlen die Hits.

    Woher, bitte verratet mir das Geheimnis!

    Ohje...da kann ich ausnahmsweise nicht helfen. Ich brauche nie Noten für sowas, ich höre die Begleitung quasi durch die Melodie hindurch und begleite einfach poppig am Klavier. Da hab ich einfach was Gutes in die Wiege gelegt bekommen und über 20 Jahre Erfahrung. Die Kinder bekommen den Text, meist zeichne ich ihnen noch etwas zum Ausmalen dazu, wenn wir mal zehn Minuten Ruhe machen oder sowas.

    Ich kann nur anbieten: sollte sich bei einem Stück nach LANGER Suche und Nachfragen wirklich nichts finden, wäre ich auch bereit, Akkorde zu Liedern zu schreiben, wenn jemand aus diesem Forum ein Lied unbedingt machen will und es nichts dazu gibt. Schreibt mich dann einfach an. Solange es sich im Rahmen hält und wirklich vorher alles ausgeschöpft wurde, mache ich das gern. Auch Klavierplaybacks erstelle ich manchmal fürs Kollegium - für ein Klassenfest oder sowas.

    Bei Youtube gibt es öfter Playbacks, wenn man das Wort dazu eingibt, bei Spotify kenne ich mich zu wenig aus.


    Achja, weil ich oben gerade einen Musescore-Link gesehen habe: die Pro-Version kostet im Monat, aber da kann man sich dann auch gleich die PDFs laden. Für mich persönlich lohnt sich das nicht, aber vielleicht für andere?

    Oft ist es bei Kindern, die sich in Musik verweigern so, dass sie unsicher sind und/oder "erwachsen geprägt" durch ältere Geschwister zB.

    In der ersten Klasse gibt es noch keine Noten, daher kommuniziere ich mit den Kindern am Anfang gleich, dass es ok ist, wenn man mal ein Stück nicht mitsingen oder mittanzen möchte. Dann darf man zuschauen, aber es gibt eine Sache, die ich nicht toleriere - und das ist Rummaulen und die Klasse aufhetzen. Da reagiere ich scharf. Jeder und jede hat mal das Recht zu sagen: "Mag ich nicht", weil etwas nicht dem Geschmack entspricht oder weil es zu oft dran kam. Für mich ist es ok, wenn ein Kind sich dann mal setzt. Ich mag nur nicht, wenn dieses Kind dann "ist ja uncool!!" oder sowas sagt und womöglich dann begeisterte Kinder mitzieht, die es eigentlich gerne würden, sich aber der Negativ-Dynamik nicht widersetzen können.

    Wenn sich ein Kind unsicher fühlt oder nicht wohl mit dem Song, darf es sich setzen. Fertig. Klappt in der Regel. Die Klassen nehmen diese Regel auf und regulieren sich dann auch selbst ("Setz dich doch, statt zu motzen!"). Sie verstehen nämlich schon mit 6 und 7 Jahren gut, was es bedeutet, eine Meinung zu haben und diese Meinung für sich selbst umzusetzen oder andere mitzuziehen. Im Gegenzug lobe ich immer all diejenigen, die wirklich mitmachen, was auch wieder einige animiert, sich so ein Lob doch auch abholen zu wollen. Gerade, wenn ich Jungs loben kann, bekommt das gerne eine Eigendynamik, die sich lohnt.

    Oft ist es auch so, wenn wir dann anfangen und ich begeistert auf dem Klavier spiele und die Kinder animiere, stehen plötzlich doch alle da und zappeln mit. :D Daher mache ich da keine große Sache draus. Die Kinder mögen es auch lieber, wenn sie selbst Bewegungen zu Liedern erfinden dürfen. Dann ist es mehr "ihr Lied". In der Regel frage ich, welche Bewegungen sie bei welchem Textteil am sinnvollsten finden und meist ergeben sich wirklich gute Sachen. Mit Bewegungen lernen die Kleinen zB auch längere Texte ohne ein Problem. Wir haben gerade mit der ganzen Schule "Schule ist mehr" geübt, die Ersten standen da den anderen Klassen in nichts nach.

    Leichte Lieder sind zB solche, bei denen sich immer nur ein Teil ändert, der Rest aber gleichbleibt. So haben die Kinder schneller Lern-Erfolg:

    "Das Auto von Lucio" (man ersetzt immer ein Wort durch ein Geräusch)
    "Was machen wir mit müden Kindern" (Melodie vom Drunken Sailor, dessen erste Strophe ich dann mit ihnen als Belohnung auch auf Englisch lerne)
    "Im Land der Blaukarierten" (kann man toll die Klasse vierteln und sie selbst Bewegungen aussuchen lassen)
    "Zwei kleine Wölfe" - der Renner - kann man auch im Kanon singen.
    "Die Jahresuhr" mit selbst gebautem Kreistanz oder die Kinder dürfen sich melden, wenn ihr Geburtsmonat dran kommt. Kann man gleich noch checken, ob sie wissen, wann sie Geburtstag haben.
    "Wir werden immer größer" - allerdings habe ich da die dritte Strophe umgedichtet, weil da immer noch steht "auch wenn man uns einsperrt oder uns verdrischt".
    "Wenn du glücklich bist" - auch gerne mal in Englisch, die Kinder lieben es, eine Sprache zu singen, die sie noch nicht lernen dürfen.
    "Das Rap-Huhn" von Janosa ist auch beliebt, da machen auch die mit, die nicht so gerne singen.
    "Herbst-Rock'n Roll" gerade für die kommende Jahreszeit. Mit Bewegungen der Oberrenner.
    "Ein bisschen Mut tut gut" von der Eule (die ist insgesamt toll)
    "Schule der magischen Tiere" kennen fast alle als Filme und Bücher, da kann man auch einiges machen.
    Simone Sommerland-Songs sind genau zu untersuchen. Manche sind schön, andere sind ne Katastrophe oder für Kleinere. Gibt aber einiges Schöne.
    Was alle Kinder gerne mitmachen, sind "Deine Freunde"-Raps. Und witzigerweise ist da NIE ein Textproblem. Die lernen sowas "Cooles" megaschnell, ich bin immer wieder überrascht.

    Gibt natürlich viel mehr, aber ich habe meine Listen in der Schule und nur kurz mal überlegt, was mir so aus dem Stand einfällt, was meine gerne singen.

    Wer ein Smartboard hat und gerne Bewegungslieder singen möchte, kann auch mal bei "Lichterkinder" schauen. Da gibt es den Körperteilblues und "die Hände rauf und runter", "guck mal diese Biene da" und so weiter.

    Beliebt sind auch die "verliebten Zahlen", das ist gerade für Erstklässer toll, es dauert aber etwas, weil viel Text dabei ist oder "wo wo wo", das kennen sie vom Kindergarten und lieben es. Auch Klick Klick Klack Klack hat kaum Text und man muss sehr flink mit den Händen sein.

    Oder Body-Percussion mit beliebten Popsongs. Da gibt es auf dem Smartboard mittlerweile viele Songs, die mit den Percussions-Symbolen unterlegt sind.

    Was immer gut kommt, ist auch, die Lieder mit Instrumenten zu begleiten. Mit Boomwhackers oder mit Orffschen. Gerade, wenn die Harmonien einfach sind (zB nur drei Stück im Lied vorkommen) - oder sie dazu trommeln lassen. Dann kriegt man auch Sing-Unwillige gerne mal in den Kreis dazu.

    Volkslieder lernen Kinder dann, wenn ich ihnen davon erzähle, wie alt die Stücke schon sind und dass sie etwas lernen, das ich schon als Kind gelernt habe. Wenn ich es richtig erzähle, will die Mehrheit es zumindest hören und wenn ich es richtig "bewerbe", dann singen sie es auch total gern.

    Und am allerwichtigsten: immer die EIGENE Haltung überprüfen. Stehe ich voll dahinter? Bin ich selbst begeistert? Kann ich das den Kindern so vermitteln? Von positiver Energie und Spaß lassen sich Kinder wirklich toll leiten. Und wenn es wirklich ok ist, wenn sich eins mal setzt und nicht mitmachen will, dann ist da auch der Druck raus und alles fließt etwas natürlicher.

    So jedenfalls meine Erfahrungen.

    Ich weiß nicht, was ist denn sanft? Kinder müssen ja nun nicht alles ausprobieren, irgendwer muss ihnen sagen, was wo wie ankommt.

    NICHT sanft bedeutet zb: "Du siehst aus wie ne Nutte auf'm Strich!" Und nein, ich bekam das nicht gesagt, aber eine mir sehr nahe Person. Natürlich ging sie trotzdem so, GERADE wegen des Spruchs. Andere sind dann vielleicht total verunsichert etc.

    Sanft bedeutet für mich, das Gespräch zu suchen, warum ein Kind/ein(e) Jugendliche(r) gerade SO einen Kleidungsstil gewählt hat, was ihn/sie dazu bewogen hat - und dann ganz freundlich ein paar Erklärungen zu geben, warum es vielleicht in der Gesamtheit keine so gute Idee ist. Funktioniert bei Fünfjährigen noch nicht (NEIN, ich WILL ABER!!), aber bei Achtjährigen geht das schon, weiß ich aus eigener Erfahrung. :D


    Und zur kommenden Nachfrage: Ja, ich HABE eine gestörte Entwicklung hinter mir, weil ich mich eben als Jugendliche nie ausprobieren konnte.

    Deine Erfahrungen kann ich teilen. Sehr reglementierendes Elternhaus, selbst durchsichtiger Nagellack war verboten. Ich habe nicht rebelliert, sondern alle Aggression an mir selbst ausgelassen, weil ich dachte, ich ticke nicht richtig, dass ich den Wunsch habe, mich da zu verändern. Hat lange gebraucht, mich da rauszukämpfen.

    Kinder und Jugendliche, die nicht die Freiheit haben, sich selbst auszuprobieren und ihr eigenes Selbst-Bewusstsein entwickeln dürfen, haben es später durchaus in vielen Fällen schwerer. Damit meine ich nicht zwingend den Schulbesuch mit Schul-Uniform, da gibt es Pros und Contras, aber eben das Signal "du bist so nicht richtig!". Oder, wie es durch das Argument der im EP beschriebenen Schule heißt: "Du bist nicht nur so nicht richtig, du sorgst auch noch dafür, dass andere Menschen abgelenkt werden/ungute Gedanken entwickeln könnten". Meine Schülerin ist erbost, andere ziehen den Kopf ein und denken, das sei wahrscheinlich richtig, wenn die Schule das sagt. Und da sehe ich die Gefahr.

    In meiner einen Dritten (jetzt dann Vierten) ist gerade ein Mädel, die sich sehr stark ausprobiert. Bauchfrei, Fake-Piercings, dunkler Nagellack. Ich nehme an, nach irgendeinem Vorbild. Und wie schön war es, dass KEINER in der Klasse auch nur irgendwas Blödes zu ihr gesagt hat und auch meine Kolleginnen, die mit mir in der Klasse sind, sie einfach haben machen lassen. Sie durfte einfach sein. Das wird auch wieder vorbeigehen - und wenn nicht, dann kriegt sie halt nen Goth-Touch.

    Klar ist es sinnvoll, den Kleidungsstil anzupassen, je nachdem, wohin man geht. Das Bewusstsein kann man dafür ja sanft schärfen, da sehe ich kein Problem. Aber ansonsten ist es für Kinder und Jugendliche einfach wichtig, in Freiheit und höchstens mit sanfter Unterstützung ihren eigenen Weg zu suchen. Ich hätte mich meinen eigenen Weg nie zu gehen getraut - und im Nachhinein überlege ich oft, ob ich nicht einfach einiges mehr hätte durchkämpfen sollen gegen die strikten Weg-Vorgaben meiner Eltern.

    Wenn ich als Jugendliche Dinge gut begründet bekommen habe, war meine Akzeptanz auch größer, auch wenn es Verbote waren. Bei dieser Begründung allerdings habe zumindest ich Angst vor Schaden bei Mädchen, die sich den Schuh anziehen und das in sich behalten.

    KEIN Mädchen ist schuld, dass es jemanden ablenken könnte, kein Mädchen ist schuld, wenn Übergriffe passieren. Den Bezug zwischen Kleidung und Ablenkung/Gedanken/Übergriffen überhaupt zu setzen, ist ein Unding. Und wenn eine Schule mit pädagogischem Lehrauftrag sowas macht, dann bin ich da echt ziemlich sprachlos.

    Ich würde, wenn mich ein junger Mensch fragt, wie ich das finde, sagen, wie ich das finde und ihm dann zutrauen, dass er selbst für seine Rechte einstehen kann. Den Hinweis auf Eltern-/Schülervertretung finde ich ebenfalls wichtig, das sind die Gremien, die Personen entsenden, um über die Hausordnung abzustimmen.

    Danke, die Einschätzung hilft mir, genauso wie zwei, drei andere hier, danke. Ich sehe die Schülerin nächste Woche nochmal und werde mich diesbezüglich in diesem Inhaltsrahmen äußern.

    Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass Kinder und Jugendliche in die Schule kommen dürfen, wie sie sich wohlfühlen. Völlige Entgleisungen könnte man ruhig und freundlich ansprechen, aber sonst einfach Akzeptanz zeigen, dass in dem Alter ausprobiert wird.

    Trotzdem kann ich das Hausrecht akzeptieren, wenn es heißt: "Wir hätten es gerne so und so.", solange die Begründung keine Schuldzuweisungen beinhaltet oder sonstwie daneben liegt.

    Ich würde mich nie selbst in andere Schulsysteme einschalten, aber eine Jugendliche bestärken, dass da was ungut läuft und ihr Mut machen, sowas anzusprechen (der Tipp mit der SV ist gut, daran dachte ich zb gar nicht). Nach euren Gedanken mache ich das nur mit ihr selbst aus und lasse die Mutter raus. Danke!

    Es ist relativ offensichtlich, dass dein Antrieb nicht ein sachlicher Wunsch der Schülerin objektiv und vernünftig zu helfen ist, sondern deine eigene emotionale Reaktion.

    Nein. Hätte ich meine eigene emotionale Reaktion, die ich hier zusätzlich schilderte, als Anlass genommen, hätte ich einfach aus dem Bauch raus etwas gesagt und mit ihr dagegen gewettert. So habe ich ihr nur gesagt, dass ich ihr Bauchgefühl teile, ihren Ärger verstehen kann und mich mal etwas kundig mache. Und genau das mache ich hier.

    Die Argumentation ist extrem unpassend.

    Sich dem Anlass entsprechend anzuziehen, finde ich aber grundsätzlich schon angemessen und fände eine Kleiderordnung für Schulen gar nicht so verkehrt.

    Da hast du durchaus Recht. Und dagegen spricht auch nichts. Aber es sollte dann eine Argumentation her, die dem Ganzen gerecht wird und nicht Mädchen eine Schuldfrage zuspricht. "Zieh dich bitte ordentlich an, sonst werden andere Menschen durch DICH abgelenkt."

    Du willst doch mit ihrer Mutter reden, das schreibst du...

    Ja, aber doch niemals über ihren Kopf und niemals ohne sie. Falsche Reihenfolge. Aber du hast Recht, das hätte ich oben besser beschreiben können. Allerdings wäre es insgesamt (und damit meine ich nicht dich jetzt) schöner, wenn mir bei fehlender Information dann eher Fragen gestellt und keine Unterstellungen getätigt würden. Man ist doch nicht perfekt...auch nicht in einem ersten Beitrag in einem Thread.

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