Beiträge von Milli85

    Folgendes Problem. Mir ist zu Ohren gekommen, dass im Seminar auch videogestützte Aufnahmen verlangt werden.
    Ich befinde mich im Quereinstieg und als Teil der Ausbildung exisitiert laut Katalog eine Einheit, in der der Unterricht gefilmt werden soll bzw. damit auch die Schüler.

    Ich wechsle demnächst nochmal die Schule. Da das aber auch auf mich zukommen wird, habe ich in meinen aktuellen Klassen vorsichtig anklingen lassen, wer denn etwas dagegen hätte.

    Das Ergebnis: In jeder Klasse waren mindestens 3 SuS, die ein Problem damit hätten.

    Ich habe dann kurz bei der Seminarleitung angefragt, was man dann machen würde. Antwort: Das ist Ihr Problem und man soll ja nicht päpstlicher sein als der Pabst und würde die Aufnahmen später eh löschen.

    Von meiner bisherigen Schule erhielt ich die Ansage, ich müsste dafür das schriftliche Einverständnis aller Eltern einholen, dürfte gleichermaßen aber die SuS nicht rausschicken, die nicht wollen.

    Offen gesagt: Mir ist das in Zeiten, in denen jeder jeden verklagen kann einfach zu heikel.

    Einige Seminarteilnehmer wollen wohl heimlich filmen, aber auf das Risiko habe ich keine Lust. Immerhin würden die Aufnahmen ja auch in der Cloud gespeichert werden.

    Ich hoffe jetzt auf die neue Schule, aber ich befürchte fast, dass es dort nicht anders werden wird.

    Logisch, wäre das mein Kind, hätte ich vielleicht auch ein Problem damit.

    Gesetzt den Fall ich komme ohne Videoaufnahmen ins Seminar. Könnte man mir das negativ auslegen?

    Alternativ würde ich mich selbst filmen vor leerer Klasse. Quasi als Scheinvideo.

    Ideen sind natürlich immer gern gesehen.

    Es tut mir leid, dass DU so schlechte Erfahrungen gesammelt hast, aber deswegen den Seiteneinstieg zu verteufeln, finde ich etwas unpassend. Den diese Probleme sind eher die Deiner Schule, nicht die des Seiteneinstiegs. An berufsbildenden Schulen gab es diesen schon immer und eine Vielzahl an Personen im Kollegium haben keinen klassischen Weg genommen. Du bist auch nicht an Dein Bundesland gebunden. Jedes BL hat irgendeine Art von Seiteneinstig, mehr oder weniger niederschwellig.

    Das stimmt leider nicht. Ich kann nur innerhalb meines Bundeslandes arbeiten. Weiterhin würde ich dich schon bitten meine Ausführungen richtig zu lesen. Nicht alles lässt sich auf meine Schule zurückführen.

    Dass man direkt ins kalte Wasser geworfen wird und nicht hospitieren kann ist mittlerweile leider fast überall so. Genauso wie die Tatsache, dass es mittlerweile so gehandhabt wird Seiteneinsteiger nicht getrennt von Referendaren im Seminar auszubilden.

    Dadurch erschafft man große Spaltungen, was das Gehalt und auch die Zeit nach dem Vorbereitungsdienst angeht und ich bleibe auch weiterhin dabei, dass ich es als ein Vollversagen empfinde, Seiteneinsteiger vor Grundschulklassen zu stellen. So etwas darf nicht sein. Hier wird Kindern erst einmal gelernt wie sie lesen und schreiben.

    Solange es "nur" Gymnasiasten oder Berufsschüler sind, kann man das noch mit einem Zähneknirrschen hinnehmen. Nicht aber bei Grundschülern.

    Sicher differiert die Quer- und Seiteneinsteigerausbildung zwischen den Ländern, aber Fakt bleibt, dass man wenig Begleitung bei sehr viel Verantwortung erhält.

    Und ja. Da gibt es sicher auch Unterschiede an den Schulen. An meiner war vor 6 Jahren der letzte Referendar und nie ein Seiteneinsteiger in meinem Bereich. Das macht große Unterschiede, aber trotzdem finde ich das generelle System fragwürdig. Auch wenn du selbst Seiteneinsteigerin warst und vielleicht besser unterstützt wurdest.


    Als Lehrkraft im Referendariat, im Seiteneinstieg und oft auch danach muss man nunmal sehr belastbar sein. Und dass du im Referendariat auch ausgebildet wirst bzw. Dinge ggf. nachholen musst, die andere schon im Studium gelernt haben, ist doch auch logisch.

    Das halte ich für Unsinn. Auch hier differiert es.

    Seiteneinsteiger geben von Anfang an über 20 Stunden. Refis hospitieren eine gefühlte Ewigkeit und steigern sich dann schrittweise. Das ist von der Belastbarkeit ein himmelweiter Unterschied und hat nichts mit "Hier spielt jemand Lehrer zu tun."

    Auch haben sie keine 22 Pflichtstunden und permanente Ansprechpartner.


    in Zweiklassensystem, weil ihr alle zusammen im Seminar sitzt? Du sagst, dass die Refis neidisch seien, weil Seiteneinsteiger mehr Geld bekämen und dass die Refis durch ihr Lehramtsstudium mehr Wissen hätten. Dass alle neidisch sind, kann ich nicht beurteilen, würde mich dann aber doch wundern. Den Wissensvorsprung kannst du nacharbeiten. Das musst du nur wollen.

    Dann erklär uns doch bitte, wie man 5 Jahre Studium in einem Jahr nacharbeitet? Wir lauschen alle gespannt. Man hat eine Spaltung, wenn Gehaltsunterschiede da sind und man Seiteneinsteigern unbefristete Verträge gibt und Refis danach um ihre Stelle bangen müssen. Das braucht man nicht zu diskutieren und um das zu wissen, muss man nicht studiert haben. Auch wenn du mit Vorliebe wieder gerne provozierst.

    An eurer Stelle würde ich mir das dringend überlegen, ob ich wirklich an die Grundschule gehe und ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann, Grundschülern möglicherweise mit falsch beigebrachten Fähigkeiten das Leben zur erschweren.

    Seiteneinsteiger an der Berufsschule oder am Gymnasium ist schon schlimm (ich spreche aus eigener Erfahrung) aber als ich das hier mit der Grundschule gelesen habe wurde mir direkt übel.

    Warum? Man wird als Seiteneinsteiger nie das Niveau eines studierten Lehrers erreichen.

    Insbesondere am Anfang nicht. Gleichzeitig wird man teilweise aber vor eine Grundschulklasse (im Extremfall erste Klasse) gestellt, die gar nichts kann und der man die Grundrechenarten und das Lesen und Schreiben erklärt.

    Nun denken sich viele: Nicht so schlimm. Mimi am Haus kann ich locker schreiben, aber so einfach ist das nicht.

    Gerade in der Grundschule ist ein präzises Maß an Didaktik und Methodik nötig.

    Und es ist meines Erachtens die Schulform, bei der man als Seiteneinsteiger den größten Schaden anrichten kann. Je älter sie sind, umso mehr können sie hinterfragen. Ein Erstklässler kann aber nichts hinterfragen, weil er nichts weiß.

    Natürlich werden die Menschen der Schulämter, egal welches BL niemals sagen, dass ihr das nicht machen sollt.

    Die brauchen euch ja, um eure Arbeitskraft zu nutzen. Die Langzeitschäden werden dann meist erst in weiterführenden Schule sichtbar und man sollte sich ohnehin gut überlegen, ob man den Quereinstieg wirklich macht.

    wenn du die vorgeschriebene Mindestanzahl an Noten erhoben hast, ist doch alles paletti. Andere Mütter regen sich auf, dass ihr Kind noch eine weitere Leistung abgegeben muss. So what. Eltern regen sich schnell mal auf.
    Biete ihr an, ihr Kind im nächsten Halbjahr besonders oft abgeben zu lassen, damit sich alles wieder ausgleicht. I
    m Übrigen ist der Mutter sicher klar: je mehr Noten, desto weniger fällt eine einzelne Note ins Gewicht?

    Lass dich nciht verunsichern von scheinbarem Gerechtigkeitsgefühl

    Mich hat dieses hin und her extrem verunsichert. Ganz offen gestanden.

    Und ja. Eigentlich ist es ja meine Sache wie und ob ich wann einsammle.

    Wie jemand sagte, gleicht sich das ja theoretisch eh aus.

    Also für mich als Zusammenfassung: Solange ich drei Noten habe ist es egal, ob ich noch weitere mache und ob ein Ungleichgewicht besteht?
    Aber ja. Aufregen tut sich immer irgendwer.

    Kann es sein, dass deine Vorstellungen vom Beruf nicht sooo realisti :flieh: sch waren? Das ist keine bös gem,einte, sondern eine ganz vorsichtige Frage

    Ich hatte sehr realistische Vorstellungen und kannte die Bedingungen auch von anderen Schulen. Wie sehr sich der Seiteneinstieg aber doch unterscheidet und was es für Abgründe auftut hat nichts mit Berufsvorstellungen zu tun.

    Das ist ein Systemfehler und so gewinnt man keine Lehrer.

    Ich zweifle nicht an meinem Job, sondern dem Weg der Ausbildung. Den hätte ich anders einschlagen sollen.

    So sympathisch


    Dass du viel Unterrichten und gleichzeitig Didaktik und Pädagogik nacharbeiten musst, hat dich doch hoffentlich nicht überrascht.

    Was genau stört dich daran, dass Seiteneinsteiger mit Referendaren in der Ausbildung sitzen?

    Steht alles oben. Einfach nur lesen, werter Herr Schmidt.

    Warum man damit ein 2 Klassensystem schafft, steht eindeutig da.

    Oh Gott, was habt ihr denn alle für schreckliche Schulleitungen und Kolleg*innen. Mir tut das in der Seele weh sowas zu hören. Jetzt haben wir vielleicht Glück und unsere Schule ist immer sehr beliebt bei LAAs und Personen aus dem Seiteneinstieg. Wir sind aber auch kein Gymnasium.😉 Außerdem ist diese Ausbildung bei uns Normalität.
    Mir tut deine Situation total leid.

    Mittlerweile kann ich auch einen Ansatz von Selbstmitleid für mich empfinden, was in der Vergangenheit kaum noch funktioniert hat.

    Aber ich hoffe auf Besserung. Bin da ja endlich weg.

    Wie gesagt, kann ja auch sein, dass ich einfach nur einen Klogriff bei der Schule hatte, aber die Ausbildungsbedingungen sind zumindest hier wirklich so und das Seminar hat ja auch wenig mit der Schule zu tun.

    Was läuft gut an der Schule?

    Was hast du gemacht, um die Situation zu ändern?

    Ehrlich gesagt wenige Dinge. Daher habe ich ja auch gewechselt. Meine Mentorin war gut, aber leider war das auch alles.

    Ausgebrennen kann man auch, weil die berufliche Situation nach dem Ref unsicher ist, Stichwort Zukunftsangst:

    Jetzt entgegne ich dir folgendes: Bei allen 16 Bundesländern findest du immer eine Schule, die dich auch mit schlechtem Schnitt nimmt. Als Seiteneinsteiger bist du Länder gebunden.

    Was machst du, wenn du im Urlaub deine große Liebe aus Hamburg kennen lernst, aber weißt, dass du aus Kleinhintertupfingen nie rauskommst, weil der Seiteneinstieg nur für dieses BL gilt. Was nun?

    das wurde auch nicht im Ref gelehrt.

    unbestritten, Wie bei so vielen Themen im Schulbereich, leider.

    Zum zweiten Abschnitt:
    Ein riesengroßer Vorteil gegenüber Lehramtsanwärtern nach dem Ref. Aich heute finden längst nicht alle sofort eine Stelle, auch nicht unbedingt in der bevorzugten Region.

    Die Bezahlung dürfte sich auch unterscheiden, vermute ich mal. Zumindest kenne ich es so von NDS, ist aber schon länger her

    Zu einseitig gedacht.

    Was bringen dir Bezahlung und sichere Stelle, wenn du hinterher ausgebrannt bist oder das Ausbildungsziel nie erreichst?

    Bei uns im Seminar sind die Scheidungsraten riesig. Das hält kaum eine Ehe durch. Man muss das ja auch erst einmal schaffen die 20 Stunden Vorbereitung und die zusätzliche Fortbildung zu überstehen.

    In der Fortbildung- das hatte ich vergessen- sitzt man ja nicht nur die Zeit ab. Man muss regelmäßige Aufträge erledigen.

    Das hat ja direkt was vom Bismarckschen Sozialsystem, wo die Rente selten bis nie erreicht wurde.

    Und doch. Wenn ich sehe, wie unsere Refis an die Hand genommen wurden und wie ich mir selbst überlassen wurde, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.

    Es gibt Schulen, die das Absolvieren des Vorbereitungsdienstes parallel zum Quereinstieg anbieten. Ist natürlich anstrengend, endet aber mit dem 2. Staatsexamen und der Verbeamtung.

    Wäre das was für Dich?

    Inwiefern? Ich bin ja an mein BL gebunden.

    Und ich kann jetzt auch nicht ohne weiteres wechseln, da ich zum einen schon die Schule gewechselt habe und zum anderen aus anderen Gründen gebunden bin das zumindest durchzuziehen.
    Für mich ist der Zug definitiv abgefahren. Es sei denn, ich falle durch. Wobei ich auch dann nicht ohne Repressalien sagen könnte, dass ich im gleichen BL das Ref mache. Ich müsste dann das Bundesland wechseln und alles neu einreichen.

    Aber ich schreibe den Post auch in der Hoffnung, dass es andere, die überlegen lesen und ihre Entscheidung vielleicht überdenken.

    Oder eine Entfristung aus einem mehrjährigen (ketten-)befristeten Tarifbeschäftigungsverhältnis heraus. (Finanziell weniger interessant weil i.d.R. dauerhaft TV-L E12.)

    Ich wurde bereits unbefristet eingestellt. Das war schon eine Verbesserung. Allerdings stellt das auch wieder einen Unterschied zu den LAAs dar, die nicht wissen, an welcher Schule sie nach dem Vorbereitungsdienst landen werden.

    Ich war bereits fest eingestellt. Dennoch hätte ich an meiner Schule nicht bleiben wollen.

    Interessant wäre zu erfahren, welches Bundesland deine Schilderungen betreffen. In NRW gibt es nur Seiteneinstieg mit Pädagogischer Einführung oder Referendariat (OBAS).

    In meinen anderen Themen wird das BL ersichtlich. Ich habe es hier bewusst nicht explizit ergänzt, damit man mich nicht zuordnen kann. Sicher ist das auch Ländersache und ich kann nur für mein BL sprechen. Das muss man ganz klar hervorheben.

    Dennoch fühle ich mich ein Stück weit in die Mausefalle getreten. Um nicht zu sagen verheizt. Ich wusste ein Stück weit, was auf mich zukommt, aber wenn ich von den Versprechungen am Anfang ausgehe hat sich kaum etwas davon bewahrheitet.

    Die Gymnasiallehrer waren übrigens die allerschlimmsten, was die Arroganz betraf. Ich hatte an der Berufsschule auch die Abiturienten und kam als Erste in diesen Bereich, die nicht den klassischen Weg gegangen war. Irgendwann habe ich aufgehört die bissigen Kommentare zu zählen und konnte mich davon glücklicherweise gut distanzieren, weil ich insgeheim dachte, dass viele von ihnen aufgrund ihres Alters nur noch den Tunnelblick haben und in 5 Jahren eh ihre Pension antreten. Mein Eindruck war, dass man sich gerade in diesem Klientel sehr schwer tat neues zuzulassen, aber ja. Auch da möchte ich betonen, dass es gut möglich ist, dass es nur diese eine Schule war und an anderen Einrichtungen anders ist.

    Im Seminar wurde übrigens auch nicht differenziert. Wir saßen neben den Lehramtsanwärtern. Ich war in einem anderen Fach die Einzige, die den Seiteneinstieg gewagt hatte, sodass meine Kollegen in meinem Fachbereich alle Lehramtsanwärter waren. Und ratet mal, was dann die Fachleiterin macht? Richtig, sie passt den Stoff an die Mehrheit an und das waren eben nicht die Seiteneinsteiger. Die geht nach 7 Unterrichtsproben nicht zu meiner Probe mit den gleichen Erwartungen und sagt: Hups, Frau Milli war ja Seiteneinsteigerin im Gegensatz zu allen anderen.

    Leider gab es dann auch dementsprechende Kommentare von den Lehramtsanwärtern. Unser Seminar bestand insgesamt zu 70 Prozent aus Seiteneinsteigern mit einem oder mehr Fächern und zu 30 Prozent aus Seiteneinsteigern. Sobald die LAAs von den Gehaltsdifferenzen hörten, war die Spaltung natürlich erreicht und dementsprechend groß. Sprich: Durch die Seminarzusammentzung hatte man den Effekt, dass man die Auszubildenden gegeneinander aufbringt.

    Insgesamt habe ich an verschiedenen Stellen mitbekommen, wie sehr schlecht über Seiteneinsteiger gesprochen wurde und ging oft inkognito, sodass ich mich nicht als Seiteneinsteiger outete und man davon ausging, dass ich eine Referendarin war.

    Im Lehrerzimmer war böses Blut gegenüber Seiteneinsteigern an der Tagesordnung und man ging einzeln durch, welcher Kollege klassisch Lehramt studiert hatte und welcher nicht, aber auch im Seminar oder in der Öffentlichkeit begegneten mir immer wieder Virurteile. Mein eigener Arzt dachte, dass ich Referendar war und schimpfte lautstark über die Seiteneinsteiger, die ja alle so schlimm und kaum tragbar wären.

    Die ganze Sache hatte fast etwas von Alltagsrassismus.

    Neben der fehlenden Unterstützung an der Schule und einer friss oder stirb Mentalität hatte man also auch noch massenhaft gegen Stigmatisierungen zu kämpfen.

    Und apropos Fortbildung. Es ist ja nicht so, dass man 8 Stunden absitzt und dann geht man nach Hause. Wir hatten ständig noch irgendwelche Aufgaben zu erledigen. Ausarbeitungen, Vorbereitungen auf Prüfungen, Hausaufgaben usw. Teilweise völlig überzogen neben den mehr als 20 Stunden.


    Fazit für mich:

    Man braucht sie, will sie aber eigentlich gar nicht haben. Man möchte am liebsten perfekte Kräfte ohne dafür Zeit und Energie zu investieren. Wenn dann irgendetwas nicht läuft tritt man erstmal nach unten und macht den Seiteineinsteiger verantwortlich. Denn der hat sich ja für die Laufbahn entschieden und bekommt angeblich so viel mehr Geld als der Referendar und hat es sich zugetraut, also muss er auch dafür verantwortlich gemacht werden, wenn Stunden nicht optimal verlaufen.

    Hier läuft etwas in der Bildungspolitik falsch.

    Wenn ich heute noch einmal vor der Entscheidung stehen würde, würde ich vieles anders machen, sprich durchaus Lehrer werden, mich aber nicht für diesen Weg entscheiden. Ich würde die Abstriche von 300 oder 400 Euro in Kauf nehmen und mich gezielt durch das Referendariat ausbilden lassen, mit dem Anspruch auf eine Fehlerkultur und kontinuierliche Begleitung. Die hatte ich nämlich nie.

    Ich denke mittlerweile, dass der Seiteneinstieg nicht die Lösung für Lehrkräftemangel bleibt. Zum einen ist die Ausbildung brutal hart und zum anderen hat man damit schlechter ausgebildete Kräfte und auch den angehenden Lehrkräften tut man damit keinen Gefallen, denn es ist kaum schaffbar und selbst wenn man sich durchkämpft bekommt man den Frust von außen zu spüren.

    Theoretisch müsste ich bald fertig sein. Wenn ich ehrlich bin fühle ich mich oft so, als würde ich in meiner eigenen Suppe schwimmen. Hospitationen bei anderen Kollegen haben mir nur eingeschränkt zugestanden und ich konnte wenig bis selten über den Tellerrand blicken.

    Und ich bin damit kein Einzelfall und es liegt nicht allein an meinen Fehlzeiten. Viele Seiteneinsteigerkollegen berichten ähnliches.

    Um optimalere Bedingungen zu schaffen, müsste man Seiteneinsteiger erst einmal getrennt von den Lehramtsanwärtern ausbilden und meines Erachtens müsste dann auch das Bewertungssystem ein anderes sein. Es ist nun mal ein Unterschied, ob jemand 5 Jahre Lehramt studiert oder auch nicht, wobei ersteres optimaler ist, da man ansonsten ja auch kein klassisches Lehramtsstudium bräuchte.

    Ich kann daher nur jedem, der mit dem Seiten- oder Quereinstieg liebäugelt raten, davon die Finger zu lassen.

    Zumindest an den Schularten von Grundschulen, Gymnasien oder Berufsschulen.

    Wie es an der Realschule ist, weiß ich nicht, aber da dort die Anforderungen an die SuS geringer sind, könnte ich mir vorstellen, dass es noch machbarer wäre.

    Mit Kindern und Familie ist es hinzukommend schwer bis unmöglich. Selbst für einen Single ist es nur schwer zu realisieren, weil die Anforderungen extrem sind und der Stundenumfang einfach zu heftig ist.

    Der Mix aus Ausbildung und über 20 Stunden ist kaum schaffbar.

    An meiner Schulart waren die Jugendlichen wenigstens so fit, dass ihnen gravierende Fehler aufgefallen wären.

    Wenn ich mir aber vorstelle, dass wir auch Seiteneinsteigerkollegen an der Grundschule haben, dann wird es mir direkt schlecht.

    Wir stellen fachfremde Menschen vor eine erste Klasse der Grundschule, in der Kinder schreiben und lesen lernen sollen. Dafür gibt es spezifische Techniken. Die Fehler und Konsequenzen werden sich lebenslang auswirken.

    Meines Erachtens ist der Seiteneinstieg keine Lösung den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Wir ziehen damit das Bildungsniveau nach unten und sollten zusätzlich damit aufhören, die LAAs und Seiteneinsteiger in einen Topf zu schmeißen.

    Also jeder, der darüber nachdenkt, sollte sich überlegen, ob er bei Interesse nicht an eine freie Schule geht oder bei Möglichkeit das Referendariat anschließt.

    Man bekommt keine Unterstützung. Metaphorisch gesagt, wirft man dir in 10 Metern den Rettungsring entgegen, während du gar nicht schwimmen kannst.

    Du bist dir mehr oder weniger selbst überlassen und alle verlangen alles von dir, während du die Grundvoraussetzungen nicht hast. Hinzu kommt, dass man damit schnell zum Sündenbock wird. Nicht nur gesellschaftlich, sondern auch bei den Kollegen und Verantwortlichen.

    Nicht selten gibt es auch im Seminar Neider unter den Fachleitern, die sich rückwirkend vergleichen.


    "Warum bekommt die jetzt so viel Geld? Ich hatte im Ref deutlich weniger zur Verfügung und hatte keine unbefristete Stelle. Bei mir ging es um den Schnitt."

    Man schafft damit eine heftige Spaltung, die man nicht haben muss.

    Für mich kann ich sagen, dass ich mich verheißen ließ.


    Ich werde meine Ausbildung nun noch beenden und hoffe, dass zumindest das neue Kollegium tragbarer ist. Von dem Gedanken, dass es ganzheitlich besser wird, habe ich mich dennoch verabschiedet. Vermutlich wird mich auch an einer anderen Schule niemand an die Hand nehmen, denn dafür hat das System zu wenig Kapazitäten.

    Für mich war es eine Lebenslehre. Ich werde mir zukünftig zwei Mal überlegen, auf was ich mich einlasse und eher auf geliebte Menschen im Umfeld hören, die zu recht ihre Zweifel hatten.

    Wie gesagt mein Rat an alle: Überlegt euch die Sache gut.

    Ich bin seit über einem Jahr Seiteneinsteigerin (vielerorts auch Quereinsteigerin genannt) und würde den Weg so nicht noch einmal gehen.

    Ich hatte damals die Wahl zwischen dem Referendariat und dieser Variante. Weil an einer Schule in meiner Nähe Bedarf bestand und ich mich von der Schulbehörde verheizen ließ, habe ich mich dazu überreden lassen. Ein böser Fehler. Aus heutiger Sicht würde ich in jedem Fall den Vorbereitungsdienst machen.

    Anbei schildere ich euch warum:

    Das erste Problem beginnt damit, dass man von Anfang an vor einer Klasse steht. Man wird direkt ins kalte Wasser geworfen. Ich durfte weder hospitieren, noch an den Fortbildungen teilnehmen, die mir zum Einstieg zugestanden hätten. Es hieß, man würde mich brauchen und man hätte die Zeit nicht noch einmal für die Fortbildung auf mich zu verzichten.

    Zum Glück hatte ich an anderen Schulen in den Jahren davor schon als Vertretungslehrkraft gearbeitet, denn ich war mir komplett selbst überlassen. Man zeigte mir weder wie man ein Klassenbuch führt, noch wo und wie man die Noten einträgt. Ich fand das alles per Mund zu Mund Propaganda heraus.

    Weiter ging es damit, dass sich kaum jemand für mich zuständig fühlte. Ich hatte durch Zufall eine gute Mentorin, die für mich Abminderungsstunden bekam, aber die eigentliche Verantwortliche meiner Ausbildung kümmerte sich im ersten Jahr gar nicht um mich. Ich begriff sehr schnell, dass es nicht darum geht, ob ich es auf Dauer an der Schule schaffe, sondern eher darum, dass man mich auf Dauer verheizen wollte. Das Motto: Hauptsache der Unterricht wird abgedeckt. Sie stieg auch nicht wirklich durch, was der Unterschied zum Referendar war und schmiss alle in einen Topf.

    Als ich dann länger aufgrund eigener Erkrankung und einem Todesfall fehlte, war man nicht mehr so freundlich. Jetzt müssen wir erstmal schauen, wie es mit Ihnen weitergeht hieß es von der Schhulleitung. Zum Glück hatte ich einen unbefristeten Vertag, weshalb man mich nicht rausschmeißen konnte.

    Ich wurde regeros ausgebrannt und obwohl ich selbst nur in Teilzeit arbeitete für mehr Stunden eingesetzt. Von Seiten der Ausbildung gab es schwammige Aussagen. Auch was meine Abminderungsstunden für die begleitende Fortbildung betraf. Mal hieß es ich hätte 3, mal 6 Abminderungsstunden. Die Fortbildungstage dauerten aber 8 Stunden. Gleiches Spiel mit meinem Stundeneinsatz. Plötzlich sollte ich 17 Stunden geben, obwohl ich teilzeitbeschäftigt war. Ich bekam die unmöglichsten Stundenpläne wie alle anderen Seiteneinsteiger. Teilweise gab man uns 8 Stunden am Stück. Oder die erste und die achte Stunde mit 7 Freistunden.

    Durch diese heftige Belastung ist mit der Zeit ein Seiteneinsteiger nach dem anderen weggebrochen, sodass irgendwann nur noch ich und eine Kollegin übrig waren. Wir hatten allein 3 Kündigungen in einem Jahr an der Schule, was auch der Tatsache geschuldet war, dass man 8 Stunden pro Woche in der Fortbildung saß und zusätzlich (bei Vollzeit) noch über 20 Stunden vorbereiten sollte. Ehen gingen kaputt und ich habe so manchen Kollegen erlebt, der sich in der Zeit trennte und aus der gemeinsamen Wohnung auszog. Viele Familienväter wurden vor die Entscheidung gestellt, ob sie sich für den Job oder ihre Kinder entschieden.

    Mit dem Wechsel der Schulleitung wurde es für mich dann richtig heftig. Hinzu kam, dass auch die Verantwortliche für die Ausbildung wechselte. Nun hatte ich keine Verantwortliche für die Ausbildung, der ich egal war sondern das Gegenteil, was dann so aussah, dass ich für alles verantwortlich gemacht wurde.

    Ich sollte mir alle Zwischenprüfungstermine selbst organisieren (wofür ich bei 2 Schulen, da ich noch an einer anderen Einrichtung war allein 3 Monate brauchte) und wurde für alles und jeden zur Verantwortung gezogen. Mittlerweile waren an allen Abspachen über 8 Leute beteiligt, wobei nahe liegt, dass dann irgendwo und bei der Vielzahl an Menschen zwangsläufig Kommunikationsprobleme auftreten.

    Scheinbar war niemandem klar, dass ich mich noch im Lernprozess befinde und nie klassisch Lehramt studiert hatte.

    Offensichtlich war das auch vielen Kollegen ein Dorn im Auge, denn im Lehrerzimmer wurden regelmäßig Witze über Seiteneinsteiger gerissen und


    Der neuen Schulleitung war ich aus mir bis heute nicht ersichtlichen Gründen ein Dorn im Auge. Hospitationen wurden am Abend angekündigt und er versuchte mir permanent eins reinzuwürgen. Es gab vorhaltende Gespräche und permanente Schikanen.

    Wie genau möchte ich hier nicht schildern. Irgendwann erfuhr ich durch meine Seminarleitung, dass er gebeten hatte aufgrund meiner langen Krankheitszeiten meine Ausbildung zu verlängern, damit er mich noch länger schikanieren konnte.

    Eine Schikane sah dann so aus, dass ich fortan eine Kollegin in den Unterricht bekam, die jede Stunde bei mir saß und die das Salz in der Suppe suchte.

    Ich kannte konstruktive Kritik von meiner Mentorin, für die ich dankbar war, aber das hier hatte nichts mehr mit sachlicher Kritik zu tun.

    Es fielen permanente Beleidigungen wie "So wird das nie was" oder "Sie kommen jetzt bald ins zweite Jahr. Haben Sie überhaupt die Fortbildung besucht?"

    Da war für mich der Kanal endgültig voll und ich wandte mich an den Referenten meiner Schulform und an meine Schulbehörde, die plötzlich reges Interesse zeigte.

    Plötzlich hatte man reges Interesse für mich und meine mittlerweile 14 Seiten Beschwerden und dann ging alles recht schnell und mir wurde vorgeschlagen die Schule zu wechseln, was ich nun auch machen werde, obwohl es für mich mit Verlängerung und weiteren Anfahrtswegen verbunden ist.


    Ob es nur an meiner Schule lag und ich extremes Pech hatte und jetzt besser wird, kann ich noch nicht beurteilen und da bin ich auch recht vorsichtig.

    Fakt ist, dass ich auch in der begleitenden Fortbildung wie ein Referendar behandelt wurde und es keinerlei Abstriche gab.

    Nicht bei den Unterrichtsbesuchen und auch nicht bei der Zwischenbenotung. Im Gegenteil. Es fiel oftmals der Kommentar, dass ich ja im Referendariat wäre und dieses oder jenes ein Lernprozess ist. Ich habe dann dementsprechend verdutzt geschaut und meinen Gegenüber vom Seminar (diese Kommentare kamen auch von Fachleitern) vorsichtig darauf verwiesen, dass es zwischen mir und dem Referendar schon einige Unterschiede gibt. Gefühlt möchte das nämlich niemand sehen.

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